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Re: zu den Meldungen aus der Landwirtschaft

Verfasst: Di 16. Apr 2019, 14:29
von Teetrinkerin
penelope hat geschrieben:Es kommt nur hier und im anderen Thread sehr oft so rüber, als wären Landwirte unendlich benachteiligt gegenüber allen möglichen anderen Gewerbetreibenden. Das finde ich halt recht eindimensional und denke, dass da häufiger mal auf recht hohem Niveau "gejammert" wird.
Genau das Gefühl habe ich auch sehr häufig. Kürzlich war in der Presse, dass die Düngemittelverordnung verschärft wird. Sofort gab es einen Aufstand der Landwirte. Ja, ich kann nachvollziehen, dass das für viele Landwirte echt sehr ungünstig ist. Aber wir haben ein massives Problem, dass wir bald unser Trinkwasser nicht mehr trinken können. Und ja, ich frage mich auch manchmal, ob Landwirte sich darüber Gedanken machen und sich fragen, wenn sie ihre Ställe für noch weitere hunderte oder gar tausende Tiere erweitern, dass das schlicht ein Problem mit sich bringt. Ja, ich kann nachempfinden, dass viele Landwirte unter Druck stehen, wenn es darum geht, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Aber es geht doch nicht nur darum, wohin ihre Zukunft geht. Ich möchte gerne auch in 10 Jahren noch unser Trinkwasser trinken.

Wir haben echt massive Probleme - die Humusschicht baut immer mehr ab, wir haben in Teilen Deutschlands schon Steppe, die Insektenwelt stirbt aus, viele Wildpflanzen stehen auf der roten Liste. Wir ALLE müssen endlich umdenken - sowohl derjenige, der jede Woche zwei Mal Discounter-Steaks auf den Grill wirft, als auch der, der seinen Garten in eine Steinwüste verwandelt, als auch der, der Landwirtschaft betreibt, als auch Konzerne, die alles legitimieren, sofern sie ein gutes Geschäft machen. Es geht um unsere Erde, es geht darum, dass nach uns noch weitere Generationen kommen.

Ja, ich weiß, dass es schwierig ist für die heutigen Landwirte (das war es aber auch schon vor 10, 20, 50 oder 100 Jahren). Und ja, ich kann es nachfühlen. Ich bin selbst auf einem bewirtschafteten Bauernhof groß geworden. Ich weiß, was es heißt, jeden Tag zu schuften. Aber ich weiß auch, was es heißt, einer "normalen" Erwerbsarbeit nachzugehen - auch das ist nicht immer rosig.

Re: zu den Meldungen aus der Landwirtschaft

Verfasst: Di 16. Apr 2019, 15:20
von Rohana
Das Problem am Problem ist nicht die Gülle, sondern die zu simple Verknüpfung von Gülledüngung == Trinkwasserverschmutzung. Was nützen immer "schärfere" Regelungen, wenn sie an der Praxis vorbeigehen? Wirklich geholfen ist niemandem. Ich hab oft genug das Gefühl, dass es nicht darum geht effektiven Trinkwasserschutz zu betreiben, sondern dass die Politik etwas hat womit sie das Volk befriedigen kann.

Re: zu den Meldungen aus der Landwirtschaft

Verfasst: Di 16. Apr 2019, 18:26
von emil17
Rohana hat geschrieben:Das Problem am Problem ist nicht die Gülle, sondern die zu simple Verknüpfung von Gülledüngung == Trinkwasserverschmutzung.
Leider gibt es genug Gebiete, wo es so einfach ist.

Re: zu den Meldungen aus der Landwirtschaft

Verfasst: Di 16. Apr 2019, 19:37
von Teetrinkerin
@Rohana,
ich lasse mich gerne aufklären. Woher kommt der hohe Nitrateintrag im Trinkwasser?

Re: zu den Meldungen aus der Landwirtschaft

Verfasst: Di 16. Apr 2019, 20:02
von sybille
penelope hat geschrieben:Es kommt nur hier und im anderen Thread sehr oft so rüber, als wären Landwirte unendlich benachteiligt gegenüber allen möglichen anderen Gewerbetreibenden. Das finde ich halt recht eindimensional und denke, dass da häufiger mal auf recht hohem Niveau "gejammert" wird.
Dieser Meinung bin ich allerdings auch.
Für den Stundenlohn, den ich brutto verlange, würden andere Menschen nicht den Fuß aus dem Bett heben und trotzdem mache ich es ohne zu jammern weil ich in einem Gewerbe arbeite wo nicht mehr gezahlt wird.

Re: zu den Meldungen aus der Landwirtschaft

Verfasst: Mi 17. Apr 2019, 07:02
von Rohana
Teetrinkerin hat geschrieben:@Rohana,
ich lasse mich gerne aufklären. Woher kommt der hohe Nitrateintrag im Trinkwasser?
Wurde hier schon des langen und breiten diskutiert: https://www.selbstvers.org/forum/viewto ... 27&t=13655 :)
Insbesondere https://www.selbstvers.org/forum/viewto ... 70#p320745 und folgende.
sybille hat geschrieben:Für den Stundenlohn, den ich brutto verlange, würden andere Menschen nicht den Fuß aus dem Bett heben und trotzdem mache ich es ohne zu jammern weil ich in einem Gewerbe arbeite wo nicht mehr gezahlt wird.
Ein ausgerechneter weil nicht existenter "Stundenlohn" weit unter Mindestlohnniveau ist in der Landwirtschaft zumindest bei Familienbetrieben ziemlich normal. Ich fürchte, auch Selbstständige aus anderen Branchen kennen das Problem.

Re: zu den Meldungen aus der Landwirtschaft

Verfasst: Mi 17. Apr 2019, 12:27
von Benutzer 72 gelöscht
Rohana hat geschrieben:Ein ausgerechneter weil nicht existenter "Stundenlohn" weit unter Mindestlohnniveau ist in der Landwirtschaft zumindest bei Familienbetrieben ziemlich normal. Ich fürchte, auch Selbstständige aus anderen Branchen kennen das Problem.
eben, du sagst es eh:
Das ist kein Problem der Landwirtschaft - das ist ein Problem der Selbstständigen bzw. (noch mehr) der Familienbetriebe!! :)

Bei der Gülle-Diskussion vermisse ich einen Hinweis darauf, dass "dichter Viehbestand" nicht erhöhte Gülleausbringung an dem Ort bedeutet, weil die Gülle meistens woanders ausgebracht wird.
Wer zahlt da dann eigentlich?
Der, der die Gülle (als guten Dünger) bekommt oder der, der die Gülle loswird (entsorgt bekommt)?

Re: zu den Meldungen aus der Landwirtschaft

Verfasst: Mi 17. Apr 2019, 18:26
von sybille
Ein ausgerechneter weil nicht existenter "Stundenlohn" weit unter Mindestlohnniveau ist in der Landwirtschaft zumindest bei Familienbetrieben ziemlich normal. Ich fürchte, auch Selbstständige aus anderen Branchen kennen das Problem.
Warum jammern denn dann nur die Bauern und wir anderen Selbstständigen gehen uns zufrieden mit dem was wir haben?

Re: zu den Meldungen aus der Landwirtschaft

Verfasst: Mi 17. Apr 2019, 18:36
von emil17
Rohana hat geschrieben:
Teetrinkerin hat geschrieben:@Rohana,
ich lasse mich gerne aufklären. Woher kommt der hohe Nitrateintrag im Trinkwasser?
Wurde hier schon des langen und breiten diskutiert: https://www.selbstvers.org/forum/viewto ... 27&t=13655 :)
Insbesondere https://www.selbstvers.org/forum/viewto ... 70#p320745 und folgende.
Diese Statistik gibt keine Antwort auf die Frage.
Ich habe damals ebendort gesagt, warum diese Statistik keine Statistik, sondern Willkür ist:
https://www.selbstvers.org/forum/viewto ... #p320969te]
... under anderem deshalb, weil nur rot dargestellt ist, wo mehr als die Hälte aller Messwerte über dem gesetzlichen Gernzwert liegen ... das impliziert den Umkehrschluss, dass überall dort, wo weniger als jeder zweite Messwert darüber sind, gar kein Problem besteht.
Ich wiederhole es gern: Jeder einzige überschrittene Grenzwert zwingt die Behörde bereits zum Handeln! Wenn man wie im Link nur das als bedenklich (rot) einzeichnet, wo mehr als die Hälfte aller Werte zu hoch sind, (also der Einfachheit halber gleich selbst definiert, was der Grenzwert bedeutet) und auch noch behauptet, es seien die geringer belasteten Quellen im Messnetz untervertreten, dann ist das eine extrem parteiische "Sachverhaltsdarstellung" und es wird einfach das Problem wegdiskutiert.
Das Nitrat -im-Trinkwasser-Problem ist dann gelöst, wenn man keine unzulässig hohen Werte mehr findet, nicht wenn im Durchschnitt mehrerer Wasserherkünfte oder Messungen die Werte häufiger darunter als darüber liegen!

Solche Darstellungen sind einer der Gründe, warum die Landwirtschaft ein Öffentlichkeitsproblem hat, und ein schönes Beispiel, wie man es nicht machen soll, wenn einem an seriöser Öffentlichkeitsinformation gelegen ist. Niemand lässt sich gern für blöd verkaufen.

Re: zu den Meldungen aus der Landwirtschaft

Verfasst: Mi 17. Apr 2019, 18:44
von Benutzer 4754 gelöscht
Emil, dann müssen wir den selben Weg wie die Niederlande gehen und eben "alle 20m" einen Messebrunnen bohren.

und wie erklärst du das die Magdeburger Börde die geringste Viehdichte in ganz Deutschland hat (gemessen an ausgebrachtem Stickstoff aus Wirtschaftsdünger) und nahezu komplett ins "rote Gebiet" fällt,
also herbe Abschläge bei der Dünung hinnehmen muss?
Und wie erklärt du das es unter allen Großstädten/dicht besiedelten Gebieten zu horrenden Überschreitungen kommt?
Im Schottervorgarten kann keiner Gülle fahren...
emil17 hat geschrieben:
Rohana hat geschrieben:Das Problem am Problem ist nicht die Gülle, sondern die zu simple Verknüpfung von Gülledüngung == Trinkwasserverschmutzung.
Leider gibt es genug Gebiete, wo es so einfach ist.
Genug Gebiete?
Das sind in ganz DE genau zwei Landkreise...