Seite 3 von 9
Re: Die gute alte Zeit der reparaturfreundlichen Fahrzeuge
Verfasst: Sa 21. Okt 2017, 22:48
von Olaf
Mein Teil hatte etwa 1/2 Zoll dicke Treibstoffleitungen mit ca. 5mm dicken Schlauchwänden, die haben da wohl Restbestände irgendwelcher Panzerhydraulik verbaut.
Warum denn nicht, das funzt ja immerhin.
Also ich selbst hatte ja nur einen Lada Samara. Den, das kann ich jetzt schon sagen, einzigen Neuwagen meines Lebens.
WIe soll ichs sagen, die Russen können mit Polymeren nicht. Ich fuhr nur wegen lausigen Scheibenwischergummis hin, kurz nach Kauf des edlen Gefährts. Und ungefragt fragte olle Hartmut, da liefen die Hühner auf dem Hof vor der Werkstatt, und 20 Jahre später haben wir uns wieder getroffen, weil ich ihm ne Laufente abgekauft habe (man begegnet sich wirklich 2mal im Leben)....
Also Hartmut fragte, "haben sich bei Ihnen auch die Türverkleidungen runtergerollt bei der Hitze?"" Nö, bei mir sind nur die Scheibenwischergummis scheiße." Natürlich hatte der noch ein schlechtes Gewissen. Als ich die Karre gekauft habe ging der Tacho nicht, bin ich gleich wieder ungedreht. Fast wollt ich schreiben, "ismenitje menja", aber nein, der hat auf deutsch, der ist Deutscher, aber es kommt einem dort alles russisch vor, gesagt: ´schuldigung, musss ich die Pese wieder dranschrauben.
Dann wars erst mal ne gute Karre. Irgendwann war der Wärmetauscher für die Heizung dicht. Da war ne Art Knete drin, Hartmut konnte sich auch nicht erklären, wo die Polymere herkamen, aber irgendwie müssen die aus der Kühlflüssigkeit entstanden sein. Nobody knows the trouble i've seen. Aber da muss man locker bleiben, wenn man ne Russenkarre kauft. In der Erinnerung zumindest war es lustig, zu der Zeit hätte man mich wohl besser nicht gefragt.
LG
Olaf
Re: Die gute alte Zeit der reparaturfreundlichen Fahrzeuge
Verfasst: So 22. Okt 2017, 10:49
von emil17
Bei mir hatte der Niva, was man von modernen Fahrzeugen nicht mehr kennt, in der Erinnerung das:
Alles Dinge die lästig sind, liegengeblieben bin ich nie.
- Die Hydraulikschläuche der Treibstoffzufuhr kriegten Risse. Die braucht man, kann man selber auch als Nicht-Schrauber tauschen. (der Händler des Auto-Fachhandels hat mich angesichts des mitgebrachten Musters gefragt, ob ich einen LKW reparieren will)
- Lackierung schlecht, millimeterdicke Schichten die reissen und darunter rostet es kräftig. Braucht man nicht, es fährt trotzdem.
- Ventilator der Innenraumlüftung pfeift wegen Lagerschaden, ohne kannst im Winter nicht fahren weil man nix sieht. Fàhrt man halt mit offenem Fenster.
- Knubbel des Gangschalthebels abgefallen. Man kann auch ohne fahren und das teil wieder anleimen.
- Knopf zur Türverriegelung irgendwann abgefallen. Es fährt auch ohne
- Drahtzug für den Knopf, um einen Sitz umzuklappen hat sich irgendwann zerlegt. Steigt man halt auf der anderen Seite ein und kann man mit Sachen aus der Fahrrad-Ersatzteil-Grabbelkiste wieder zusammenfrickeln. Es fährt ja auch ohne.
- Heizung konnte man nicht abschalten. Da man wegen dem Lüfter sowieso mit offenem Fenster fährt ...
- während dem Fahren ging mal die Heckklappe auf, da sich die Schraube des Festhalteteils von der Heckklappe gelöst hatte. Kann man leicht wieder reparieren, vorher muss man allerdings die Ladung aufsammeln, die herausgefallen ist.
- Drehzahlmesser ging selten oder gar nie - braucht man ja nicht wirklich
- Tankanzeige stand auf voll und ging, wenn er am Verdursten war, innert 10 km auf Null. Braucht man auch nicht wirklich, muss man halt nach Kilometerzähler fahren.
- Reduktionsgetriebe ging nur nach mehrfach Vor- und Rückwärtsfahren und dann nur mit Gewalt rein. Im Gelände nicht witzig, wenn man es erst einlegen will, nachdem man es braucht. Sonst im Gelände sehr gut zu fahren.
- Die Heckklappe ist so konstruiert, dass bei Regen alles Wasser in das Wageninnere läuft, wenn man etwas aus- oder einladen will.
- Gasfeder der Heckklappe lahm, man kriegt einen Nackenschlag, wenn man nicht flink genug beim Laden ist. Abhilfe ist ein Stock passender Länge, den man mitführt.
- Blinker ging oft nur, nachdem man kurz die Warmblinkanlage ein- und ausgemacht hat. Verwirrlich für den Hintermann, nicht für einen selbst.
- Wenn bei regen eine Scheinwerferbirne ausgefallen ist, ging plötzlich der Scheibenwischer schneller. Praktisch, denn so merkt man es (falls man es weiss).
- So alle 15'000km zur Werkstatt, um die Kiste abschmieren zu lassen, sonst quietscht sie jämmerlich.
- Immer etwas Ölflecke unter der Karre.
Re: Die gute alte Zeit der reparaturfreundlichen Fahrzeuge
Verfasst: So 22. Okt 2017, 15:12
von Olaf
Ich muste beim lesen wirklich laut lachen.
Mir scheints, Du hast echte Russenmentalität, das gefällt mir. Meinen zugekeimten Wärmetauscher hab ich damals auch nicht auswechseln lassen, es geht auch ohne Heizung. Allerdings hab ich mich dann so dran gewöhnt, dass ich bis heute immer mit extrem kaltem Auto fahre, und son Scheiß wie elektrische Sitzheizung, die Autos der Kinder haben sowas, find ich regelrecht widerlich. Wenn ich allerdings Cristinas Passat (*) und ihren Kango davor zusammennehme, komm ich in Qualität und Quantität auf eine vergleichbare Anzahl Macken incl. dem Stock für die Heckklappe plus die, mit denen man wirklich nicht mehr fahren konnte und weswegen die an Alibaba gingen.
- Immer etwas Ölflecke unter der Karre.
Bei den T2-Fahrern heißt es: "Mein Bulli verliert kein Öl, der markiert sein Revier!"
Das wird beim Niva sicher ähnlich sein.
LG
Olaf
(*) also meiner ist das letzte Bj. vom 35i, 98 oder so, ihrer war zwei Jahre jünger und die pure Katastrophe. Womit wir wieder die Kurve zum Header kriegen. Für meinen hab ich vorhin schon zwei Schablonen zugeschnitten, um das letzte Loch im Schweller zuzuschweißen, den geb ich so schnell nicht her, der zählt noch zu den reparaturfreundlichen Fahrzeugen, der andere nicht mehr.
Re: Die gute alte Zeit der reparaturfreundlichen Fahrzeuge
Verfasst: So 22. Okt 2017, 15:53
von der.Lhagpa
@ Emil17 : ICH WIILL NEN NIVA!!!!!
Klingt nach nem richtigen Auto!
Re: Die gute alte Zeit der reparaturfreundlichen Fahrzeuge
Verfasst: So 22. Okt 2017, 21:12
von emil17
der.Lhagpa hat geschrieben:@ Emil17 : ICH WIILL NEN NIVA!!!!!
Klingt nach nem richtigen Auto!
Nur zu ... Tod meistens durch Rost, also gut unten und im Motorraum schauen vor dem Kauf.
Die Dinger saufen elend viel und sind auf normalen Strassen lahm, auf Feldwegen, Schotterpisten, Schlaglochbahnen und so weiter leben sie auf. Da stört auch die geringe Leistung nicht, weil du von der Strasse fliegst, bevor der Motor wirklich was machen muss.
So im Nachhinein liest es sich ja lustig. War es aber nicht immer.
Um die Russen zu verteidigen: Mein Niva wurde kurz nach Ende der Sowjetunion hergestellt, als in Russland bezüglich Wirtschaft das reine Chaos war und als die auch für die Serienfertigung improvisieren mussten. So hat man beispielsweise, wenn man irgend eine Verschalung abschraubt, in jedem Loch eine andere Schraube, ohne dass irgend eine technische Notwendigkeit dazu ersichtlich wäre.
Re: Die gute alte Zeit der reparaturfreundlichen Fahrzeuge
Verfasst: So 22. Okt 2017, 21:24
von Manfred
Durch einen Grundkurs in Aerodynamik und ein anständige Feuerverzinkung wäre am Niva schon viel zu machen...
Hier fahren relativ viele davon herum. Alleine bei uns im Dorf mind. 3.
Aber wie du schreibst: Sie saufen und rosten. Eine rollende Persiflage auf Russland.
Polaris wird den Ranger EV 2018 wohl in einer neuen Version mit Li-Ionen-Akku auf den Markt bringen, deutlich leichter und mit mehr Reichweite.
Wäre der um den Preis eines Niva zu haben... läuft aber wohl eher auf das 3-fache raus.
Aber die Dinger sind für die Landwirtschaft in abgelegenen Gegenden gemacht und man kommt überall schnell dran.
Re: Die gute alte Zeit der reparaturfreundlichen Fahrzeuge
Verfasst: So 22. Okt 2017, 21:31
von greymaulkin
Hallo, Emil,
bist du dir sicher, daß du von einem Lada Niva sprichst und nicht von unserem Defender?????
Reparaturfreundlich ist der auch, die Ersatzteile konkurenzlos günstig, weshalb er sich auch gerne und oft reparieren lässt
Gruß, Bärbel
Re: Die gute alte Zeit der reparaturfreundlichen Fahrzeuge
Verfasst: So 22. Okt 2017, 22:04
von emil17
Manfred hat geschrieben:Durch einen Grundkurs in Aerodynamik und ein anständige Feuerverzinkung wäre am Niva schon viel zu machen.
Mir gefällt die Kiste wie sie aussieht, wer es eilig hat braucht ein anderes Auto.
Wenn beim Niva das, was verbaut ist, so wäre, dass es auch zuverlässig funktioniert und eine vernünftige Lebensdauer hat, dann wäre bis auf den hohen Verbrauch schon alles gut. Lieber die Drehzahlmessuhr ganz weglassen als eine verbauen, die irgendwas oder auch gar nichts anzeigt.
Re: Die gute alte Zeit der reparaturfreundlichen Fahrzeuge
Verfasst: So 22. Okt 2017, 22:55
von Fuchur
Das mit dem Verbrauch muß man aber im Vergleich zu anderen Konstruktionen von anno dazumal sehen. Und ein Mercedes 240 GD wird auch kaum weniger verbrauchen trotz Diesel und weniger Leistung (gut, wiegt das doppelte...). Eine größere Limousine aus den 90ern mit Benzinmotor hat auch eher über 10 als drunter genommen. Nur weil der Niva vom Innenraum einem Kleinwagen entspricht ist er nunmal keiner. Ansonsten mal nach sowas wie Suzuki Jimny umschauen (klein, hoch, hart, lahm, Zuschalt- statt Permanentallrad aber auch eine Untersetzung, 3l weniger Verbrauch).
Re: Die gute alte Zeit der reparaturfreundlichen Fahrzeuge
Verfasst: Mo 23. Okt 2017, 07:13
von centauri
Naja die guten alten Jimmys, Lj 80, SJ 410 dürften alle schon bis in die Jagdgründe verrostet sein.
Genau so wie die alten kleinen Patrols uns Rockys. Sieht man alle sehr selten noch.
Rostmässig war nicht nur der Niva schlecht eigentlich waren alle schlecht. Zumindest was den Rost betrifft. Spritverbrauch ist mir da eigentlich eher egal da es sich bei solchen Fahrzeugen eher um reine Arbeitstiere handelt und nicht um Langstreckenfahrzeuge.