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Re: Versorgungssicherheit

Verfasst: Di 7. Feb 2017, 15:45
von fuxi
Lebendigkeit hat geschrieben:Wie könnte ich ihnen das nun schmackhaft machen, mit dem Einlagern?
Für mich hat eine gute Vorratshaltung (und das heißt für mich ein rotierender, alltäglich genutzter Vorrat) zusätzlich zur Katastrophenvorsorge auch noch folgende Vorteile:
  • Geld sparen (weil wir auf Angebote warten und saisonal einkaufen können)
  • Zeit sparen (weil wir statt bis zu 3-mal die Woche nur noch 1-mal pro Woche den regelmäßigen Kram und einige wenige Großeinkäufe machen)
  • weniger Gedanken um Gerichte machen (ich kann schlecht Gerichte planen und dafür einkaufen, bzw. weiß nie worauf wir denn dann wohl Appetit haben werden. Jetzt kann ich mich vom Vorhandenen inspirieren lassen.)
  • keine Last-Minute-Panikkäufe mehr (einkaufen am Tag for einem langen Wochenende? Nie wieder)
  • Faulheit (keine Lust einkaufen zu gehen? Egal, mache ich morgen - ist ja noch genug da)

Re: Versorgungssicherheit

Verfasst: Mi 8. Feb 2017, 10:09
von Renysol
"Ist übrigens auch der Tenor in der engeren Verwandschaft, wenn man das Thema anspricht: Warum soll ich mir Nahrungsmittel bunkern - das machst du doch schon und wenn es im SM nichts mehr gibt, dann kommen wir alle zu dir, weil du kannst uns ja alle mit versorgen."

Das kenne ich auch, wird meistens mit witzigem Unterton vorgebracht, ist aber im Endeffekt vollkommen ernst gemeint. Da muss eine klare Aussage kommen: "Ich first" ;-)

Fuxi, das sind gute Argumente, die du aufführst.

Re: Versorgungssicherheit

Verfasst: Mi 8. Feb 2017, 10:52
von Rohana
An unserem Tisch darf jeder essen, der bei oder mit uns gearbeitet hat. Fällt ja nicht vom Himmel, das gute Zeug! :aeh:
Kaffeekränzchen und Einladungen mal ausgenommen, aber was ist denn das für ne Sitte sich einzuladen weil "du hast es ja"?

Re: Versorgungssicherheit

Verfasst: Mi 8. Feb 2017, 11:24
von Benutzer 146 gelöscht
Rohana hat geschrieben:aber was ist denn das für ne Sitte sich einzuladen weil "du hast es ja"?
das ist ein Missverständnis: am Anfang war das mit dem Nachbarn vermutlich nicht so wörtlich gemeint-
Renysol hat geschrieben:
2. möchte ich, dass sich das Bewusstsein verbessert, denn Vorräte nutzen nur dann was,
wenn die Nachbarn auch welche haben.
- sondern allgemein auf die Situation bezogen, dass bei ernsthaften Versorgungsengpässen die Nicht-Bevorratenden nicht einfach still und leise verhungern würden.
Was "Sitte" ist, spielt da dann eine eher untergeordnete Rolle... :pfeif:

Re: Versorgungssicherheit

Verfasst: Do 9. Feb 2017, 09:03
von hobbygaertnerin
Mich würde interessieren, welche Gesetze und Notverordnungen greifen würden, käme es wirklich zu einer Mangelsituation?
Ein paar Tage Stromausfall wäre ja noch das kleinste Übel.
Über eines bin ich mir klar, die Decke oder Haut der Zivilisation ist dünn.

Re: Versorgungssicherheit

Verfasst: Do 9. Feb 2017, 10:12
von henmen
... ich bin mir relativ sicher, falls ein Stromausfall wie 2005 im Münsterland geschehen, nicht nur regional sondern flächendeckend eintreten sollte, wird das bereits innerhalb weniger Minuten zu extremen Auswirkungen führen und sollte er länger dauern, zu sehr spitzen Ellenbogen auf allen Seiten. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass alles von der Eingangstür im Supermarkt, über die Zapfsäulen an den Tankstellen bis hin zu Kassensystemen, Telefonen und Geldautomaten bzw. die elektronischen Schlösser in Banken, Heizungssteuerungen, Maschinen, Computer, ... nur mit Strom funktionieren, bleibt unser Leben in diesem Fall einfach und zuerst einmal nur stehen. Ein kurzes Erlebnis ohne Einkaufsmöglichkeiten, ohne Heizung, ohne Licht, ohne Bargeld, ohne Benzin oder öffentliche Verkehrsmittel, ohne funktionierenden Arbeitsplatz ... ist vielleicht noch ein kleines Abenteuer, über Tage oder Wochen etwas ganz anderes.

Ich denke eine private Vorsorge, um eine Lücke von mindestens 14 Tagen zu überstehen, ist mehr als sinnvoll (wir waren 2005 "nur" 25 Stunden stromlos - ich werde es dennoch nie vergessen).

Gruß

Henmen

Noch ein kleiner Zusatz: Sollte nur ein einziger Frischelogistikstandort wie beispielsweise das kleine Borgholzhausen betroffen sein, hat das Auswirkungen auf die Gesamtversorgung Deutschlands mit Gemüse, Milchprodukten, Fisch, Wurst- und Fleischwaren und natürlich alles mögliche an Fertig-Food Produkten.

Re: Versorgungssicherheit

Verfasst: Do 9. Feb 2017, 11:51
von Nordwest
Guten Morgen,

als wehrpflichtiger Soldat im ehemaligen Panzerbataillon 74 in Cuxhaven-Altenwalde habe ich die damalige sog. "Norddeutsche Schneekatastrophe 1978/79" hautnah miterlebt.

http://www.ndr.de/kultur/geschichte/chr ... ex100.html

Die obige Seite des NDR gibt dazu einen ganz guten Überblick, siehe auch die entsprechenden Seiten auf Wikipedia.

Das waren wirkliche sehr extreme Wetterbedingungen, selbst mit unseren Panzern war damals kaum ein Durchkommen möglich. Wir Sanitäter waren mit 4 MTW Panzern unterwegs, vor uns immer mehrere überschwere Leopard Bergepanzer, die uns einen Weg durch die Schneemassen bahnten.

ALLES haben wir transportiert, von Dorf zu Dorf, Medikamente, Lebensmittel, zuerst Brot, Notstromeinrichtungen, Trinkwasser, Schneeschaufeln in Mengen, etc.

Als Sanis transportierten wir auch hochschwangere Frauen, diabeteskranke Menschen, alles, was man sich vorstellen kann.
Mehrmals haben wir verirrte Menschen eingesammelt, die sich, trotz aller Warnungen zu Fuß irgendwohin durchschlagen wollten, die Leute waren teilweise völlig panisch, sind stundenlang im Kreis gelaufen, beinahe erfroren.

Beeindruckend war immer wieder die Solidarität und die Hilfsbereitschaft vieler Menschen, gerade in den kleinen Dörfern auf dem platten Land. Wohin wir auch kamen, es gab immer heissen Kaffee, eine Portion warmes Essen, eine geheizte Unterkunft.

Gerade die örtlichen Feuerwehren kann ich sehr loben, das war eine extrem gute Zusammenarbeit! :daumen:

Mein pers. Fazit aus diesen Tagen; betroffene Menschen waren sehr solidarisch, mehr als hilfsbereit, das zwischenmenschliche Miteinander hat funktioniert, Nachbarschaft wurde gelebt, sehr beeindruckend!

Unsere Bundeswehr Ausrüstung war nicht ausreichend, gerade was wintertaugliche Einsatzkleidung anging, aber die Kameraden der US Army haben uns vielfach mit arktistauglicher Kleidung in großer Menge ausgeholfen. Gutes Material, gerade warme Unterwäsche und Winterstiefel haben wir nur zu gerne angenommen.

Insgesamt waren diese Wochen der Schneekatastrophe für uns junge Soldaten ganz sicher prägende und wichtige Erfahrungen, ich möchte diese Erfahrungen nicht missen.

Micha

Re: Versorgungssicherheit

Verfasst: Do 9. Feb 2017, 12:40
von Benutzer 146 gelöscht
Hallo Micha, vielen Dank für das Teilen Deiner Erinnerung!
Nordwest hat geschrieben: Beeindruckend war immer wieder die Solidarität und die Hilfsbereitschaft vieler Menschen, gerade in den kleinen Dörfern auf dem platten Land. Wohin wir auch kamen, es gab immer heissen Kaffee, eine Portion warmes Essen, eine geheizte Unterkunft.
mir fällt dazu ein: Ihr wart damals eher Wenige, und Ihr brachtet Viel mit (Hilfe).
Bei großräumigen, überregionalen Versorgungsengpässen wären es aber eher Viele, die da kämen, und die würden eher Nichts mitbringen. Ich würde nicht darauf bauen, dass unter solchen Umständen die Solidarität und Hilfsbereitschaft der Landbevölkerung lange anhält :hmm:

Re: Versorgungssicherheit

Verfasst: Do 9. Feb 2017, 13:14
von Rati
Renysol hat geschrieben:"Ist übrigens auch der Tenor in der engeren Verwandschaft, wenn man das Thema anspricht: Warum soll ich mir Nahrungsmittel bunkern - das machst du doch schon ..."

Das kenne ich auch, wird meistens mit witzigem Unterton vorgebracht, ist aber im Endeffekt vollkommen ernst gemeint...
dann würde ich mit gleichem witzigem Unterton antworten: "Ich weiß. Und deshalb gehört zu meinem Vorsorgepaket auch ne schöne scharfe Machete." :grr:


Grüße Rati

Re: Versorgungssicherheit

Verfasst: Do 9. Feb 2017, 13:40
von Nordwest
Moin frodo,

die Leute waren damals dankbar, daß überhaupt jemand zur Hilfe in die Dörfer kam, und das war damals eben die Bundeswehr mit den Panzern. Ebenso die Amerikaner aus den regionalen Standorten in der Region, die damals den Menschen dort SEHR geholfen haben.

Die Dörfer waren meterhoch eingeschneit, da ging nichts mehr, Nachbarn hatten kleine Tretwege von Haus zu Haus geschaufelt, alte Menschen in ihren Häusern hatten tagelang keinen Strom, kein Wasser, gar nichts.

In den Dörfern haben sich die Menschen halt so gut wie möglich einander geholfen, waren sozial, das wollte ich gerne betonen, das war meine damalige Erfahrung, eine gute Erfahrung meinerseits. :daumen:

Was ich damals sehr oft gehört habe, waren Worte wie zB, endlich doch die Bundeswehr, unsere Jungs vom Bund lassen uns doch nicht im Stich, gut, daß ihr endlich kommt, wir haben so lange gewartet auf euch...

Das hat mich sehr damals sehr berührt, mir gezeigt, daß dieser Dienst als ein Staatsbürger in Uniform nicht sinnlos war, wir helfen konnten, ein gutes Gefühl.

Micha