@krabbe: Das ist genau der Punkt. Wenn man den Torfabbau wirklich reduzieren und nicht nur verlagern will, dann muss an den Verbrauch reduzieren. Alles andere ist Augenwischerei.
Die Frage ist halt, ob die Verwendung von Ersatzprodukten den CO2-Ausstoß wirklich reduziert.
Da muss man differenzieren zwischen der Zersetzung des abgebauten Torfs bei der Verwendung und der Zersetzung von nicht abgebautem Torf in den Abbaugebieten. Wenn das Abbaugebiet nach dem Abbau wieder vernässt wird, dann ist die Zersetzung des Resttorfes gestoppt.
Und die entstandenen Seenplatten werden dann meist auch noch als besonders wertvolle Biotope geschützt und als Zwangsmittel gegen zukünftige Infrastrukturmaßnahmen eingesetzt...
Ist wie bei den Steinbrüchen. Es ist ökologisch ganz böse, einen Steinbruch anzulegen. Aber hinterher ist es ökologisch noch viel, viel böser, ihm wieder zuzuschütten.
Aber zurück zur Frage: Abbaubedingte CO2-Emissionen entstehen also hauptsächlich dann, wenn der Torf lange trocken liegt und der Rest nach dem Abbau nicht wieder vernässt wird, wie das außerhalb Deutschlands vermutlich öfter der Fall ist als hierzulande.
Den CO2-Ausstoß durch die Zersetzung des abgebauten Torfes bei dessen Verwendung kann man kaum vermeiden.
Ersatzstoffe wie Kokosfasern und Kompost zersetzen sich ja auch und dabei wird nicht weniger CO2 frei.
Da müsste man schon auf humusarme Substrate wie Sand in Kombination mit Nährlösungen ausweichen, was aber bei vielen Torf-Anwendungen gar nicht möglich wäre.
Ich denke deshalb, dass die CO2-Emissionen in Sachen Torfabbau ein nur sehr eingeschränkt anwendbares Argument sind.
Auch müsste man betrachten, ob unsere Moore überhaupt noch in relevantem Umfang CO2 binden können. Dazu muss ja der Wasserspiegel ständig steigen, um die eingefangene organische Substanz von der Luft abzuschließen. Erfolgt das nicht, bildet sich ein Gleichgewicht zwischen CO2-Ein- und Auslagerung.
Abgebaute und wieder vernässte Torfstiche könnten somit sogar im größeren Umfang CO2 binden als die noch intakten Moore.
Vom Umfang her deutlich relevanter wären die trockengelegten und landwirtschaftlich genutzten Moorflächen.
Solche wieder zu vernässen ist für den heimischen Artenschutz natürlich sehr interessant.
Auf der anderen Seite muss jeder qm Boden den wir aus der landwirtschaftlichen Produktion nehmen an anderer Stelle der Natur abgerungen werden. Was ist gewonnen, wenn wir einen qm Moor wieder vernässen, wenn dafür am anderen Ende der Erde ein qm artenreicher Urwald platt gemacht wird?
Ethisch richtig wäre es m.E. wenn wir erst mal auf unserem heimischen Boden unseren Bedarf an Landwirtschaftsprodukten decken würden, statt überall auf der Erde "Kolonialflächen" in Anspruch zu nehmen, damit wir immer mehr eigene Flächen zubauen oder für den örtlichen Naturschutz aus der Nutzung nehmen können.
Das gefällt mir an den SV- und Permakulturkonzepten so gut. Man erzeugt auf seiner Fläche mögl. Nachhaltig mögl. viel von dem, was man braucht und was man an Fläche übrig hat (und seines es winzige Nischen), überlässt man "der Natur".
Leider werden einem dabei überall auf der Erde Knüppel zwischen die Beine geworfen, meist von Möchtegern-Naturschützern.
Bill Mollison dürfe einer der Menschen sein, die mit am meisten in Sachen nachhaltige Landwirtschaft erreicht haben. Und der hat auch einen gewaltigen Brass auf "aus-Prinzip-gegen-alles-Fraktion" im "Naturschutz". Warum wohl...
Ich habe keine Herde von Kindern und Enkeln. Wer über die Zerstörungskraft des Menschen schimpft, sollte über sein Vermehrungsverhalten nachdenken.

Aber ich pflanze trotzdem Bäume für die, die nach mir kommen werden. Und evtl. gelingt es mir sogar, für sie das Recht zu verteidigen, diese Bäume dann auch zu nutzen. Und dieses Recht muss man leider verteidigen gegen Leute, die selbst ihr ganzes Leben lang nichts als heiße Luft und Schadstoffe produzieren und sich trotzdem als "Naturschützer" aufspielen wollen.