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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 5. Apr 2019, 12:45
von emil17
1.
SunOdyssey hat geschrieben:Warum sollte diese/r Landwirt/in denn anders sein al die zigtausend Kollegen in diesem Land? Ich frage auch -btw- was so ein Mensch in einem SV-Forum macht?
Erwerbslandwirte sind wichtig und wir sind in manchen Dingen auch stur wie ein Ochse vor der neuen Stalltüre. Diskutieren mit denen, die schon gleicher Meinung sind, ist einfach.
2.
Rohana hat geschrieben:wie kann das Verursacherprinzip greifen, wenn kein direkter Verursacher zu ermitteln ist bzw. ermittelt wird, und was ist wenn keine illegalen Handlungen ursächlich waren?
Bitte lies genau, was ich fordere: Der Zusammenhang und damit die Evidenz sind mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit gegeben.
Ob Anwendungsfehler bzw. Missachtung der Vorschriften oder falsche Vorschriften oder die Zulassung überhaupt ursächlich sind, kann nur eine Untersuchung zeigen. Die muss aber erfolgen, und das ist mein Vorwurf an die Behörden.
Dass die Substanz aus Spritzbrühen von Landwirten und nicht vom lieben Gott selber stammt, steht für mich ausser Zweifel. Also fängt man da an und forscht rückwärts ... nix Sippenhaft, sondern Ermittlung.
Immerhin zeigen aber Berichte aus dem kantonalen Vollzug, deren Lesenmüssen ich Dir gerne erspare, dass die häufigsten Ursachen von Gewässerbelastungen aus der Landwirtschaft zu hohe Dosierungen und das Nichteinhalten von Abständen zu Gewässern sind. Bei Jauche (dem häufigsten Problem) auch noch das Ausbringen auf gefroreren Boden. Daran sind allemal die Landwirte schuld.

Wenn, wie oben mit Oelkanne diskutiert, die Bedeutung von Grenzwerten aus Kreisen der Landwirtschaft selbst sehr salopp umgedeutet wird "Bedenklich ist es erst, wenn die gleiche Substanz dreimal den Grenzwert überschritten hat" und die Bedeutung überhaupt relativiert wird "die meisten Substanzen waren darunter", müssen Zweifel am Problembewusstsein schon erlaubt sein. Immerhin wird ja in dieser Stellungnahme in Zweifel gezogen, dass überhaupt ein Problem besteht ("Forschungszweck unklar").
Ein Grenzwert ist ganz schlicht eine Kennzahl, die die Behörden zum Handeln zwingt. Er bedeutet nicht, dass die Substanz in geringerer Konzentration unbedenklich ist.

Ein Beispiel aus eigener Erfahrung, wie salopp man mit sowas in gewissen Kreisen umgeht: Ich war als Mittelschüler mal bei einem Erwerbslandwirt. Der wollte was gegen die Fliegen in seinem Stall machen. Das Mittel, das ihm im Geschäft (ich war dabei) empfohlen wurde, hatte recht viel Kleingedrucktes auf rotem Hintergrund auf der Flasche. Da stand, das Vieh darf nach Anwendung zwei Wochen lang nicht eingestallt werden und im gleichen Gebäude dürfen keine Futtermittel gelagert sein. Der Verkäufer sagte, Blödsinn, das steht nur wegen der Zulassung - nicht auf den Kopf der Kühe spritzen und das ist dann gut so. Und so wurde es dann auch gemacht.
Das Mittel enthielt als Wirkstoff vermutlich PCB und ist heute nicht mehr zugelassen.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 5. Apr 2019, 13:22
von Benutzer 6456 gelöscht
Danke auch, Emil, dass offensichtlich nur du hier berechtigt bist, Kommentare zu schreiben! Ich lasse mir das weder von dir noch von anderen verbieten!
Zudem spreche ich hier von meiner Heimat und nicht von der Schweiz! Deshalb, lass auch andere hier leben und komm runter von deinem hohen Ross!

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 5. Apr 2019, 13:48
von Rohana
emil17 hat geschrieben: Ob Anwendungsfehler bzw. Missachtung der Vorschriften oder falsche Vorschriften oder die Zulassung überhaupt ursächlich sind, kann nur eine Untersuchung zeigen. Die muss aber erfolgen, und das ist mein Vorwurf an die Behörden.
Da kommen wir dann zusammen, denn ich fände es auch gut wenn diese Spuren dann weiterverfolgt werden und nich nur als Aufhänger für die nächste böse Meldung über die Landwirtschaft dienen. Persönlich habe ich grossen Respekt vor PSM jeglicher Art (genau wie vor den Wirkstoffen in der Humanmedizin) und für mich ist zum einen klar, dass man vorsichtig und umsichtig damit umgehen muss, aber auch dass sie unter unseren Wirtschaftsbedingungen in bestimmten Situationen nötig sind. Genauso wie generelles Bauernbashing ärgert mich wenn Berufsgenossen nachlässig bis grob fahrlässig oder gar vorsätzlich gesetzeswidrig mit diesen Stoffen umgehen würden, das muss und darf nicht sein - wenn man es denn also nachweisen kann, nur zu (aber: Beweise statt Generalverdacht!). Anders wäre die Lage wenn die bisherigen Anwendungsvorschriften nicht effektiv genug wären, dann muss da nachgebessert werden... insofern wäre ich sehr gespannt auf weitere Ergebnisse einer Folgeuntersuchung, so sie denn stattfindet.
Der Verkäufer sagte, Blödsinn, das steht nur wegen der Zulassung
Ich hab auch schon erlebt dass sich niemand fürs Kleingedruckte interessiert. Ist in meinen Augen ein ganz schmaler Grat zwischen gewissen Dingen, die den Bedingungen der Zulassung geschuldet sind, und tatsächlichen Sachverhalten. Wenn mein TA sagt dass der Wirkstoff idR nach der Hälfte der Wartezeit abgebaut ist, aber die Wartezeit doppelt so lang ist weil die Firma einen Sicherheitspuffer will, glaube ich dem - muss aber die Zulassung beachten. X Tage Wartezeit sind einzuhalten, das ist dann halt so.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 5. Apr 2019, 13:50
von emil17
SunOdyssey hat geschrieben:Danke auch, Emil, dass offensichtlich nur du hier berechtigt bist, Kommentare zu schreiben! Ich lasse mir das weder von dir noch von anderen verbieten!
Mir kam nur gerade das
"Ich frage auch -btw- was so ein Mensch in einem SV-Forum macht?" etwas quer, denn warum sollte "so ein Mensch" hier nicht diskutieren dürfen?.
SunOdyssey hat geschrieben:Zudem spreche ich hier von meiner Heimat und nicht von der Schweiz!
Hier läuft es genau gleich wie bei Euch, nur heissen die Ämter und die Behörden anders.
SunOdyssey hat geschrieben:Deshalb, lass auch andere hier leben und komm runter von deinem hohen Ross!
zur Kenntnis genommen

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 5. Apr 2019, 13:55
von emil17
Rohana hat geschrieben: ...
Danke
Ich träume immer noch vor einer Welt, in der jeder vom Ertrag seiner Erzeugnisse anständig leben kann, ohne dies auf Kosten anderer oder der Umwelt tun zu müssen.
Anständige Preise für anständige Produkte versuchen wir zu bezahlen, aber der Handel scheint daran auch nicht wirklich interessiert zu sein.
da gibts also noch einige Baustellen mehr.
... nur damit nicht der Eindruck aufkommt, verbietet denen das Spritzen und alles ist gut. :flag:

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 5. Apr 2019, 14:31
von Rohana
Nee, wenn das Spritzen erstmal verboten ist, findet sich bestimmt noch was anderes bevor "alles gut" ist :engel:

Aber im Ernst, schön wärs, wenn dein Traum Wirklichkeit würde. Es ist auch nicht so dass ich alles in und an der Landwirtschaft, so wie sie jetzt ist, super und nichts verbesserungswürdig finde, nur hat man von "innen" definitiv einen anderen Blick als von "aussen", vor allem auch auf die begrenzten Spielräume und die ökonomischen Zwänge. Das ist oft sehr frustrierend, insbesondere wenn suggeriert wird "die müssten ja nur dies und das" - was in unserer Realität eben nicht so einfach funktioniert.

In meinem Fastenkalender steht heute etwas ganz passendes dazu: "Man tut eben, was man kann und legt sich dann schlafen." (Paula Modersohn-Becker, 1906)

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 5. Apr 2019, 20:00
von Wildmohn
Rohana hat geschrieben: Aber im Ernst, schön wärs, wenn dein Traum Wirklichkeit würde. Es ist auch nicht so dass ich alles in und an der Landwirtschaft, so wie sie jetzt ist, super und nichts verbesserungswürdig finde, nur hat man von "innen" definitiv einen anderen Blick als von "aussen", vor allem auch auf die begrenzten Spielräume und die ökonomischen Zwänge. Das ist oft sehr frustrierend, insbesondere wenn suggeriert wird "die müssten ja nur dies und das" - was in unserer Realität eben nicht so einfach funktioniert.
Eine lobenswerte Einsicht @Rohana. Ich glaube es Dir, der Markt macht das System Landwirtschaft zu dem, was in der öffentlichen Meinung und Deiner Meinung nach diese zum Prügelknaben degradiert. Momentan sind so viele Veränderungen im Gange, die Welt scheint sich schneller und schneller zu drehen, alle getätigten "Umweltsünden" scheinen sich zu akkumulieren und wir stehen wieder einmal vor dem oft zitierten Babylon.
Immer mehr, immer größer, weiter und schneller geht nun mal nicht. Ein ganzheitlicher Blick in unsere Zukunft würde unserer Turbo-Gesellscht gut zu Gesicht stehen. Veränderungen brauchen bekanntlich Zeit, Einsicht und entsprechende Veränderungen brauchen Zeit und diese Zeit für grundlegende Veränderungen wird langsam knapp. Wie man am ausführlichen Disput zwischen Dir und emil erkennen kann, ist das alles offensichtlich sehr kompliziert.
Eigentlich müsste die Menschheit schon sehr viel weiter vorangeschritten sein in Anbetracht der Probleme, die sie geschaffen hat...

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 5. Apr 2019, 20:23
von sybille
Mir könnte es egal sein da ich nicht mehr die Jüngste bin und keine Nachfahren haben. Aber trotzdem oder gerade deswegen (Erinnerungen an früher) gefällt es mir nicht das unsere Umwelt durch die intensive Landwirtschaft zu Grunde geht.
Rohana denke mal richtig nach! Hier und auch dort (Du weißt was ich meine) widerspricht man Dir heftigst.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 6. Apr 2019, 06:09
von hobbygaertnerin
Ich bin auch nicht mehr die Jüngste und wenn ich mich zurückerinnere, ich fand es als Bauernkind nicht immer so toll, dass ich ständig helfen musste und die anderen Kinder sehr viel Freizeit hatten. Wenn ich zurückdenke, wieviel meine Eltern arbeiten mussten, da war ich mir sicher, dass ich das einmal nicht machen werde.
Hab es dann der Liebe wegen doch gemacht und bin jetzt froh, dass ich einen neuen Lebensabschnitt beginne.
Wenn ein jeder an seinen Platz das macht, was ihm möglich ist, dann ist schon viel gewonnen.
Wenn ich durch unsere Gegend fahre, es ist erschreckend, wieviele Bauern aufhören- aber es wundert mich nicht.
Ein Dorf nach dem anderen wird bauernleer. Keine Fliegen mehr wegen Misthaufen, aber auch keine Schwalben mehr im Stall, niemand stört mehr die dörfliche Idylle, -

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 6. Apr 2019, 07:57
von Rohana
Am Rückgang der Schwalben ist selbstverständlich die intensive Landwirtschaft schuld, so neulich im Spiegel zu lesen. Klar, kann auch gar nicht sein dass es damit zusammenhängt dass immer mehr (kleine) Ställe aufgegeben werden. Ich hab noch keine Rauchschwalbe ausserhalb eines Stalles nisten gesehen! So viele Pferdeställe können gar nicht gebaut werden dass es die Zahl der aufgegebenen Kuhställe ausgleich, bei Schweinen geht ja gar nix mehr mit offenen Fenstern... :hmm: Unsere Population von 30+ Pärchen ist jedenfalls recht konstant, die Mehlschwalben werden wieder mehr.

Sybille: Auch intensives Nachdenken macht nicht, dass das Geld vom Himmel fällt. Das ist so der Haken an der Sache ;)