Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#1971

Beitrag von Rohana »

"Berechtigt" und "angemessen" trifft leider Gottes auf die meiste Kritik an der Landwirtschaft nicht zu, gilt auch für deinen verlinkten Artikel. :roll:
Nein, ich habe weder Lust noch Zeit im Detail darauf einzugehen, die Nitratthematik wurde hier schon des langen und breiten diskutiert.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#1972

Beitrag von emil17 »

Es wurden ja unterhalb der Einleitung von gereinigtem Abwasser festgestellt, dass sich der Zoo unzulässiger Substanzen noch wesentlich erweitert hat.
Dennoch ist die Kritik an der Landwirtschaft als Hauptverursacher der Belastung von Kleingewässern berechtigt, die intensiv genutzte Flächen entwässern.
Wenn es mehrere Hauptverursacher gibt, kann sich der eine nicht damit herausreden, der andere sei schuld - dann passiert nämlich nie etwas.

Zudem geht es nicht um eine Verurteilung der Landwirtschaft als solche, sondern um Behebung des Problems nach Feststellung der Ursache. Hier ist natürlich die Landwirtschaft selbst in der Pflicht, denn die setzt das Zeug schliesslich in grossen Mengen ein und bringt es aus.
Wenn das Problem negiert wird, läuft das wie in der DDR, wo der Sozialismus gemäss offizieller Staatspropaganda solange auf dem Vormarsch war, bis alles in sich zusammengebrochen ist.
Das einzige, was man damit gewinnt, ist Zeit. Die ist teuer erkauft, denn man verliert damit das Wohlwollen der Bevölkerung, die als Nettozahlerin Ansprüche hat und sich nicht jahrzehntelang für dumm verkaufen lässt.
Wenn man solche Berichte wie die Gewässerbelastungsstudie liest und Bilder sieht von riesigen mit Glyphosat abgespritzten Flächen, dann sollte man sich - im Interesse der Landwirtschaft selber - der Feststellung nicht verweigern, dass in der konventionellen Landwirtschaft etwas grundsätzlich schief läuft.
Dass das alles im Interesse der Konsumenten sei und vo diesen so gewollt, kann ja im Ernst keiner glauben.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#1973

Beitrag von Rohana »

Zudem geht es nicht um eine Verurteilung der Landwirtschaft als solche, sondern um Behebung des Problems nach Feststellung der Ursache
Wenn es darum geht, muss man problemlösende Ansätze entwerfen, umsetzen und überprüfen. Da die Landwirtschaft nicht im Vakuum existiert, reicht es allerdings nicht zu sagen XY darf nicht mehr eingesetzt/gemacht werden und alles andere bleibt wie es ist.

Nein, die Gewässerbelastung ist sicher nicht gewollt. Leider will auch niemand die weniger schönen Seiten der Landwirtschaft sehen, auf der einen Seite ist das kleinbäuerliche Idyll gefordert und natürlich hochwertigste Lebensmittel, es darf aber nix kosten - sieht man ja an den Umsatzzahlen. Mit dem aktuellen Volksbegehren in Bayern ist ja schonwieder so ein schöner Brocken gelandet. Wenn die Landwirtschaft 30% "Bio" Bewirtschaftung in Bayern haben soll, dann muss der Verbraucher eben 30% bayrisches Bio in seinen Einkaufskorb legen, da braucht es nichtmal ein Gesetz dazu. Scheint aber so nicht zu klappen... die Schere zwischen "gewollt" und "gehandelt" ist augenscheinlich unüberwindbar :hmm:
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#1974

Beitrag von emil17 »

Nein, es braucht gesetzliche Vorgaben die ausnahmlos durchgesetzt werden. Sonst gibt es Trittbrettfahrer.
Nur so konnten Dinge wie Abgaskatalysator bei Autos usw. durchgesetzt werden.
Man kann nicht auf Kosten der Umwelt produzieren mit der Ausrede, den meisten Konsumenten sei es egal bzw. weil sie es kaufen, seien sie für diese Produktionsweise.

Problematische Pflanzenschutzmittel kann und muss man verbieten. Punkt.
Weil keiner mehr diese Mittel einsetzen darf, ist es dann innerhalb der Landwirtschaft auch wieder fair.

Bei Verschmutzungen, die durch unsachgemässe Anwendung zugelassener Mittel entstehen (Abstand zu Gewässern nicht eingehaöten usw.) hat der Verursacher den Schaden auf eigene Kosten zu beheben und eine Strafe zu zahlen, die so hoch ist, dass er es in Zukunft unterlassen wird. Nur so kann man Umweltschutz durchsetzen, solange noch viele Bauern das als Behördenschikane und sonst unproblematisch auffassen.
Der Konsument kann dann innerhalb des verbleibenden Warenangebots wieder auf billig oder auf Qualität setzen, wie jetzt.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#1975

Beitrag von woidler »

Das gleiche gilt natürlich zB. auch bei der kohleverheizenden Energiewirtschaft, oder beim Speditionsgewerbe , die setzen CO² ja auch nur
im Rahmen des gesetzlich Zulässigen frei und versauen zur Befriedigung der Bedürfnisse der Konsumenten die Umwelt.

Ich habe bisher noch nie gehört, daß man Speditionsbetreibern oder Fernfahrern als Individuen vorwirft , sie würden sich unökologisch verhalten, zB wenn sie Krabben von der Nordsee zum pulen nach Portugal oder sonstwo hinkarren .

Einen Vorwurf könnte man auch einer Verkäuferin von einer Textilkette machen, da Ausbeutermode aus Bangladesch verkauft. Ist auch nicht verboten, und eine Nachfrage gibts auch.

Ganz nebenbei besteht die Bevölkerung nicht aus 50% Konsumenten und 50 % Wählern. Wenn die konventionelle Landwirtschaft so wirtschaftet,
wie sie es darf , dann in Übereinstimmung mit der Mehrheit der Wähler und der Konsumenten.

woidler
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#1976

Beitrag von Rohana »

emil17 hat geschrieben: Man kann nicht auf Kosten der Umwelt produzieren mit der Ausrede, den meisten Konsumenten sei es egal bzw. weil sie es kaufen, seien sie für diese Produktionsweise.
"Auf Kosten der Umwelt" ist letzten Endes unser ganzes Leben. Nur weil man jetzt mit einem enormen Vergrösserungsglas auf die Landwirtschaft guckt, wird der Rest deswegen nicht verschwinden!
Problematische Pflanzenschutzmittel kann und muss man verbieten. Punkt.
Weil keiner mehr diese Mittel einsetzen darf, ist es dann innerhalb der Landwirtschaft auch wieder fair.
Fragt sich halt, was "problematisch" ist - die blosse Existenz von Spuren bzw. Rückständen? Oder deren Einfluss auch in winzigen Dosen?
Konsequent wäre, wenn problematische Wirkstoffe *weltweit* und vollumfänglich verboten würden. So wie es grade passiert, werden Probleme nämlich nur ins Ausland verlagert, bei den Billigimporten fragt ja keiner nach Erzeugungsbedingungen...
Der Konsument kann dann innerhalb des verbleibenden Warenangebots wieder auf billig oder auf Qualität setzen, wie jetzt.
Der Verbraucher kann wählen, der Erzeuger nicht? Nö, das ist nicht in Ordnung. Entweder es gelten Umwelt- und Wettbewerbsstandards für alle, oder eben nicht.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#1977

Beitrag von emil17 »

woidler hat geschrieben: Ganz nebenbei besteht die Bevölkerung nicht aus 50% Konsumenten und 50 % Wählern. Wenn die konventionelle Landwirtschaft so wirtschaftet,
wie sie es darf , dann in Übereinstimmung mit der Mehrheit der Wähler und der Konsumenten.
woidler
Wenn gesetzliche Grenzwerte überschritten werden, dann darf man eben nicht so wirtschaften.
Also hapert es beim Vollzug. Das dürfte politisch und wiederum durch Lobbyismus so gewollt sein.
Ich denke, da besteht ein starker Einfluss von Interessenverbänden, bestehende Misstände aufrechtzuerhalten, weil es um viel Geld geht (Lobbyismus, Drohung wegen Arbeitsplätzen, wenn es um Zulassungen geht, usw.).
Die Wähler sind zum Teil uninformiert, zum Teil desinformiert, zum Teil passiv - dass sie es aktiv wollen, kann man deswegen noch nicht behaupten.
Eine immer grösser werdende Minderheit sowohl der Landwirte wie auch der Konsumenten lässt sich nicht mehr länger für dumm verkaufen und schaut genauer hin.
Rohana hat geschrieben:Der Verbraucher kann wählen, der Erzeuger nicht? Nö, das ist nicht in Ordnung. Entweder es gelten Umwelt- und Wettbewerbsstandards für alle, oder eben nicht.
Bitte lies genau:
Die Behörden sollen geltendes Umweltrecht rigoros und konsequent durchsetzen. Im Rahmen des Erlaubten gilt dann wieder die Marktwirtschaft.
Jetzt gelten Umweltstandards offenbar nur für die Dummen - werden Überschreitungen festgestellt, passiert wie im Bereich der Pestizidrückstände in Gewässern ... nichts.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#1978

Beitrag von Rohana »

emil17 hat geschrieben:
Rohana hat geschrieben:Der Verbraucher kann wählen, der Erzeuger nicht? Nö, das ist nicht in Ordnung. Entweder es gelten Umwelt- und Wettbewerbsstandards für alle, oder eben nicht.
Bitte lies genau:
Die Behörden sollen geltendes Umweltrecht rigoros und konsequent durchsetzen. Im Rahmen des Erlaubten gilt dann wieder die Marktwirtschaft.
Jetzt gelten Umweltstandards offenbar nur für die Dummen - werden Überschreitungen festgestellt, passiert wie im Bereich der Pestizidrückstände in Gewässern ... nichts.
Was ist dein Vorschlag zur Rückverfolgung eventueller grenzwertüberschreitender Rückstände in Gewässern? Meinst das Molekül trägt den Namen des Anwenders oder was... :aeug: oder willst du die umliegenden Landwirte einfach in Sippenhaft nehmen? Natürlich ist jeder der Dumme, der sich an Regeln hält während ein anderer es vielleicht schafft sie zu überschreiten und damit davon kommt. Weder sind die Landwirte da die ersten noch die einzigen.

Abgesehen davon gelten Umweltstandards nur im jeweiligen Land - die hiesigen Bauern sind halt die Dummen, wenn sie mit Importen zu völlig anderen Bedingungen konkurrieren müssen, und die Probleme passieren irgendwo am Arsch der Welt wo es niemanden juckt. Mir ist egal ob sich ein Konsument dafür bewusst oder unbewusst entscheidet, denn *entscheiden* tut er mit jedem Griff ins Regal - Unwissenheit schützt vor Konsequenzen nicht! ... nein, diese Problematik betrifft nicht nur die Landwirtschaft, aber kein anderer Produktionszweig wird in diesem Umfang angefeindet für das, was er tut.
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Benutzer 72 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#1979

Beitrag von Benutzer 72 gelöscht »

Rohana hat geschrieben:Mir ist egal ob sich ein Konsument dafür bewusst oder unbewusst entscheidet, denn *entscheiden* tut er mit jedem Griff ins Regal -
der kann gar nix entscheiden!
Manchmal ist billig besser produziert worden und manchmal ist teuer schlechter produziert worden.
Manchmal gibt es gar keine Auswahl.
Die Siegel betrügen teilweise (halten nicht, was sie versprechen)
Wie soll man da "mit dem Griff ins Regal" etwas entscheiden?
na meiner ..... :im:

Glaubst du ernsthaft, "die Konsumenten" haben den ganzen Tag lang Zeit zu "konsumieren" bzw. einkaufen zu gehen??

Das einzige, was ich als "Konsument" (und Produzent von Gütern, die auch die Landwirte haben wollen), entscheiden kann, wäre der Ausstieg.
(oder eventuell Tausch/Kauf/Verkauf unter Freunden)

Sprich: Selbstversorgung! :holy: :haha:

willst du das? Hättest du das gerne, dass du dein Haus, deinen Traktor, dein Glyphosat und deinen PC selber machen wirst müssen?

@Rohana: bist du politisch aktiv?
@woidler: sollen wir einen thread über´s Speditionsgewerbe eröffen? :hmm:
wäre wohl so, wenn die Spediteuer da behaupten täten. ohne sie könnten wir gar nicht, denn dann gäbe es keine Transporte mehr und wir sollen gefälligst nicht noch mehr Umweltstandarts für den Transport fordern -
hihi, da täten sich sicherlich einige aufregen!! :ohm:

Ich denke, hier wird vor allem wegen dem thread Titel in erster Linie von der Landwirtschaft "gefordert" - im Namen der Natur, die nicht sprechen kann -
nicht im Namen der "Konsumenten"!!!
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#1980

Beitrag von Rohana »

ina maka hat geschrieben:
Rohana hat geschrieben:Mir ist egal ob sich ein Konsument dafür bewusst oder unbewusst entscheidet, denn *entscheiden* tut er mit jedem Griff ins Regal -
der kann gar nix entscheiden!
Manchmal ist billig besser produziert worden und manchmal ist teuer schlechter produziert worden.
Manchmal gibt es gar keine Auswahl.
Die Siegel betrügen teilweise (halten nicht, was sie versprechen)
Wie soll man da "mit dem Griff ins Regal" etwas entscheiden?
Die Kategorien die du da aufführst sprechen ja schon Bände. Es gibt also nur teuer und billig, und zu mehr Differenzierung ist "der Konsument" nicht in der Lage? Tja, das kann man nun wirklich nicht der Landwirtschaft anlasten...
Und entschieden wird doch. Wer nur nach dem Preis geht und nicht nach anderem schaut, geht halt nur nach dem Preis, auch das ist eine Entscheidung. Wer die Wahl hat zwischen Bio oder nicht, entscheidet über z.B. die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in der Produktion - und du kannst wirklich nicht behaupten dass es noch viele Artikel gäbe die nicht für jedermann erreichbar in den Supermärkten in Bio-Qualität vorkommen!
Wer sich entscheidet zu einem Niedrigpreisdiscounter zu gehen, hat dort möglicherweise nicht die Auswahl wie in einem Vollsortimenter. Wer auf den Wochenmarkt geht, hat andere Wahlmöglichkeiten als der im Supermarkt. Was, der Konsument hat keine Zeit um seine Wahl bewusst zu treffen? Dann sollte er sich die mal nehmen.
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
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