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Re: Gegen die deutsche Schulpflicht

Verfasst: Fr 31. Jan 2014, 12:27
von Rabe
Rati hat geschrieben:
PS @ Kerstines: im Osten war sehr vieles anders. :aeh:
Und ist es scheinbar immer noch :) Hier ist Mitarbeit nur nur im Rahmen von Kuchenbacken,Fahrdienste oder sonstigem erwünscht. Als ich einmal anbot mit meiner Getreidemühle in die Schule zu kommen, damit die Kinder sehen können wie Mehl mahlen funktioniert, wurde das mit der Begründung abgelehnt dass dafür keine Zeit wäre, und die Kinder sowieso Arbeitsblätter bekämen!


Kann schon sein Joe, das das bei dir so ist. Hier ist es definitiv anders. Ich bin seit langem im Elternbeirat und als es mal massive Probleme in der Klasse gab und die Eltern an uns rantraten, wurde uns vom Direktor eindeutig gesagt, dass die Eltern zum Helfen (Organisieren irgendwelcher Ausflüge oder Feste) da wären und nicht glauben sollten irgendein Mitspracherecht zu haben!

Und noch einmal. ICH WILL NICHT DIE SCHULE ABSCHAFFEN , NUR DIE PFLICHT SIE ZU BESUCHEN!

Und Rati: Klar haben auch die Elten schuld,aber viele geben ihre Kinder schon im Säuglingsalter in die Krippe,dann Ganztagskindergarten, dann Ganztagsschule. Die Eltern gehen arbeiten und abends irgendwelchen (ev,für sie wichtigen) Ausgleichsbeschäftigungen oder dem Haushalt nach. Oft hab ich das Gefühl, dass die Kinder den Eltern vorenthalten werden (sollen) .Wo soll denn da bitte schön eine Beziehung zu den Kindern aufgebaut werden. Und die ist nunmal wichtig für das Interesse an den Belangen der Kinder. Eltern und Kinder leben heute oft in einer getrennten Welt!

Und nun gibt es Eltern die wollen diese Beziehungslosigkeit nicht. Ich kenne mittlerweile viele (Österreicher) die ihre Kinder selbst unterrichten. Und da sind keine die ihre Kinder in irgendeiner Weise vernachlässigen, im Gegensatz zu tausenden anderen, deren Kinder die die Schule besuchen!!!

Re: Gegen die deutsche Schulpflicht

Verfasst: Fr 31. Jan 2014, 13:12
von Kerstines
In Krippe, Kindergarten, Schule mit anschließendem Hort, also Ganztagsbetreuung, gingen wir (teilweise) und unsere Kinder (in unserem Fall) auch !!
Aber dieses Desinteresse gab es NICHT!
Daran allein kanns also nicht liegen !!
Werteverfall allgemein würde ich sagen, und: Bei uns waren Lehrer RESPEKTPERSONEN, übrigens auch für die ELTERN!!
Das heißt aber nicht, daß Mißstände nicht angesprochen wurden, aber nach meinem Empfinden wurde gemeinsam gehandelt und meist an einem Strang gezogen, sollte ja schließlich auch der Plan erfüllt werden :haha: (die Patenbrigaden hatten das als gesellschaftliche Tätigkeit, die Schule als erwartete Lehrerfolge und die Eltern als persönliche Erfolge :lol: ) - ne, bitte nicht zu ernst nehmen.

:) Kerstines

Re: Gegen die deutsche Schulpflicht

Verfasst: Fr 31. Jan 2014, 13:19
von Little Joe
Rabe hat geschrieben:Ich bin seit langem im Elternbeirat und als es mal massive Probleme in der Klasse gab und die Eltern an uns rantraten, wurde uns vom Direktor eindeutig gesagt, dass die Eltern zum Helfen (Organisieren irgendwelcher Ausflüge oder Feste) da wären und nicht glauben sollten irgendein Mitspracherecht zu haben!
... und das lasst ihr euch einfach so gefallen. Es gibt ein Schulmitwirkungsgesetz, es gibt die Klassenkonferrenz (da MÜSSEN die Elternvertreter bei sein). Die Schule besteht aus drei Säulen, Schüler, Eltern, und Lehrer. Wenn eine wackelt können die anderen das noch abfangen, wenn aber zwei wackeln :ohoh:
Wenn es massive Probleme in der Klasse gibt müssen Eltern und Klassenlehrer sich zusammensetzen um das zu regeln. Wenn die Eltern nur den Kids den Rücken stärken passiert gar nichts.

Re: Gegen die deutsche Schulpflicht

Verfasst: Fr 31. Jan 2014, 13:25
von Rati
Rabe hat geschrieben:Und noch einmal. ICH WILL NICHT DIE SCHULE ABSCHAFFEN , NUR DIE PFLICHT SIE ZU BESUCHEN!
Ja ist ja gut. :)
Und ich würde sie lieber behalten, denn ich befürchte auf die Art würden mehr Kinder in einer abgekapselten Welt aufwachsen und dann in der großen Weite nicht mehr klar kommen.
Rabe hat geschrieben:Und Rati: Klar haben auch die Elten schuld,aber viele geben ihre Kinder schon im Säuglingsalter in die Krippe,dann Ganztagskindergarten, dann Ganztagsschule. Die Eltern gehen arbeiten und abends irgendwelchen (ev,für sie wichtigen) Ausgleichsbeschäftigungen oder dem Haushalt nach. Oft hab ich das Gefühl, dass die Kinder den Eltern vorenthalten werden (sollen) .Wo soll denn da bitte schön eine Beziehung zu den Kindern aufgebaut werden...
Hmm, also wir sind solche deren Kinder in der Krippe waren und wenn die Kinder statt bis 13 Uhr auch bis 15 Uhr in Kindergarten und Schule untergebracht gewesen wären hätten wir dagegen auch nichts einzuwenden gehabt.
Na ja, was soll ich sagen, wir haben eine echt gute Beziehung zu unseren Kindern. :aeh:
Rabe hat geschrieben:Ich bin seit langem im Elternbeirat und als es mal massive Probleme in der Klasse gab und die Eltern an uns rantraten, wurde uns vom Direktor eindeutig gesagt, dass die Eltern zum Helfen (Organisieren irgendwelcher Ausflüge oder Feste) da wären und nicht glauben sollten irgendein Mitspracherecht zu haben!
die Aussage des Direktors ist natürlich nicht in Ordnung, föllig klar.
Aber dagegen hättet ihr ja anstinken können.
Andere Frage. Wie viele Eltern sind bei euch aktiv? Nur der Elternrat?
ich frage, weil ich es so kenne das die Eltern zwar kommen und sich beschweren wenn was nicht i.O. ist, wenn du dann aber fragst ob sie bereit sind mitzumachen oder bei anderen Gelegenheiten um Mithilfe bittest.... stehst de alleine da.

Grüße Rati

Re: Gegen die deutsche Schulpflicht

Verfasst: Fr 31. Jan 2014, 14:26
von Reisende
ich kann diesen fred nicht leiden. eins möchte ich aber trotzdem sagen:

jeder hat hier seine eigenen speziellen erfahrungen gemacht, und hat das gute recht, darüber zu berichten, zu schimpfen, zu loben, was auch immer.
aber keiner hat das recht, seine subjektiven erlebnisse als allgemeingültig zu erklären und daraus stricke für andere zu drehen.

ich bin in der schule nie gezwungen worden irgendwas zu erzählen, wovon ich nicht überzeugt war. und zu 1+1=2 gibt es auch gar keine unterschiedlichen ansichten. in fächern, wo es tatsächlich zum tragen kommt, zb geschichte, sind wir von den lehrern stets zu lebhaften diskussionen angeregt worden, und ganz sicher hat keiner eine schlechte note bekommen, weil er zb andere politische ansichten hatte als die lehrkraft.
kann sicher vorkommen, dass man mal so einen lehrer erwischt. sind auch nur menschen. genauso wie es engagierte eltern gibt und desinteressierte.

ich finde btw, dass kinder auch disziplin lernen sollten, und dazu gehört zb mal 45min ruhig auf seinem platz zu sitzen und sich zu konzentrieren. ich möchte mal sehen ina, wie du durch den wald hüpfend deinen kindern was über parabeln, goethes faust oder bismarks bündnispolitik beibringst.
wo wir gleich bei meinem nächsten argument sind - wer von euch fühlt sich denn (ehrlich!) befähigt, seinen sprösslingen das komplette abiturwissen zu vermitteln?!? selbst von den leuten, die abitur selbst gemacht haben, können das schon rein fachlich die wenigsten. für die grundschule mag heimunterricht noch gehen, alles danach wird mmn schwierig bis unmöglich.

ich will mich aber nicht weiter in diesen faden einbinden. daher das geschriebene nur als möglichen denkanstoß, ausdiskutieren werd ich das nicht. :)

Re: Gegen die deutsche Schulpflicht

Verfasst: Fr 31. Jan 2014, 14:37
von Olaf
ich kann diesen fred nicht leiden.
Ich auch nicht :lol:
wer von euch fühlt sich denn (ehrlich!) befähigt, seinen sprösslingen das komplette abiturwissen zu vermitteln?!
Ich hab zu mindest versucht, meiner Tochter in der 13. Mathe (nach) zu helfen, und obwohl ich eigentlich noch etwas Vorlauf gehabt haben müsste durch die Uni, vor vielen vielen Jahren, ich konnte es nicht mehr bei etlichen Sachen. Und genau das hab ich, soweit ich diese Diskussion überhaupt verfolge immer wieder vor Augen. Wer zum Teufel traut sich das zu?
Und so hat dann Rati recht: Es wird ein paar Eliten geben, die können sich natürlich dann Lehrer leisten, die das können, beim Rest mag ich das einfach nicht glauben. Und schon ist es noch ungerechter, als es eh schon ist...
und zu 1+1=2 gibt es auch gar keine unterschiedlichen ansichten.
Sicher? Hier?
:mrgreen:
LG
Olaf

Re: Gegen die deutsche Schulpflicht

Verfasst: Fr 31. Jan 2014, 15:24
von Tanja
Olaf hat geschrieben:Und genau das hab ich, soweit ich diese Diskussion überhaupt verfolge immer wieder vor Augen. Wer zum Teufel traut sich das zu?
Es gibt vielleicht manche, die sich das, eventuell zu Recht, zutrauen. Aber, ich glaube, viele, die gegen die Schulpflcht wettern, haben diesen Anspruch an sich selbst gar nicht. Teilweise glauben sie, dass, wenn man Kindern die Freiheit lässt, selbst zu lernen, diese sich alles Wissen etwa durch das Lesen von Büchern oder das praktische Forschen und Erfahren selbst aneignen können. Von denen werden dann gerne Kinder als Beispiel präsentiert, die autodiakt veranlagt und interessiert genug sind, um das tatsächlich zu schaffen. Dass aber längst nicht jedes Kind die notwendigen Voraussetzungen hierzu mitbringt, bzw. einem anderen Lerntypen entspricht, das wird geflissentlich übesehen.

Zudem gibt es leider auch Eltern, die dazu neigen, Wissen, über das sie nicht selbst verfügen oder Lehrinhalte, an denen sie selbst einst gescheitert sind, schlicht für unwichtig zu erklären. So gibt es auch Eltern sehr begabter Kinder, die selbst beispielsweise den Hauptschulabschluss erreicht haben und überhaupt keinen Sinn darin erkennen können, wieso ihr Kind das Abitur anstreben sollte.

Zugunsten der Kinder solcher Eltern finde ich es wichtig, dass, wer selbst unterrichten möchte, auch die notwendigen Kenntnisse dazu nachweisen kann. Es wäre doch schlimm, wenn Kindern Zukunftschancen verbaut würden, weil ihre Eltern eigentlich mit Bildung auf dem Kriegsfuß stehen. Aber, da solche Eltern wahrscheinlich eh nicht so häufig ambitioniert sind, zuhause zu unterrichten, sehe ich in denen auch weniger das Problem.

Neben Leuten, die tatsächlich gute Hauslehrer für ihre Kinder wären, gibt es allerdings auch leider welche, denen es, egal ob sie selbst nun mehr oder weniger gebildet sind, schlicht nicht passt, dass ihre Kinder in der Schule zumindest ein gewisses Maß an Weltoffenheit erfahren. Deren primäres Ziel, ihre Kinder zuhause zu unterrichten, ist es, sie beispielsweise vom Sexualkundeunterricht fern zu halten oder sie strikt nach ihrem eigenen religiösen oder politischen Weltbild zu erziehen. Darin, dass ihre Kinder Erfahrungen machen und etwas lernen könnten, was jenseits ihres eigenen engen Horizontes liegt, sehen sie eine große Gefahr. Kinder solcher Menschen wären aus meiner Sicht extrem benachteiligt, wenn sie nicht zur Schule gehen dürften.

Was ich an dieser Diskussion schade finde ist, dass sich hier ja durchaus Leute für die Abschaffung der Schulpflicht aussprechen, die ihren Kindern vielleicht tatsächlich gute Lehrer sein könnten, dass sie sich aber nicht von denen deutlich abgrenzen, deren Motive zum Schutz ihrer Kinder abzuehnen sind. Es wäre nicht nur zugunsten von Kindern solcher Eltern besser, wenn sich die Homeschooling-Szene darum kümmern würde, sich von deren Intentionen zu distanzieren. Es wäre auch viel Erfolg versprechender, Heimunterricht in Deutschland durchzusetzen, wenn man sich um Lösungen gegen seinen Missbrauch bemühen würde.

Re: Gegen die deutsche Schulpflicht

Verfasst: Fr 31. Jan 2014, 16:46
von Benutzer 3370 gelöscht
Ohne dass ich jetzt die ganze Diskussion gelesen habe, eigentlich habe ich nur den Einganspost gelesen und der reicht mir.
In Österreich gibt es den sogenannte "häuslichen Unterricht", wenn man den für seine Kinder in Anspruch nehmen will ( und das geht per Ansuchen) muss man lediglich einige Prüfungen über sein Kind ergehen lassen, damit auch gewährleistet ist, dass das Kind den entsprechenden "Wirtschaftsstandarts" oh halt, natürlich den "Bildungsstandarts "genügt.
Ich bin sehr froh darüber, dass es in Österreich diesen "häuslichen Unterricht" gibt, da meine 3 Töchter alle 12 Jahre lang eine Privatschule besuchen konnten.

Re: Gegen die deutsche Schulpflicht

Verfasst: Fr 31. Jan 2014, 20:05
von Olaf
da meine 3 Töchter alle 12 Jahre lang eine Privatschule besuchen konnten
Es war aber ne Schule, oder? Und die vermutlich nicht geschenkt.....
Und wenn da die Lehrenden die nötige Qualifikation nachweisen können und nachweisen müssen, von mir aus.
Mann, ich wollt mich doch nicht reinhängen!
(Ich muss noch kurz einschieben, ich finde das Bildungssystem in D. nen Desaster!)
Aber:
Der simple Glauben, dass, was ich weiß und kann reicht, mehr braucht mein Kind nicht ist m.E. katastrophal.
Alternativ: Eliteschulen? Schön, toll! Was ist das denn: Mein Kind hat was besseres verdient als diesen Schrott, was das abgehängte Prekariat (irgendwie find ich die Wortschöpfung geil, die ist so an sich schon hoffungslos) macht, ist mir doch egal!
Ich bin einfach nur für Chancengleichheit, und sorry, den Kopftuchmädchen (hab ich bei Sarrazin geklaut) helfen Eure Ideen herzlich wenig.
Und da bin ich, ja, für staatlichen Zwang! Und jetzt schließt sich für mich der Kreis, das tolle reiche D. ist eines der Schlusslicher bei Bildungsausgaben in der EU.
Die darüber zu befinden haben, ja, die können ihre Bratzen natürlich auf exklusive Schulen schicken, und finden das auch ganz ok. Hängen wir die andern doch mal ab, sicher ist sicher!
Das ist für mich das Problem.
LG
Olaf

Re: Gegen die deutsche Schulpflicht

Verfasst: Fr 31. Jan 2014, 21:15
von Benutzer 3370 gelöscht
@Olav, weiß jetzt nicht was ich davon genau zitieren soll oder kann.
egal ich versuchs mal
Die Möglichkeit des "häuslichen Unterrichts" so wie es ihn in Österreich gibt bringt die Möglichkeit mit sich, dass sich verantwortungsvolle Eltern zusammen tun können , einen geeigneten Lehrer suchen können und so über die Krücke "häuslicher Unterricht" eine unabhängige Schule gründen können. das Öffentlichkeitsrecht wird meist im Zuge der Schulgründung beantragt. Allerdings sind bei uns auch Privatschulen, so sie nicht konfessionell ausgerichtet sind sehr schlecht gestellt (finanziell).
Ich bin mir jetzt nicht sicher ob Eliteschulen mit Privatschulen, in dem Sinne wie ich sie kenne, nicht Elite schulen in amerikanischem Sinne, gleich zu setzen sind.
Schulbeiträge wurden zB bei unserer Schule nach eigenem Ermessen bezahlt, natürlich erst nach einem Ausführlichen Gespräch mit dem Finanzkreis, denn letztendlich ist es erforderlich, dass jeder weiß was Sache ist.
Einen Unterschied, den ich zu staatlichen Schulen feststellen konnte ist dass sich die Eltern mehr Gedanken um die Entwicklung ihrer Kinder machten. Und Entwicklung ist hier nicht im Sinne von "wirtschaftlicher Verwertbarkeit" zu sehen sondern von echter menschlicher Entwicklung.