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Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Mo 27. Aug 2018, 07:44
von Rohana
Sicher, da kann ich dir voll zustimmen dass zu oft an Symptomen rumgedoktort wird. Allerdings ist es nicht so dass Ursachensuche immer leicht und easy wäre oder dass man die Zeit und das Geld dafür "übrig" hat und nicht zuletzt hat man oft genug so viel Stress am Kopf dass einfache Lösungen, so sie denn gangbar sind, bevorzugt werden. Wenn wir mehr "Bauernwohl" hätten, wären für Ursachensuche deutlich bessere Voraussetzungen

Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Mo 27. Aug 2018, 08:52
von hobbygaertnerin
@Rohana,
Bauernwohl, davon hab ich ja noch nie was gehört, es geht um Tierwohl, um ......., aber bestimmt nicht darum, dass es den Bauern wohl ist.Ironiemodus aus.
Wir hatten mal eine Vorführung bei uns am Betrieb, unser LU stellte eine neue Art des Umsilierens vor,
wurde das ganze Silo (Gras, Mais und was sonst noch in eine Ration gehört, mit grossem Mischwagen gemischt und dann wieder neu einsiliert.
LU stellt den Mischwagen und das Umsilogespann, Lagerhaus verkauft 2 mal Folie, bei solchen Temperaturen macht dann der Tierarzt auch noch ein Zusatzgeschäft mit solcher Silage
und dem Bauern bleibt die Arbeit und die Kosten mit dem Ab- und Zudecken der Silos.
Ist doch eine gute Verteilung.

Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Mo 27. Aug 2018, 09:30
von Benutzer 72 gelöscht
Hatte ich auch schon an anderer Stelle angesprochen. Der Nachwuchs von heute wird ja durch die Schulen und -studiengänge derart indoktriniert, dass sie gar keine andere Möglichkeit haben, den ganzen Furz der [...] Industrie zu kaufen.
Ich hab es gewagt in "Schweinchenrosa" deinen Text so zu korrigieren, dass er für mich stimmt...
tschuldigung!
hobbygaertnerin hat geschrieben:@Rohana,
Bauernwohl, davon hab ich ja noch nie was gehört, es geht um Tierwohl, um ......., aber bestimmt nicht darum, dass es den Bauern wohl ist.
Was mir als Nicht-Bäurin wiederum zu wenig ist.
Es sollte doch um´s Wohl aller gehen - oder etwa nicht??
Was kann man denn tun, damit es den Bauern (oder noch besser: allen) gut geht?
Was du da beschrieben hast, klingt ja wie eine Werbeveranstaltung - oder ist das Pflicht für die Landwirte?
Bei einer Matratzenvorführung im Hause von Freunden war ich auch schon mal dabei - ja, soetwas ist haarsträubend.
Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Mo 27. Aug 2018, 10:15
von MeinNameistHASE
Buchkammer hat geschrieben:Der Nachwuchs von heute wird ja durch die Agrarschulen und -studiengänge derart indoktriniert, dass sie gar keine andere Möglichkeit haben, den ganzen Furz der agrochemischen Industrie zu kaufen.
Wie die Situation in Agrarschulen aussieht, weiß ich nicht. Aber eins kann ich dir 100%ig versichern: Ich habe in meinem bisherigen Agrarstudium an einer Universität noch nie (nicht mal von dem Dow-Agro Vertreter, der eine Vorlesung über Unkrautbekämpfung gehalten hat) eine Mittelempfehlung innerhalb einer Vorlesungsveranstaltung bekommen. Natürlich werden uns die Wirkstoffe und deren Wirkungsmechanismus eingetrichtert, aber völlig losgelöst von irgendwelchen Firmen/ Marken. Ich habe die Möglichkeit drüber nachzudenken, ob ich den Wirkstoff einsetzen möchte oder nicht. Persönlich bin ich kein Fan von übermäßigem Chemieeinsatz, wo auch über durchdachtes Management von Saat, Bodenbearbeitung und Fruchtfolge reguliert werden kann.
Wir bekommen im Studium eine enorme Bandbreite an Möglichkeiten aufgezeigt, was getan werden kann. Nur was davon auch wirklich umsetzbar ist... Naja. Was aus Sicht der Pflanzenernährung das Non plus ultra ist, lässt den Bodenkundler vielleicht nicht mehr schlafen.
Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Mo 27. Aug 2018, 12:03
von Rohana
MeinNameistHASE hat geschrieben:Persönlich bin ich kein Fan von übermäßigem Chemieeinsatz, wo auch über durchdachtes Management von Saat, Bodenbearbeitung und Fruchtfolge reguliert werden kann.

Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Mo 27. Aug 2018, 14:51
von Buchkammer
MeinNameistHASE hat geschrieben:Buchkammer hat geschrieben:Der Nachwuchs von heute wird ja durch die Agrarschulen und -studiengänge derart indoktriniert, dass sie gar keine andere Möglichkeit haben, den ganzen Furz der agrochemischen Industrie zu kaufen.
... aber völlig losgelöst von irgendwelchen Firmen/ Marken.
Es war auch nicht meine Intention, irgendwelche Firmen und/oder Namen, die mit der Herstellung von agrochemischen Produkten beschäftigt sind, an den Pranger zu stellen. Letzendlich ist es doch egal, wo man das Zeug ordert und was da drauf steht.
MeinNameistHASE hat geschrieben:Ich habe die Möglichkeit drüber nachzudenken, ob ich den Wirkstoff einsetzen möchte oder nicht.
Na ja, der Ertrag muss schon stimmen und die gesetzlichen Vorgaben sollten eingehalten werden. Und was man anbaut ist ja wohl auch nicht in der Entscheidungsfindung drin. Meist eh das, wo es die größten Ausgleichszahlungen gibt, oder?
MeinNameistHASE hat geschrieben:Wir bekommen im Studium eine enorme Bandbreite an Möglichkeiten aufgezeigt, was getan werden kann. Nur was davon auch wirklich umsetzbar ist... Naja.
Aber eben, nicht die neuesten Erkenntnisse und Erfahrungen anderer Landwirte, weil sich eure Dozenten und Professoren wahrscheinlich schon nicht weiterbilden. Daher der Hinweis auf das Forum von Manfred.
Im neuen
Brennstoff-Magazin ist ein Spruch von Kalle Lasn drin. Auch wenn er wahrscheinlich eher Zorn auslöst, als mal darüber zu reflektieren, möchte ich ihn hier anführen:
"Habt ihr denn kein Gefühl dafür, was richtig und was falsch ist? Nur weil euch das Gesetz etwas erlaubt, heißt das doch nicht, dass ihr es tun solltet."
Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Mo 27. Aug 2018, 17:44
von Rohana
Buchkammer hat geschrieben:
MeinNameistHASE hat geschrieben:Ich habe die Möglichkeit drüber nachzudenken, ob ich den Wirkstoff einsetzen möchte oder nicht.
Na ja, der Ertrag muss schon stimmen und die gesetzlichen Vorgaben sollten eingehalten werden. Und was man anbaut ist ja wohl auch nicht in der Entscheidungsfindung drin. Meist eh das, wo es die größten Ausgleichszahlungen gibt, oder?
"Ausgleichszahlungen" gibt es pro Hektar. Wenn ich ums verrecken eine Frucht anbauen will die da nicht hinpasst und mit Ach und Krach die über Wasser halte unter Zugabe diverser Chemikalien, meinst nicht dass macht sich im Ertrag aufm Konto bemerkbar?
MeinNameistHASE hat geschrieben:Wir bekommen im Studium eine enorme Bandbreite an Möglichkeiten aufgezeigt, was getan werden kann. Nur was davon auch wirklich umsetzbar ist... Naja.
Aber eben, nicht die neuesten Erkenntnisse und Erfahrungen anderer Landwirte, weil sich eure Dozenten und Professoren wahrscheinlich schon nicht weiterbilden.
Das ist Schmarrn. Grade die Profs haben idR verschiedene Versuche und Projekte am Laufen, da Professuren Kombinationen aus Lehre und Forschung sind.
Im neuen
Brennstoff-Magazin ist ein Spruch von Kalle Lasn drin. Auch wenn er wahrscheinlich eher Zorn auslöst, als mal darüber zu reflektieren, möchte ich ihn hier anführen:
"Habt ihr denn kein Gefühl dafür, was richtig und was falsch ist? Nur weil euch das Gesetz etwas erlaubt, heißt das doch nicht, dass ihr es tun solltet."
Wie kommst du auf die Idee, dass man etwas tut nur weil das Gesetz es erlaubt? Oder wie soll man das verstehen? Auf Gefühl würde ich mich auch nicht verlassen, sondern hinschauen und erkennen was wo nötig ist und was nicht. Glücksspiel ist es oft genug weil man das Wetter nie (langfristig) vorhersagen kann... den restlichen Spielraum nutzen wir schon.
Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Mo 27. Aug 2018, 18:21
von emil17
Im Rahmen der üblichen Wirtschftsweise glaube ich schon, dass Forschung und Anwendung dauernd Neues entwickeln und ausprobieren. Aber das passiert, wie bei so vielen anderen Wirtschaftszweigen auch, innerhalb der Sackgasse des "mehr, effizienter, billiger". Wer eine sehr effiziente Hochleistungsindustrie mit standardisierten Lebensmittelgrundstoffen beliefert, wird dem Preisdruck und damit dem Sachzwang des Rationalisierens nicht auskommen. Da dürfen dann schlechte Nachrichten wie Umweltschäden wegen industrieller Landwirtschaft nicht stimmen, weil es um die Existenz geht.
Zudem ist es leichter, im Hobbygarten etwas Neues auszuprobieren. Wenn ein Jahr fast nichts gerät, ist es nicht weiter schlimm. Wenn man die ganze Familie mit dem Betrieb ernähren muss, ist es etwas ganz anderes.
Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Mo 27. Aug 2018, 19:34
von Benutzer 72 gelöscht
Rohana hat geschrieben:"Ausgleichszahlungen" gibt es pro Hektar.
Wieso heißen die dann so? wofür sind die der Ausgleich?
Das mit dem "Gefühl" würde ich nicht unterschätzen!
Es ist ja wissenschaftlich erforscht, dass diese "Intuitionen" oft mehr wissen, als wenn man mit dem Verstand alle pro und contras abwägt.
weil diese "Intuition" stammt aus dem Unterbewußtsein, aus den im ganzen Leben gesammelten Erfahrungen, die man aber nicht mehr im Bewußtsein hat...
Das nannte man mal Erfahrung und es ist etwas, was man an keiner Schule lernen kann.
gilt aber für alle Lebensbereiche!
emil17 hat geschrieben:Da dürfen dann schlechte Nachrichten wie Umweltschäden wegen industrieller Landwirtschaft nicht stimmen, weil es um die Existenz geht.
interessanter Denkansatz (wieder: gilt nicht nur für die Landwirtschaft!) - sind wir dumm?
Ich meine nur, weil wir unsere Lebensgrundlage zerstören?
Oder denken wir, mich wird es schon noch nicht treffen - ???
Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Mo 27. Aug 2018, 20:16
von Wildmohn
Ich denke, die Diskussion zu diesem Thema in diesem Forum würde einen eindeutigen Verlauf haben, wenn da nicht 2-3 Verteidiger vorhanden wären, die den Einsatz, von mir aus auch moderaten Einsatz, von Pestiziden befürworten würden.
Es ist wie bei der Atomenergie. Sie wird von der Lobby als eine sichere und umweltfreundliche Form der Energieerzeugung trotz Tschernobyl und Fukushima weiterhin gepriesen und es gibt in D nicht wenige, die den Ausstieg vom Ausstieg befürworten. Dinge, die ganz offensichtlich eine Gefahr für Leib und Leben darstellen, werden von fragwürdigen Gestalten promotet und verharmlost, als alternativlos bezeichnet, da sonst der Versorgungs- oder gar der Weltuntergang droht.
Es ist -und das möchte ich hier noch mal ausdrücklich betonen- Schädlich für Mensch und Umwelt, Stoffe in den Umlauf zu bringen, die mit bekannten und unkalkulierbaren Nebenwirkungen auf eben diese wirken.
Dies hier ist ein Forum für Selbstversorger und Permakultur, niemand hier, der das eine oder andere ernsthaft betreibt, würde Glyphosat oder Roundup in der täglichen Praxis einsetzen. Oder doch?
Die Macht der Agro(chemie)konzerne muss durch Reglementierung auf politischer Ebene stark eingeschränkt werden und für die Landwirtschaft ein vollkommen neues Wirtschaften entwickelt werden, dann könnte das noch was werden für die Nachkommen unserer Nochkommen...