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Re: Glyphosat-Diskussion

Verfasst: Fr 24. Aug 2018, 06:24
von Rohana
kraut_ruebe hat geschrieben:ich mag glypho auch nicht, und gegen die 729 anderen mittelchen hab ich ebenso vorbehalte, sogar pauschal gegen jene, die ich gar nicht kenne. deren einsatz ist aber nicht reine bauernangelegenheit, da spielt der leistungsdruck, der preisdruck, das konsumverhalten der allgemeinheit und ne von verkehr, industrie, überbevölkerung, etc gebeutelte umwelt ne wesentlich grössere rolle und diese rolle tragen wir alle mit, jeder einzelne von uns.
Danke für diese deine Worte, vielleicht finden sie mehr Gehör wenn es kein Bauer ist der sie ausspricht :pfeif:

Re: Glyphosat-Diskussion

Verfasst: Fr 24. Aug 2018, 08:56
von MeinNameistHASE
kraut_ruebe hat geschrieben:ich mag glypho auch nicht, und gegen die 729 anderen mittelchen hab ich ebenso vorbehalte, sogar pauschal gegen jene, die ich gar nicht kenne. deren einsatz ist aber nicht reine bauernangelegenheit, da spielt der leistungsdruck, der preisdruck, das konsumverhalten der allgemeinheit und ne von verkehr, industrie, überbevölkerung, etc gebeutelte umwelt ne wesentlich grössere rolle und diese rolle tragen wir alle mit, jeder einzelne von uns.
Ich kann mich rohana nur anschließen! Vielen Dank!

Deine Einstellung ist auch unter Landwirten nicht ganz ungewöhnlich bzw. unbekannt. Viele überlegen und wägen ihre Bedenken gegen den ökonomischen Zwang ab. Das Resultat sind dann "nur" Behandlung von Feldrändern oder Teilflächen. Aber das kommt in der Gesellschaft nicht so an. Es wird bloß die Feldspritze gesehen und es heißt "Der spritzt ja schon wieder!". Dass aber im Endeffekt nur 10ha behandelt werden, statt beispielsweise 70ha Gesamtfläche wird nicht beachtet...

Re: Glyphosat-Diskussion

Verfasst: Fr 24. Aug 2018, 11:31
von Benutzer 72 gelöscht
warum reagierst du (bzw. viele deiner berufskollegen) da drauf?

das problem von berufs wegen in der allgemeinheit (inkl. forum) keine anerkennung/keinen guten ruf zu haben, hat so mancher. ich auch, aber wenn ich mir den kopf darüber zerbrechen würde, was mein berufsstand so für ein ansehen hat bzw. nicht hat, käme ich vor lauter nachdenken nicht zum arbeiten.
:daumen:

Ich dachte auch sofort an Ärzte, Pharmaziemitarbeiter, Immobilienmakler, Mütter, Hausfrauen, Politiker, Polizisten...
Die haben alle zumindest bei gewissen Menschen einen schlechten Ruf!!

Abgesehen davon: nein, es ist nicht bloß "Bauernsache" welche und wieviele Gifte gespritzt werden, weil es eben auch nicht nur eine Frage der Arbeitserleichterung/Gewinnmaximierung ist.
Denn dabei geht es um Lebewesen und die Natur, die so gesehen niemandem gehört.
Oelkanne hat geschrieben:Das ist leichter gesagt als getan, wenn man bei dir einbricht bloß weil du Tiere hälst, deine Kinder in Kindergärten Schule nicht immer willkommen sindweil die Ökomaffia schon ordentlich vorgelegt hat und mir ihren Schauermärchen den vorher neutralen Menschen das Gehirn gewaschen hat.
Dagegen können wir Landwirte noch so viel Reden, er- und aufklären schließlich sind wir ja dann alle bezahlte Marionetten der Bösen Chemieindustrie... ;)
nein, nein - nicht doch, die Landwirte lassen sich von den Agrarzulieferunternehmen niemals ein X für ein U vormachen - aber alle alle, die Bedenken haben, wenn es sich um Pestizide handelt, denken nicht selber, sondern sind gehirngewaschen.
eh klar! :daumen:
Oelkanne hat geschrieben:Tagesziel sind 500t Hühnermist.
Knapp, aber zu schaffen. :)
Wieviel ist das denn so ungefähr??
Ich mein, ich kann mir nicht mal eine Tonne vorstellen - ein bisschen mehr als eine gutgenährte Kuh, oder?
Und das jetzt mehr als 500 mal - oder hab ich ganz falsch geschätzt??
Wieviele Hühne kacken das? ist das von einem ganzen Jahr??

schau mal, so könntest du Verständnis für deinen Berufsstand wecken.

Eigentlich war meine geplante Spontanantwort in etwa so - dass mein jüngster Sohn schon um halb sechs mit dem Müllwagen losmusste, weil die verwöhnten Städter ihre Mülltonnen schnell leer haben wollen und er allein für 15 wiener Bezirke zuständig ist...

nicht lachen! Er fährt wirklich um halb sechs mit dem Müllwagen - allerdings "nur" zum Mamabett und das ganze mit lautem "tututut" :lala:

Ich hab auch gar nichts gegen Bauernkinder - mein jüngster fährt nachdem er den Müll abgeholt hat, mit dem "Gakor" (Traktor sagen kann er noch nicht) auf´s Feld - dieses ist unsere Küche ;)

Re: Glyphosat-Diskussion

Verfasst: Fr 24. Aug 2018, 13:11
von strega
wenn Bauernkinder tatsächlich heutzutage in der Schule lernen, dass sie nicht willkommen sind (warum??? weil sie nach Gülle riechen oder so was??? Weil ihre Eltern als Giftspritzer dastehen??? Warum?), dann wärs vielleicht angebracht ihnen zu erklären, dass manche Leute heute einfach nicht mehr selbst denken und handeln können, sondern das machen was ihnen die Mode diktiert... aber isses das wirklich, was das Leben ausmacht? Kinder sind ja nicht doof, und manche, wenn sie Unterstützung bekommen, schaffen es sicherlich locker, ne Runde anders zu denken und zu fühlen als die Masse...

Sich ausgeschlossen fühlen tut vielleicht weh... aber in der Schule gibts heutzutage tausend Gründe jemand an den Rand der Gesellschaft zu mobben, das betrifft garantiert nicht nur eventuell ein paar Bauernkinder... und die Gemobbten können dann ja schauen, vielleicht mit Hilfe kompetenter Eltern, wie das Ganze gut weitergehen kann...?

Re: Glyphosat-Diskussion

Verfasst: Fr 24. Aug 2018, 13:23
von Rohana
Klar kann man auch wegen anderen Dingen gemobbt werden, keine Frage. Trotzdem sollte man das nicht einfach so ad acta legen.

Re: Glyphosat-Diskussion

Verfasst: Fr 24. Aug 2018, 13:54
von strega
hab ich ja auch nicht gesagt.

Aber den Fakt, dass eventuell Bauernkinder irgendwo (in irgendeiner Schule oder in mehreren? Oder in allen Schulen deutschlandweit oder europaweit oder weltweit?) gemobbt werden kann man/frau als Beweis für die Boshaftigkeit und Ignoranz der Nicht-Bauern-Kinder und ihrer Eltern sehen und den eigenen Opferstatus weiter damit zementieren....

oder halt schauen, wo es Gemeinsamkeiten mit anderen gibt und daraus was machen in Sachen Weiterentwicklung weg von der Opferrolle und sich auf neue Möglichkeiten konzentrieren...

und vielleicht werden Kinder von Asylbewerbern oder Sinti oder Müllmännern oder die mit vier Geschwistern vielleicht auch gemobbt.... und die Zweitklässler deren Smartphone unter 400 Euro gekostet hat auch....
muss man sich ja nicht alle neurotischen Verhaltensweisen der modernen Gesellschaft zu Herzen nehmen?
Und tut vielleicht auch Kindern gut, wenn sie so lernen können, mit Unterstützung von Erwachsenen, jemand als Freund zu haben, dessen Eltern halt keinen Bürojob haben oder so was.... solche Leut gibts ne Menge, glaub nicht dass die Nullachtfuffzehngesellschaft sich nur aufs Bauernmobben spezialisiert hat :ohm:

Re: Glyphosat-Diskussion

Verfasst: Fr 24. Aug 2018, 15:54
von Benutzer 4754 gelöscht
Wieviel ist das denn so ungefähr??
Ich mein, ich kann mir nicht mal eine Tonne vorstellen - ein bisschen mehr als eine gutgenährte Kuh, oder?
Und das jetzt mehr als 500 mal - oder hab ich ganz falsch geschätzt??
Wieviele Hühne kacken das? ist das von einem ganzen Jahr??
So eine Fleckviehkuh wiegt ca. 800-900kg,
ein ausgewachsenes Fleischrind ca. 1,1t
also, ja das mit der Dicken Kuh passt in etwa.

Ich habe das Mal nachgerechnet, tatsächlich hat es mich dann auch interesiert :lol: :
500t Hühnermist ist etwa der Kotanfall von 19.600 Legehennen in einem Jahr.
Jetzt werden viele sagen booooaah ist das viel und schon wieder mit Überdüngung usw ankommen:

die 500t kommen auf 100ha, also 5t/ha bzw 500g/m².
Ein Huhn Kackt etwa 70g am Tag und diese 5t/ha kann man pflanzenbaulich Sinnvoll zwei Mal im Jahr streuen,
(das ist dann aber schon Oberkante der gesetzlich erlaubten Menge) also pro Jahr und Quadratmeter 1kg.
Halte ich mir nun 20 Hühner, brauche ich mindestens 511m² Gemüsegartenfläche um die Menge nicht zu über schreiten!
Viele werden hier 20 Hühner halten, die wenigsten werden aber den Mist auf 511m² verteilen....

Re: Glyphosat-Diskussion

Verfasst: Fr 24. Aug 2018, 17:02
von emil17
Oelkanne hat geschrieben: ... du dir ständig von Leuten die von tuten und blasen abslot keine Ahnung haben sagen lassen sollst was du zu tun und zu lassen hast.
Sorry, aber aus Sicht des Steuerzahlers sieht das etwas anders aus, genauso polemisch formuliert: Subventionen hier, Beiträge da, Privilegien dort. Unser Geld nehmen sie, aber wenn man dann auch mal etwas von der Landwirtschaft verlangt, heisst es nur, keine Ahnung, Maul halten.
Oelkanne hat geschrieben:Dazu kommt daß wir einer starken Reglementierung unterworfen sind, ja das sind andere auch, aber in keinem anderen Bereich werden die Reglementierungen so stark durch die öffentliche Meinung (der der am lautesten Brüllt) und nicht durch wissenschaftliche Erkenntnisse beeinflusst wie in der Landwirtschaft.
Das ist zum Teil falsch - einmal betrifft uns eben Nahrungsmittelherstellung viel direkter als die Herstellung von Turnschuhen oder Automotoren, zum anderen kommen den Leuten, wenn man das Stichwort "Bauer" bringt, je nach Gegend nicht nur schöne Wiesen, sondern eben auch Tierfabriken, stinkende Schweinemästereien und langweiligste Maisfelder in den Sinn. Auch die Tatsache, dass in den intensiv bewirtschafteten Tiefländern nur noch Mineralwasser getrunken werden kann, macht nicht gerade gute Presse.
Zudem werden, wie in anderen Wirtschaftszweigen auch, wissenschaftliche Erkenntnisse, die nicht in den Kram passen, totgeschwiegen oder als ideologisch beeinflusst abgetan, weil ja nicht sein darf, was nicht sein kann. Für unbedarfte Laien kommt da schon mal das Gefühl auf, es gehe nicht nur um Ernährungssicherheit, sondern auch um Pfründen.
Ein Beispiel: 1985 wurde mir an der Uni von kompetenter Seite (der Dozent war nicht ganz zufällig auch noch Forschungsleiter in einer der Basler Chemiefirmen) erzählt, biologischer Weinbau sei in Mitteleuropa schlicht unmöglich, weil ohne chemischen Pflanzenschutz gibt es keinen Ertrag.
Heute ist das eine gut etablierte und zukunftsfähige Branche.
Oelkanne hat geschrieben:Kein anderer Zweig steht so oft und für alles mögliche am Pranger wie die Landwirtschaft,
Atomkraft und Braunkohle sind da keine wirkliche Konkurrenz zu.
Ein Imageproblem, wenn es einmal erkannt ist, kann man nicht beheben, indem man dem Publikum die Kompetenz abspricht, mitzureden.
Braunkohle und Atomkraft sind zum Glück Auslaufmodelle, da investiert keiner mehr, die Frage ist nur, wie es politisch machbar ist, die gewaltigen Kollateralschäden dem Steuerzahler aufzubürden.
Oelkanne hat geschrieben: Dagegen können wir Landwirte noch so viel Reden, er- und aufklären schließlich sind wir ja dann alle bezahlte Marionetten der Bösen Chemieindustrie
Wenn man so liest, wie sehr sich Bauern in den Pestizid-Diskussionen für den hemmungslosen Einsatz dieser Mittel einsetzen (Hemmungslos bedeutet, alles, was nicht rein wirtschaftlich betrachtet wird, ist unwichtig und zeugt von Ideologischer Verblendung oder Inkompetenz - genauso hats die Atomlobby damals ja zuerst auch versucht), dann kann man schon auf diese Idee kommen.
Wenn die Aufklärung zudem aus der Presse der Agrochemiefirmen kommt und 1:1 übernommen wird, dann ist es eben nicht Aufklärung, sondern Werbung in eigener Sache.
Wenn ihr euch so pauschal vor deren Karren spannen lässt, dann könnt ihr eben auch nicht den Bauernbonus einfordern, den dieser Berufsstand durchaus noch hat.
Bei uns haben jedenfalls Bio-Bauern überhaupt kein Imageproblem, die konventionellen zum Teil schon.
Des weiteren möchte ich darauf hinweisen, dass, wenn man direkt ab Hof kauft, die Produkte für den Endverbraucher nicht teurer sind als im Supermarkt, der Bauer aber eine anständige Marge auf der Ware hat. Funktioniert ohne Bio-Label wurderbar mit Milch, Käse, Fleisch, Lagergemüse und Obst. Als Konsument muss ich allerdings damit leben, dass es im März ab Hof keine Trauben und im Sommer keine Milch hat, weil das Vieh dann auf dem Berg ist.
Auch die Tatsache, dass manche Wochenendausflügler etwas unsanft angegangen werden, wenn sie in einer mähreifen Heuwiese Picknick machen und den Abfall liegen lassen, oder beim Downhill-Biking Gatter offen lassen oder gar Viehzäune durchschneiden, erzeugt noch kein Imageproblem.
Wenn einer hingegen schriebe, er brauche pro Jahr so und so viel von dem und dem Mittel (etwa so: "Auf unserem Hof wird Glyphosat zur Qualitätssicherung und Kulturhygiene eingesetzt"), dann wäre das imagemässig ein Schuss in den eigenen Ofen. Warum wohl?

Re: Glyphosat-Diskussion

Verfasst: Fr 24. Aug 2018, 17:23
von Rohana
Warum? Weil mit zweierlei Mass gemessen wird. Oder hat es schonmal irgendwen interessiert was bei der Rohstoffgewinnung und Verarbeitung für seinen Konsum alles so passiert? Haus, Auto, Möbel, Handy, PC, Infrastruktur... ist alles wurscht weil wir das nicht essen. Es hat sicherlich auch keine Auswirkungen auf unsere Umwelt. Not? :kaffee:

Abgesehen davon schreibt der Biobauer sicher auch nicht auf seine Fahnen was alles zur (Kultur)Hygiene und Qualitätssicherung eingesetzt wird, es könnte manche Leute verunsichern. Aber solange dieselben Leute es ganz toll finden wenn die Bergbauernkuh verschiedene Kräuter nascht, ist ja alles tutti - man muss halt hinschreiben was die Leute hören wollen (und nicht, wovon die Kuh satt wird). Ich zähl mal demnächst die Kräuter auf unseren Wiesen ;)

Re: Glyphosat-Diskussion

Verfasst: Fr 24. Aug 2018, 17:59
von emil17
In einer Marktwirtschaft ist es nunmal so, dass sich der Kunde so irrational verhalten darf, wie er will.
Abgesehen davon verstehe ich nicht, warum es so schlimm ist, wenn die Konsumenten wissen wollen, wie und womit genau ihre Esswaren erzeugt werden. Gerüchte und falsche Vorstellungen gedeihen nicht dort, wo umfassend informiert wird.
Rohana hat geschrieben:Oder hat es schonmal irgendwen interessiert was bei der Rohstoffgewinnung und Verarbeitung für seinen Konsum alles so passiert?
Ja. Mich interessiert das. :holy: