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Re: Droht uns das Ende der Natur?

Verfasst: Mo 23. Apr 2018, 23:49
von Benutzer 6122 gelöscht
Daß hier keine Diskussion entsteht, liegt möglicherweise daran, daß hier keine böse anonyme "Agrarindustrie" mitdiskutiert.
Wer oder was soll das sein?
Ich behaupte jetzt einfach mal, daß die Landwirte, die hier mitdiskutieren im Forum darauf achten, daß es ihren Tieren gut geht, daß sie das Land gut pflegen, um es
ihren Kindern ordentlich zu hinterlassen, die nicht ohne Not Chemie verwenden und sich Gedanken machen, was man besser oder anders machen könnte. Und die sich womöglich Gedanken machen, wie sie Raum für Insekten und Wildtiere schaffen können.

Natürlich ist das ein Unterschied zu den Großbetrieben, die Tausende von Tieren halten oder gigantische Flächen mit Hightech bewirtschaften.
Aber daß immer größer, immer mehr, immer billiger, immer rationeller von der Politik und der Wirtschaft so gefordert wird, läßt sich von uns kleinen Fürzen nur insofern ändern, daß man selbst bewußter einkauft. Oder man muß in die Politik gehen. Womöglich noch ins Europäische Parlament. Oder Lobbyist werden für irgendwas. Oder Aktien von Agrarfirmen kaufen, um bei der Aktionärsversammlung Rambazamba zu machen. Dann kann man vielleicht etwas daran ändern?

Aber die Agrarindustrie sitzt hier einfach nicht mit am Tisch. Und die Agrarindustrie wird vermutlich auch nach einem Buch über das Ende der Natur nix ändern, sofern sie nicht durch die Rahmenbedingungen (Politik, Wirtschaft, Verbraucherverhalten) dazu gezwungen wird. Bis auf weiteres ist groß und größer wichtig, Wirtschaftlichkeit und Ernährungssicherheit, nicht Umweltschutz.

Re: Droht uns das Ende der Natur?

Verfasst: Di 24. Apr 2018, 06:37
von Rohana
Wer ist denn "die Agrarindustrie"? Worüber definiert sich das? Hektar, Tierzahl, gelernter Beruf des Besitzers, Betriebsform?

Re: Droht uns das Ende der Natur?

Verfasst: Di 24. Apr 2018, 06:53
von hobbygaertnerin
Ich hab vor einer Weile einen Beitrag über eine Sängerin gesehen, sie war mir nicht bekannt, aber sie muss vielen anderen Menschen sehr bekannt sein, weil ihre Texte sich um all das drehen, was den Menschen Sorgen macht. Sie gab zu, sich 85 % des Tages mit aufbauenden Gedanken zu befassen, nur die restlichen 15 % würden sich um die Probleme drehen.
Find ich eine gute Ein- bzw. Aufteilung.
Es scheint die Sichtweise doch sehr viel auszumachen, ob das Glas halb voll oder halb leer ist.
Ich habe viele Bücher gelesen, es ist immer die Sichtweise des Schreibenden, die einen Eindruck liefert.
Die Praxis sieht meist immer ein wenig anders aus.
Heute Nacht gabs den kostenlosen und wertvollen Dünger zum Glück, bin ich froh.
Was mir so auffällt, ich fahre sehr viel mit dem Fahrrad, in den Siedlungen und Dörfern sind die Gärten sehr übergepflegt, wenig Raum und Paltz für die Natur, draussen auf dem Land sehe ich noch Bauerngärten, Streuobstwiesen, Wiesen mit sehr viel Löwenzahn, es wächst überall und die Sturmschäden in den Wäldern sind aufgeräumt.
Ist ja auch nicht so lustig, wenn einem in einer kurzen Zeit der Sturm die Arbeit von einer Generation umweht.
So gesehen, ich bin dankbar für all die Menschen, die sich um Wald und Wiesen bemühen, wir können dies als Erholungsraum nutzen, aber ich denke mal, hin und wieder wäre die Sichtweise auf das zu legen, was gut ist und nicht immer nur was schlecht ist.
Ich brauch nicht viel einkaufen, weil ich sehr viel selbst mache, aber wenn ich in den Lebensmittelgeschäften durchgehe- erschlägt mich die Vielfalt und Fülle an angebotenen Waren.
Obst und Gemüse übers ganze Jahr in einer Fülle, man könnte aus 100 verschiedenen Sorten Bier auswählen, aber die von der regionalen Brauerei findet sich nur sporadisch, zu uns kommt noch der altmodische Bierfahrer der kleinen Brauerei.
Eigentlich doch komisch, es gibt so viel zu jeder Zeit und niemand ist zufrieden.
Ist das nicht auch ein Problem unserer Zeit, wir haben von allem sehr viel, aber wer ist wirklich zufrieden?
Mir kommt es manchmal so vor, als müssten man für diese Unzufriedenheit einen "Sündenbock" haben.

Re: Droht uns das Ende der Natur?

Verfasst: Di 24. Apr 2018, 07:37
von Gelöschter Benutzer 54
ich hab weder was von dem buch noch von den links gelesen, auf problemen rumreiten, anderen die schuld zuschieben oder jenen, die auf zukauf ihrer nahrung angewiesen sind diese abzusprechen, weil das fläche braucht, interessiert mich schlicht und ergreifend nicht.

wer den rückgang der artenvielfalt bedauert, kann was dagegen tun.

zB die SV-lösung: grundstück kaufen oder vorhandene (teil)fläche umwandeln, entsprechend bewirtschaften, in wenigen jahren ist man am ziel:
französoscher FB-blog, aber deutschsprachige schrift im bild: https://www.facebook.com/MonJardinEnPer ... =3&theater

oder, so das animo land zu bewirtschafen fehlt:
sich mal ansehen, was auf den riesenflächen alles so wächst. sind es gurken, tomaten, etc oder ist es eher getreide oder energiepflanzen? was auch immer man vor der nase hat, kann man verweigern. man braucht weder kukuruz noch brot noch biofernwärme um ein glückliches leben zu führen.

oder was anderes. die welt ist voller lösungen. hauptsache, man macht was und redet nicht nur.

Re: Droht uns das Ende der Natur?

Verfasst: Di 24. Apr 2018, 08:41
von Benutzer 2354 gelöscht
Danke.

Re: Droht uns das Ende der Natur?

Verfasst: Di 24. Apr 2018, 09:32
von viktualia
So mal 3/4 Ot: Thomas, mit so Satellitenbildern hat man rausgefunden, dass die "Piraten" aus Westafrika, die, die immer die großen Schiffe um Lösegeld erpressen, dieses in die Entwicklung ihrer Heimatdörfer stecken. Da sei nämlich ne Menge gebaut und entwickelt worden, so ganz ohne "staatliche Förderung". (Es waren ja jeweils "fremde" Staaten, die die Kohle lockermachen mussten....)
Hab ich vor ner Weile mal in der Zeitung gelesen (Kölner Rundschau), ne "Quelle" hab ich leider nicht.

Damit möchte ich nochmal eindringlich darauf hinweisen, dass "die Natur" nicht schwarz/weis ist....

Wildmohn, der Natur in Europa geht es noch verhältnissmässig gut,
im Gegensatz zu den Gebieten, wo jetzt schon ein Großteil unserer Ernährung herkommt.
Auch unsere Landwirte haben relativ viel know-how, was "verantwortlichen Umgang" mit den diversen Mittelchen angeht, jedenfalls
im Gegensatz zu den Gebieten, wo jetzt schon ein Großteil unserer Ernährung herkommt.
Die Verarbeitung der Lebensmittel für den hiesigen Markt ist ebenfalls deutlich "natürlicher" geworden (weniger Chemie drin in vielen Produkten, bei veganem Gedöns eher nicht),
im Gegensatz zu den Gebieten, wo weite Teile der Grundzutaten produziert werden.

Wenn also "Umweltschützer" ankommen und die hiesigen Zustände mit solchen "Argumenten" anschwärzen, dann bekomm ich das kalte Gruseln,
denn das eigentliche Problem, das, was die Bereiche ausserhalb "meines Tellerrandes" angeht, ist die Tatsache, dass
diese Gegenden sich auch am großen Kuchen beteiligen wollen und
unser know-how brauchen, nicht unsere Scheuklappen, nicht den Negativismus.

Du erkennst eine reale Gefahr und merkst aber nicht, wie du zum Teil des Problems mutierst, wenn du nicht mal den Unterschied zwischen düngen und überdüngen erkennen kannst.
Du wirkst mit an den Auswirkungen der "Vereinzelung", der Teilung in "böse Häppchen" und "gute Häppchen",
wo DIE NATUR doch aus ALLEM besteht, die Natur der Zusammenhang ist....
Lös mal das Problem mit deinen Ängsten/Befürchtungen und "Argumenten" und schau dir etwas genauer an, auf welchem "Niveau" deine links sind, das könnte den Boden für eine Diskussion fruchtbarer werden lassen.

Re: Droht uns das Ende der Natur?

Verfasst: Di 24. Apr 2018, 10:00
von Wildmohn
Eine bemerkenswerte Erkenntnis, ein bisschen spät, aber immerhin…
Kleine Betriebe sollen pro Hektar mehr Geld erhalten
… Dahinter steckt die Überlegung, dass es ungerecht ist, wenn ein Fünftel der Bauern in der EU heute in der Summe 80 Prozent der Direktzahlungen bekommen. In der Diskussion ist etwa, Direktzahlungen ab einer bestimmten Betriebsgröße abzuschmelzen oder ganz zu kappen. Diese Forderung unterstützt Deutschland: Die neue Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) will sich dafür in den anstehenden Verhandlungen einsetzen. „Das alte Prinzip, dass der am meisten bekommt, der die größten Flächen besitzt, hat ausgedient“, sagte Schulze unserer Zeitung. Bauern sollten künftig dafür honoriert werden, was sie für die Gemeinschaft leisteten. Unterstützung kommt auch aus dem EU-Parlament. CDU-Landwirtschaftsexperte Norbert Lins, ist der Meinung, „dass bäuerliche Kleinbetriebe höhere Direktzahlungen bekommen sollten als Großbetriebe.“ Sie erwiesen der Allgemeinheit in der Regel einen höheren Dienst: „Sie tun mit der Bewirtschaftung kleinerer Flächen und damit einhergehend schonenderer Methoden mehr für die Erhaltung der Artenvielfalt“.
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/ ... 05348.html
@Viktualia:
Sollte Dein obiger Beitrag Dir Erleichterung verschafft haben, so gönne ich Dir dies von ganzem Herzen…

Re: Droht uns das Ende der Natur?

Verfasst: Di 24. Apr 2018, 10:40
von Benutzer 72 gelöscht
Vorneweg: auch Düngen (nicht nur Über-Düngen) verändert die Vegetation, sodass manche Pflanzen verschwinden, aber wir kriegen halt sonst nicht genug zum Essen aus dem Boden. :im:

eine kleine Frage: was genau bedeutet Über-Düngen?

ist das, wenn ich meinen Acker so viel dünge, dass die Pflanzen deshalb auch nicht größer und besser wachsen (und ich sinnlos mein Geld verpuffe) oder ist das ab dann, wenn es einen "Abdrift" gibt (Dünger ins Grundwasser kommt, zum Beispiel)?

Was ist Agrarindustrie?

Bei wikipedia wird Industrie so definiert:
Charakteristische Merkmale der Industrie sind die Massenproduktion von untereinander annähernd homogenen Gütern mit Hilfe standardisierter Produktionsverfahren, die durch Arbeitsteilung, Mechanisierung und Automatisierung gekennzeichnet sind.
Demnach ist Agrarindustrie ein "Bauernhof", der nur Getreide auf großen Feldern und mit Maschineneinsatz - eben "optimiert" - anbaut, aber nicht der kleine Hof, auf dem die Hühner rumrennen.
Agrarindustrie sind dann wohl auch die Ställe, in denen viel Fleisch "produziert" wird, statt dem Hof, der die Kühe oder Schweine persönlich betreut und den dabei entstehenden Mist auf die eigenen Felder führt.

Was gegen diese Definition, Rohana?

Re: Droht uns das Ende der Natur?

Verfasst: Di 24. Apr 2018, 17:13
von MeinNameistHASE
@ina
"Über-Düngen: ist, wenn ich meinen Acker so viel dünge, dass die Pflanzen deshalb auch nicht größer und besser wachsen (und ich sinnlos mein Geld verpuffe)" Das ist in meinen Augen eine treffende Definition. Den angesprochenen Austrag ins Grundwasser kann man nicht vermeiden, nur die evtl. vorhandene auswaschbare Menge. Selbst dein Rasen emittiert bei ausreichend Niederschlag Nitrat ins Grundwasser, mal stark vereinfacht.

zu deiner Definition: :ohoh: Auch der kleine Bauernhof verwendet standardisierte Verfahren und will möglichst homogene Güter erzeugen.

Mein Vorschlag zu Agrarindustrie: Betriebe, die einen Großteil des Futters zukaufen müssen, keine ausreichenden Flächen haben um eine Kreislaufwirtschaft zu betreiben und ein krasses Gewinnstreben ohne Rücksicht auf Verluste ("Tierwohl", Mitarbeiter, gewinnmaximierte Fruchtfolge, stark eingegrenztes Produktionsprogramm) durchsetzen.

Re: Droht uns das Ende der Natur?

Verfasst: Di 24. Apr 2018, 19:26
von Wildmohn
Überdüngung ist meiner Meinung nach der Umstand, wenn zu viel Stickstoff in Form von Gülle/Mist oder chemischen Dünger ausgebracht wird.
Also in der Summe, wenn mehr ausgebracht wird, als der Ackerboden aufnehmen kann und/oder die darauf wachsenden Pflanzen verwerten können.
Der überschüssige Dünger wird dann entweder ausgeschwemmt und/oder sickert ins Grundwasser und/oder trägt zur Luftverpestung bei, mit den daraus resultierenden Folgen für Mensch und Umwelt.

Diesen Artikel https://www.tagesspiegel.de/politik/bio ... 11814.html möchte ich den einen oder anderen interessierten noch zu Gemüte führen.
Mehr sage ich auch nicht mehr zur Problematik…vielleicht melde ich mich nochmal, wenn ich das Buch gelesen habe… :holy: