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Re: Glyphosat-Diskussion

Verfasst: Do 23. Aug 2018, 20:20
von Wildmohn
@emil:
Ich bin d'ac­cord mit Deinen Ausführungen zu diesem Thema.

Einzig würde ich gerne noch folgendes hinzufügen:

Runtergebrochen auf die unternehmerische Verantwortung ist es in allen beruflichen Zweigen so, dass der Unternehmer für sein Handeln haftet. Ob es nun eine landwirtschaftliche, handwerkliche oder sonstiger Unternehmung ist:
Ich stehe für mein Handeln gerade, gebe Anweisungen und stehe damit in der Pflicht, Schaden abzuwenden und ein für die Allgemeinheit verträgliches Konzept zu konzipieren.
Wenn ich als verantwortungsvoller Malermeister einen Wasserschaden in einem Kinderzimmer zu beseitigen habe, dann kann ich nicht meine Mitarbeiter anweisen, bedenkenlos diesen Schaden mit einem Nitrozelluloselack zu beheben, sondern muss mir Gedanken darüber machen, welche weniger schädliche Alternativen es gibt.
Es mag sein oder es ist leider so, dass kleinbäuerliche Betriebe sich einen unerhört ungleichen Wettbewerb mit den Agrarmultis stellen müssen, aber es rechtfertigt nicht, dass diese Betriebe nicht in der Verantwortung stehen. Der Wettbewerb ist überall gleich, es gibt Nischen, in denen sich gerade die "Kleinen" behaupten könnten. Es ist sicher schwierig aus diesem Teufelskreis der Abhänigkeit (Saatgut/Pestizide) auszubrechen, aber der Markt für giftfreien Anbau expandiert unaufhaltsam.
Die "Kleinen" werden gegen die mächtige Agrarindustrie zukünftig nicht ankommen, also gilt es nicht zu jammern, sondern Alternativen finden und das beste daraus machen, so man denn Landwirtschaft als Erwerbszweig betreiben möchte...

Re: Glyphosat-Diskussion

Verfasst: Do 23. Aug 2018, 20:36
von Benutzer 4754 gelöscht
Es ist sicher schwierig aus diesem Teufelskreis der Abhänigkeit (Saatgut/Pestizide) auszubrechen
Da hab ich Mal ne Frage zu...
... warum wird uns Landwirten immer zu angedichtet das wir abhänig seien und und von irgendwas befreien müssten?

Re: Glyphosat-Diskussion

Verfasst: Do 23. Aug 2018, 20:49
von Benutzer 4754 gelöscht
So einfach ist das nicht, denn die Nachteile des hemmungslosen Chemikalieneinsatzes in der Nahrungsmittelproduktion treffen alle. Wäre dem nicht so und das Zeug wäre wirklich harmlos, dann wäre es ja egal.
Mit anderen Worten, ein Teil der Kosten der "normal" erzeugten Nahrungsmittel sind nicht im Warenpreis enthalten, sondern werden als Kollateralschaden der Allgemeinheit und den zukünftigen Generationen überlassen. Das funktioniert auch bei der Atomenergie und beim Billig-Flugverkehr so. Es ist trotzdem unfair.
Erstmal ist der Einsatz mit Nichten hemmungslos und andererseits hast du doch selbst festgestellt das bei keinem Produkt eine "Vollkostenrechnung" gibt
Egal ob Atomenergie, Billig-Flieger, Solar- und Windstrom, meiner Autofahrt vorhin oder dem Kleindugsstück das du gerade an hast.
Mit welcher Begründung willst du diese dann bei der Lebensmittel Produktion aufmachen?
(Es ist übrigens seltsam, dass eine Produktion von Nahrungsmitteln, die nur mit derart hohen Aufwandmengen von Kunstdünger und Agrochemikalien funktioniert, einfach mal als normal bezeichnet wird - normal wäre eigentlich etwas anderes).
Es ist der Weg auf dem Weltweit die überwiegende Masse an Lebens-, Futtermitteln und Agrarischen Rohstoffen erzeugt wird.
Was spricht dagegen das nun als normal zu bezeichnen wenn das andere nur eine (mehr oder weniger kleine) Nische ist?

Re: Glyphosat-Diskussion

Verfasst: Do 23. Aug 2018, 20:55
von Rohana
strega hat geschrieben:bei Zigaretten und Tabak hat die Bevölkerung die Wahl, ob sie das konsumieren will oder nicht. Zumindest so rein theoretisch, abgesehen vom Suchtfaktor.
Und wo geht das Zeug hin wenn es aufgeraucht ist? Das ist die selbe Luft die ich atme, die du atmest!
Bei Lebensmitteln, die mit Glyph und Co. traktiert werden hat sie das eher nicht... denn die breite Bevölkerung hat keinen eigenen Garten und hängt ab von dem was ihr vorgesetzt wird zum Kauf. Steht ja nicht auf der Zutatenliste des Produkts, wann was gepritzt wurde.... wär aber vielleicht gar nicht schlecht wenn das aufgeführt würde? :pfeif:
Kann man sicherlich mal exemplarisch machen. Da gucken die Obstkunden hoffentlich blöd wenn da x mal Fungizide gegen Schorf und solches Zeug dransteht. DAS macht man nämlich nur damit der Kunde der makellose Äpfel will auch solche bekommt!
Aber wenn, dann bitte alle "Gifte" im Produkt auflisten: Sekundäre Pflanzenstoffe antinutritiver und giftiger Art, Pilztoxine und dergleichen. Wär bestimmt ganz spannend zu sehen ;)

Re: Glyphosat-Diskussion

Verfasst: Do 23. Aug 2018, 21:07
von Wildmohn
Oelkanne hat geschrieben:
Es ist sicher schwierig aus diesem Teufelskreis der Abhänigkeit (Saatgut/Pestizide) auszubrechen
Da hab ich Mal ne Frage zu...
... warum wird uns Landwirten immer zu angedichtet das wir abhänig seien und und von irgendwas befreien müssten?
Angedichtet ? :eek:

Ich kenne keinen Berufszweig, der mehr Abhängig ist von Subventionen, der Agrarindustrie und dem Wetter... ;)

Re: Glyphosat-Diskussion

Verfasst: Do 23. Aug 2018, 21:13
von Benutzer 4754 gelöscht
Wildmohn hat geschrieben:
Oelkanne hat geschrieben:
Es ist sicher schwierig aus diesem Teufelskreis der Abhänigkeit (Saatgut/Pestizide) auszubrechen
Da hab ich Mal ne Frage zu...
... warum wird uns Landwirten immer zu angedichtet das wir abhänig seien und und von irgendwas befreien müssten?
Angedichtet ? :eek:

Ich kenne keinen Berufszweig, der mehr Abhängig ist von Subventionen, der Agrarindustrie und dem Wetter... ;)
Das mit Wetter können wir leider nicht ändern,
ist aber vermutlich auch besser so :lol:
Die Subventionen nennen sich immer noch Ausgleichszahlungen,
wenn man nichts zum Ausgleichen hätte, bräuchten wir auch dieses Geld nicht.
VW ist auch von Bosch abhänig, na und?
Es verpflichtet auch niemand einen Landwirt all seine Pflanzenschutzmittel von der BASF zu beziehen oder nur bei Bayer zu kaufen, ich kann kaufen wo ich will.
Sicherlich, wenn die BASF einen Wirkstoff neu entwickelt und ich genau den haben will, kann ich ihn nicht im Bayer-Kanister kaufen.
Aber einen A6 bekomme ich auch nicht im BMW-Autohaus...

Re: Glyphosat-Diskussion

Verfasst: Do 23. Aug 2018, 21:15
von Rohana
Und er könnte, wenn er denn wollte, auch einfach gar nix kaufen. :)

Re: Glyphosat-Diskussion

Verfasst: Do 23. Aug 2018, 21:22
von Wildmohn
Rohana hat geschrieben:Und er könnte, wenn er denn wollte, auch einfach gar nix kaufen. :)
Das wäre aber dann einer von der Sorte, der ordentlich Hirnschmalz hat und ein Meister seines Metier ist...

Re: Glyphosat-Diskussion

Verfasst: Do 23. Aug 2018, 21:24
von Benutzer 4754 gelöscht
Wildmohn hat geschrieben:
Rohana hat geschrieben:Und er könnte, wenn er denn wollte, auch einfach gar nix kaufen. :)
Das wäre aber dann einer von der Sorte, der ordentlich Hirnschmalz hat und ein Meister seines Metier ist...
Willst du damit 90% der deutschen Betriebsleiter als dumm bezeichnen?

Re: Glyphosat-Diskussion

Verfasst: Do 23. Aug 2018, 21:30
von Benutzer 4754 gelöscht
Ich denke du hast falsche Vorstellungen vom Pflanzenschutz...
es gibt nicht nur ein Kanister der gegen alles hilft und immer druf mit...
Es gibt in DE insegsamt 270 verschiedene, zugelassene Wirkstoffe die sich alle unterscheiden,
fertig zu kaufen gibt es etwa 730 Mittel, und jetzt liegt es am Landwirt oder PSM-Berater aus diesen 730 Stück das eine zu genau der Situation passenden Mittel herauszusuchen.