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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 23. Okt 2018, 10:22
von Benutzer 72 gelöscht
Oelkanne hat geschrieben:
Auch in Südamerika leben Menschen ;)
Na sicher, warum auch nicht
irgendwer muss ja den Rohrzucker produzieren :haha:
sehr schöne Sicht auf das, was einen Menschen ausmacht.... :roll:

Ich meinte, dass auch dort Menschen sich für bessere Arbeitsbedingungen und Umweltschutz stark machen - immer mehr!
Und die will ich unterstützen....

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 23. Okt 2018, 16:38
von Benutzer 4754 gelöscht
Mir kommt schon vor, dass diese Kampagne auch vor allem die "Kleinbauern" und die Familienbetriebe unterstützen will und sich in erster Linie gegen die industrielle Landwirtschaft und die Großbetriebe wendet.
Kleinbetriebe werden überproportional stark bezuschusst!
Ein Betrieb mit 4600ha kommt für die EU deutlich günstiger als 100 Betriebe zu je 46ha.

In der EU gibt es 174,6 Mio Hektar Landwirtschaftlichenutzfläche,
gäbe es nur Großbetriebe (mit z.b. 10.000ha) gäbe es 17.460 Betriebe,
gäbe es nur Kleinbetriebe (46ha) gäbe es 3.796.000 Betriebe, tatsächlich gibt es 10,8 Mio Betriebe.
Nehmen wir an man passt die Betriebe auf 46ha an,
alleine durch den Wegfall der Umverteilungsprämie (so nennt sich die extra Förderung von Kleinbetrieben) ließen sich 7,4 Mrd€ sparen, das sind 12,5% der gesamten Summe des Agrartopfes, ggü dem Fall daß es nur kleinbetriebe gäbe.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 23. Okt 2018, 18:35
von Wildmohn
@Ölkanne:
Aber den potentiellen ökologischen Mehrnutzen kleinbäuerlicher Strukturen hast Du bei Deinen Rechenkünsten doch sicherlich nicht aus den Augen verloren...?

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 23. Okt 2018, 18:48
von Benutzer 72 gelöscht
Oelkanne hat geschrieben:Ein Betrieb mit 4600ha kommt für die EU deutlich günstiger als 100 Betriebe zu je 46ha.
Bei der Petition geht es gar nicht darum, dass die Landwirtschaft mit weniger Geld gefördert werden soll, nur dass die Mittel so eingesetzt werden, dass dabei mehr Nutzen für die Allgemeinheit rausspringt :roll:
Die Ziele einer gerechten, umweltfreundlichen und gesundheitsfördernden GAP [Gemeinsame Europäische Agrarpolitik] sind universell. Deshalb fordern wir, dass alle Mitgliedstaaten die Zielvorgaben der neuen GAP vollständig erfüllen. Diese Vorgaben müssen von Indikatoren begleitet werden, die konkrete Ziele formulieren und mit denen der Grad der Zielerreichung gemessen werden kann. Die Zahlungen an die Mitgliedstaaten sowie Bäuerinnen und Bauern müssen an die Erfüllung dieser Ziele geknüpft sein.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 23. Okt 2018, 20:56
von Rohana
Wildmohn hat geschrieben:@Ölkanne:
Aber den potentiellen ökologischen Mehrnutzen kleinbäuerlicher Strukturen hast Du bei Deinen Rechenkünsten doch sicherlich nicht aus den Augen verloren...?
Der Mehrnutzen liegt vor allem in den kleinteiligen Landschaftsstrukturen. :pfeif:

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 23. Okt 2018, 22:29
von Benutzer 4754 gelöscht
Wildmohn hat geschrieben:@Ölkanne:
Aber den potentiellen ökologischen Mehrnutzen kleinbäuerlicher Strukturen hast Du bei Deinen Rechenkünsten doch sicherlich nicht aus den Augen verloren...?
nein, habe ich nicht,

Wie es Rohana schon schrieb:

es macht keinen Unterschied ob der 2ha große Acker von einem Betrieb bewirtschaftet wird der noch weitere 44ha hat, oder ob der 2ha große Acker von einem Betrieb bewirtschaftet wird der noch weiter 9998ha hat.
Bei der Petition geht es gar nicht darum, dass die Landwirtschaft mit weniger Geld gefördert werden soll, nur dass die Mittel so eingesetzt werden, dass dabei mehr Nutzen für die Allgemeinheit rausspringt
Wenn man die 7Mrd € einspart, kann man sie anderswo ausgeben, aber zu so einer kolektivierung der Landwirtschaft wird es eh nicht freiwillig in der ganzen EU kommen, eher unfreiwillig weil man kleinere Betriebe zusammenlegen muss um wirtschaftlich zu bleiben.
Schon jetzt erhält man außer der Basiszahlung kein weiteres Geld ohne das man extra etwas dafür tut.
Die Forderung das die Zahlungen an die Erfüllung der Ziele geknüpft ist, ist also schon erfüllt.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 24. Okt 2018, 06:54
von Benutzer 2354 gelöscht
der 1000Ha Betrieb hat meist gar keine geigneten Schlepper und Maschinen um 2 Ha kleinteilig zu bewirtschaften.
Das es immer größer werden muss um wirtschaftlich zu sein ist schon ein sehr altes Lied .
Ich halte es für gefährlich wenn wir unsere Ernährung in die Hände einer weniger Grroßbetriebe geben.
Pauschal zu sagen klein ist gut und groxbetrieb ist schlecht geht natürlich auch nicht.
Landwirtschaft ist eben keine Industrie wie jede andere und darum müssen dort auch andere Masstäbe angelegt werden.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 30. Okt 2018, 07:00
von Benutzer 2354 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 3. Nov 2018, 08:42
von Manfred
Laut BLW 22/2018 hat sich die Verschuldungssituation der dänischen Bauern in den letzten Jahren massiv verschlechtert.
2005, vor der "Finanzkrise" lag der Schuldenstand bei 29 Mrd. Euro. Heute liegt er bei ca. 47 Mrd.
In Dänemark ist die Verschuldung deshalb besonders hoch, weil keine steuerbegünstige Hofübergabe im Rahmen der Vorgezogenen Erbfolge wie in Deutschland erfolgt, sondern die Höhe idR an den Übernehmer verkauft werden.
Faktisch ist die Situation heute so, dass ein Großteil der landwirtschaftlichen Fläche als Sicherheit für die riesigen Kredite an die Banken übereignet ist.


Außerdem gibt es neue Zahlen aus Bayern.
Es scheint sich langsam durchzusetzen, was ich seit Jahren fordere:
Die Vollkostenrechnung, welche den Kapital- und Arbeitszeiteinsatz berücksichtigt und den danach übrig bleibenden echten Unternehmergewinn ermittelt:

In der aktuellen Ausgabe des Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatts (44/2018) findet sich ein 2-seitiger Artikel zur Betriebswirtschaft, der empfiehlt, eine Vollkostenrechnung durchzuführen.
Darin wird auch die neue Auswertung der LfL Bayern über spezialisierte Milchviehbetriebe verlinkt.
https://www.lfl.bayern.de/mam/cms07/pub ... mation.pdf
Der Unternehmergewinn nach Vollkosten liegt im Schnitt bei -267 Euro pro Kuh bzw. -26.603 Euro für den gesamten Betriebszweig, inkl. Jungviehaufzucht (Siehe Seite 23).
Der kalkulierte Lohnansatz lag bei nur 17,50 Euro pro Stunde, also umgerechnet knapp über Arbeitnehmer-Mindestlohn.
Der kalkulierte Zinssatz für das Eigenkapital (außer Boden) lag bei 4%.

Es trifft also genau das zu, was ich ebenfalls seit Jahren erzähle: Die Bauernfamilien beuten sich selbst aus und arbeiten weit unter Mindestlohn.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Sa 3. Nov 2018, 10:32
von emil17
Das ist also eine Rechnung, die ein Unternehmer machen würde, der einen Hof pachtet, den Bauern als bezahlten Geschäftsführer anstellt und sich auch die Kapitalkosten in Rechnung stellt.
Diese Rechnung ist in Ordnung, weil alle Aktiengesellschaften so rechnen.
Dann könnten alle Kleinbetriebe zumachen, weil das in allen Branchen so läuft. Wie Centauri erwähnt hat, der Schreiner ohne Angestellte der am Wochenende die Rechnungen macht.
Müsste man auch noch jede Mitarbeit in der Familie fiktiv vergeben (Haushälterin zum Mindestlohn für kochen, putzen, waschen, einholen, Kinder betreuen), so würde sich auch eine Familie nicht rechnen.

Auch in der Schweiz mit Aussenschutz ist die Situation nicht besser: Link
Hier wird aber das Einkommen und nicht der Unternehmensgewinn genannt.
Man sollte, um die Zahlen zu verstehen, wissen, dass SFr. 50'000 kaufkraftmässig etwa dem Lohn eines schlecht bezahlten Angestellten etwa im Detailhandel entsprechen. Davon kann man kaum leben. Die Kaufkraft eines CHF (etwa 85 Euro-Cent) entspricht in der Schweiz bei weitem nicht derjenigen eines Euro in Deutschland. Eine 4-Zimmer-Wohnung 50km von Zürich weg kriegste nicht unter 2000 kalt und trocken.
Wenn man noch die Arbeitszeiten in den Familienbetrieben berücksichtigt, ergibt sich so ziemlich das gleiche Bild wie in D.
Was ich nicht weiss, ist, ob in den Einkommensrechnungen die Naturalleistungen an die Lebenshaltung (Kost, Unterkunft) eingerechnet sind oder nicht. In der CH entspricht die Eigennutzung eines Hofes als Wohnung im Schnitt etwa 2000 CHF pro Monat. Auch hier, wie bei Euch, aber über kleinere Distanzen: Extreme Unterschiede zwischen niedrigpreisigen Randregionen und in der Nähe grosser Städte.

Schlussfolgerung: Willste Kohle machen, bleib ledig und werde Anwalt oder Zahnarzt, oder erbe ein grosses Vermögen und verwalte es.

Was ich an diesen Rechnungen irreführend finde: Wenn man den fiktiven Unternehmensgewinn pro Kuh oder pro was-auch-immer angibt. Das würde für Manfreds Zahlen bedeuten, wenn du eine Kuh abgibst haste 267 E weniger Verlust. Eine Rechnung, die sicher nicht stimmt.

Was ich auch schlecht beurteilen kann: Ob ein Arbeiten auf dem eigenen Hof, das buchhalterisch gerechnet keinen Gewinn abwirft, deshalb sinnlos ist. Mit Geld kann man nicht alles messen. Wenn man soviel Bareinkommen erzielen kann, dass man gut davon leben kann, muss man ja nicht buchhalterischen Gewinn machen.
Was aber zu fordern wäre, ist, dass man steuerlich gleich behandelt wird wie grosse Unterehmen. Hier werde ich aber auch als Arbeitnehmer ungerecht behandelt, denn ein grosser Teil meiner Lebenshaltungskosten sind zur Erhaltung meiner Fähigkeit, Einkommen zu erzielen, unbedingt nötig. Wenn ich hungrig, unausgeschlafen und nackt zur Arbeit erscheine, wird das nix. Diese Kosten muss ich aber als Einkommen versteuern. Jemand, der vom Kapital lebt, muss das nicht und wenn er es schlau macht, wird sein Kapital dauernd grösser, ohne dass er je steuerbares Einkommen hätte. Aber das ist eine andere Diskussion.
---> Grössere Freibeträge, höherer Steuersatz auf dem Rest wäre gerechter. (Auch wieder eine andere Diskussion ...)