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Re: Milpa oder Die drei Schwestern (Mais, Kürbis, Bohnen)

Verfasst: Fr 15. Sep 2017, 19:12
von Manfred
Ziehst du "echte" Stangenbohnen oder Feuerbohnen?
Bei mir hier kommen die Stangenbohnen gar nicht in die Gänge. Feuerbohnen und Buschbohnen (könnte man auch verwenden) werden locker reif.

Re: Milpa oder Die drei Schwestern (Mais, Kürbis, Bohnen)

Verfasst: Fr 15. Sep 2017, 22:12
von Thomas/V.
Also ich habe Stangenbohnen, Kletterbohnen und Feuerbohnen immer für das Gleiche gehalten. Gibt es da Unterschiede?
Buschbohnen sind schneller reif, klar.

Re: Milpa oder Die drei Schwestern (Mais, Kürbis, Bohnen)

Verfasst: Fr 15. Sep 2017, 22:31
von Manfred
Die Feuerbohnen sind bilde eine eigene Art: Phaseolus coccineus ("Scharlachrote Bohne")
Die haben leuchtend rote Blüten.

"echte" Stangenbohnen gehören zu Phaseolus vulgaris (Gartenbohne) und blühen meist weiß oder rosa.
Buschbohnen sind eine Unterart der Gartenbohne Phaseolus vulgaris var. nanus

Evtl. gibt es auch frühere Stangenbohnen-Sorten. Aber die paar, die ich bisher getestet habe, haben hier alle gemickert. Scheinen deutlich mehr Wärme zu benötigen. Die Feuerbohnen dagegen wachsen prächtig.

Re: Milpa oder Die drei Schwestern (Mais, Kürbis, Bohnen)

Verfasst: Fr 15. Sep 2017, 23:12
von viktualia
Wäre das was für euch, in dem Zusammenhang: Köksjes https://www.aw-wiki.de/index.php/Ahrtaler_K%C3%B6ksjen
(https://de.wikipedia.org/wiki/Ahrtaler_K%C3%B6ksje) müsste eine Buschbohne sein, wenn ich das recht verstehe:
http://www.bohnen-atlas.de/sorten/c/842 ... lotti-typ-
Hab heute ein Pfund gekauft, auf dem Wochenmarkt in AW,
ich schick gerne ein halbes Pfund an das Samenpaket, wenn Interesse besteht.
Ahrtal hat allerdings Weinbauklima.

Re: Milpa oder Die drei Schwestern (Mais, Kürbis, Bohnen)

Verfasst: Fr 15. Sep 2017, 23:19
von Fred
Thomas/V. hat geschrieben:Ich bin mir nicht im Klaren, wie das funktionieren soll, wenn die 3 Arten unterschiedliche Wachstumsgeschwindigkeiten haben.
Dazu kommt, das die Kletterbohnen viel weiter hoch wollen als der Mais groß ist. Die Bohnen werden letztendlich einen Klumpen auf dem Mais bilden und ihn ersticken.
Bild leider zu breit...

Daß ein renomierter Pflanzenzüchter auf einem Forschungssymposium ein Vortrag darüber hält bedeutet ja nicht, daß man einfach eine Bohne und einen Mais nimmt, und das funktioniert dann überall. Dann würde ein Salesman den Vortrag auf einer Messe halten.
Im Nachklapp Interview zu dem Vortrag, sagt er daß in den Anden wo Mais/Bohne Mischanbau herkommt dort über 3000 Sorten Mais und änlich viele Bohnen selektiert wurden, von denen einige für den Mischanbau, andere wieder nicht selektiert sind. Passende Sortenwahl für gegebene Bedingung ist daher elementar. Zitat: " Viele Bohnensorten, die an der Stange eine gute Leistung zeigen, halten die Konkurrenz des Maises nicht aus. Und umgekehrt, viele Maissorten, die im Reinanbau eine hohe Leistung zeigen, können von der Bohne nicht profitieren oder erdrücken gar deren Entwicklung. "
KWS, die Firma, für die H. Schmidt arbeitet hat ja den Anspruch jedem Farmer für seine Bedingungen und je nach Zweck optimale Sorten anzubieten
Quelle: http://www.zukunftsstiftung-landwirtsch ... _final.pdf.
Wenn es dich aktuell interessiert, findest dort und unten Kontaktdaten, dann kannst dich ja direkt dorthin wenden, was sie inzwischen für deine Bedingungen geeignet herausgefunden haben.
Oder gibt es Kletterbohnensorten, die auf 2m Höhe aufhören zu wachsen? Oder welche, die Nebentriebe bilden, sodaß man zumindest den Haupttrieb köpfen könnte und an den Seitentrieben dann neue Blütenstände erscheinen? Vielleicht ist es sinnvoller, statt Bohnen Erbsen zwischen den Mais zu setzen?
Erbsen sind immer sinvoller weil: _ :carbonara: _ während Bohnen :ohoh: ....
Die allgemeine Aussage lautet ja nur, daß jedes Getreide sich immer in Partnerschaft mit einer Leguminose entwickelt hat, nicht mit welcher. Das faszinierende an der Natur, daß bei Verwendung von Partnerschaften, diese durch Möglichkeit des Austausch eines Partners an verschiedene Bedingungen adaptieren können, während ein Tausendsassa, der alles selber macht doch eher auf kleinen Bereich beschränkt wäre.

Anbei noch paar Unterlagen von Walter Schmidt, u.a. erkennt man Bandbreite der Sorten Variabilität:

Vortrag -Unterlagen 1
Vortrag - Unterlagen 2
Forschungspartner bei HfWU
Klostergut

Re: Milpa oder Die drei Schwestern (Mais, Kürbis, Bohnen)

Verfasst: Sa 16. Sep 2017, 00:25
von Fred
Ergänzung (kann leider nichtmehr editieren):
Vielleicht ist ja der Rheintaler Ribbelmais und die Schwefelbohneein guter Anfangspunkt für eigene Versuche:
Zitat Wikipedia: Allgemein zeichnet sich der Ribelmais dadurch aus, dass er im Frühjahr unter kühlen Bedingungen deutlich besser wächst als heutige Futtermaissorten

Re: Milpa oder Die drei Schwestern (Mais, Kürbis, Bohnen)

Verfasst: Sa 16. Sep 2017, 01:02
von Fred

Re: Milpa oder Die drei Schwestern (Mais, Kürbis, Bohnen)

Verfasst: Sa 16. Sep 2017, 08:27
von Thomas/V.
Danke! Da sind ja ein paar Ideen dabei, wie es funktionieren könnte.

Re: Milpa oder Die drei Schwestern (Mais, Kürbis, Bohnen)

Verfasst: Sa 16. Sep 2017, 09:02
von Benutzer 72 gelöscht
Manfred hat geschrieben:Evtl. gibt es auch frühere Stangenbohnen-Sorten. Aber die paar, die ich bisher getestet habe, haben hier alle gemickert. Scheinen deutlich mehr Wärme zu benötigen..
dann erwähne ich hier nochmal die Schöne von Richingen ;)
ist mir nur leider heuer draußen in Niederösterreich fast eingegangen, wegen Wiesenumbruch/Schnecken. Am Balkon in Wien hat sie die Hitze nicht vertragen. Jetzt - also seit ca. drei Wochen oder so, hat sich eine in Niederösterreich erholt und beginnt Bohnschoten zu produzieren.
Diese Stangenbohne dürfte zum kühlen Klima passen!
wächst aber :aeh: sehr hoch...
Mein Problem ist, dass der Mais, der zu unserem Klima passt, nicht groß wird......
Ich stelle halt den Anspruch an den Mais, dass er als Röstmais verzehrbar ist, mit Futtermais fangen wir nichts an. :im:

"Unsere" Feuerbohnen (Oberwolfsbacher) werden nicht riesig und tragen relativ früh.
Niedrige "normale" Stangenbohnen heißen Reiserbohnen. Trail of Tears sollte so eine sein.
Ausprobiert habe ich eine steirische namens Maisbohnemix, die wächst zwar groß aber nicht riesig - und hat meinen tiroler Röstmais erdrückt. (ich hab jetzt keinen mehr zum "weiterzüchten", egal...). Die Bohnen schmecken als Kerne nicht, aber als Bohnschoten sehr lecker. Also war es das nicht für mich...
Ich werde bei Erbsen bleiben und Ackerbohnen.
Und für die großen Stangenbohnen haben wir ja hier bei uns viele Stangen. Das dürfte eventuell bei "den Indianern" auch Mangelware gewesen sein - ??
Man sollte flexibel bleiben.

Und ist ja schön, dass wir "herumprobieren" können. :)

Re: Milpa oder Die drei Schwestern (Mais, Kürbis, Bohnen)

Verfasst: Sa 16. Sep 2017, 09:36
von hobbygaertnerin
Ich hab dieses Jahr auch wieder Milpa im Garten probiert.
Den Mais hab ich in Töpfchen vorgezogen, aber immer gleich 3 Stück Samen in einen grösseren Topf gelegt- Zeitraum Anfang bis Mitte April und die Maispflanzen dann rausgepflanzt. Als Bohnen hab ich Blauhilde, die werden aber länger als der Mais- golden Bantam- Borlottibohnen waren besser für die Maispflanzen. Blauhildebohnen find ich in der grünen Blattmasse leichter und die Borlottibohnen werden nicht so hoch.
Der Kürbis hat mir alles zugewuchert, auch das Nachbarbeet und irgendwann musste ich den Wucherer killen. Nächstes Jahr wenn Milpa, dann entweder Kletterzuccini oder Gurken.
Mais war vom Ertrag her sehr gut, hatte schöne Kolben ( die ich zum grossen Teil eingefroren habe) die Maispflanzen stehen auch auf jeder Menge Terra Preta- und auch die Bohnen fanden dieses Erdgemisch sehr sympathisch. So viele Bohnen hatte ich bisher eigentlich noch nie zum Ernten draussen.

Wenn die Bohnen die Blütenfahnen das Maises einwickeln - ich hab dann wirklich geschaut, dass die Bestäubung der Maispflanzen noch stattfinden konnte. Ausserdem verhinderte die Bohnenblattmasse auch teilweise, dass Wind durch den Mais zur Bestäubung streifen konnte.
Was ich nächstes Jahr wieder machen werde, einen wärmende Mistpackung unter die Maisreihen verstecken, Mais wächst einfach schneller, bei schlechtem, kalten Wetter im Mai überholen sonst die Bohnen und der Mais mag im frühen Stadium keine Wurzelkonkurrenz.
Kann mir vorstellen, dass die orginal Milpa wesentlich grössere Abstände braucht- Kürbis in ein Gartenbeet mach ich sicher nicht mehr, die Pflanze hat alles zugewuchert.
Kürbisse wachsen bei mir am Besten auf einem Komposthügel.
@ Manfred, die Feuerbohnen halten wirklich um einiges mehr an Kälte und ungutem Wetter aus, ihre Blüten sind so schön, dass sie bei mir einen Rosenbogen von beiden Seiten zuwächst, die Bohnen kann ich dann ganz leicht pflücken. Aber für eine Milpa würde ich mich nicht trauen, die werden ja noch um einiges länger als die Blauhilde.
Ausserdem sind die Bohnenschoten der blauen Hilde um einiges zarter, von den Feuerbohnen ernte ich lieber die Kerne und mache sie gekocht als Salat. Rindfleischsalat mit gekochten Feuerbohnen, Balsamicoessig und Kürbiskernöl :holy: