Re: Der "jagdfreie" Kanton Genf
Verfasst: Mo 7. Sep 2015, 09:26
Ich halo das mal hoch:
Ging da was ? Von wegen Betreten des Geländes zu Jagdzewcken?
Am besten bringt man den Jägern, die im Morgenfrost auf Wild warten, etwas Hochprozentiges zum Aufwärmen, kommt ins Gespräch und erwähnt beiläufig, dass es schade sei, dass sie die frisch gepflanzte Hecke nicht wahrnehmen.
(Kenn ich von meinem Vater: wenn der im Mäh-Modus ist wird alles ratzekahl geschnitten was nicht kohlkopfgrosse feuerrote Blüten trägt, oder dicker ist als was das Mähgerät mit Nachsetzen bewältigen kann. Ist nicht böse gemeint, der funktioniert halt so ... )
Die ganze Diskussion vorher:
Für den Durchschnittsmenschen ist "Natur" in den Tropen ein lianenverhangener feuchtheisser Dschungel, wo man von Tigern und Riesenschlangen gefressen wird. In Mitteleuropa ist es das, was alle, die sich mit dem Thema beschäftigen, als traditionelle Kulturlandschaft bezeichnen. (siehe unten).
Wald ohne Mensch funktioniert wunderbar, Mensch ohne Wald geht eigentlich nicht. Hier hat das Selbstverständnis vieler Förster ein grundsätzliches Problem. Sie meinen den Wirtschaftwald, wenn sie von Wald reden.
In D würde ich die Waldflächen so aufteilen:
Etwa 3/4 Wirtschaftswald, wo Ertrag Vorrang hat und Jäger gegen oder mit Förstern das Ertragsoptimum ausschnapsen sollen. Monokulturen, kurze Umtriebszeiten, Wildzufütterung, was ihr wollt. Freie Bahn für stillen Sport. (Motorsport jeder Art gehört in dafür ausgewiesene Flächen, z.B. alte Kiesgruben, die man mit dem Quad nach Belieben umpflügen sollen darf, denn es ist eine unnötige Belästigung).
Etwa 1/5 Landschaftsschutzflächen, mit Artenschutz, Altholz, Totholz und allem, was den Föster bei der Ertragsoptimierung stört, aber mit schonender Bewirtschaftung.
Die paar Prozent Restflächen absolute Schutzgebiete, ohne forstliche Eingriffe, Jagd nur zur Verhinderung von Überbeständen (wobei ein Diskussionsthema wäre, wo die Schad- und damit Eingriffsschwelle liegt). Das werden in der Praxis oft die sowieso ertragsarmen, weil mageren oder steilen oder bisher schlecht erschlossenen Flächen sein.
Im Gebirge haben oft Schutzfunktionen Vorrang. Forstliche Nutzung deshalb nur insoweit die Schutzfunktionen erhalten bleiben. Hier ist die Rentabilität sowieso selten gegeben, wegen dem Gelände. Auch hier sind die Wildbestände auf ein dem langfristigen Bestandeserhalt zuträgliches Mass zurückzunehmen. Das muss der Jäger machen.
Noch etwas Grundsätzliches: Verzicht auf Nutzung ist immer dann kein Verlust, wenn das, was nicht genutzt wird, von selber, also eben nicht durch eigene Vorleistung, entstanden ist.
Es entspricht damit dem Nichtvorhandensein von Fläche und nicht dem Hinauswerfen von Geld. Genauso wie das Land des Nachbarn betriebswirtschaftlich irrelevant ist und mir keinen wirtschaftlichen Nachteil verursacht durch die blosse Tatsache, dass ich seinen Grund anders bewirtschaften würde als er es tut.
Das Grundproblem unserer Wirtschaftsweise - der unaufhörliche Zwang zu Wachstum - kann nämlich mit der restlosen Nutzung von allem, was die Landschaft hergibt, nicht gelöst werden. Es wird nur ein paar Jahre in die Zukunft verschoben. Ohne unberührte Flächen kommt es immer zu einer Trivialiserung der Landschaft, wegen kurzfristigen Ertragsoptimierung. Deshalb müssen solche Flächen dort, wo sie sich nicht von selber ergeben (Gebirge!) ausgeschieden und geschützt werden.
Zum Thema traditionelle Kulturlandschaft: Wo ich wohne, ist Tourismus die Haupteinnahmequelle. Die Bauern werden immer weniger, weil sie ihr Einkommen nicht halten können und weil die Arbeitszeiten viel länger sind. Die Ferienhausbesitzer und Feriengäste wollen aber nicht auf immer mehr verbrachende Wiesen schauen - "die müssen was machen" (wer denn?). Über Steuern die Gemeinde dafür bezahlen, das zu bewirtschaften, wollen die Touristiker auch nicht (unsere Destination soll konkurrenzfähig bleiben) und weil die standardisierte Milch von Aldi&Co weniger kostet, als was die Bauern hier produzieren, wird das Milchgeld aus marktwirtschaftlichen Gründen auch immer weniger. Brennholz für den Kamin wird importiert, da frei Haus billiger als was die einheimische Forstwirtschaft kostendeckend bereitstellen kann.
Dass es für den Tourismus lebensnotwendig ist, eine umwelt- und landschaftverstägliche Landwirtschaft zu haben, und dass das nicht umsonst zu haben ist, ist noch nicht wahrgenommen worden. Lieber werden immer neue Events erfunden und immer neue Traditionen ausgegraben und organisiert. Kaum ein Wochenende ohne Berglauf, Radrennen, Autorallye, Gleitflieger-Event, Schau-Kuhkampf usw., immer mehr Klettersteige, Mountainbiketrails, Naturlehrpfade, Golfplätze und dergleichen; die hinterste Ecke wird aufgewertet (= durch Zufahrt erschlossen). Es gibt aber sehr restriktive Vorschriften, wann laut gerabeitet werden darf, um die Touristen nicht zu stören.
Hier sorgt das Gebirge von selbst für unberührte Flächen in allen Vegetationshöhenstufen.
Vielleicht wäre es, um die Diskussion weiterzuführen, gut, einige Gebiete mit Verzicht auf jegliche Eingriffe frei zugänglich zu machen, um den Leuten zu zeigen, was wäre, wenn es die traditionelle Landwirtschaft nicht gäbe? Den Leuten, die für uneingeschränkte Ertragsoptimierung eintreten, kann man ja sagen, sie sollen in der Maispampa oder im Fichtenforst Erholung suchen.
Ging da was ? Von wegen Betreten des Geländes zu Jagdzewcken?
Am besten bringt man den Jägern, die im Morgenfrost auf Wild warten, etwas Hochprozentiges zum Aufwärmen, kommt ins Gespräch und erwähnt beiläufig, dass es schade sei, dass sie die frisch gepflanzte Hecke nicht wahrnehmen.
(Kenn ich von meinem Vater: wenn der im Mäh-Modus ist wird alles ratzekahl geschnitten was nicht kohlkopfgrosse feuerrote Blüten trägt, oder dicker ist als was das Mähgerät mit Nachsetzen bewältigen kann. Ist nicht böse gemeint, der funktioniert halt so ... )
Die ganze Diskussion vorher:
Für den Durchschnittsmenschen ist "Natur" in den Tropen ein lianenverhangener feuchtheisser Dschungel, wo man von Tigern und Riesenschlangen gefressen wird. In Mitteleuropa ist es das, was alle, die sich mit dem Thema beschäftigen, als traditionelle Kulturlandschaft bezeichnen. (siehe unten).
Wald ohne Mensch funktioniert wunderbar, Mensch ohne Wald geht eigentlich nicht. Hier hat das Selbstverständnis vieler Förster ein grundsätzliches Problem. Sie meinen den Wirtschaftwald, wenn sie von Wald reden.
In D würde ich die Waldflächen so aufteilen:
Etwa 3/4 Wirtschaftswald, wo Ertrag Vorrang hat und Jäger gegen oder mit Förstern das Ertragsoptimum ausschnapsen sollen. Monokulturen, kurze Umtriebszeiten, Wildzufütterung, was ihr wollt. Freie Bahn für stillen Sport. (Motorsport jeder Art gehört in dafür ausgewiesene Flächen, z.B. alte Kiesgruben, die man mit dem Quad nach Belieben umpflügen sollen darf, denn es ist eine unnötige Belästigung).
Etwa 1/5 Landschaftsschutzflächen, mit Artenschutz, Altholz, Totholz und allem, was den Föster bei der Ertragsoptimierung stört, aber mit schonender Bewirtschaftung.
Die paar Prozent Restflächen absolute Schutzgebiete, ohne forstliche Eingriffe, Jagd nur zur Verhinderung von Überbeständen (wobei ein Diskussionsthema wäre, wo die Schad- und damit Eingriffsschwelle liegt). Das werden in der Praxis oft die sowieso ertragsarmen, weil mageren oder steilen oder bisher schlecht erschlossenen Flächen sein.
Im Gebirge haben oft Schutzfunktionen Vorrang. Forstliche Nutzung deshalb nur insoweit die Schutzfunktionen erhalten bleiben. Hier ist die Rentabilität sowieso selten gegeben, wegen dem Gelände. Auch hier sind die Wildbestände auf ein dem langfristigen Bestandeserhalt zuträgliches Mass zurückzunehmen. Das muss der Jäger machen.
Noch etwas Grundsätzliches: Verzicht auf Nutzung ist immer dann kein Verlust, wenn das, was nicht genutzt wird, von selber, also eben nicht durch eigene Vorleistung, entstanden ist.
Es entspricht damit dem Nichtvorhandensein von Fläche und nicht dem Hinauswerfen von Geld. Genauso wie das Land des Nachbarn betriebswirtschaftlich irrelevant ist und mir keinen wirtschaftlichen Nachteil verursacht durch die blosse Tatsache, dass ich seinen Grund anders bewirtschaften würde als er es tut.
Das Grundproblem unserer Wirtschaftsweise - der unaufhörliche Zwang zu Wachstum - kann nämlich mit der restlosen Nutzung von allem, was die Landschaft hergibt, nicht gelöst werden. Es wird nur ein paar Jahre in die Zukunft verschoben. Ohne unberührte Flächen kommt es immer zu einer Trivialiserung der Landschaft, wegen kurzfristigen Ertragsoptimierung. Deshalb müssen solche Flächen dort, wo sie sich nicht von selber ergeben (Gebirge!) ausgeschieden und geschützt werden.
Zum Thema traditionelle Kulturlandschaft: Wo ich wohne, ist Tourismus die Haupteinnahmequelle. Die Bauern werden immer weniger, weil sie ihr Einkommen nicht halten können und weil die Arbeitszeiten viel länger sind. Die Ferienhausbesitzer und Feriengäste wollen aber nicht auf immer mehr verbrachende Wiesen schauen - "die müssen was machen" (wer denn?). Über Steuern die Gemeinde dafür bezahlen, das zu bewirtschaften, wollen die Touristiker auch nicht (unsere Destination soll konkurrenzfähig bleiben) und weil die standardisierte Milch von Aldi&Co weniger kostet, als was die Bauern hier produzieren, wird das Milchgeld aus marktwirtschaftlichen Gründen auch immer weniger. Brennholz für den Kamin wird importiert, da frei Haus billiger als was die einheimische Forstwirtschaft kostendeckend bereitstellen kann.
Dass es für den Tourismus lebensnotwendig ist, eine umwelt- und landschaftverstägliche Landwirtschaft zu haben, und dass das nicht umsonst zu haben ist, ist noch nicht wahrgenommen worden. Lieber werden immer neue Events erfunden und immer neue Traditionen ausgegraben und organisiert. Kaum ein Wochenende ohne Berglauf, Radrennen, Autorallye, Gleitflieger-Event, Schau-Kuhkampf usw., immer mehr Klettersteige, Mountainbiketrails, Naturlehrpfade, Golfplätze und dergleichen; die hinterste Ecke wird aufgewertet (= durch Zufahrt erschlossen). Es gibt aber sehr restriktive Vorschriften, wann laut gerabeitet werden darf, um die Touristen nicht zu stören.
Hier sorgt das Gebirge von selbst für unberührte Flächen in allen Vegetationshöhenstufen.
Vielleicht wäre es, um die Diskussion weiterzuführen, gut, einige Gebiete mit Verzicht auf jegliche Eingriffe frei zugänglich zu machen, um den Leuten zu zeigen, was wäre, wenn es die traditionelle Landwirtschaft nicht gäbe? Den Leuten, die für uneingeschränkte Ertragsoptimierung eintreten, kann man ja sagen, sie sollen in der Maispampa oder im Fichtenforst Erholung suchen.