Die 87% oben waren in der Quelle in Wirklichkeit 83% und somit von mir eine verfälschte Erinnerung. Bei Beibehaltung des C/N-Verhältnisses sind dann nur 8,3% Stickstoff auch eine enorme Menge, mir ging es an dem Punkt um Verhältnisse. Wenn man einem Kompost Unmengen an Gesteinsmehl oder Erde beimischt (was für sich auch Sinn machen kann), dann ändern sich Verhältnisse ja auch. Also auch die 83 ist keine Fixzahl, um darüber etwas totzudiskutieren.
emil17 hat geschrieben: Di 2. Jul 2024, 06:58
Das mit der Pfllanzenkohle ist ja genial, hat aber mit biozyklisch-vegan was zu tun?
Im ursprünglichen Kontext der Humuserde nichts. Vegan ist meine Pflanzenkohle aber sicher, sie basiert auf regionalem Obstbaumschnitt.
Einschub zu vegan (die Einzeldefinition kann man sich leicht erschließen, da muss man nicht seine Unwissenheit als Argument herumtragen):
Vegan Definition: Was ist vegan? Alle Informationen
Motivation dazu ist, wie ich es verkürzt verstehe, Vermeidung von Tierquälerei und im weiteren Sinne Vermeidung von Tierausbeutung an sich. Damit steht die Frage in Zusammenhang, in welchem Umfang benötigen wir die Tiere. Da gibt es berechtigte Hinterfragungen.
Wenn man auch hier die Welternährung in die Betrachtung nimmt und wegen der Gleichheit auch den Asiaten, Afrikanern usw. einen gleichen Verbrauch an Fleisch u.a. anderen tierischen Folgeprodukten zugesteht wie in der westlichen zivilisierten Welt, was würde eine entsprechende Tierhaltung und die zugehörige Futterbereitstellung bedeuten für die Weltlandwirtschaft, angesichts Bevölkerungswachstum, Umwandlung von landwirtschaftlicher Nutzfläche in Wohngebiete und Industrieflächen? Wenn man den sich ergebenden Gedankenketten folgt, sollte man jene, die freiwillig und ohne Not ins vegane Lager wechseln, nicht verunglimpfen. // Ende Einschub
emil17 hat geschrieben: Mo 10. Jun 2024, 08:56
Ich wollte nun doch mal wissen, was biozyklisch veganer Landbau denn sein könnte.
Das ewige Unverständnis ...
Im Vortrag in #1 wird ziemlich am Anfang beschrieben (und mir sind die Worte verständlich und bedürfen somit keine Rückfragen über Wochen und Hunderte Beiträge):
Ziel: Nachhaltige Anhebung der Bodenfruchtbarkeit
Inhalte:
- Möglichst geschlossener Kreislauf an pflanzlicher Biomasse mit
-- Einarbeitung Ernterückstände
-- Recycling von pflanzlicher Biomasse und Abfällen aus der Lebensmittelindustrie
-- Einsatz Fertigkomposte aus anderen Regionen mit Biomasseüberschuss
-- Verwendung von Biomasse aus aquatischen und maritimen Ökosystemen (Rückführung von Windverwehungen und Wasserauspülungen)
- Einhaltung der Bedingungen zur Wiederherstellung der natürlichen Bodenbildungsmechanismen
An dem Ersatz von Biomasse (und damit Nährstoffen & Co.), die per Ernte entfernt wird, durch rückgeführte Biomasse besteht also kein Zweifel der Notwendigkeit und also kein Widerspruch. Kunstdünger, Stallmist in abgelagerten Halden, Gülle, die aus mit viel Wasser abgespülten Tierfäkalien und weiterer Stoffe besteht und sich dann in einem unkontrollierten Faulen befindet, Klärschlamm - das alles würde ich jetzt von natürlicher Biomasse abgrenzen wollen. Über Maßnahmen mit Oberbegriff Kompostierung kann man solche menschenerzeugten Sonderformen und -mengen in eine Natürlichkeit zurückführen und damit in den natürlichen Kreislauf zurückgeben.
Da mit Welternährung eigentlich Menschenernährung gemeint ist: Man lasse mal den Zwischenschritt Tiere aus und betrachte den Kreislauf neu. In diesem Sinne müsste man die Stoffwechselendprodukte des Menschen auf die Produktionsflächen zurückbringen. Bei Konsequenz hätte man einen 100-Prozent-Ersatz. Unter Verzicht auf Tierausbeutung ist das auch total vegan. In welchem Umfang erfolgt das wirklich?
Eisenbach spricht menschliche Fäkalien in diesem Sinne kurz an, verweist da aber auf zusätzliche Probleme, die man lösen muss. Irgendwie ploppen da ja Dinge auf wie Rückstände aus Medikamenten und Hormonen, Krankheitskeime und Darmwürmer, Schwermetalle und Gifte, auch aus Zumischung von Haushalt und Industrie dann über Abwässer).
In einer weiteren Betrachtung müsste man dann unterscheiden können zwischen Landbau (das ist dann die Variante mit Tendenz sehr langfristig bis unendlich) und der Humuserde-Erzeugung als zeitlich übersichtlichen Prozess. Beim letzteren wurde nun das Aufbrauchen der noch vorhandenen wasserlöslichen Nährstoffe als erste wichtige Maßnahme beschrieben. Da wie auch obiger Diskussion entnehmbar, sind viele Nährstoffe auch wasserunlöslich und organisch gebunden vorhanden, das Substrat ist also nicht ausgehungert und nährstofffrei. Dieser Prozess sollte damit (für mich einfach nachvollziehbar) nicht durch über zusätzliche Zufuhr von wasserlöslichen Nährstoffen per Düngung gestört und verlängert werden.
Nun hatte sich per Zufall herausgestellt, dass nicht nur in dieser Phase des Liegenlassens des Komposts etwas Sichtbares darauf wuchs, sondern dass sich der Kompost (Stichwort Kohlenstofffizierung und entsprechende Komplexe) weiterentwickelte. Nach Abschluss der wahrgenommenen Weiterentwicklung (im Nachgang Veredlung genannt) nach dem genannten Zeitraum von 5 Jahren zeigte sich, dass weiter guter Ernteertag ohne Zusatzdüngung möglich war. Hier geht man dann aber in die Phase des Landbau, wo dann dann nach Bedarf oder anderem Zweck wie z.B. Bodenabdeckung etwas wie Mulch nicht mehr "verboten" ist. Empfohlen ist dann aber, über diese Zusatzdüngung nicht das Substrat nicht mit wasserlöslichen Nährstoffen zu überfluten, sondern diese Zusatzdüngung so vorzunehmen, dass diese zusätzlichen Nährstoffe vom Substrat selber aufgenommen (Fütterung des Bodens) und dann biologisch an die Pflanzen weitergegeben werden können.
Erinnerung: Ursprünglich war der Kompost vor der Humuserde halt üblicher Kompost zum Zwecke des Verkaufes und zur Verteilung nach draußen, wie man das schon immer tat. Mit Humuserde kann man bei Vorhandensein relevanter Mengen ähnlich verfahren. Der zusätzliche Aufwand wäre berechtigt, wenn man eine qualitative Aufwertung gegenüber Normalkompost erkennt und akzeptiert, das wäre dann durch einen Anwender schlüssig zu beantworten. Effekte sind selbstredend auch davon abhängig, wie man diesen Dünger/Bodenverbesserer einsetzt und wie man insgesamt den Boden behandelt.
Damit ist dann die Humuserde auch nicht ein progagiertes Wundermittel, dass alleinig alles vorhandene ersetzen soll und und ausschließlich zu verwenden wäre und alle vorhandenen Weltprobleme als Perpetuum mobile lösen wird. Wer auf solche Wundermittel hofft oder sich solche einreden lässt, sitzt auf einem Berg von Problemen, wo Wunder hochwillkommen sind.
Nein, die Humuserde, deren neue Qualität ich bis zum wirklichen Gegenbeweis positiv denkend anerkenne, ist ein neuer Baustein im Handwerkszeug.
Wenn man im einschlägigen Handel auch Pellets aus Klee oder aus Rinder- und Pferdekacke sowie hunderte verschiedene Erden beziehen kann, dann darf es auch so etwas geben.
Auch Terra Preta wurde ja als Wundererde durch die Medien getragen mit diversen Diskussionen dazu. Die echte Terra Preta bleibt an Ort und Stelle liegen per gesetzlichem Schutz. Die hiesig nachempfundene Terra Preta muss erst einmal langfristig nachweisen, dass sie nicht nur vorübergehend ähnliche Eigenschaften hat. dabei ist auch immer wichtig, wo man solche potentiellen Verbesserer einsetzt. Ein eigenes System von 0 auf 5 zu bringen, ist einfacher, als das etablierte gute System von 6 auf 6,5 zu bringen. Sichtbare Zuwächse verhalten sich dann entgegengesetzt bis dahin, dass das neue Wundermittel umsonst ist.
Für mich selber ist von der Terra Preta neben der Beschäftigung mit Mikroben die Pflanzenkohle selber geblieben. Da gibt es zum einen eine Metastudie von Bruno Glaser, die eine überwiegend positive Wirkung der Pflanzenkohle im Boden bestätigt. Zum anderen gibt es eigenes Erleben und gemessene Bestätigung durch Gerald Dunst (Sonnenerde), dass Pflanzenkohle im rottenden Kompost Stickstoffverluste erheblich senkt, fühlbar werden Gerüche gesenkt. Die Bodenwirkung bei mir muss sich erst noch zeigen, auch angesichts des in den letzten jahren recht hohen und langfristigen Trockenheitsstresses und erlebter Klimaerwärmung (Bodentemperatur steigt, was auch im Boden Vorgänge beschleunigt).
Pflanzenkohle ist auch sehr geeignet als Binder meines persönlichen Urins für einen sehr sehr kurzen und geschlossenen Kreislauf.
Ich beharre also nicht auf irgendwelchen Zahlen oder Methoden, sondern ich möchte als positiv Erachtetes (inkl. der Bodengrundsätze) gut kombinieren, um eigene Wünsche besser zu erfüllen und um auf neue Herausforderungen (lange Trockenheit + kurzfristige überschwere Niederschläge, zunehmende Wärme) vorbereitet zu sein. Da ist ein einigermaßen verlässliches gleichbleibendes gutes Niveau einer Ernte mindestens genau so wichtig wie angestrebte Höchsterträge. Eine Vergleichsfläche zu mir habe ich quasi auch. Der Garten meiner Nachbarin, die klassisch konventionell arbeitet wie vom Vater gelernt, ist nur eine Gehwegbreite von meinem entfernt. Wenn man die Erde schon ohne Spatenprobe betrachtet, sieht man Unterschiede. Es ist auch dort nicht alles schlecht, aber das Kartoffelkraut sieht aktuell komisch und vertrocknet aus, ich denke, ein Ertragslandwirt würde da schon an Umbruch und Neubestellung nachdenken. Ich hatte eine Woche später bestellt und viel kleinere Pflanzkartoffeln verwendet (die Babyknollen aus eigenem Anbau, die ich nicht in den eigenen Speiseplan aufnehmen wollte), aber bei mir sieht das Kartoffelkraut einfach voll und gesund grün aus. Nach dem Legen der Knollen gab es bei uns beiden keine weiteren Maßnahmen außer jener, dass ich mit Grünschnitt vom Nachbarn noch einmal nachgemulcht hatte.
Also, ein Nachmachen trotz realen Betrachtens ist keine zwangsläufige Folge, trotz eigenem Leidensdruck.
dass es doch nicht so funktioniert wie gewünscht?
Das wird es bei niemandem. Ohne offengebliebene Wünsche hätten unsere Vorfahren nicht mal einen Faustkeil angefasst.
Gabe Brown sagte sinngemäß auch mal folgendes: "Wenn wir in einem Jahr keine Fehler gemacht haben, haben wir nicht genügend probiert."