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Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Fr 29. Dez 2017, 11:48
von emil17
RichardBurgenlandler hat geschrieben:
Unsere Gesellschaft scheint ja wirklich nicht mehr zu retten zu sein.
Damit es wirtschaftlich tragbar ist einen gesunden Boden zu fördern (und das tut er lt. dem Artikel) muss er (Reber) seine Ernte verheizen.
Wie bescheuert sind wir eigentlich ?
Das hab ich mich auch gefragt, kann er doch einfach einen Wald wachsen lassen. Der erledigt Humusaufbau und so mindestens so gut und ganz nebenbei.
Machen die eigentlich jeden Unsinn mit, bloss weils grad Förderung gibt? Ich kann mir schlecht vorstellen, dass solche Aktionen langfristig die Akzeptanz der Landwirte in der Gesellschaft befördern.
Einer meiner Grossonkel war Bauer. Hätte ich den gefragt, ob er für den Ofen produziert, hätt ich wahrscheinlich einen Watschen gekriegt.
Wenn man Kostenwahrheit bei Transport, Dünger, Treibstoff, Energie usw. hätte, würde all der Unfug von selbst aufhören. Darauf können wir aber noch lange warten.
Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Fr 29. Dez 2017, 15:05
von Benutzer 72 gelöscht
RichardBurgenlandler hat geschrieben:Genetisch unterscheiden wir uns nicht einmal 3 % von Primaten. Was uns unterscheidet ist maßlose Arroganz, Überheblichkeit und Größenwahn.
und dass wir es geschafft haben, zu verlernen, wie man "selber" lebt - Also das Essen ganz unabhängig und selber beschaffen, ohne isoliertes Haus, Heizung, gutes Gewand... Impfungen, Pillen, Kaiserschnitt...
ich glaube, die Liste ist sehr lang.
Wann, warum und wieso ist das passiert?
Die Landwirtschaft ist ja auch schon so weit, dass sie ohne "Zulieferindustrie" nicht mehr geht...
Das ist für mich das abstoßendste an Glyphosat und Co - die muss man kaufen, nix mehr mit Kreislaufwirtschaft am Hof und was passiert, wenn da mal etwas crasht?
hat dann niemand mehr einen Pflug (den man auch mit Pferden, notfalls sogar händisch ziehen kann) ?

Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Fr 29. Dez 2017, 15:49
von Benutzer 146 gelöscht
ina maka hat geschrieben:RichardBurgenlandler hat geschrieben:Genetisch unterscheiden wir uns nicht einmal 3 % von Primaten. Was uns unterscheidet ist maßlose Arroganz, Überheblichkeit und Größenwahn.
und dass wir es geschafft haben, zu verlernen, wie man "selber" lebt - Also das Essen ganz unabhängig und selber beschaffen, ohne isoliertes Haus, Heizung, gutes Gewand... Impfungen, Pillen, Kaiserschnitt...
ich glaube, die Liste ist sehr lang.
Wann warum und wieso ist das passiert?
Wann, musst Du einen Anthropologen fragen, aber warum und wieso ist doch bekannt: wegen eines Teils dieser 3%: größeres Gehirn, aufrechter Gang, Sprache, Werkzeuge usw.
Alles Andere ist nur die Folge der schlechten Abstimmung mit den restlichen 97%. Eine zufällige Reihe von Mutationen vielleicht? Oder Genexperimente von Ausserirdischen? Oder doch die verbotene Frucht gegessen? Who knows...

Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Fr 29. Dez 2017, 16:00
von Benutzer 4754 gelöscht
Die Landwirtschaft ist ja auch schon so weit, dass sie ohne "Zulieferindustrie" nicht mehr geht...
Das ist für mich das abstoßendste an Glyphosat und Co - die muss man kaufen, nix mehr mit Kreislaufwirtschaft am Hof und was passiert, wenn da mal etwas crasht?
hat dann niemand mehr einen Pflug (den man auch mit Pferden, notfalls sogar händisch ziehen kann) ?

Die (aller meisten) Landwirte gehören nicht der Gruppe der Hysterisch-Paranoiden-Untergangsfanatiker an.
Die Kreislaufwirtschaft gibt es nicht (mehr), seit dem der Klärschlamm verbrannt wird und nicht auf den Feldern landet.
In dem von dir Skizzierten Szenario gilt es vermutlich eher Kraftstoff zu sparen (denn den kann eh jeder brauchen),
und das tut man sicher nicht mittels Bodenbearbeitung.
Wo willst du so hopplahop Zugtiere für die 12Mio. Hektar Ackerland Deutschlands herbekommen und was sollen die Fressen?
Ne, da ist man mit einem Traktor auch in Krisenzeiten besser beraten.
Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Fr 29. Dez 2017, 17:41
von Benutzer 2354 gelöscht
Wir haben die letzten 70 Jahre keine wirkliche Krise mehr gehabt somit weiß auch keiner von uns wie man da am besten mit umgeht. Ich denke mit mehr mehrjährigen Pflanzen geht beides, weniger Bodenbearbeitung und weniger chemische Unkrautbekämpfung.
Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Fr 29. Dez 2017, 19:37
von emil17
frodo hat geschrieben:
Wann, musst Du einen Anthropologen fragen, aber warum und wieso ist doch bekannt: wegen eines Teils dieser 3%: größeres Gehirn, aufrechter Gang, Sprache, Werkzeuge usw.
Genetik nach prozentualen Ähnlichkeiten zu bewerten ist etwa so sinnvoll, wie Bücher nach Gewicht zu kaufen.
Zudem bestimmt der grösste Teil des Genoms Dinge, die einfach funktionieren müssen, die aber nicht den Menschen vom Tier zu unterscheiden helfen: Kreislauf, Hormonsystem, usw. usf.
Nun sind wir zwar so wie wir sind wegen der Genetik, aber die ist nur der Trick, damit Eltern Kinder haben können, die ihnen gleichen. Warum der Plan so ist wie er ist, das ist doch das Rätsel.
Das Ganze ist auch analog zu Computern, man sollte zwischen Hard- und Software unterscheiden. Das meiste unserer Gesellschaftsprobleme ist im Bereich der Software zu suchen ... Der sturste Banker könnte mit einer Tochter eines edlen Wilden Kinder haben, wenn da die sozialen und kulturellen Barrierren nicht wären. Die bestimmen so ziemlich unser Verhalten und die sind nicht genetisch fixiert.
Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Fr 29. Dez 2017, 20:03
von Benutzer 3370 gelöscht
Oelkanne hat geschrieben: Gruppe der Hysterisch-Paranoiden-Untergangsfanatiker
Man muss weder hysterisch noch paranoid oder fanatisch sein, es reicht wenn man zB den Bericht zum 50 Jahr Jubiläum des Club of Rome liest.
Interessant ist da zB eine Seite mit diversen Graphiken über verschiedene Entwicklungen (Co2, Düngerverbrauch, Nitrat, Bevölkerung usw.) Bei den meisten Kurven handelt es sich um exponentielle Entwicklungen wobei der Knick (Übergang von Horizontal in die Vertikale) etwa um 1950 stattfand, Das heißt die meisten Entwicklungen bewegen sich bereits gegen "Unendlich".
Es sieht irgendwie so aus als hätte jemand den Drehzahlbegrenzer der menschlichen Entwicklung entfernt.
Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Fr 29. Dez 2017, 22:21
von Benutzer 146 gelöscht
emil17 hat geschrieben:frodo hat geschrieben:
Wann, musst Du einen Anthropologen fragen, aber warum und wieso ist doch bekannt: wegen eines Teils dieser 3%: größeres Gehirn, aufrechter Gang, Sprache, Werkzeuge usw.
Genetik nach prozentualen Ähnlichkeiten zu bewerten ist etwa so sinnvoll, wie Bücher nach Gewicht zu kaufen.
Zudem bestimmt der grösste Teil des Genoms Dinge, die einfach funktionieren müssen, die aber nicht den Menschen vom Tier zu unterscheiden helfen: Kreislauf, Hormonsystem, usw. usf.
Nun sind wir zwar so wie wir sind wegen der Genetik, aber die ist nur der Trick, damit Eltern Kinder haben können, die ihnen gleichen. Warum der Plan so ist wie er ist, das ist doch das Rätsel.
Das Ganze ist auch analog zu Computern, man sollte zwischen Hard- und Software unterscheiden. Das meiste unserer Gesellschaftsprobleme ist im Bereich der Software zu suchen ... Der sturste Banker könnte mit einer Tochter eines edlen Wilden Kinder haben, wenn da die sozialen und kulturellen Barrierren nicht wären. Die bestimmen so ziemlich unser Verhalten und die sind nicht genetisch fixiert.
Naja, - es gibt da schon einen Zusammenhang zwischen Hard- und Software: aufeinem DOS-Rechner aus den 90ern läuft kein WIN7, und das hat Hardware-Gründe.
Umgekehrt sind in unserem Hirn noch Programme am arbeiten, die nicht wirklich kompatibel mit den Erfordernissen einer sog. Industriegesellschaft sind.
Die Frage bezog sich aber auf den Unterschied zu Primaten, und der ist doch sicher nicht nur in der Software (bei der Mehrheit jedenfalls)

Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Sa 30. Dez 2017, 08:30
von emil17
frodo hat geschrieben:
Naja, - es gibt da schon einen Zusammenhang zwischen Hard- und Software: auf einem DOS-Rechner aus den 90ern läuft kein WIN7, und das hat Hardware-Gründe.
Die Frage bezog sich aber auf den Unterschied zu Primaten, und der ist doch sicher nicht nur in der Software (bei der Mehrheit jedenfalls)

Klar gibt es den, wie es auch viele genetisch fixierte Verhaltensweisen gibt.
Gerade der Mensch ist jedoch das Paradebeispiel dafür, was die Kultur, also durch Sozialverhalten und Lernen in der Jugend erworbenes Verhalten, ausmachen kann. Die Menschen, die als Nomaden oder sesshaft jahrtausendelang naturverträglich leben konnten (ob es ein bewusstes Wollen war oder bloss die Unfähigkeit mangels technischer Möglichkeiten, lasse ich mal bewusst offen) unterscheiden sich genetisch in nichts von uns, die wir eben jetzt dabei sind, die Welt umzugestalten.
Ein als Säugling adoptiertes Exemplar der letzten unberührten Stämme aus dem Regenwald von Borneo oder Amazonien würde genauso wie eines aus dem Mesolithikum in unserer Gesellschaft perfekt funktionieren und mit grosser Wahrscheinlichkeit das gleiche Konsumverhalten und den gleichen Ressourcenverbrauch haben wie der Durchschnitts-Europäer.
"Umgekehrt sind in unserem Hirn noch Programme am arbeiten, die nicht wirklich kompatibel mit den Erfordernissen einer sog. Industriegesellschaft sind."
Diese Aussage ist ihrer Konsequenzen und ihres zu Grunde liegenden Weltbildes wegen schlimm.
Die Frage ist, ob die Wirtschaft und Technik für den Menschen da ist oder umgekehrt.
Für den Programmierer ist es einfacher, die User umzuerziehen ("ohne Kundennummer können wir leider ihr Problem nicht bearbeiten") statt menschenfreudliche Software zu schreiben. Also gerät er in Versuchung, es so zu machen.
Für den Manager geht Gewinn vor allem anderen, deswegen müssen Gesetze wirtschaftsfreundlich sein, deswegen muss der Angestellte und der Konsument sich konform verhalten, mobil und flexibel sein, und deswegen sind Umwelt usw. nur wegen dem Kundenverhalten oder wegen schierem Zwang ein Thema.
Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Sa 30. Dez 2017, 14:31
von viktualia
Frodo sagte:
aufeinem DOS-Rechner aus den 90ern läuft kein WIN7, und das hat Hardware-Gründe.

Umgekehrt sind in unserem Hirn noch Programme am arbeiten, die nicht wirklich kompatibel mit den Erfordernissen einer sog. Industriegesellschaft sind.
Die Frage bezog sich aber auf den Unterschied zu Primaten, und der ist doch sicher nicht nur in der Software (bei der Mehrheit jedenfalls)

Eigentlich ist es beim Menschen so, dass er GLEICHZEITIG Hardware für DOS, alte Windowsprogramme sowie die Neuesten zur Vefügung hat, je nach Befindlichkeit, Tageskondition, Notwendigkeit. (Hatten wir schon: Affektlogik
http://www.ciompi.com/de/affektlogik.html)
Und die Sache mit dem "Umgekehrt/alte Programme" galt auch schon früher, z.B. zu Zeiten der Aufklärung: Unsicherheit führt zu Kampf/Flucht - Schaltkreisen. (Hexenverfolgung/prä- DOS - CP/M-86??..)
Insofern begrüsse ich es durchaus, wenn Glyphosat zum "Sündenbock" (veraltetes Programm) erkoren wird: das hat auch was damit zu tun, dass die Leut´nicht mehr ganz so "Fortschritts-/Obrigkeitsgläubig" sind. Wenn auch auf eher "niedrigem Niveau", also in bedenklicher Nähe zu den Kampf/Flucht-Schaltkreisen....
Und da bedarf es halt nun der "Schwarmintelligenz": diese wird bestimmen, ob es über Information/Aufklärung zu echten, angewendeten Alternativen kommt oder bei einer post-faktischen Hexenverbrennung bleibt.
Es kommt also auf jeden Einzelnen an.
In diesem Sinne: Guten Rutsch!