Wölfe

Benutzeravatar
Maisi
Förderer 2019
Förderer 2019
Beiträge: 1241
Registriert: Mo 2. Apr 2012, 18:35
Wohnort: 660m ü. NN, zwischen Schwarzwald und Bodensee

Re: Wölfe

#1241

Beitrag von Maisi »

hobbygaertnerin hat geschrieben: Es ist sicher sehr anheimelnd, eine sternklare Frostnacht im Winter und dazu Wolfsgeheul zu vernehmen.
Manchmal frag ich mich nur noch, wie weit weg sind wir eigentlich und ich kann die Vorfahren gut verstehen, die dem Wolf den Garus gemacht haben.
Ganz einfach: Und geht es hier zu gut. Das führt recht schnell zu Dekadenz und Hochmut. Und danach kommt...?
Benutzer 72 gelöscht

Re: Wölfe

#1242

Beitrag von Benutzer 72 gelöscht »

Maisi hat geschrieben:Ganz einfach: Und geht es hier zu gut. Das führt recht schnell zu Dekadenz und Hochmut. Und danach kommt...?
Dekadenz?
Mit Helm und Reiterstiefel aber bitte nur in der Halle reiten, okeeee....
Dauernd Schoki essen :rot: - okeeee
sich nur mit dem Auto fortbewegen - okeeee
Angst haben vor jedem Insekt - okeeee

Aber den Wolf als ursprünglich hier heimisches Wildtier akzeptieren und versuchen, mit ihm auszukommen - das ist doch keine Dekadenz/Hochmut?? :aeh:

Pferde scheuen übrigens auch, wenn ein Haufen Blätter plötzlich vom Wind hochgeblasen werden.....
Benutzeravatar
Maisi
Förderer 2019
Förderer 2019
Beiträge: 1241
Registriert: Mo 2. Apr 2012, 18:35
Wohnort: 660m ü. NN, zwischen Schwarzwald und Bodensee

Re: Wölfe

#1243

Beitrag von Maisi »

Dekadenz hat nichts mit Schoki oder Auto fahren zu tun. Sondern mit einem gesellschaftlichen/kulturellen Werteverfall, Realitätsverlust. Hier die romantische Vorstellung eines Wildtiers, das durch unsere Wälder streift, die Gefahren, die damit einhergehen, wissentlich oder unwissentlich ignorierend. Das Eigene nicht mehr für schützenswert halten. Daß allein schon die Diskussion aufkommt, ob eine Gefahr für Mensch und Eigentum (in dem Fall das Nutztier) bejagt werden darf und Befürworter zur Not in die rechte Ecke gestellt werden, wenn die Argumente ausgehen, spricht Bände. Unsere Vorfahren würden sich im Grabe drehen!
Mara1
Beiträge: 133
Registriert: Mo 2. Apr 2018, 22:41
Wohnort: Landkreis Cuxhaven

Re: Wölfe

#1244

Beitrag von Mara1 »

Sorry, hatte vergessen den Link zu den Wolfsrisszahlen einzufügen:
https://www.wolfsmonitoring.com/monitor ... tierrisse/

Da ist eine graphische Übersicht von D mit den Gebieten und den Zahlen der Wolfsrissen.
Benutzer 72 gelöscht

Re: Wölfe

#1245

Beitrag von Benutzer 72 gelöscht »

Maisi hat geschrieben:Dekadenz hat nichts mit Schoki oder Auto fahren zu tun. Sondern mit einem gesellschaftlichen/kulturellen Werteverfall, Realitätsverlust.
hm ....
kultureller Niedergang mit typischen Entartungserscheinungen in den Lebensgewohnheiten und Lebensansprüchen; Verfall, Entartung
Beispiel
die Dekadenz des Bürgertums
Duden

Was du meinst tät ich eher als Praxisferne oder Naivität bezeichnen. :im:

doch doch, dauernd Schoki essen ist Dekadenz (und es betrifft eh mich selber....)
Aber weil ich z.B.ungeimpft bin, bin ich nicht dekadent.

Ich mag es wenn die Wort in ihrer Bedeutung respektiert werden :rot:
Benutzeravatar
Taraxacum
Förderer 2018
Förderer 2018
Beiträge: 601
Registriert: So 31. Dez 2017, 19:33
Familienstand: glücklich verheiratet

Re: Wölfe

#1246

Beitrag von Taraxacum »

@frodo: das waren sehr erfahrene Geländepferde und auch -reiter, die vor diesem Vorfall auch nachts ins Gelände geritten sind und deren Pferde noch nicht mal bei Wildschweinbegegnung gescheut haben. Die haben nichts gemein mit den Turnierkrachern, die sich beim kleinsten Geräusch in der Halle schon in die Hose machen. Was den "Wald" angeht, ist dieser sehr lichter Auenwald mit großen Wiesenflächen, nicht zu vergleichen mit den Wäldern in Bayern oder im Schwarzwald. Da kann man schon eine Weile vorher sehen, wer da kommt. Die Reiter haben den Wolf ja zuerst für den dort ab und zu rumstrolchenden Wolfshund gehalten. Sie waren somit nicht ängstlich oder so. Laut der Jäger dort hat der Geruch und die typischen Bewegungen des Wolfes die Pferde kirre gemacht. Die haben den Wolf gerochen und sind durchgedreht. Wilder Wolf riecht übrigens anders als Gehegewolf. Liegt u.a. an der Ernährung. Und der Fluchtinstinkt ist selbst bei domestizierten Pferden noch sehr stark. Für das Pferd geht es hier um Flucht oder gefressen werden. Alles andere wird dann ausgebendet.
Leider wurde der Jungwolf ja dann vom Zug überfahren. Wobei, was will ein Wolf am Stadtrand von einer Großstadt wo es kein Wild, kaum Nutztiere aber viele Menschen gibt, die dort Erholung suchen. Vom Verkehr hier mal ganz abgesehen.

Artikel in der Magdeburger Volksstimme vom 30.03.2017: "Erster Wolf in Magdeburger Wohngebiet" ... Auf den Vorfall ein paarTage davor wurde nicht eingegangen.... :pfeif:

Vor ein paar Wochen erst hatte ich das hier, das ein fremder Duft die Pferde in Panik versetzt hat. Das waren allerdings nur Kamele vom Zirkus, der gegenüber unserer Einfahrt eine Woche gastiert hat. Wir kommen im Dunkeln von der Weide um die Ecke und die Pferde spielen plötzlich verrückt. Schnorcheln, Steigen, kopfloses Herumspringen (mir auf den Fuß), auskeilen... das volle Programm. Ich hatte ganz schön zu tun, die Beiden zu Händeln. Als wir dann aus der Duftwolke rauswaren, haben sie sich schnell wieder beruhigt. Bei Tag konnte man den "Monstern " mit dem Wind dann auf 20 m nahekommen. Gegen den Wind ging es gar nicht. Das blanke Entsetzen. Und das waren nur Pflanzenfresser. Wer weiß, was Raubtierduft ausgelöst hätte. Deswegen glaube ich schon, dass es die Witterung vom Wolf war, das das Desaster ausgelöst hat.
Benutzer 146 gelöscht

Re: Wölfe

#1247

Beitrag von Benutzer 146 gelöscht »

Taraxacum hat geschrieben: Laut der Jäger dort hat der Geruch und die typischen Bewegungen des Wolfes die Pferde kirre gemacht. Die haben den Wolf gerochen und sind durchgedreht. Wilder Wolf riecht übrigens anders als Gehegewolf. Liegt u.a. an der Ernährung.
Was da in der von mir verlinkten, begonnenen Studie untersucht werden soll, haben "die Jäger" bei Dir also längst zweifelsfrei ermittelt. Die sollten sich kurzschließen - spart vielleicht 'ne Menge Arbeit... :pfeif:

aus dem früher verlinkten Artikel:
Wir haben bislang nur beobachten können, dass die Pferde aufmerksam auf Wölfe reagieren, nicht aber, dass sie panisch flüchten.
Es gibt die Vermutung, dass Pferde durch Wolfsgeruch aufgescheucht werden und dann panisch reagieren oder flüchten. Dazu gibt es Untersuchungen aus Dänemark. Professor Janne Winther Christensen von der Universität in Aarhus hat die Wirkung von Wolfsurin, Haaren, Blut und einer Mischung aus allem auf Pferde getestet. Die Reaktionen waren sehr gering. Auch eine Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover hat gezeigt, dass Pferde vor allem auf ihren Sehsinn vertrauen, dann auf den Hörsinn und dann erst auf ihren Geruch. Ich glaube aber schon, dass Pferde Wildtiere und Hunde unterscheiden können. Wie sehr es sie stört, wenn Wölfe oder anderes Wild über ihre Weide laufen, versuchen wir mit unserer Untersuchung zu beantworten.
Benutzeravatar
ohne_Furcht_und_Adel
Beiträge: 518
Registriert: Fr 3. Jul 2015, 00:12
Familienstand: verheiratet

Re: Wölfe

#1248

Beitrag von ohne_Furcht_und_Adel »

Maisi hat geschrieben:Dekadenz hat nichts mit Schoki oder Auto fahren zu tun. Sondern mit einem gesellschaftlichen/kulturellen Werteverfall, Realitätsverlust. Hier die romantische Vorstellung eines Wildtiers, das durch unsere Wälder streift, die Gefahren, die damit einhergehen, wissentlich oder unwissentlich ignorierend. Das Eigene nicht mehr für schützenswert halten. Daß allein schon die Diskussion aufkommt, ob eine Gefahr für Mensch und Eigentum (in dem Fall das Nutztier) bejagt werden darf und Befürworter zur Not in die rechte Ecke gestellt werden, wenn die Argumente ausgehen, spricht Bände. Unsere Vorfahren würden sich im Grabe drehen!
Der große böse Wolf. Die Gefahren für den Landwirt sind ja anscheinend kalkulierbar; den Umgang mit den Rissen lernen wir gerade. In anderen Ländern sind sie schon weiter, wo große Raubtiere häufiger auftreten. Ich denke, das größte Problem haben mittelfristig die Hobby- Halter mit wenigen Tieren, für die sich keine Schutzmaßnahmen finanziell lohnen. Doch dürften auch die langfristig entlastet werden, wenn die Wölfe im Falle von wirksamerer Abschreckung insgesamt mehr Respekt vor den Menschen haben. Im Moment genießen die Wölfe durch ihr Neuauftreten Narrenfreiheit, die Dreistigkeit ist dann immer wieder empörend. Da wird die Politik halt an der einen oder anderen Stellschraube ein wenig drehen müssen, um etwas mehr Abstand herzustellen. Aber es sind ja keine Menschenfresser, die uns direkt bedrohen, also wie ein halbverhungerter Eisbär oder ein alter Tiger mit Zahnweh im indischen Dschungel. Wenn Du "verzieh' Dich!" brüllst, ist der Wolf weg.
Dekadent ist, wenn der Mensch meint, er könnte ohne irgendwelche wilden Arten überleben und wenn doch nicht, dann halt einfach auf den Mars umziehen.
Tika
Förderer 2019
Förderer 2019
Beiträge: 281
Registriert: Mi 24. Dez 2014, 11:26

Re: Wölfe

#1249

Beitrag von Tika »

frodo, den Bericht hatte ich vorher auch schon gelesen. Und ich würd mir schon wünschen dass das so stimmt, was Du zitiert hast.
Hier bei uns gabs vor zwei Jahren nen tödlichen Unfall von Pferd und leider auch Mensch auf der Bundesstrasse. Eine ganzjährig draußen gehaltene Pferdeherde war nachts durch den Zaun gebrochen, den Spuren nach in ziemlicher Action. Was auch gefunden wurde waren Spuren von Damwild an der Weide, die waren einige Zeit vorher woanders ausgebüchst und sind eine Weile halbverwildert umhergezogen. Vermutung war, dass das die Ausbruchsursache war - unbekanntes Wild, auch hier ja Pflanzenfresser.
Wildschwein, Fuchs, Dachs, Reh und Co gibts hier viele, da gucken die nicht mal.

Aber nochmal davon unabhängig, und ja auch für Halter anderer Tiere: jemand ne Idee von wegen Wolfszaun im Winter, bei Schnee, Eis und Frost?
und @ ohne_Furcht_und_Adel: ich z.B. halte de Wolf weder für besonders groß noch für böse, aber ich halt ihn halt schon für einen Wolf :)
Lebe das Leben, das Du liebst und liebe das Leben, das Du lebst.
Hildegard
Förderer 2017
Förderer 2017
Beiträge: 1700
Registriert: Mi 11. Aug 2010, 21:33
Wohnort: Oberösterreich

Re: Wölfe

#1250

Beitrag von Hildegard »

So läuft´s derzeit mal hier:

Quelle:orf

Gericht kippt Wolfsvergrämung

Das Landesverwaltungsgericht Oberösterreich hat einen Bescheid der Landesregierung, der Maßnahmen zur Vergrämung des Wolfes erlaubt, aufgehoben. Er wurde zur neuerlichen Entscheidung zurückverwiesen.

Der Antrag für die Genehmigung von Vergrämungsmaßnahmen stammte von einer Gemeinde im Mühlviertel und wurde mit „Sichtungen“ und „Vorfällen“ begründet. Die Landesregierung bewilligte daraufhin unter Bedingungen, Befristungen und Auflagen die Vergrämung des Wolfes.

Seit einigen Jahren werden im Mühlviertel immer wieder Wölfe gesichtet

Unter anderem sieht der Bescheid der Landesregierung vor, dass dazu berechtigte Jäger zur Vergrämung Schreckschussmunition und Signalpatronen einsetzen sowie betroffene Grundstückeigentümer Licht- und Lärmsignale nutzen dürfen. Das Leben und die Gesundheit der Wölfe sind dabei laut Bescheid aber zu gewährlisten sowie jeder Einsatz zu protokollieren.

LVwG kipp Bescheid

Gegen diese Regelung erhoben Umwelt- beziehungsweise Tierschutzorganisationen Beschwerde beim Landesverwaltungsgericht (LVwG). Sie führten an, dass vor der Genehmigung der Maßnahmen genauere Angaben, etwa über Zeitpunkte, Orte der Sichtung und Abstand zu bewohnten Gebäuden, gefehlt hätten. Dem schloss sich das Gericht an. Es kam schon aufgrund der vorgelegten Verfahrensunterlagen und ohne Durchführung einer mündlichen Verhandlung zu dem Ergebnis, dass der Bescheid aufzuheben war.

Der Bürgermeister von Liebenau (Bezirk Freistadt) Erich Punz (SPÖ) zeigt sich gegenüber dem ORF verärgert. In seiner Gemeinde gebe es große Angst, einem Wolf zu begegnen. Die Gemeinde werde einen neuen Antrag stellen.

„Der Wolf ist nach wie vor eine strenggeschützte Art. Ausnahmen von diesem Schutz müssten daher besonders sorgfältig geprüft werden“, so Wolfsexperte der Tierschutzorganisation WWF Österreich Christian Pichler. Er forderte zudem, die Politik müsse „endlich ein rechtskonformes Wolfsmanagement etablieren, das auf Aufklärung, Beratung und fachgerechten Herdenschutz setzt, bevor weitere Maßnahmen überhaupt infrage kommen.“
LG Hildegard
Trau nie dem Ort an dem kein Unkraut wächst ;)
Antworten

Zurück zu „Wildtiere, Fischerei, Jagd“