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Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Sa 23. Dez 2017, 15:40
von Benutzer 3370 gelöscht
Manfred hat geschrieben:Dazu gehört aber umgekehrt auch der Wille, diese Befähigung nutzen und ausweiten zu wollen, statt jeden Scheiß unreflektiert zu glauben.
Wenn diese Befähigung, die Welt selbstständig erkennen zu können, einmal im Schüler erwacht ist, dann gibt es auch kein Zurück mehr. Da wird es für den Lehrer mit wenig Hintergrund bald ganz dünn, die Schüler können dann nämlich auch die richtigen Fragen stellen.
Wenn Schüler heute im Kontext Schule Fragen stellt, dann weist das nicht auf Interesse sondern auf Dummheit hin, denn wer fragt weiß ja nichts und wer nichts weiß ist dumm und wer deshalb keine Fragen mehr stellt dem stirbt das Interesse und die Neugierde.
Das Problem am System des phänomenologischen Unterrichts ist, das er nicht beurteilbar (Noten) ist, und daher ist er für das heutige Schulsystem (Selektion) unbrauchbar.
Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Sa 23. Dez 2017, 16:28
von Manfred
Ich meinte damit weniger die Kinder, sondern mehr die Erwachsenen.
Was du bezüglich der Schule schreibst, muss ich leider bestätigen.
Ich gebe einem Neffen und einer Nichte Nachhilfe in Mathe.
Bei beiden merke ich, dass sie bisher in der Schule nicht im Ansatz gelernt hatten, sich selbst in ein Thema einzuarbeiten und Lösungen zu suchen. Da wurde offenbar die Priorität auf Auswendiglernen irgendwelcher Schemata F statt auf Verständnis und Methodik gesetzt. Schon aus den Hefteinträgen aus dem Unterricht kann ich ablesen, dass sie nicht verstanden haben und es auch kein Bemühen dazu gab, und dass sie sich nicht trauen Fragen zu stellen, wenn etwas unklar ist.
Ich hatte leider nicht eher mitbekommen, wie es da steht.
Bei meinem Neffen sind es jetzt einige Monate. Leider kommt er nicht regelmäßig, sondern immer erst ein oder zwei Tage vor einer Prüfung zu mir. In den relativ wenigen Stunden, die wir in dieser Zeit zusammen gelernt haben, hat er es von einem 5er auf einen 2er Schnitt geschafft. Und da wäre noch Luft nach oben, wenn er regelmäßig vorbei käme, damit wir auch die alten Defizite nach und nach aufarbeiten könnten, über die er immer wieder stolpert.
Nichte kam erst vor 2 Wochen an, nachdem sie gesehen hat, was bei ihrem Bruder passiert. Und auch bei ihr ist es so. Kaum hat man ihr etwas vernünftig erklärt und ihr eine Methode an die Hand gegeben, kann sie diese auf verschiedene Aufgabenstellungen anwenden und macht bis auf ein paar Flüchtigkeitsfehler alles richtig.
Und wenn es schon an so etwas Trivialem wie der Vermittlung des in sich logischen bürgerlichen Rechnens scheitert, wie soll es dann bei hochkomplexen Themen wie der Auseinandersetzung mit der Natur funktionieren, wenn man nicht die Freude an der Beobachtung, dem Hinterfragen und Verstehen bei den Kindern aufrecht erhält und sie stattdessen irgendwas stoisch auswendig lernen lässt. Wie sollen sie etwas schätzen und lieben und evtl. sogar verstehen lernen, von dem man ihnen allenfalls abstrakte Vorstellungen davon vermittelt?
Da bin ich mal beim Sepp Holzer. Jeder Schule sollte einen Bauernhof, einen Garten, einen Dorfbach, einen Teich, ein Stück Wald haben. Und die Kinder sollten dort viel Zeit verbringen, beim Entdecken und Beobachten.
Heute trauen sich die Kinder ja nicht mal mehr eine Blume zu pflücken oder einen Käfer oder ein Fischchen zu fangen, wenn sie sich überhaupt mal draußen aufhalten.
Da sind Projekte wie eures sehr wertvoll.
Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Sa 23. Dez 2017, 18:07
von Benutzer 3370 gelöscht
Manfred hat geschrieben:Ich meinte damit weniger die Kinder, sondern mehr die Erwachsenen.
Bei Erwachsenen ist es sehr schwierig, weil sie nicht vorurteilsfrei beobachten können. Es ist schon schwer einem Erwachsenen (auch Lehrer) den Unterschied zwischen einer Beobachtung und einem Urteil bei zu bringen.
Unsere Projekte sind so angelegt, dass eigentlich die Lehrer diejenigen sind, die davon profitieren, wenn sie uns beim Unterricht zusehen( natürlich auch die Kinder).
Meine Frau macht Vorträge, Seminare und Workshops in den pädagogischen Hochschulen, das läuft zurzeit noch sehr zäh, weil sich keiner was vorstellen kann. Die Klassenfahrten ergeben sich dann aus diesen Seminaren, quasi als Vertiefung für Lehrer.
Wir hatten im Sommer einen jugendlichen "Schulverweigerer" übers Jugendamt. Der hatte kein Interesse an Deutsch oder Mathe und sonst auch nichts. Aber die Arbeit hat ihm Spaß gemacht (Heuen, Holzarbeit, Garten, Esel usw.)
Mit dem hab ich begonnen während der Arbeit zu rechnen, ganz nebenbei. 4 Stunden Holzschlichten ergaben 4 Stunden Mathe Kopfrechnen. Jetzt weiß ich wie viele Scheite Holz ich täglich im Winter verheizen kann, wie schwer das ist, was es kosten usw. Nach jeder gelösten Rechnung kam eine neue Frage von ihm und wir hatten richtig Spaß bei der Arbeit. Und das Beste, als seine Mutter in abholte, erzählte er von alle Ergebnissen, die wir errechnet hatten, die Hälfte davon hatte ich schon vergessen. So spannend kann Mathe sein.
Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Sa 23. Dez 2017, 23:24
von Manfred
RichardBurgenlandler hat geschrieben:Und das Beste, als seine Mutter in abholte, erzählte er von alle Ergebnissen, die wir errechnet hatten, die Hälfte davon hatte ich schon vergessen. So spannend kann Mathe sein.
So klappt das, wenn man die Kinder abholt wo sie stehen, statt sie in Korsette zu zwingen. Aber dafür scheint in unserem Schulsystem sehr wenig Platz zu sein.
Aber zurück zum eigentlichen Thema:
Hier einer der bösen Glyphosat-Bauern. Der Michael Reber. Biogaser noch dazu. Und Agrarblogger.
Auch fleißig in der FB-Gruppe "Bodenfruchtbarkeit".
Der Mann baut Humus auf. Schneller als ich (OK, ich hab auch schon mehr davon, zumindest pro ha...)
Schaut euch mal an, wie der Boden seiner Maisfelder nach der Ernte ausschaut, in Vergleich zum von Ölkanne neulich verlinkten Bio-Acker.
https://www.wortgerecht.de/juwel-im-acker/
Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Sa 23. Dez 2017, 23:57
von Benutzer 4754 gelöscht
Manfred hat geschrieben:RichardBurgenlandler hat geschrieben:Und das Beste, als seine Mutter in abholte, erzählte er von alle Ergebnissen, die wir errechnet hatten, die Hälfte davon hatte ich schon vergessen. So spannend kann Mathe sein.
So klappt das, wenn man die Kinder abholt wo sie stehen, statt sie in Korsette zu zwingen. Aber dafür scheint in unserem Schulsystem sehr wenig Platz zu sein.
Aber zurück zum eigentlichen Thema:
Hier einer der bösen Glyphosat-Bauern. Der Michael Reber. Biogaser noch dazu. Und Agrarblogger.
Auch fleißig in der FB-Gruppe "Bodenfruchtbarkeit".
Der Mann baut Humus auf. Schneller als ich (OK, ich hab auch schon mehr davon, zumindest pro ha...)
Schaut euch mal an, wie der Boden seiner Maisfelder nach der Ernte ausschaut, in Vergleich zum von Ölkanne neulich verlinkten Bio-Acker.
https://www.wortgerecht.de/juwel-im-acker/
Die Aktivitäten von Herr Reber sind sehr lobenswert!
Leider gibt es wenige wie ihn oder Bauer Willi.
Ich habe nur ein Kritikpunkt:
Er hat die Silomaisproduktion (teilweise) an andere Betriebe ausgelagert um seinen Boden zu schonen.
Wir bauen genau 33% Silomais, der zerhagelt uns (Zahlenmäßig) massiv die Humusbilanz, die 13% Zuckerrüben geben ihr dann den Rest.
In der Praxis können wir mit viel Mühe den Humusgehalt bei einem Schnitt von 2,1% halten,
mit einer Streuung von 1,4-2,8%.
Wobei sich eine Struckturverbessrung durch geänderte Bewirtschaftung schneller einstellt ans man das auf dem Papier erahnen kann.
Meine Eigenen Kartoffeln (unabhängig von der Landwirtschaft) stehen auf Wiesenumbruch mit 3,8% Humus-C,
ja, wenn das kein Tonboden wäre wären das auch ganz schön

Mal sehen wie sich der häufe Kartoffelanbau auf den Humusgehalt auswirkt.
Klar könnte man uns jetzt sagen
"Last doch Silomais und Rüben einfach bleiben"
Das geht hier aber nicht.
Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Do 28. Dez 2017, 21:47
von Benutzer 3370 gelöscht
Die gesamte Ernte seiner Äcker kommt in die Biogas-Anlage.
aus dem Artikel
https://www.wortgerecht.de/juwel-im-acker/
Unsere Gesellschaft scheint ja wirklich nicht mehr zuretten zu sein.
Damit es wirtschaftlich tragbar ist einen gesunden Boden zu fördern (und das tut er lt. dem Artikel) muss er (Reber) seine Ernte verheizen.
Wie bescheuert sind wir eigentlich ?
Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Do 28. Dez 2017, 22:10
von Rohana
Ich dachte wir wollen von fossilen Energieträgern weg? Feenpups tut's halt nicht.
Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Do 28. Dez 2017, 22:15
von Thomas/V.
Wie bescheuert sind wir eigentlich ?
Ach, Du Fortschrittsverweigerer....
Die voll beheizte 150m2- Wohnung und das 2xige warme Duschen pro Tag mit grüner Energie muß ja irgendwo her kommen.
Und die Leuchtreklame, die mir einredet, wie dringend ich das alles brauche, muß natürlich auch Tag und Nacht brennen.
Oder willst Du etwa zurück ins Mittelalter?
Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Fr 29. Dez 2017, 10:05
von centauri
Wieso zurück ins Mittelalter?
Eigentlich handeln wir doch zur Zeit eher wie in der Steinzeit oder davor.

Re: Glyphosat-Diskussion
Verfasst: Fr 29. Dez 2017, 11:04
von Benutzer 3370 gelöscht
centauri hat geschrieben: Steinzeit oder davor.
Genetisch unterscheiden wir uns nicht einmal 3 % von Primaten. Was uns unterscheidet ist maßlose Arroganz, Überheblichkeit und Größenwahn.
Rohana hat geschrieben:Ich dachte wir wollen von fossilen Energieträgern weg? Feenpups tut's halt nicht.
Die Nutzung von Biomasse als Energieträger hat je nach Erzeugung und Verwendung eine negative Energiebilanz, da wäre ein Feenpups wohl effektiver.