Um wieder auf den Naturschutz zurückzukommen ... Die zentrale Frage ist doch, wie wir mit dem Raum umgehen, in dem wir leben. Rund 90% sind seit Jahrtausenden in irgendwelcher Form umgestaltet worden; zum Teil in unserer Wahrnehmung vorteilhaft (weil durch traditionelle Kulturlandschaften eben Strukturen und Arten da sind, die es sonst nicht gäbe, und weil dies dem Schönheitsideal einer Parklandschaft nahekommt), zum grossen Teil aber auch nachteilig (Maisfeldpampa, Industriequartiere, Zivilisationswüste).
Da liegt es doch nahe, die noch relativ unberührten Restflächen (ob es 5 oder 15% sind, ist nicht wesentlich, wesentlich ist dass es eben Reste sind) nicht auch noch wegen kurzfristigem Nützlichkeitsdenken zu zerstören.
Deshalb möchte ich betonen, dass es bei der Ausscheidung von NSG darum geht, die Reste der noch vorhandenen wertvollen Landschaften zu erhalten. Die Darstellung, wonach der Naturschutz grosse Flächen irgendwem "wegnimmt", stellt die historischen Abläufe auf den Kopf: die allermeisten Flächen wurden bereits von denjenigen beansprucht, die nun auch noch die letzen Reste wollen.
Das Vorgehen ist immer das gleiche: Man setzt das, was noch da ist, zu 100% und behauptet, wenn man ein paar Prozent dieser Fläche wegnehme (um eine Strasse zu bauen, einen Stausee, ein Windrad, um einem Landwirtschaftsbetrieb zusätzliche Nutzfläche zu geben oder ihm anderweitig verlorengegangene Flächen zu ersetzen), sei immer noch genug da. Dann setzt man, wenn man für etwas anderes wieder Fläche braucht, das, was noch da ist, wieder zu 100%, und so weiter.
Bei uns wollen z.B. Parlamentarier bewirken, dass die strengen Auflagen in den Naturschutzgebieten aufgehoben werden sollen, wenn es sich um Projekte zur Erzeugung erneierbarer Energie handle. Damit möchte man das ungehemmte Wachstum der Städte und Vorstädte auf Kosten bisher wenig beeinflusster Naturlandschaft weiter treiben und übersieht, dass das eigentliche Problem so nicht gelöst werden kann, sondern nur ein paar Jahre hinausgeschoben wird.
Mir kommt die Sache vor wie ein Bauer, der seine Kühe verkauft, statt die Milch. Solange noch was im Stall ist, ist die Sache ja bequem und einträglich. Als Problemlösung sucht man nun den Stall danach ab, ob nicht doch noch irgendwo ein verkäufliches Stück Vieh zum Vorschein kommt. Und da bieten sich die NSG an - grosse Flächen, die keinen direkt in Geld messbaren Ertrag abwerfen.
Ich sehe die NSG als Flächen an, welche die gleiche Funktion erfüllen wie der Notgroschen auf der Bank: man darf sie zwar benutzen, aber nur so, dass sie erhalten bleiben. Deshalb ist es eine verdrehte Sicht der Dinge, die NSG als Eingriff in die persönliche Freiheit des Einzelnen aufzufassen. Genauso wie ein Landwirt, der seine Ländereien unter keinen Umständen verkauft, sondern seinen Hof beisammenhalten will, dies nicht als persönliche Einschränkung auffasst: Nämlich eben, dass er sein Land nicht nach Belieben verkaufen darf, auch wenn ihm dies niemand als sein eigener Verstand verbieten könnte. Als Landbesitzer ist man Treuhänder, nicht Eigentümer.
AlterSchwede hat geschrieben:Wir stehen aktuell nicht nur mitten in einer Schuldenkrise - wir stehen ganz nebenbei in einer Situation in der Rohstoffe und Energien knapper werden und Umweltschäden aus dem Ruder laufen
Das ist eben der Versuch der interessierten Kreise, die ganze Bevölkerung in die Pflicht zu nehmen.
Diese Krise ist nicht über uns gekommen wie der Hurrikan neulich über die USA, diese Krise wurde selbst gemacht und ist selbst verschuldet.
Um beim obigen Vergleich zu bleiben, man merkt langsam, dass der Stall bald leer ist. "Wir stehen in einer Krise" ist Schönrednerei! Man versucht sich sprachlich aus der Verantwortung zu schleichen. Korrekt müsste es heissen "wir bekommen nun die Folgen kurzfristigen Profitdenkens um jeden Preis zu spüren" und das "wir" bedeutet, alle sollen dafür bezahlen, nicht nur die, welche die Misere verursacht und davon profitiert haben. Diese billigen Supermarkt-Würstchen und Dumpingpreis-Flugreisen werden uns noch sehr teuer zu stehen kommen.
Man (wir, die Konsumgesellschaft) hat die schon immer gültigen und schon lange bekannten Regeln des Haushaltens missachtet:
- Man kann nicht mehr ernten, als nachwächst
- Man soll die laufenden Ausgaben aus den laufenden Einnahmen bezahlen können
- Man verkauft die Kartoffeln, nicht den Acker und nicht das Saatgut fürs nächste Jahr
- Spare in der Zeit, damit du hast in der Not
"Wirtschaften" bedeutet im Sinne des Wortes genau das. Das, was heute Wirtschaft genannt wird, nennt sich korrekt "ausplündern".