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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 12. Jun 2018, 22:34
von Rohana
strega hat geschrieben:
Ein unrealistisches Bild im Kopf der Verbraucher wird gepflegt ("Heumilch") bzw. erschaffen
Was ist daran unrealistisch? Es gibt diese Art von Milchproduktion, genauso wie es die anderen Arten von Milchproduktion gibt.
Recht unrealistisch ist dass die Kühe im Winter ausschliesslich von sonnengetrocknetem Heu leben, wo natürlich fast nur Kräuter und kein Gras drin war... Heutrocknung wäre da ein Stichwort.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Di 12. Jun 2018, 23:02
von viktualia
Uups, schon wieder so viel dazugekommen -
Rohana hatte gesagt: Das muss jetzt kommunikativ aufgefangen werden, aber von wem?
Das sollte von uns allen gestemmt werden: JA!! nicht nur von den Landwirten, ist doch eh klar. :flag:
(Das Auffangen des kommunikativen, ich erlaube mir mal, Ina zu zitieren für die Antwort.)

Wie man hier voll gut hat sehen können: es sind ganz unterschiedliche Fragen und Vorstellungen, die die Beteiligten bewegen.
Und es geht, leider leider, schnell mehr um die Vorstellungen der Leute, als um konkrete Fragen, bzw. Antworten.

Als allererstes würde ich empfehlen, zwischen Werbung und Information mehr zu differenzieren.
Oder zwischen "dem Verbraucher" als Masse, da täte andere Werbung Not
und den einzelnen Personen, die, wie Ina so schön sagt, alle Verbraucher sind,
und die sich gegenseitig informieren könnten, bzw. alle in einem Boot sitzen, Wertschöpfungskettenmässig.

Und während die "Gesetzmässigkeiten einer Wertschöpfungskette" heutzutage wohl für die meisten was recht "normales" sind,
-Angebot und Nachfrage, die Großen fressen die Kleinen, Geiz ist geil-
sind die Gesetzmässigkeiten der Natur, nun ja, ein Mysterium.
Sag ich jetzt mal ganz ernsthaft.
Abgesehen davon wissen wir ja tatsächlich grad mal nur Ansatzweise wirklich was darüber, wie Boden funktioniert.
Und Lieschen Müller kann keine Ringelblume von Löwenzahn unterscheiden.
Oder hat Angst, Bärlauch mit Maiglöckchen zu verwechseln.
Oder denkt, Schweine würden gerne gestreichelt....

Es müsste hier im Forum doch eigentlich klappen, aus dem Wertschöpfungsmist kein neues "Mysterium" zu machen, so weit dürften wir doch sein....

So weit war ich, dann kam neues dazu:

Ina, wer? Der Zeitgeist? Dem müssen wir erst die "kritische Masse" geben, also uns mengenmässig genug verbreiten, damit es zum "Selbstläufer" wird.

Strega, auch wenn ich glaube, nein, eigentlich weis ich es, dass der Verzehr artenreicher Wiese tatsächlich zu einer besseren Milch führt,
weis ich auch, dank Rohanas link vor ner Weile, dass sich auch "Heumilch" nennen darf, was aus 6 Stunden Weidelgras am Tag kommt.
Und das hat garantiert weniger hochwertige Fettsäuren drin, auch wenn es dreimal Heumilch heist.
(Oder war das "Weidemilch"? Diese vielen Labels sind echt nix für die Bewusstwerdung der Massen...)

Gilt für Ölkanne gleich mit: "Weidelgrasmonokultur" mit bissl andern Gräsern ist nicht wirklich "Landschaftspflege".

Wir müssen Anfangen, diese "Mitte", in der die Wahrheit immer liegt, mehr aufs Korn zu nehmen.
Uns weniger davon Schrecken lassen, dass man das immer und immer wieder tun muss.
Dann wird dieses Kommunikationsding zum Selbstläufer und die Evolution ist einen Schritt weiter.
Zeitenwende, nicht Weltuntergang.
Nicht gegen Leid kämpfen, sondern für Genuss. Oder für Genug statt Geiz. Oder gegen entweder/oder....

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 13. Jun 2018, 01:40
von woidler
Mal ein ganz anderer Ansatz , wenn wir schon bei Veränderung von Verbraucher- und Produzentenbewußtsein sind :

In D leben ca. 80 Mio Einwohner. Die landwirtschaftliche Fläche, also Äcker,Grünland, Gärtnereien beträgt ca. 16,5 Mio Hektar.
Für jeden Einwohner steht somit eine landwirtschaftliche Fläche von 2.000 m² zur Befriedigung seiner Bedürfnisse zur Verfügung.

Wie weit käme man da , wenn auf dieser Fläche weitgehend alle Lebensmittel, Fette und Öle, Textilrohstoffe , Genußmittel produziert werden müssten.
Der nächste Schritt wäre dann noch die Differenzierung zwischen konventioneller und "Bio"-Landwirtschaft. Letzteres hätte den Vorteil, daß man im Rahmen der
gesellschaftlichen Selbstversorgung auf den Import von Düngerkomponenten (zB Phosphor) und der Energieeinsatz (Verzicht auf Kunstdüngerproduktion geringer
wär)

Reichen die 2.000 m² nicht aus , ergibt sich entweder die Notwendigkeit des "globalen Handels", Zukauf von Baumwolle , Soja oder der Einschränkung des individuellen Konsums , bzw Angebots oder der Verzicht auf weiteres Wachstum der Bevölkerung in D ,bzw. langfristig Reduktion der Bevölkerung

Verteilungsmaßstab muß dann nicht der Geldwert der Ware sein, sondern das gleiche persönliche Guthaben an Flächenäquvalenten .

So daß dann zB ein bestimmtes Flächenäquivalent 10 kg Kartoffel, 1 kg Fleisch , 2 Liter Wodka , 10 cm² Rindsleder, 50cm² Leinen , oder 2 Liter Pflanzenöl x kG Zucker entspricht , was eben auf der gleichen Fläche produziert werden.
Und die anteilgen 2.000 m² werdenin entsprechende Flächenäquivalente aufgeteilt.

Daneben brauchts noch irgendwie die Komponente der Kosten für die Herstellung des Produkts : 10 kg geernte Kartoffel können roh verkauft werden ,
für die Schnapsdestillation brauchts zusätzlich Energie und Arbeitsleistung, ähnlich bei weiteren Veredelungen.

woidler

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 13. Jun 2018, 06:43
von Rohana
viktualia hat geschrieben: Gilt für Ölkanne gleich mit: "Weidelgrasmonokultur" mit bissl andern Gräsern ist nicht wirklich "Landschaftspflege".
Ach nein? Wäre dir Verbuschung lieber? Wer sorgt denn dafür, dass es offene Flächen gibt?! Ohne Grünlandnutzung kein Grünland!
Abgesehen davon bezweifel ich dass du schonmal ne Weidelgrasmonokultur gesehen hast. Selbst wenn man 100% Weidelgras säen würde, heisst es nicht dass 100% Weidelgras hinter her da steht, denn der Boden enthält ja von sich aus einen Vorrat an Samen der dort normalerweise wachsenden Pflanzen, wo entsprechend viel mit aufgeht. Klar, das wird dann nicht dominant sein (soll's ja auch nicht), aber je nach Standort, Düngung, Nutzung und Wetter kommt da schon eine andere Flora mit rein. Abgesehen davon ist ein gewisser Anteil an Klee und ein Anteil an Kräutern erwünscht und gewollt, bloss von reiner "Blümchenwiese" wird keine Kuh satt - und schau dich doch mal um in Parks und anderen nicht-landwirtschaftlichen (!) Grünflächen, was da wächst und wie da gemäht wird.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 13. Jun 2018, 07:08
von Gelöschter Benutzer 54
viktualia hat geschrieben: Oder denkt, Schweine würden gerne gestreichelt....
schweine werden gerne gestreichelt. von fremden (zb mir) gern hinter den ohren, das gibt zufriedenes grunzen. besonders, wenn es dazu auch ein apferl oder eine handvoll gras gibt. von ihnen bekannten menschen gerne ausgiebiger, da haut sich so ein mehrere hundert kilo schwerer brocken auch wie ein kätzchen auf den rücken und will gekrault werden.

kann man vor ort ausprobieren, gegen voranmeldung bekommt man eine private führung über die schweinewiesen mit schweinekontakt im verein ferkelfroh, verein zur erforschung der lebensweise von schweinen


https://www.ferkelfroh.at

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 13. Jun 2018, 07:20
von centauri
Nicht jedes Schwein lässt sich gerne streicheln. Ich hatte mal eine Wollschweinkreuzung die haben das genossen. :) Dann hatte ich mal Turopolje die waren eher halbwild. Die ließen sich noch nicht mal anfassen.
Was die Monokulturen betrifft finde ich auch nicht das die der Landschaftspflege dienlich sind. Wenn man bedenkt das auf 82 % der Ackerflächen nur Getreide, Mais und Raps steht dient das auch nicht der Biodiversität. ;)

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 13. Jun 2018, 07:26
von Rohana
... gibt n Foto von mir als Kind, wo ein Wildschwein vor mir auf der Seite liegt und sich genüsslich mit einem Stöckchen schrubbeln und massieren lässt. Da war ich vielleicht 10 oder so.
Wenn man bedenkt das auf 82 % der Ackerflächen nur Getreide, Mais und Raps steht dient das auch nicht der Biodiversität. ;)
Ist die Frage ob Ackerflächen der Biodiversität dienen müssen/sollen? Oder vielleicht doch eher der Ernährung und NaWaRo-Erzeugung? :hmm:

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 13. Jun 2018, 08:24
von viktualia
Schweine, die sich "streicheln" lassen kenn ich in der Form von: <mit dem Schrubber kraulen>, die sind ja recht schnell groß und stark;
hatten wir in meiner wilden Jugend mal, kann mich erinnern, dass die arme Sau auch im R4 mit umziehen musste.

Tja, Ölkanne und Ina, da hat woidler ja vorgerechnet, was passieren könnte/müsste, wenn wir zu 98% in die Landwirtschaft zurückgingen...

Und ich hab mir gestern noch verkniffen, zu fragen, was wohl medientechnisch passiert, wenn uns demnächst das Handelsabkommen mit Südamerika deren Fleisch beschert. Denn das halte ich für das realistischere Szenario:
Lebensmittel mit geringeren Standards und mehr subventionierte "Landschaftspflege" auf unserer Seite des Teichs.
Weitere Verdummung und Entfremdung durch die Kollateralschäden der Kampagnen,
die uns zwischen -Freiem Handel- und -Rettung der Natur- zerreiben.
Hmm.
Man kann gar nicht früh genug anfangen, sich gegen >entweder/oder< abzugrenzen....

@Rohana: ich hab nen <Weidelgras-Klee-Rasen>, geerbt, sozusagen. Und das Zeug ist schon sehr dominant. Mag auf schlechteren Böden anders sein, hier setzt es sich sehr locker gegen alle anderen Gräser durch. Deshalb wird es ja auch angebaut.
"Verbuschung" ist das andere Extrem; Landschaftspflege liegt wohl eher mittig.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 13. Jun 2018, 15:14
von centauri
@Rhoana
NaWaRo? Willste mir damit sagen das da alles so super läuft. Vieles von dem Krempel würden wir gar nicht brauchen bzw. würde es gar nicht geben wenn es dafür keine Förderung gäbe.
Wo wir wieder mal bei der Sinnlosförderung angekommen sind. :aeh:

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Mi 13. Jun 2018, 17:23
von Rohana
Nachwachsende Rohstoffe müssen irgendwo herkommen, vor allem wenn man damit Erdöl ersetzen will. Wenn's das natürlich nicht braucht, klar, dann ist es sinnlos... könnten wir auch genauso importieren wie wir Erdöl importieren. Eigentlich könnten wir auch Lebensmittel importieren. Wait, what...