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Re: Sparen durch Selbstversorgung
Verfasst: Fr 21. Apr 2017, 17:25
von Adjua
Ich kann aus eigener Erfahrung nur folgendes beisteuern:
Als ich mit dem Garten anfing, war ich dabei, mich von workoholismus zu erholen. Der Garten ist - im Gegensatz zur Arbeit in der Informatik - einfach ehrlich. Keine dummen Memos, keine Intrigen. Man muss nichts tun, was die eignene Intelligenz beleidigt, um Misserfolge oder Fehlentscheidungen schönzureden - und wenn jemand deine Arbeit zerstört, ist es Frost oder Hagel, keine hirnlose Entscheidung irgendeines Managers, der nicht bereit ist, sich mit der Materie auch nur ansatzweise auseinanderzusetzen. Das war sehr gut für meine geistige Gesundheit und ist mit Geld nicht aufzuwiegen.
Ausserdem, wie ich schon sagte, man geht weniger einkaufen, wenn man wenigstens eigene Eier hat und Brot selber macht, das spart in jedem Fall Geld. Nicht weil Eier und Brot so teuer sind, sondern weil man weniger ins Geschäft geht, und dann eben weder Schokolade noch Limonade kauft, und dann eben Wasser trinkt und Erdbeeren ißt. Oder jedes Gefühl des Verzichts.
Und jeder Handwerker bisher mochte Wachteleier im Wert von vielleicht zwei Euro lieber als ein Trinkgeld von 10 Euro. Wenn man rechnen muss, macht das einen Unterschied.
Auch wenn es lächerlich wenig ist, was ich zusammenbringe, im Vergleich zu Leuten in guten Gartengegenden - beispielsweise hat bei mir eine Gurke maximal 2-3 Früchte - ist Geld für Saatgut, Gartengeräte, Zäune, Maschinen summa summarum billiger als technische Spielzeuge oder andere Konsumartikel, nach denen ich sehr viel weniger Verlangen habe. Es ist eine Möglichkeit, ein allenfalls vorhandenes Konsumbedürfnis in geldbeutelschonende Kanäle umzuleiten und gleichzeitig etwas sinnvolles zu produzieren.
Dadurch ist einem - wie man in Österreich sagt - weniger fad im Schädel - und man macht in Summe weniger kleine oder grosse Dummheiten, die Geld kosten.
Re: Sparen durch Selbstversorgung
Verfasst: Fr 21. Apr 2017, 17:35
von Zottelgeiss
Adjua, wenn Du sämtliche Kosten für deine Wachteln ignorierst (über's ganze Jahr gerechnet), sogar Deine Arbeitszeit aussparst, "sparst" Du tatsächlich acht Euro. "In echt" sparst Du, wenn Du keine Wachteln hältst, bei jemandem Wachteleier kaufst, der durch Dich und andere Kunden soviele Eier verkaufen kann, das die Kosten-/ Nutzen- Rechnung aufgeht und dem Handwerker Geld gibst. DER hat dann genug Geld, sich ebenfalls Wachteleier zu kaufen UND hat dann noch Geld übrig, das er sparen kann, weil er für seine Arbeit angemessen entlohnt wurde....
Ich rede jetzt nur vom Geld

Re: Sparen durch Selbstversorgung
Verfasst: Fr 21. Apr 2017, 17:47
von Lehrling
wobei > Hoffnung auf Geld< = Setzen ihres Links wohl der Beweggrund der Threaderstellerin war....
liebe Grüße
Lehrling
Re: Sparen durch Selbstversorgung
Verfasst: Fr 21. Apr 2017, 18:13
von Peterle
@Lehrling
Welcher Link?
@Zottelgeiss
Genau so sehe ich das auch.
@Adjua
Ich bin ja auch in der Informatik, wenn auch einer von den Geschmähten. Trotzdem muss ich mir kein Programm schreiben um zu erkennen, dass nur eine sinnvolle Größe im Zusammenspiel mit Tieren das ergibt, was man unter diesem Threadtitel vermuten darf. Die notwendige Mindestgröße kann man natürlich auch durch Verteilung auf Mehrere erreichen. Eigentlich hatte Thomas schon umfänglich und korrekt als Erster alles zur Frage gesagt.
Mir ist auch klar, dass jemand, der am Rand unserer Konsumgesellschaft lebt und kaum Bestätigung im Alltäglichen findet, für jeden Erfolg empfänglich ist. Selbstverständlich darf man solche Aspekte auch anführen. Aber als alleiniger Grund wäre das Aussähen und Ernten von Blumen effektiver (und auch eine Selbstversorgung).
Um der Not eines Hartz4- Empfängers oder Gleichgestellten zu entkommen ist das aber zu wenig, zumal mit Kind. Diesem werde ich kaum vermitteln können, dass es jetzt auf irgend etwas verzichten soll um es Wochen später _vielleicht_ auf dem Teller wieder zu finden. Und wenn Schnecken oder Hagel oder was weiß ich den Erfolg zunichte machen, ist es gleich doppelt so schlimm. Davon hat keiner in diesem Threat geschrieben, nur immer wie erfüllend das ist. Ich finde den Schneckenfraß äußerst frustrierend und den notwendigen Einsatz immens (By the way: wer hat eigentlich Flächenmulch erfunden? Lebt der noch?).
Gruß
Peter
Re: Sparen durch Selbstversorgung
Verfasst: Fr 21. Apr 2017, 19:01
von emil17
Peterle hat geschrieben:Wenn Schnecken oder Hagel oder was weiß ich den Erfolg zunichte machen, ist es gleich doppelt so schlimm. Davon hat keiner in diesem Threat geschrieben, nur immer wie erfüllend das ist. Ich finde den Schneckenfraß äußerst frustrierend und den notwendigen Einsatz immens
Tja ... ist aber leichter zu akzeptieren, wenns ein Naturereignis war, als wenn es gepaarte Willkür und Ignoranz eines Vorgesetzten war oder wenn man dir den Garten aufkündigt, weil der Neffe der Besitzerin dort das Wohnmobil parken will ...
Hab dazu passend gerade gelernt, dass meine Aprikosen (Marillen) dieses Jahr bereits geerntet sind - Totalausfall wegen Spätfrost.
übrigens: Thread: Diskussion, Threat: Bedrohung. Das eine kann zum anderen werden, was hier hoffentlich nie der Fall war.
Re: Sparen durch Selbstversorgung
Verfasst: Fr 21. Apr 2017, 19:32
von Peterle
[quote="Peterle"]Ich finde, dieser Thread ist ein schönes Beispiel dafür, wie man sich etwas schön reden/schreiben kann. Und in der Praxis mache ich das ja nicht anders, dass was ich anbaue, also Salate, Gurken, Melonen, Kürbisse, Tomaten, Radieschen, Zwiebeln, Bohnen, Erdbeeren (irgendwas vergessen?), ist nett, aber hilft mir finanziell kaum weiter. Hobby eben.
[quote]
hallo Emil, vielen Dank für die Berichtigung
vielleicht ist es besser, wenn der Erfolg vom ignoranten Angestellten zunichte gemacht wird? Tatsächlich wäre das Ergebnis gleich und würde jemanden in der Not nicht weiter helfen.
Zum Thema zurück:
Weiß jemand irgend etwas über Microgreens? Also nicht den Dummquatsch den ich gefunden habe (Kochmütze und Co.) sondern Nährwerte, Kalorien irgendwas fassbares?
Das könnte ja ein Ausweg sein bei wenig Grundstück. Aber es klingt zu gut als dass ich mir das vorstellen kann. Und wo bekommt man genug Samen ohne die Preise für Saatgut des Endverbrauchers zu zahlen? Aber hier könnten ja 30qm durchaus zum Ausreifen einiger Pflanzen ausreichen.
Auf 30qm gärtnern, da könnte vielleicht Aquakultur mit Gewächshaus ein Weg sein.
Im Gewächshaus auch Tomaten, zum Bsp. Harzfeuer, und diese im Topf über Kopf. Das ergibt eine zweite Ebene.
Aber der Einsatz zum Start ist eine viel zu große Hürde.
Gruß
Peter
Re: Sparen durch Selbstversorgung
Verfasst: Fr 21. Apr 2017, 19:41
von Adjua
Zottelgeiss hat geschrieben:Adjua, wenn Du sämtliche Kosten für deine Wachteln ignorierst (über's ganze Jahr gerechnet), sogar Deine Arbeitszeit aussparst, "sparst" Du tatsächlich acht Euro. "In echt" sparst Du, wenn Du keine Wachteln hältst, bei jemandem Wachteleier kaufst, der durch Dich und andere Kunden soviele Eier verkaufen kann, das die Kosten-/ Nutzen- Rechnung aufgeht und dem Handwerker Geld gibst. DER hat dann genug Geld, sich ebenfalls Wachteleier zu kaufen UND hat dann noch Geld übrig, das er sparen kann, weil er für seine Arbeit angemessen entlohnt wurde....
Ich rede jetzt nur vom Geld

Klar. In Geld gesehen hast du recht, was das Handwerkertrinkgeld angeht. Ich habe aber die Erfahrung gmacht - zu einer Zeit, als ich wirklich wenig Geld hatte - dass ich mit 150-200 Euro pro Monat auskomme, weil ich einfach selten von meinem Berg runter in ein Geschäft muss. Bloss Milch würde mir noch fehlen, aber Milchwirtschaft tue ich mir nach reiflicher Überlegung nicht an.
Mit so einem Budget wäre ich in der Stadt (ich war 25 Jahre in Wien) niemals ausgekommen. Hier auf meinem Berg, obwohl nicht sonderlich ertragreich, ist immer etwas zu essen da, und man kauft weniger Unnötiges. Das geht natürlich ohne Garten auch (vor allem, wenn man muss), aber ich hatte nie das das Gefühl, dass mir etwas fehlt (was ich hätte, wenn ich in Wien für 200 Euro/Monat essen müsste).
Ich sage nicht, dass man mit dem Garten wirklich spart, wenn man auf die Handwerker-Trinkgeld-Methode rechnet. Aber ich sehe eine gewisse Umwegrentabilität.
Was ich nicht sehe (und so habe ich auch immer argumentiert) ist die romantische Vorstellung von totaler Selbstversorgung, oder auch die Illusion, dass man mit dem Garten allein Geld verdient, und schon gar nicht genug zum Leben. Oder auch direkt (nicht auf Umwegen) Geld spart. In puncto Schönrechnen bin ich ganz bei Emil.
@peterle: Ich habe nicht dich im besonderen geschmäht. Ich habe in 20 Jahren auch zahlreiche vernüftige und gute Manager kennengelernt.
Dass ich ein Konsument bin und produktiv sein will, gebe ich gerne zu. Dass ich manche Resultate (Hagelschlag, Frost) leichter verwinde als die Zerstörung meiner Arbeit aufgrund von Eitelkeiten und Machtspielchen, gebe ich auch gerne zu. Da fehlt mir die Gleichmut, die ich bei Naturereignissen aufbringen kann. Das ist persönliche Disposition, nicht mehr und nicht weniger.
Das mag für andere anders sein - wer kein Konsumbedürfnis hat und wem egal ist, was mit dem eigenen Produkt passiert, für den gibt es meine Umwegrentabilität nicht. Deswegen sagte ich ja ausdrücklich: Das ist meine Erfahrung, deswegen hat es sich für mich gelohnt.
Re: Sparen durch Selbstversorgung
Verfasst: Fr 21. Apr 2017, 19:50
von Peterle
Olaf hatte hier kurz eingeworfen, dass der neulich Gärtner mal alles berechnet hat.
Hier die Links dazu:
Teil 1 Teil 2
Viel Spaß beim Lesen
Peter
Re: Sparen durch Selbstversorgung
Verfasst: Fr 21. Apr 2017, 19:54
von Zottelgeiss
Kein Geld brauchen ist eigentlich immer gut

Re: Sparen durch Selbstversorgung
Verfasst: Fr 21. Apr 2017, 20:08
von Peterle
@Adjua
ich hab das nicht persönlich genommen
Und richtig Manager war ich nur im Hausvertrieb. In meiner eigenen Firma ist alles (erweiterte) Familie.
Grueße vom anderen Informatiker (Olaf ist auch einer so ich das richtig verstanden habe)
Peter