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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Do 23. Nov 2017, 16:27
von MeinNameistHASE
ihno hat geschrieben:Und warum die Nitrat Werte im Trinkwasser immer höher werden weis auch keiner .
Doch klar!

Nitrat kann aus dem Grundwasser unter natürlichen Bedingungen nicht abgebaut werden und reichert sich an. Weil Nitrat die chemische Verbindung mit der höchsten Mobilität im Boden ist sorgt jedes bisschen Niederschlag dafür, dass es sich weiter in den Boden einwäscht, falls es nicht von Pflanzen aufgenommen wird.

Verstärkt wird das dadurch, dass sehr viel Nitrat/ Stickstoff ausgebracht wird, den die Pflanzen nicht aufnehmen können. Da kann sich aber jeder Hobbygärtner an die eigene Nase packen wenn auf Teufel komm raus Humus, Kompost, TP UND Wasser auf die Beete gepackt wird... Landwirte tun das auch nur in anderen Dimensionen und mit anderen Mitteln.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Do 23. Nov 2017, 17:56
von Benutzer 2354 gelöscht
die frage ist ja kann dem einzelnen in Rechnung gestellt werden das es nun einen höheren Aufwand gibt um an " gutes " Trinkwasser zu kommen ?
Oder ist es fair das diese Kosten die Algemeinheit trägt ?
Wir durften dieses Jahr eine neue Kläranlage bauen trotz guter Werte im Abwasser von der alten Anlage . Umweltschutz neuer Standart usw.
Keine 300m weiter wird gülle mit dem Lkw ganz aus 100km entfernung ran gekarrt und das ist anscheinend umweltfreundlich.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Do 23. Nov 2017, 18:35
von Benutzer 3370 gelöscht
meinnameisthase hat geschrieben:Da kann sich aber jeder Hobbygärtner an die eigene Nase packen wenn auf Teufel komm raus Humus, Kompost, TP UND Wasser auf die Beete gepackt wird...
Falsche Annahme ergo falsche Regulation

Der ausgeweiteten Obergrenze liegt die fachlich falsche Annahme zugrunde, dass ausnahmslos alle stickstoffhaltigen organischen Düngemittel gleichermaßen für Auswaschungen von Nitrat ins Grundwasser, also für eine erhöhte Grundwasserbelastung durch Nitrat, verantwortlich sind. Die lineare Schlussfolgerung, „je mehr Aufbringung, desto mehr Auswaschung“, ist jedoch nicht per se zutreffend. Insbesondere nicht für Stickstoff, der fest gebunden ist. Genau das trifft auf Komposte zu: Sie gehören zu den Humusdüngern, bei denen der Stickstoff in gebundener Form vorliegt und jährlich nur im einstellig prozentualen Bereich der Pflanze zur Verfügung gestellt wird. Der Rest verbleibt gebunden im Boden.
https://wertstoffblog.de/2017/01/29/war ... uelle-ist/

Auf die schnelle hab ich im IN nur das hier gefunden, allerdings trifft das genau so zu, wenn ich mich richtig an die Skripten der BOKU erinnere.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Do 23. Nov 2017, 21:43
von MeinNameistHASE
Gut, dann hab ich vielleicht wieder zu weit gedacht... :hmm:
Unter welchen Bedingungen wurden diese Werte ermittelt und kann das auf den "gemeinen Hobbygärtner" übertragen werden? MMn eher nicht: Im Hobbygarten ist die Bearbeitungshäufigkeit & -Intensität möglicherweise höher, wodurch die Belüftung des Bodens gefördert wird. Nach zwei Semestern Bodenkunde hab ich da noch was von extrem steigenden Abbauraten von Humus im Ohr, also irgendwie Nährstofffreisetzung.

Und um meine Aussage von oben zu ergänzen: Viele verwenden auch Blaukorn und andere synthetische Dünger, die garantiert nicht fest gebunden sind und ausgewaschen werden können.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Do 23. Nov 2017, 22:04
von Benutzer 72 gelöscht
Und was bedeutet das "TP" in deinem Text?
Doch nicht Terra Preta?

Du meinst, dass durch häufiges Hacken Nitrat ins Grundwasser gelangt?

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Do 23. Nov 2017, 22:12
von MeinNameistHASE
ja, das sollte Terra Preta heißen

Ich meine, dass durch Hacken die Mineralisierung (mehr Nährstoffe werden frei) gefördert wird und die Auswaschung/ Verlagerung bei Niederschlagsereignissen oder Beregnung ins Grundwasser oder in dessen Richtung zunimmt.

Hab ich mich da so unverständlich ausgedrückt?

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Do 23. Nov 2017, 22:35
von Benutzer 72 gelöscht
MeinNameistHASE hat geschrieben:Hab ich mich da so unverständlich ausgedrückt?
jein.
Unser Boden ist fetter Lehm, da fehlt die Luft und da wird glaube ich nichts ausgewaschen, auch wenn ich öfters hacke... hängt vielleicht auch vom Boden ab? :hmm:

Terra Preta fördert aber doch nicht die Nährstoffauswaschung?

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Do 23. Nov 2017, 22:36
von Benutzer 4754 gelöscht
ihno hat geschrieben:die frage ist ja kann dem einzelnen in Rechnung gestellt werden das es nun einen höheren Aufwand gibt um an " gutes " Trinkwasser zu kommen ?
Oder ist es fair das diese Kosten die Algemeinheit trägt ?
Wir durften dieses Jahr eine neue Kläranlage bauen trotz guter Werte im Abwasser von der alten Anlage . Umweltschutz neuer Standart usw.
Keine 300m weiter wird gülle mit dem Lkw ganz aus 100km entfernung ran gekarrt und das ist anscheinend umweltfreundlich.
Ja, die Wirtschaftdüngerverwertung in viehschwachen Regionen ist Umweltfreundlich.
Die Viehhalter in Nord-West-Deutschland wissen gar nicht mehr wohin mit ihrer Scheise und zahlen mittlerweile der aufnehmenden Hand 12€/m3...
Die Grundwasserkörper in Nord-West-Deutschland (eigentlich in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta) sind um jeden Kubikmeter Gülle froh der die Region verlässt.
Und die Böden in den viehschwachen Regionen sind froh um jeden Kubikmeter Wirtschaftsdünger den sie satt Mineraldünger bekommen.
Aber Verwaltung, Dokumention und Kontrolle des aufnehmenden Betriebes machen es zunehmen unattraktiv solche Aufzunehmen,
man wird einfach zur Zielscheibe der Kontrollbehörden
und die finden etwas wenn sie etwas finden wollen.

Klar macht es da mehr Sinn die Tierhaltung nicht so zu konzertieren, das lässt sich aber nicht von jetzt auf gleich ändern, schlich "denkt" ein landwirtschaftlicher Betrieb in Zeiträumen von 30-50 Jahren,
deshalb ist der einzig sinnvollste Weg der Abtransport.
Ich bin immer noch ein Fan der Lösung die Gülle per Bahn zu fahren,
die Bahn transportiert mehr Menge pro fahrt und ist energieffizienter.
Nachteil ist natürlich man bräuchte ein "Güllebahnhof" am Ende der Strecke um die gelieferte Gülle z.T. zwischenlagern und umschlagen zu können,
schließlich müssen die letzen Kilometer immer noch per LKW/Traktor zurückgelegt werden.
Bis jetzt aber ist das nur Fiktion, denn der LKW-Transport ist flexibler und bedarf wesentlich geringeren Investitionen.

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: Fr 24. Nov 2017, 10:40
von viktualia
Ina fragte:
Terra Preta fördert aber doch nicht die Nährstoffauswaschung?
TP fördert erst mal die Nährstoffumsetzung,
ob es dann in der Nähe Wurzeln gibt, die diese Aufnehmen, hängt vom Gärtner ab, nicht vom TP.
da fehlt die Luft und da wird glaube ich nichts ausgewaschen, auch wenn ich öfters hacke..
Hmm, wenn gewisse Prozesse nur mit Luft laufen, laufen die dann, wenn du umhackst, wie soll es sonst sein?
Durch den Sauerstoff wird Humus abgebaut (das willst du ja auch: Nährstoffe, die den Pflanzen zur Verfügung gestellt werden können...)
und mit weniger Humus im Boden kann auch weniger Stickstoff gehalten werden.
Dann siehe oben, je nach Wurzeln geht er in die Pflanze oder wird ausgewaschen.

Ich bin auch immer wieder erstaunt, wenn ich feststelle, dass ich einen Teil des Kreislaufs verstanden habe und dennoch voll auf dem Schlauch stehe, wenn ein anderer Teil des gleichen Vorgangs "andere Vorzeichen" hat.
Hab ja auch mit meinem "tollen Mistkompost" so gar keine "Stickstoffsperre" zu bedenken gehabt, bis ich dann geschnaggelt hab, dass das bei Stauden doch nochmal anders ist mit der Nährstoffbilanz als bei Kohl....
Jetzt nehm ich mehr Laub und Sägespäne, ändere damit aber nur die Zeit, in der was passiert, nicht den Vorgang als solchen.
(Korrigiert mich, wenn ich nen Denkfehler habe, danke.)

Nochmal zurück zu den Schweinen und den Verletzungen (die ja auch von den Tierärzten der Uni bemängelt wurden....)
meine Aussage wollte eigentlich nur sagen, dass DIE TIERÄRZTE wohl gerade dies bemängelten:
dass es VERLETZUNGEN sind, keine "Krankheiten" (Erkältungen, Missbildungen, so was) und insofern 18% zuviel sind.
Ja, Verletzungen kommen vor; ja, ich sehe die Probleme auch für die Erzeuger.
Das liegt mir nämlich jetzt echt auf dem Herzen: Manfred, Rohana, auch Hobygärtnerin:
ich möchte, dass ihr wisst, dass ich persönlich nach so ner Info nen RIESENHALS nicht auf die Bauern sondern auf "die Grünen" hab,
oder wer immer da so link war, zuerst die Koupierung und dann die Abs zu verbieten,
obwohl die Ställe und die Wirtschaftsweisen die gleichen geblieben sind.
Das MUSS zu Tierleid führen, es geht gar nicht anders.
Natürlich muss auf der anderen Seite dringend der AB Verbrauch eingeschränkt werden,
irgendwo ist es das "Opfer" wahrscheinlich wert (schreib jetzt keiner, ich würd mir widersprechen, das ist halt ne -Pest oder Cholera-Wahl),
aber ich bin echt gar nicht auf die Idee gekommen, "DIE" Bauern dafür verantwortlich zu machen....
Ich hab die Fantasie, dass ist so ne Art "Grüner Macchiavellismus": erst die Zustände verschlimmbessern, dann kann "man" leichter größere Ställe durchboxen. Mittels Tränendrüse und unter Nichtbeachtung des Kleinbauernsterbens.

Ich kann ja nicht in eure Köpfe reingucken - und ihr nicht in meinen.
Und Kreisläufe haben nun mal, ähm, viele Seiten.
Und "gestörte Kreisläufe" meist ne Menge "Sachzwänge", also "unverrückbare" Seiten aus Sicht der "Verursacher"
und "unhaltbare" Seiten aus Sicht der, ich sag jetzt mal "anderen", oder "unerleuchteten Verbraucher".

Wir stehen ja erst am Anfang dieser "neuen Zeiten".
Und desshalb geht mein Punkt eher in die Richtung: wir brauchen keine "Ruhe", wir brauchen Streitkultur.
Umfassende Informationen, Kreislaufdenken, Eigenverantwortung.
Aber kein Bauernbashing, keinen Zank, kein "Teile und Herrsche".

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Verfasst: So 26. Nov 2017, 11:18
von Benutzer 72 gelöscht
viktualia hat geschrieben:Ina fragte:
Terra Preta fördert aber doch nicht die Nährstoffauswaschung?
TP fördert erst mal die Nährstoffumsetzung,
ob es dann in der Nähe Wurzeln gibt, die diese Aufnehmen, hängt vom Gärtner ab, nicht vom TP.
Wie passt die Aussage von holzgaser im Faden "Landwirtschaft mit Pflanzenkohle" da dazu?
holzgaser hat geschrieben:Der trockene Hühner- Taubenmist wird mit trockener oder feuchter Holzkohle 1:1 gemischt und mit Wasser zu einer mörtelartigen Masse verrührt.[....]Die Mischung fängt an zu leben..... da startet der Lebensprozess für die Holzkohle.[....]
Jede Portion dieser Holzkohlemischung verbessert den Boden auf Dauer, nicht nur einmalig!
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viktualia hat geschrieben:Das liegt mir nämlich jetzt echt auf dem Herzen: Manfred, Rohana, auch Hobygärtnerin:
ich möchte, dass ihr wisst, dass ich persönlich nach so ner Info nen RIESENHALS nicht auf die Bauern sondern auf "die Grünen" hab,

:daumen:
seh ich (fast) genauso
nur dass meine Ablehnung nicht den Grünen im Speziellen gilt, sondern der oops EU sag ich mal besser nicht - der Politik überhaupt.... :flag: