hobbygaertnerin hat geschrieben:
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Bei den Kochbüchern - jede Menge über veganes und vegetarisches Kochen, von reiner Rohkosternährung über Superfood und Superbowls, über regionale und internationale Küche, von absolut zuckerfrei bis low Carb, von Paelo bis - aber bitte mit Butter, von fettarm bis zur ketogenen Ernährung. Kochen mit Kokosfett und Kokoswasser und und und
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Hab mich gefragt, wie haben unsere Vorfahren überlebt, ohne diese Masse an ernährungswissenschaftlicher und populärwissenschaftlicher Wissensvermittlung ...
Und wer steckt da so fleissig dahinter, dass sich diese "Wissensvermittlung" auch ganz schnell überall verbreitet?
Aber wenn ich mir die Bauwerke von vor ein paar hundert Jahren anschaue, die heute noch dastehen wie eine Eins und wo ohne Schwerkräne und Lastwägen das Material von Zugtieren herbeigeschafft werden musste usw., wie haben die Menschen/Tiere dies alles geschafft?
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aber wer behält noch den Überblick und vor allem, wer kann dieses Wissen noch Sammeln, Sichten und als Wichtigstes auch Umsetzen????
Liebe Hobbygärtnerin,
da kommt halt vieles zusammen.
Zum ersten (ich hab nicht alles zitiert): Unübliches Essen ist, wie noch unbekannte "Geheimtipps" von Urlaubsdestinationen, eine Methode, um sich interessanter zu machen, als man eigentlich ist. Vor allem wenn man dauernd darüber redet.
Zum Zweiten, heute gibt es so viele Mediankanäle, die ihre Übertragungskapazität füllen müssen, dass auch jeder Käse irgendwo breitgetreten wird.
Zum Dritten, rein ernährungsphysiologisch ist ein Mensch ähnlich wie ein Schwein, ein Allesfresser der viel verträgt und von sehr unterschiedlichen Sachen leben kann. Das Haupthindernis für uns, alles zu essen was verdaubar ist, ist das Gehirn, die Kultur und die Einbildung - und das ist eigentlich auch gut so. Die Medien machen dann aus dem "neuen" Nahrungsmittel, was ehrlicherweise heissen müsste "es hat mir bisher noch nicht geschadet" ein "es ist neu und gesund" und so sind beide zufrieden: der Autor hat kurz Aufmerksamkeit und das Medium hat etwas Neues zum verbreiten.
Zu den Bauwerken von früher, die heute noch stehen: Da gibt es eine unschöne Erklärung. Gewöhnliche Menschen waren Verbrauchsmaterial. Wenn beim Burgenbau einer vom Gerüst gefallen ist, dann ist eben einer vom Gerüst gefallen. Hätte er halt aufpassen müssen. Wenn der Handlanger mit 40 den Rücken kaputt hatte, was solls? Es gab ja genug andere.
(So anders ist es heute nicht: wenn einer vom Sandstrahlen von Modejeans in BanglaDesh krank wird, hat er Pech gehabt. Wenn einer im Billigstlohnland im Steinbruch verunglückt, wen interessiert das? Dafür kriegen wir den Laufmeter Bordstein aus Granit für 6 Euro franko Baustelle und die Jeans für 9.90 vor Marge des Modehauses)
Zum letzten: Das mit dem Wissensüberblick ist in unserer Gesellschaft schon lange verlorengegangen. Dafür brauchte es nicht das Internet. Universalgenies, die über alle Zweige der Wissenschaft einigermassen auf dem Stand waren, gibts schon seit mehreren hundert Jahren nicht mehr.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.