ina maka hat geschrieben:Wenn man finanziell knapp bei Kasse ist, sind Dinge, die Freude machen, wichtig
Diesen Aspekt hat schon John Seymour als sehr wichtig beschrieben: Man gewinnt an Selbstwertgefühl, wenn man etwas für sich selber zustandebringt, und wenn es "nur" ein paar Möhren sind.
Man vergleiche das mit einem Job, der nichts mit den gewöhnlichen Lebensführung zu tun hat.
Das sind die bezahlten oder selbständigen Tätigkeiten, die man normalen Kindern von sagen wir 6 Jahren nicht begreiflich machen kann ("Papa, warum kriegst du Geld dafür, dass du immer in den Computer guckst?"). Dafür kann man alles kaufen, was man will oder wo einem die anderen sagen, dass man es wollen sollte, um dabeizusein. Und man ist völlig hilflos, wenn es einmal etwas nicht gibt.
Ich bin der Überzeugung, dass es ein Grundbedürftnis ist, sich selber manche Dinge des gewöhnlichen Lebens und der täglichen Bedürftnisse herstellen und ohne Hilfe Dritter benutzen zu können. Dazu gehören Dinge wie Essen, Wohnen, Werkzeuge herstellen und reparieren.
Heute kann so ziemlich alles von dafür spezialisierten Firmen "effizienter" bereitgestellt werden. Dies reduziert den Begriff "Effizienz" aber auf etwas, was nichts mehr mit Lebensqulität zu tun hat.
Den Sinn des Lebens kann die Wirtschaft nämlich nicht beantworten, dabei käme bestenfalls etwas wie "möglichst schnell möglichst viel Vermögen haben" heraus.
Der Mensch ist gegenüber allen Tierarten dadurch verschieden, dass er viel Zeit mit Dingen verbringt, die aus Sicht der Überlebenssicherung in einer feindlichen Umwelt sinnlos sind. Musik machen, Tanzen, Singen, spielen, Dinge verzieren, religiös sein, Rituale befolgen, Tote verehren sind alles Tätigkeiten, die zum produktiven Leben (im wirtschaftlichen Sinne, also als Nahrung oder Geld beschaffen) nichts beitragen.
Die Neodarwinisten versuchen all das als indirekt nützlich im Kampf ums Überleben darzustellen, indem es beispielsweise die Gruppenzusammengehörigkeit stärke und man in der Gruppe konkurrenzkräftiger sei. Das ist das Pferd von hinten aufgezäumt, und sie tun es nur, um so ihr Weltmodell aufrecht erhalten zu können.
Viel einfacher ist es, davon auszugehen, dass man sich um lebensnotwendige Dinge nur deswegen und insoweit kümmern muss, wie man mehr Freiheit für das gewinnt, was den Menschen zum Menschen macht.
Aus Sicht eines Neoliberalen wäre vermutlich die Speckmade die effizienteste Lebensform - sich vollfressen als einzige Beschäftigung, kein Zeitverlust durch Nachdenken und unproduktive Interaktionen mit anderen.
Eine Rechnung, die "es hat sich finanziell gelohnt" ergibt, erspart einem natürlich das Nachdenken darüber, warum man überhaupt lebt, denn "es rechnet sich" muss in unserer Gesellschaft als Antwort nicht mehr weiter begründet werden und die unbequeme Frage "wer bin ich, wohin will ich" erübrigt sich dann.