Sabi(e)ne hat geschrieben:@emil: das liegt aber daran, daß die neumodernen Milchkühe alle massive Probleme mit den Klauen und dem Euter haben, und tw. schon vor der 4. Laktation gekillt werden müssen - es gibt nur noch sehr wenige Betriebe wie die Demeters (die NICHT besamen), die noch alte Kühe vorweisen können.
"Eine Kuh wird erst ab der 5. Laktation und den weiteren richtig rentabel" - so alt werden die Kühe nicht mehr, und fast alle Betriebe nehmen einen der Bullen aus den TopTen - was einen genetischen Flaschenhals schafft...
Die Politik hat da echt keine Ahnung, was da wirklich passiert (und ich meine die gesamte LW), und welche Auswirkungen es hat.
(das Gleiche gilt für die Neonics - welcher Bundestagsvertreter ist auch Imker?)
Sabine, da steht einiges drin, was ich so nicht stehen lassen kann.
Dass die Milchkühe alle massive Probleme mit Klauen und Euter haben, ist schlicht falsch.
Die Euter- und Klauengesundheit ist in den meisten Beständen viel besser als früher.
Richtig ist dagegen, dass die Qualitätskriterien der Milchverarbeiter massiv angezogen haben. Was früher von der Zell- oder Keimzahl her beste Verarbeitungsmilch war, muss heute weggekippt werden. Und entsprechend schnell landet eine Kuh mit zeitweise etwas höherer Zellzahl beim Schlachter.
Bei der kurzen mittleren Nutzungsdauer spielt auch der Zuchtfortschritt eine große Rolle. Wenn eine erstkalbende nicht die heute nötige Leistung bringt, wird sie umgehend aussortiert. Das drückt den Altersschnitt schon mal deutlich. Und ältere Kühe gehen auch früher ab, wenn junge mit besserer Leistung nachrücken.
Dass bei der Stoffwechselleistung, die eine Hochleistungskuh heute bringen muss, die Kühe keine 20 Jahre Nutzungsdauer mehr haben, ist klar. Und dass die Fütterung deutlich anspruchsvoller ist als früher, ist ebenfalls klar.
Der Trend zur reinen Milchleistungszucht ist aber schon vor ein bis zwei Jahrzehnten wieder abgeflaut. Inzwischen wird wieder vermehrt auf ein sehr gutes Fundament (Knochengerüst, Klauen), eine sehr gute Euteraufhängung und eine lange Nutzungsdauer gezüchtet.
Dass die Politiker zum größten Teil keinerlei Ahnung mehr von Landwirtschaft haben und damit auch keine Ahnung, was ihre Gesetze anrichten, muss ich leider vollumfänglich bestätigen.
Deshalb hören sie nur noch auf Berater wahlweise von der Agrarindustrie (inkl. den durch Vorstandspöstchen bestens integrierten DBV-Vertretern) oder der Umweltschutz-NGOs.
Die kleinen und mittleren bäuerlichen Betriebe haben in D keine Lobby und werden deshalb bei den Entscheidungen ignoriert.
Wer z.B. den Erhalt oder gar die Schaffung von artenreichem, extensivem Grünland will, der muss dessen Wirtschaftlichkeit dauerhaft sichern. Solange das nicht passiert, fallen diese Flächen auf der einen Seite der Intensivierung und auf der anderen Seite den Waldpflanzern zum Opfer.
Für Biogasmais gibt es Geld ohne Ende, und den Kulturlandschafts- und Umweltschutz will man durch Teilenteignungen (Dauergrünland mit Umbruchverbot ist viel weniger Wert als potentielles Ackerland, unabhängig von der tatsächlichen Nutzung) erreichen.
Ist doch klar, was dabei raus kommt...
Ich habe gerade die Beweidung einer 7 ha Fläche extensiven Dauergrünlands ablehnen müssen, weil einfach keine kostendeckende Förderung gegeben ist. Umbruchfähig sind die Flächen eh nicht. Sie liegen seit Jahren brach und der Landschaftspflegeverband entfernt immer wieder mal für viel Geld die anfliegenden Fichten und Birken. Die Flächen sind an Arten total verarmt, weil von einem undurchdringlichen Grasfilz überwuchert, der fast keine anderen Pflanzenarten mehr keimen lässt.
Einige km weiter wird eine ähnliche Fläche sein ein paar Jahren durch Extensivbeweidung gepflegt. Da ist die Artenzahl geradezu explodiert. Leider ist auch da gerade unklar, wie es finanziell weiter geht. Dieses Jahr sind noch keine Tiere auf der Fläche. Der Bauer muss darauf warten, dass die EU ihren Mittelverteilungskampf für die nächsten Jahre ausficht...
Alleine diese zögerlichen und kurzfristigen Entscheidungen sind schon verheerend, da es keinerlei Planungssicherheit für die Bauern gibt.
Die könnten doch wenigstens mit 2 bis 5 Jahren Vorlauf für die jeweils nächste Periode über die Mittel entscheiden. Dann könnten sich die Bauern halbwegs darauf einstellen.