Ist ja auch so, daß es "früher" (für mich sind das jetzt mal die 70er/80er Jahre

) einfach noch nicht so viele Dinge gab, wie es heute der Fall ist.
Ich hatte zwar mit 18 Jahren ein Auto gekauft, für 1.200 geliehene D-Mark, die ich bei meinem Bruder vom Lehrlingsgehalt abstottern mußte. Aber es gab noch keine Handys, Navis oder Computer, die ich also nicht auch noch haben und bezahlen "mußte".
Ich war super happy mit meinem quietschgelben Käfer und todtraurig, als der TÜV uns geschieden hatte ... mir vorher ein größeres, besseres oder neueres Auto zu wünschen oder mich danach umzusehen, das kam mir überhaupt nicht in den Sinn.
So weit ich mich erinner flatterten damals auch nicht so viele Werbeprospekte ins Haus wie es heute passiert. Man hatte kein Internet, das einem tagtäglich neue Verlockungen anpries, und der Gruppendruck, etwas bestimmtes haben zu müssen, war damals auch noch nicht so groß.
Heute ist Einkaufen dank Internet und Shopping-TV täglich rund um die Uhr möglich, und dank Kreditkarte auch mit Minus auf dem Konto machbar. Und das gab es damals auch noch nicht. Wer hatte schon eine Kreditkarte? Ich war immer ganz ehrfürchtig, wenn in meiner Lehrzeit ein Kunde damit zahlte, ich in einem Heftchen schauen mußte ob die Nummer unter den verlorenen/gestohlenen Karten auftauchte, und dann das Kohlepapier-Formular durch den Plastik...dingens ziehen mußte. (sorry, ich werde nostalgisch...

)
EC-Kartenzahlung war auch noch nicht da, aber Schecks wurden auch eher sparsam ausgestellt, schon gar nicht für kleinere Einkäufe.
Geld holte man sich noch am Schalter in der kleinen Filiale am Ort, wo der freundliche Banker seines Vertrauens, der einen persönlich kannte, missbilligend die Augenbrauen gehoben hätte, wenn man seinen Mini-Dispo hätte beanspruchen wollen (sofern es überhaupt einen gab).
Dann fingen die Banken ja auch erst im Laufe der Jahre an überhaupt erst die Möglichkeiten zu bieten, sich zu verschulden. Und dann zogen auch die Händler nach, und plötzlich konnte man seine Waschmaschine, Musikanlage, Möbel usw. auf Pump kaufen. Alles konnte abgestottert werden - Hallelujah, was für ein Segen! Für die Generation meiner Eltern wäre das undenkbar gewesen, da wurde nur gekauft, was auch gleich bezahlt werden konnte.
Verschuldet war "man" damals einfach nicht. Heute ist das ja schon bei Jugendlichen möglich soweit ich mitbekommen habe, und so wird natürlich (klar, ist auch ursprünglicher Sinn der Sache) dem Konsum Tür und Tor geöffnet. Warum kauft man etwas? Weil man's kann....
Dazu kommen dann eben noch die Gründe, die u.a. auch Frodo geschildert hat. So von wegen Ängste, Gruppendruck. Oder das Ego, das sich von anderen abheben will, der Neiderweckungsfaktor weil ich mir ein besseres Auto leisten kann als der Nachbar/Schwager/Karl Napp vonne Pufferbude.
Und das ist gar nicht mal so einfach, sich davon frei zu machen.
Ich merke es selber häufig, daß man schräg angesehen wird wenn man sagt, daß man dies oder jenes nicht bräuchte oder möchte. "Wie, mit DEM kleinen Fernseher bist Du zufrieden? Kauf Dir einen soundso großen, da haste vieeeel mehr davon ....."

"WIE, Du hast
keinen DVD-Player?!?!!!!"

(beim nächsten Geburtstag kriegt man dann so ein Dingens geschenkt, obwohl man es nicht wiihiiillll!!!
"WAS, in
so einem kleinen Haus willst Du leben? Also, Iiiich könnte das ja nicht - naja, aber wer's mag ....."
Schon mal auf den Trichter gekommen, daß es tatsächlich Menschen gibt die mit wenig oder einfachen Dingen glücklich sein können, und einfach nicht mehr
wollen und
brauchen?!
Aber neee, wer keine Heizung im Haus haben will sondern nur 'nen Ofen, der hat per se Morbus Bahlsen (also einen an der Waffel

)
Und es gehört schon echt manchmal Überwindung dazu, zu seiner bescheideneren Art zu stehen (wobei ich das was ich alles habe und noch anstrebe gar nicht als bescheiden empfinde) und sich ständig erklären zu müssen, warum wieso weshalb man auf dies und jenes keinen Wert legt.
So, jetzt muß ich geistig erstmal wieder Luft holen.
Weitermachen!
