Es ist doch eher so, dass man mit einer "Flucht" in die letzten dünn besiedelten, halbwegs "natur"belassenen Gebiete der Erde nur zu deren Zersiedelung und damit zur Zerstörung beiträgt. Wenn alle nach Sibirien oder Alaska ziehen würden, die davon schon mal geträumt haben, wäre es dort ziemlich voll.
Ich Kern stimme ich mit dir überein, meine es aber sachlicher zu sehen.
Evolution funktioniert so, dass sich Arten durch Mutation oder Lernfähigkeit wandeln und so neue Lebensräume erschließen.
Voraussetzung ist, dass der Lebensraum erst mal vorhanden ist. Gelingt so ein Evolutionsschritt, wird das über lange Zeit erreichte Gleichgewicht zerstört und schlägt extrem in eine Richtung aus, z.B. indem der neue Lebensraum mangels Abwehrkraft ganz oder teilweise zerstört wird. Danach pendelt sich die Sache wieder ein, weil der Lebensraum im Rahmen seiner Evolution Abwehrkräfte entwickelt oder weil die neue Art selbst wieder einen Lebensraum bildet, der von einer weiteren Art erobert und damit in seine Schranken verwiesen wird.
Wir Menschen bilden inzwischen einen sehr großen Lebensraum für mögliche Parasiten. Gleiches gilt für unsere landwirtschaftlichen Kulturen, unsere Tierhaltung etc. Je einförmiger und größer ein Lebensraum, desto größer die Wahrscheinlichkeit der Eroberung durch eine neue Lebensform und für einen dramtischen Einbruch im Gleichgewicht.
Baktieren und Viren mit ihrem hohen Mutationspotentiall dürften die größten Risiken für uns Menschen selbst bergen. Bei den Kulturpflanzen auch die Pilze. Man denke z.B. an die Irland und die Kartoffel-Krautfäule. Evtl. kommt die Eroberung auch aus einer ganz anderen Ecke. Insekten usw. Vieles ist vorstellbar.
Wenn so ein Seuchenzug kommt, wird Isolation nur bedingt helfen. Es gibt ja immer Überlebende, die den Erreger weiter tragen. Man müsste sich also dauerhaft isolieren oder wenigstens so lange, bis ein Gebenmittel gefunden ist.
Einer Großtante von mir wurde vor vielen Jahren an der Haustür von irgendeiner christlich angehauchten Religionsgemeinschaft für den Fall ihres Beitritts das Überleben eines drohenden göttlichen Rachefeldzuges in Aussicht gestellt, der den Großteil der Menschen und das Vieh hinraffen sollte. Sie hat geantwortet: Da sterb ich lieber mit den anderen, als dass ich hinterhier alleine hier hocke und Berge von Tier- und Menschenleichen vergraben muss...
Damit ein Keim die Menschheit ernsthaft gefährden kann, muss er einiges mitbringen. Sehr infektiös (Tröpfcheninfektion?), lange Überlebensfähigkeit außerhalb des Wirtes, lange Inkubationszeit, resistent gegen alle bekannten Wirkstoffe, dann eine hohe Sterbequote der betroffenen Richtung 100%.
Das so ein idealer Killer aus dem Nichts auftaucht ist bei unserem inzwischen breiten Wissen über Mikroorganismen schwer vorstellbar. Es muss ja eine entsprechende Grundlage für die Mutation vorhanden sein.
Was ich mir eher vorstellen kann: Dass bekannte Keime weitere Resistenzen entwickeln und dann wieder mittlere Seuchenzüge auslösen, wie es sie in der Menschheitsgeschichte schon oft gegeben hat. Pest, Pocken, Grippen etc. Wenn es so weit ist, und wir irgendwann keine neuen Gegenmittel mehr finden, dann könnte aus diesen neuen Keimen so ein Killer mutieren, indem er seinen Infektionsweg und/oder seine Wirkung (die Letalität) verändert.