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Re: Bokashi entmystifiziert
Verfasst: Sa 29. Jun 2024, 21:30
von guzzmania
Bitte um Berichte! Meine Erfahrung ist, dass Bokashi wie Sauerkraut funktioniert, d.h. das Absieben der Flüssigkeit ist kontraproduktiv.
Re: Bokashi entmystifiziert
Verfasst: Sa 29. Jun 2024, 23:24
von Eberhard
Das Prinzip bei Sauerkraut und Bokashi ist die milchsaure Vergärung, in die verständliche Betrachtung kann man auch Silage einbeziehen (diese wird auch nicht unter Wasser stehen).
Die beteiligten Milchsäurebakterein kommen sehr gut in sauren Umgebungen zurecht (schaffen eine solche auch selber), und sie kommen in anaeroben Verhältnissen gut zurecht. In der Kombination sauer + anaerob gibt es wenig Konkurrenz zu den Milchsäurebakterien, so dass man dadurch den Prozess der gewünschten Fermentierung sicherstellen kann.
Milchsäurebakterien gibt es aber auch in neutralen Umgebungen und unter aeroben Verhältnissen, die obige Kombi ist keine Ausschließlichkeit.
Sauerkraut und Silage kann man auch unter Spontanfermentierung erzeugen, aus sich heraus ohne Zusätze von außen, also auch ohne Startzugabe von Milchsäurebakterien. Da wird man noch viel mehr darauf achten, das Fermentiergut in hoher frischer Qualität zu haben und keine Verunreinigungen durch andere Stoffe oder Fäulnis- und Schimmelherde zu bekommen, die die Spontanentwicklung während des Fermentierens selber und dann beim Aufbewahren bis zum Verbrauch in andere Richtungen bringen.
Verdichten und Abdecken sind Maßnahmen hin in Richtung Luftabschluss, ein abdeckender Abschluss mit Flüssigkeit ist da nur etwas konsequenter.
Den Punkt saure Umgebung gerade in der Startphase kann man damit verbessern, wenn man eine Startzugabe an Milchsäurebakterien gibt oder etwas für deren Förderung, damit sie bereits in dieser Phase andere Mikroben mengenmäßig dominieren und verdrängen.
Bokashi ist ja nun eher eine Abfallverwertung, man wird wohl nicht frischen feinen geschnittenen Kohl als alleinige Basis verwenden. Abfälle sind dann sehr vielfältig, kommen mit Faulstellen und anderen Verunreinigungen daher, es können potentiell tierische Abfälle hinzugefügt werden, es sollten aber nicht gleich ganze Schweineköpfe sein - Fett und Eiweiße sind kein Fermentiergut und werden andere Umbaureaktionen zeigen. Was also wie und wie gut funktioniert, ist schon individuell recht unterschiedlich. Bokashi ist dann auch kein Lebensmittel mit besonderen Erwartungen an die Qualität, sondern ein Zwischenschritt zur Vererdung, wo spätestens dann auch weitere Mikroben zum Zuge kommen müssen.
Also: Wenn es befriedigend funktioniert, ist alles gut.
Re: Bokashi entmystifiziert
Verfasst: Di 2. Jul 2024, 20:53
von 65375
Wenn mein Bokashi in der Sauerteigbrühe so dermaßen lecker riecht und offensichtlich ein schöne Milchsäuregärung vollzieht, müßte dann nicht im Umkehrschluß auch Sauerkraut und anderes Gemüse so zu vergären sein, ohne die Zugabe von ziemlich viel Salz?
Ich werde das mal in kleiner Menge ausprobieren, wenn wieder Kohlzeit ist.
Re: Bokashi entmystifiziert
Verfasst: Di 2. Jul 2024, 21:49
von Eberhard
Re: Bokashi entmystifiziert
Verfasst: So 17. Mai 2026, 08:57
von RoterFuchs
Ich hatte letztens eine komische Idee und habe damit ein wenig Freizeit vernichtet.
Die Idee war, einen Kompost anzulegen, der im Winter ein kleines Gewächshaus frostfrei hält nur mit der Wärme des Kompost. Dazu hatte ich die Google-KI benutzt (jaja ich weiss, deswegen schreibe ich es auch hier und nicht nur in meinem Kopf oder glaube das alles). Was er mir anbot war, dass wir von Frühjahr bis Herbst alles was wir an Bio-Abfällen haben, dazu auch getrocknetes Laub, getrockneten Grasschnitt bis Winteranfang aufheben sollen. Die Bioabfälle als Bokashi fermentiert in Eimern, die dann im kühlen Keller stehen sollen.
Mir kam dann noch die Idee, dass ich mal gehört habe, dass man früher eine "Pinkelwand" hatte und der dort absetzende Salpeter wurde vom Salpetermann (Salpetersieder) abgekratzt. Da wir noch eine alte Badewanne aus Gußeisen haben und einige Vollziegelsteine kamen wir (hey Moment, ich, also die KI, also auch ich, also das Internet) darauf, dass wir einfach auf die Vollziegel an Schnüren hängend urinieren. Mit einem Ventilator werden sie angeblasen. Die Ziegel werden also das Jahr über "aufgeladen". Im Winter werden sie in den Kompost reingeworfen und geben die Salze etc. ab. Dazu dann das Bokashi rein.
Die Ausbeute in kWh Wärme ließ ich mir dann auch direkt ausrechnen. 100-300kWh. Also die Materialien für den ganzen Käse würden mehr kosten als das Gewächshaus mit nem popeligen Elektroheizkörper zu erwärmen.
Aber es war ein lustiges Gedankenspiel. Vielleicht werde ich das mit ner Pinkelwand sogar machen. Beim Kompost werden es eher wieder 2 Komposthaufen. Einer 1 Jahr, der andere älter. Wohin mit der Erde ist aber gut, weil ich kann zwar damit düngen, wüsste aber nicht wohin mit der Erde bei dem kleinen Grundstück. Erde herstellen und dann zum Bauhof fahren... da könnte ich direkt ne Biotonne nehmen (die momentan vorhanden ist, weil einer im Haus immer Fleisch und Suppe auf den Kompost gekippt hat und wir dann Ratten aufm Grundstück hatten).
Hochbeete sind in Planung und dafür kann ich dann auch Erde gebrauchen. Sträucher-Holzschnitt muss ich dann aber einzeln lagern, beim Rasenschnitt bin ich mir noch nicht sicher.
Re: Bokashi entmystifiziert
Verfasst: So 17. Mai 2026, 09:10
von Maria
Wenn die Hühner im Wintergarten-Glashaus leben über Winter? Der Mist heizt ja auch, nur so eine Idee, wir haben noch nicht mal ein Gewächshaus. mach das alles im unbeheizten fensterreichen Vorraum
Re: Bokashi entmystifiziert
Verfasst: So 17. Mai 2026, 09:15
von Tscharlie
Pferdemist als Misthaufen ist eine gute Heizung, reicht aber sicher nicht für ein nicht isoliertes Gewächshaus.
Wir hatten früher Frühbeete, unten Pferdemist, darüber Erde, dann abgedeckt mit Scheiben, die bei Frost mit Decken zusätzlich geschützt wurden, die Beete waren aber in die Erde eingelassen.
Und Pinkeln kann man auch direkt auf den Komposthaufen, aber Vorsicht, nur Menschen die keine Medikamente nehmen und nicht zu viele Menschen.
Re: Bokashi entmystifiziert
Verfasst: So 17. Mai 2026, 09:38
von RoterFuchs
Daher die Steine. Der Urin wird verdünnt, die Mineralien etc. bleiben aufm Ziegel. Bei Ziegel saugt er es auf und bildet irgendwann ne Kruste die man mechanisch entfernen kann.
@Maria
Wenns nach mir ginge gäbs nen Schwein. Biomüll-Entsorgung und im Winter Speck und Fleisch. Leider würde meine Frau das nicht zulassen, dass "Babe" jeden Winter sterben muss...
Re: Bokashi entmystifiziert
Verfasst: So 17. Mai 2026, 10:08
von 65375
Auf Holzkohle pinkeln stinkt nicht und läßt sich wunderbar zu terra preta-Kompost verarbeiten.
Offene Holzkohle kann, wenn regengeschützt, durch Verdunstung beeindruckende Mengen an Urin aufnehmen, bis es anfängt zu riechen.
Dann stellt man halt den nächsten Kohleeimer auf.
Re: Bokashi entmystifiziert
Verfasst: So 17. Mai 2026, 10:27
von RoterFuchs
Leider habe ich keine Tiere. Die Holzkohle müsste ich extra herstellen.