Eule hat geschrieben: Mi 17. Aug 2022, 16:21
Was erhoffst Du Dir? Sowas wie eine "Matrix"? KI als relevanter Einflussfaktor - könnte schon sein, aber dann eher zur Perfektionierung eines Systems nach "1984" fürchte ich, wie es bereits jetzt mancherorts existiert (China). ...
Hallo Eule,
ob ich mir eine Art Matrix erhoffe? Nein! Hast Du meinen etwas ausführlicheren Beitrag weiter oben gelesen oder gar das Gedicht?
Egal!
Als ich mit Anfang 20 in der Zeit der Ölkrise von 1973 und den weiter oben zitierten Erkenntnissen des Club of Rome als Student mit anderen in eine Selbstversorger Landkommune gezogen bin, erhoffte ich mir die Welt zum Positiven verändern zu helfen. Ich studierte Pädagogik und Soziologie, beschäftigte mich mit antiautoritärer Erziehung, hielt Milchschafe, buk Brot und zog Gemüse.
Heute, 50 Jahre später lebe ich wieder auf dem Land, das mir diesmal sogar gehört und die Selbstversorgung auch mit Strom ist deutlich solider geworden.
Aber zu irgendeiner Verbesserung konnte ich nicht beitragen. Mittlerweile bräuchten wir in Deutschland 3 Erden, wenn alle so leben würden wie die Deutschen, wenn wir sie nicht zugrunde richten wollten.
Die Frage der Demokratie, mit deren edlen Zielen ich aufgewachsen bin, hat sich beantwortet: Die Welt ist viel zu kompliziert geworden und das Wahlvolk viel zu dumm geblieben, als dass man Politik mittels Abstimmung erfolgreich machen könnte.
Die Autokraten tun sich da leichter. Aber sie tragen noch weniger bei zur Erhaltung unserer Welt. Platons Staat der Weisen ist leider nicht in Sicht.
Aber die Frage, ob Autokratie oder Demokratie stellt sich nicht mehr. Wir steuern mit unglaublicher Geschwindigkeit auf eine Technokratie zu, die faktisch eine Autokratie ist. Der Autokrat ist die Technik.
Die Algorithmen bestimmen mehr und mehr unseren Alltag. Zuckerberg und Co. wissen schon mit 40 Facebook Likes mehr über uns als unser Lebenspartner. Ohne "Händi" geht nichts mehr. Mit Hilfe des Smartphones sind wir permanent unter Überwachung. Zumindest bei Bedarf.
Du erwähntest China. Dort werden potenziell unliebsame Mitbürger einfach zu Covid-19 Infizierte erklärt und vom praktischen Leben, bis hin vom Betreten der eigenen Wohnung, ausgeschlossen.
Bald haben wir uns so weit von jeder Natürlichkeit entfernt und so gründlich in Schwierigkeiten gebracht, dass nur noch Lösungen mit Hilfe von gerade entstehenden Superintelligenzen (auf der Basis von Quantencomputern und weltumspannenden Netzen) erarbeitet werden können. Eine Weile werden diejenigen das Sagen haben, die Zugang zu diesen Maschinen haben.
Gut denkbar, dass die Maschinen mit so viel Macht ausgestattet werden müssen, dass der Mensch sich da ausschließt.
Vielleicht ist das ein Segen für das Ökosystem. Vielleicht macht diese Entwicklung ein Ökosystem auch überflüssig. Maschinen brauchen nicht atmen und nicht essen.
Auf was ich jetzt hoffe, ist, dass die Maschinen oder vorher die Autokraten mit dem Zugang zu den Maschinen, uns anpassungsunwillige Selbstversorger in eine Art Zoo entlassen, wo wir machen dürfen, was wir wollen, solange wir keinen „Blödsinn“ machen. Eine Art genetische Rückversicherung, falls die offiziellen Genetik Programme fehlschlagen.
Aber wie Du schon gesagt hast, die Gnade der frühen Geburt mag da einiges ersparen. So oder so - Umkehr in letzter Minute oder geduldetes Leben im Zoo - Selbstversorgertechniken, leben ohne zentrale Planstrukturen, werden wir gut brauchen können!
Zur Illustration, eine Geschichte, die ich 1975 während meiner Landkommunenzeit geschrieben habe:
Wie immer auf der Suche nach einer technischen Lösung (1975)
Es hat sich nichts verbessert. Alles ist nur noch schlimmer geworden.