Re: Beetplanung - ich verzweifle!
Verfasst: Mi 4. Jan 2017, 20:21
von Archibald
Ach ihr Lieben, ich danke euch für all die ermutigenden Antworten!

Ich arbeite mich mal der Reihe nach durch...
@ henmen: Die 5-a-day - Gärten sehen nett aus. Ich habe aber nichts dazu gefunden, wie es mit der Fruchtfolge oder überhaupt der Beetaufteilung gehalten wird. (Wenn ich das Wort schön höre!

)
@ Dyrsian: Ich hatte gelesen, dass sich die Kohlgewächse auch untereinander nicht gut vertragen. Ist das nicht so? Es wäre ja einfacher, ein Beet mit den Kohlsorten zu machen, das dann weiterzieht, als die alle auch noch zu verteilen UND weiter zu ziehen.
@ Buchkammer: Ja, gestresst.

Das Saatgut ist ja auch teuer, und wenn es dann ein totaler Reinfall ist, macht es keinen Spaß und versenkt nur Geld. Mit den verschiedenen Pflanzenfamilien, die nicht nacheinander wachsen sollen, habe ich auch versucht. Ich dachte erst, alles cool, ich pflanze einfach "die Kohls" mit etwas zusammen, das 1. auch Starkzehrer ist, 2. eine gute Nachbarschaft zu ihnen und 3. möglichst nur aus einer Familie kommt. Die anderen Starkzehrer dann auf das zweite Beet. Dann hätte ich das Kohlbeet nur mit zwei Pflanzenfamilien "verseucht", und es wäre kein großes Problem, die im nächsten Jahr dort nicht zu haben. - So weit die Theorie.

Jetzt mag aber Familie Kohl dummerweise nicht mit so vielen mir bekannten Starkzehrern zusammenwohnen, dass das klappt. Und aus nur einer weiteren Familie kommt da wenig. Sellerie scheint toll mit Kohl zu sein, davon brauche ich aber nur eine Handvoll im Jahr. Bohnen und Blumenkohl mögen sich wohl auch - wieso? Die wollte ich in die Schwachzehrer-Abteilung stecken.

Es ist zum dusselig werden!
@ Sheeplady: Entspannt wäre toll! Du machst das ja schon länger und weißt, dass es klappt. Und ich bin so etwas der Ochse vor dem Berg und habe Angst, nie oben anzukommen, wenn ich mir den Weg nicht vorher gaaanz genau überlege...
Wir haben neben abgelagertem auch frischen Mist, stellenweise mischt sich das auch. Ich dachte ja, das passt gut zu der Starkzehrer - Schwachzehrer - Geschichte: Je schwachzehrender, desto Erde, und sonst alles von Mist alt bis Mist frisch. Aber wenn ich alles durcheinander pflanze, wann dünge ich welchen Teil vom Beet dann wie vor?
@ Zaches: Mit dem entspannen habe ich es nicht so. (Hat man das etwa gemerkt?

) Aber ich arbeite daran... Die Buchtips schaue ich mir gleich mal an, vielen Dank. - Hmm. Doch einfach Samen in Töpfe?! Aber ich brauche doch irgendeinen Plan! - Oder doch nur Entspannung?
Ich fühle mich mehr nach gackernd im Kreis rennen als nach entspannen...
Re: Beetplanung - ich verzweifle!
Verfasst: Sa 7. Jan 2017, 16:29
von Pastinake
Hallo Christina,
ich bin auch sehr verzweifelt gewesen und mir hat der Kopf geraucht mit Nachbarschaften, Starkzehrern etc. und wann pflanze ich wo was hin?
Ich will auch viel Kohl im Garten haben, aber im ersten Jahr hatte ich ganz viele Kohlweißlingsraupen beim Blumenkohl und Brokkoli mit auf dem Teller. Das war ziemlich eklig. Mittlerweilen sch... ich auf die angeblichen Regeln, was sich vertragen soll und was nicht.
Mein Garten sieht so aus wie Dein Link zum fug-Verl. 4 Quadrate a 20 qm mit Rondell in der Mitte. Und ich rotiere jetzt wie in Deinem Link gute Kombinationen durch.
In jedes Quadrat kommt bei mir eine Art. Das eine Quadrat sind bei mir Hülsenfrüchte. 1 Beet Dicke Bohnen mit Kerbel dazwischen, 1 Beet Feuerbohnen mit irgendwas dazu wie Mangold, Gemüsemalve, Rucola, Salat oder so. 1 Beet mit Zuckererbsen, Möhren und Zwiebeln. 1 Beet mit Buschbohnen, Bohnenkraut und Kräutern. Danach dann Ananaskirschen z.B., Salat, Spinat, Feldsalat oder Ähnliches.
1 Quadrat sind Kartoffeln. Danach Gründüngung mit Phacelia, Buchweizen, Klee. 1 Quadrat Tomaten mit Zucchini, Möhren, Pastinaken, Haferwurzeln, Schwarzwurzeln, Kräutern und eventuell Buschbohnen dazwischen.
1 Quadrat ist Kohl unter Netzen: Butterkohl, Rosenkohl, Wirsing, Rettich, Lauch, Zwiebeln, Möhren, Blumenkohl, Brokkoli, Asia-Salat, Grünkohl.
Der Kohl wächst auch in Nachbarschaft von Kohl gut. Und der Vorteil ist, daß ich nur auf den Kohlbeeten die Insektennetze brauche.
Dann habe ich noch 2 Extra-Flächen mit je 20 qm. Da kann ich dann noch durchwechseln mit 1 Quadrat Blumen, Gründüngung und Sonstigem wie Hirse, Fuchsschwanz, essbaren Blüten. Und 1 Quadrat wird bepflanzt mit Mais und Kürbis. Also hab ich 5 feste Kombinationen und 1 Joker-Beet.
Das einzige, was für mich etwas kniffelig ist, sind die Kartoffeln und Tomaten.
Ich versuche schon, auf die Art und Weise nur alle 4 - 6 Jahre dieselbe Pflanzenfamilie auf derselben Fläche zu haben. Aber im Grunde genommen fliegen sich selbst aussäende Radieschensamen auch keine 10 Meter weit durch den Garten, sondern tauchen am Vorjahresplatz wieder auf.
Das mit den guten Nachbarschaften zweifle ich mittlerweile ziemlich an.
Was das Düngen angeht, schmeiße ich nur beim Setzen von Tomaten, Kartoffeln, Kürbis ein bißchen pelletierten Kuhmist ins Pflanzloch und gut ist.
Danach wird mit Brennessel- und Beinwelljauche schwach gedüngt. Das Kohlquadrat kalke ich und gebe 3 cm Kompost ohne Einarbeiten auf die Erde.
Die Tomaten bekommen ein bißchen Urgesteinsmehl drumrum. Die Kartoffeln kriegen Holzasche in die Rillen.
Also experimentiere nur ruhig selbst ein wenig herum und mach Dich nicht verrückt!
Re: Beetplanung - ich verzweifle!
Verfasst: Mi 11. Jan 2017, 11:26
von henmen
Das Grundprinzip der Mischkultur ist einfach: Gute Nachbarn. Schlechte Nachbarn. Nicht anders als bei uns Menschen. Es gibt Pflanzen, die sich stören und sogar schaden, und es gibt welche, die sich gegenseitig stärken und unterstützen. Und es gibt „neutrale“ Nachbarn, die weder schaden, noch nutzen.
Allerdings - die Mischkultur mit der klassischen Fruchtfolge der Dreifelderwirtschaft zu kombinieren ist kaum möglich.
Die klassische Fruchtfolge unterscheidet sogenannte "Starkzehrer", "Mittelzehrer" und "Schwachzehrer". Der Garten wird entsprechend des Düngerbedarfs in drei Bereiche eingeteilt. Im jährlichen Wechsel wird ein Beet immer kräftig düngt, meistens mit Stallmist, ein zweites mit Humus und organischem Dünger, und das letzte erhält nur Humus.
Zu den „Vielfraßen“ gehören alle Kohlarten, Gurken, Kartoffeln, Lauch, Sellerie Zucchini und Kürbis. Die etwas Genügsameren sind Zwiebeln, Knoblauch, Möhren, Rote Beete, Fenchel, Salate, Spinat, Schwarzwurzeln, Radieschen, Kohlrabi, Paprika und Melonen. Die „Hungerkünstler“ sind Bohnen, Erbsen und die meisten Kräuter.
In der Mischkultur kommt es vor, dass ein „Vielfraß“ neben einem „Hungerkünstler“ steht, deshalb muss der Düngerbedarf jeder einzelnen Pflanze gesondert betrachtet und berücksichtigt werden. Das ist der Grund, warum die Kombination aus beiden Methoden nicht wirklich möglich ist.
Die Mischkultur ist dabei zwar auf den ersten Blick viel komplizierter als die einfache Dreifelderwirtschaft, aber das Ergebnis ist um einiges schöner.
Und - mit der richtigen Vorgehensweise einfach zu realisieren. Dazu teile ich den Garten in verschiedene Leit-Beete ein, nummeriere sie und benenne sie nach den „Leitpflanzen“. Das Kartoffelbeet, das Gurkenbeet, das Erbsenbeet, das Erdbeerbeet, das Zucchinibeet etc. Diese Einteilung ermöglicht den für die Gesundheit der Pflanzen notwendigen Wechsel der Beete im Drei- oder Mehrjahresrhythmus. Im ersten Jahr ist zum Beispiel das „Kartoffelbeet“ das Beet Nummer eins, im zweiten Jahr Beet Nummer zwei, drei oder vier. Es ist wichtig, in jedem Jahr die Nummern und „Leitpflanzen“ in einem Ordner genau festzuhalten, denn im Februar, wenn man mit der neuen Planung beginnt, hat man längst vergessen, wo welche Pflanze gestanden hat.
... und in dieser Liste, findet man die passenden oder nicht passenden Begleitpflanzen unserer "Leitpflanzen":
KARTOFFELBEET
Kartoffeln, Dicke Bohnen, Kamille, Kapuziner Kresse, Kohlrabi, Kümmel, Mais, Mangold, Meerrettich, Pastinake, Pfefferminze, Salat, Spinat, Tagetes,
Schlechte Nachbarn von Kartoffeln sind: Erbsen, Kürbis, Rote Beete, Sellerie, Sonnenblumen, Tomaten, Physalis (Kapstachelbeere oder Andenbeere), Auberginen, Paprika, Topinambur
GURKENBEET
Gurken, Buschbohnen, Stangenbohnen, Dill, Kohl, Kopfsalat, Koriander, Kümmel, Mangold, Mais, Salat, Sonnenblumen, Ringelblumen, Topinambur
Schlechte Nachbarn der Radieschen: Rettich, Tomaten, Physalis, Auberginen, Paprika
ZUCCHINIBEET
Zucchini, Kapuzinerkresse, Fenchel, Rote Beete, Stangenbohnen, Sellerie, Tagetes, Ringelblumen
Schlechte Nachbarn der Zucchini: keine
BUSCHBOHNENBEET
Buschbohnen, Bohnenkraut, Erdbeeren, Rote Beete, Kohlarten, Ruccola, Ringelblumen, Sellerie, Sonnenblumen, Tagetes, Tomaten, Petersilie, Pfefferminze, Pastinaken, Topinambur
Schlechte Nachbarn der Buschbohnen: Erbsen, Fenchel, Knoblauch, Lauch, Zwiebeln
ZWIEBELBEET
Zwiebeln, Schalotten, Frühlingszwiebeln, Bohnenkraut, Dill, Erdbeeren, Gurken, Kamille, Kerbel, Koriander, Kümmel, Salat, Sonnenblumen, Möhren, Ringelblumen, Rote Beete, Pfefferminze,
Schlechte Nachbarn der Zwiebel: Bohnen, Erbsen, Kohlarten
MÖHRENBEET
Möhren, Karotten, Dill, Knoblauch, Mangold, Rosmarin, Ruccola, Salat, Salbei, Tagetes, Tomaten, Zwiebeln, Schnittlauch, Lauch, Pfefferminze, Auberginen, Paprika
Schlechte Nachbarn der Möhre: Keine
ERDBEERBEET
Erdbeeren, Borretsch, Kapuzinerkresse, Kerbel, Koriander, Kümmel, Kopfsalat, Mangold, Pastinaken, Radieschen, Rettich, Spinat, Tagetes, Zwiebeln
Schlechte Nachbarn der Erdbeere: Alle Kohlarten
ERBSENBEET
Erbsen, Fenchel, Gurken, Kapuzinerkresse, Mais, Möhren, Radieschen, Salbei, Zucchini, Kerbel Koriander,
Schlechte Nachbarn der Erbse: Bohnen, Kartoffeln, Knoblauch, Lauch
KNOBLAUCHBEET
Knoblauch, Erdbeeren, Gurken, Himbeeren, Lilien, Möhren, Rosen, Rote Beete, Tomaten, Petersilie, Paprika, Auberginen
Schlechte Nachbarn von Knoblauch: Erbsen, Kohl, Stangenbohnen
STANGENBOHNENBEET
Stangenbohnen, Gurken, Kapuzinerkresse, Kerbel, Kohl, Kohlrabi, Ruccola, Kopfsalat,, Sellerie, Spinat, Zucchini, Pastinaken , Koriander, Mangold, Radieschen, Rettich, Rüben
Schlechte Nachbarn von Stangenbohnen: Erbsen, Fenchel, Knoblauch, Lauch, Zwiebeln.
Im Februar sortiere ich das Saatgut und beschrifte die mit Nummern versehenen Kartons mit den Namen der Leitpflanzen der „Beete“. Ich erstelle Listen, in denen ich den „Leitpflanzen“ alle „Guten Nachbarn“ zuordne. Diese Liste, in der ich auch die jeweiligen „schlechten Nachbarn“ hinzusetze, um immer den Überblick zu haben, schreibe ich einmal und hebe sie für die Folgejahre auf. Ich achte bei der Zuordnung darauf, dass die „guten Nachbarn“, die ich den „Leitpflanzen“ zugeordnet habe, sich auch untereinander „verstehen“, dass zum Beispiel Dill und Fenchel, die beide gute Nachbarn von Erbse und Gurke sind, nicht zusammenstehen, weil sie sich nicht „grün“ sind. Ähnlich verhält es sich mit Mais und Rote Beete im Gurken- oder Zucchinibeet. Um sicher zu gehen, entscheide ich mich für eine der beiden Sorten. Anschließend sortiere ich das Saatgut in den entsprechenden Karton. Wenn „das ganze Gemüse“ verstaut ist, verteile ich noch das Blumensaatgut auf die Kartons und beschrifte, frei nach Lust und Bedarf weitere Kartons, z.B. für Schnittblumen, Kletterpflanzen, Kräuter, Italienische Kräuter, ...
Mit dieser Methode habe ich nun einen Weg gefunden, der mir die Möglichkeit gibt, meine ästhetischen Vorstellungen mit den Ansprüchen der Pflanzen in Einklang zu bringen und die Aussaat so vorzubereiten, dass ich nicht mit Buch und Brille zwischen den Beeten hocke und verzweifle.
Gruß
Henmen