Ich würde auch viel bequemer ganzheitlich und von oben denken.
Es ist einfacher, die grossen Probleme unserer Zivilisation als allgemeinen Vorwurf in die Welt zu stellen (Aber statt das Problem grundsätzlich anzugehen, beharrt man ... usw.).
Dann kann man immer auf die Ignoranten in Bevölkerung, Behörden und sonst wo schimpfen, wenns nicht so läuft wie es sollte.
Wenn ich deine Beziehung zu den Grünen nicht zur Genüge kennte, würde das hier eine klassische Fundi-Realo Diskussion wie in dieser Partei werden. Die einen wollen die Gesellschaft so lange umbauen, bis das Problem zur Lösung passt, die anderen trauen sich nie, sich mal etwas ganz Neues vorzustellen.
Wenn man sich überlegt, wo man hin will, ist die erste Frage "wer ist man". 80% der Leute wollen ganz wo anders hin als wo du und - staune! auch ich hin wollen. Die interessieren sich erst dann für Abwasser, wenn das Klo verstopft ist. Brot und Spiele, Flugreisen, und ganz billig alles. Die erste Ernüchterung aller Leute, die ökologisch-ganzheitlich denken oder es zumindest glauben. Und deshalb interessieren mich Lösungen vor allem insofern, als sie eine Chance haben, sich im Konsens der freiheitlich-demokratischen Gesellschaft mit den real existierenden Leuten verwirklichen zu lassen. Obwohl Utopia sooo verlockend wäre.
das
Manfred hat geschrieben:Führt eine Maßnahme nicht zum erwünschten Ergebnis, muss sie umgehend korrigiert werden
ist doch klassisch problemorientierte Handlungsweise beziehungsweise selbstverständlich - Differenzen können höchstens darin entstehen, was man als Ergebnis akzeptiert.
Generelle Rundschläge wie diese
Manfred hat geschrieben:
Aber statt das Problem der Abwasserpanscherei wenigstens in den Neubaugebieten mal grundsätzlich anzugehen, beharrt man lieber auf jahrzehntealten, überholten Lösungen und baut an die hinten dran immer weitere teure, großtechnische Anlagen (weitere Klärstufen, Müllverbrennung, Phosphatrückgewinnung etc.).
bringen nicht viel, denn sie wollen sagen, dass die zuständigen Behörden und Entscheidungsträger unfähig sind und nichts machen und keine Ahnung von den Zusammenhängen haben. Damit gewinnt man in öffentlichen Diskussionen oder am Stammtisch immer Applaus, aber es trägt nichts weiter bei - und stimmt meistens nicht einmal.
Als Realo, der sich auch ein wenig in die grossen Zusammenhänge reinzudenken versucht, frag ich mich immer, warum "die Leute" oder "die Entscheidungsträger" oder "das Etablissement" so dumm sind und das nicht merken, wo es doch so einfach und sonnenklar ist, und warum sie so handeln, wie sie es eben tun.
Die technische Lösung der Schwemmkanalisation mit nachfolgender Abwasserbehandlung hat immerhin den Vorteil, dass sie machbar ist, und zwar hier und jetzt und mit den Leuten, die es nun mal gibt. Sie ist natürlich absolut nicht nachhaltig.
Ich wäre übrigens dabei, wenn eine Gemeinde als Pilotprojekt beschliesst, nur noch Kompostklos zuzulassen und das Ergebnis in der lokalen Landwirtschaft zu verwerten! Ich habe mir nur gestattet, mal so grob zu überschlagen, was das für ganz Deutschland bedeuten könnte. Und da nun mal 3/4 aller Deutschen im städtischen Sieldlungsbereich leben und abkoten, sind dicht besiedelte Gebiete eben wichtig.
Das Problem der Fäkalienentsorgung, heute als Abwasserbehandlung gehandhabt, hat meines Wissens (überholtes Schulbuchwissen ?) nicht viel mit dem der Nitratbelastung des Trinkwassers aus der Landwirtschaft zu tun. Die Landwirtschaft dient höchstens als Senke für Abfälle wie Klärschlamm, die man so los zu werden hofft.
Nitrat aus Abwasser gelangt nämlich nicht ins Trinkwasser, sondern in die grossen Flüsse - und wird dort mit Umkehr- oder Druckosmose oder Ionenaustausch aufwendig wieder entfernt, wenn aus solchem Wasser wieder Trinkwasser aufbereitet werden soll.
Klar ist es denkbar, alle menschlichen Exkremente in die Landwirtschaft zurückzuführen - aber was würde das bedeuten und würden die Leute mitmachen?
Ich habe übrigens deutlich genug zum Ausdruck gebracht, dass die Situation nicht gut ist und dass man Kleine anders behandeln soll als grosse.