Gibt es eine Richtlinie? Einen Brauch? Ich bin unsicher, weil ich kein Gespür für "zu viel" und "zu wenig" habe.
Jetzt will ich gerne aber auf Eure Antworten noch eingehen:
Wir Deutsche/Mitteleuropäer/"Westler" sind nicht so gut im "freien" Handeln. Oder, na ja, jedenfalls ich. Deshalb bin ich auch in meinen ersten Wochen in arabischen Ländern gnadenlos und äußerst schmerzhaft ausgenommen worden. (Worüber ich jetzt aber lachen kann).
Bei uns hat (normalerweise im Alltag) alles seinen festen Preis auf einem Preisschildchen. Fertigbasta.
Also:
sybille hat geschrieben:Man muss nicht immer alles in Euro umrechnen.
Selbstverständlich gebe ich Dir da Recht! Das Dumme ist: Wenn ich plötzlich in einer Situation bin, in der ich handeln soll und eigentlich ja auch will,
dann muss ich wissen: Was ist mir die Sache wert?
Wenn ich eine Stunde Kisten schleppe und der andere dafür eine Stunde mit meinem Hund Gassi geht, dann kann man sagen: Na ja, beides ist eine Stunde, also: Guter Handel. Ich jedoch hätte das Gefühl, zu viel gegeben zu haben, denn
eine Stunde Kisten schleppen ist mehr wert als eine Stunde Gassi gehen.
Und genau hier liegt meine Unsicherheit: Wie viel wert ist Schlachten?
Ich hab kein Gefühl, ob jetzt ein erfahrener Forumsteilnehmer mit geschwollener Halsschlagader kurz vorm Herzinfarkt entrüstet brüllen würde: "WAS!? WIE VIEL HAT DIESER ABSAHNER SICH VON DEINEM FLEISCH IN DIE TASCHEN GESTOPFT? JA, SPINNT DER DENN KOMPLETT? WIESO LÄSST DU DENN SO EINE HIMMELSCHREIENDE SCHWEINEREI MIT DIR MACHEN DU BLAUÄUGIGER NAIVLING, DU!"
sybille hat geschrieben:Das liegt doch an Dir selber wieviel Du gibst bzw. wieviel es Dir wert ist ein Tier ordentlich geschlachtet zu bekommen. Das würde ich an keiner Menge Fleisch festmachen.
Hm. Ja, stimmt ein bisschen. Es hängt von vielem ab. Davon, ob ich den Metzger verabscheue oder ob ich ihn leiden kann, ob er ein Freund ist oder ob es eine rein geschäftliche Beziehung ist, ob er mit dem linken Fuß zuerst aufgestanden ist oder eine üppige Oberweite hat, ob er grad vom Leben arg gebeutelt ist oder ob er sich guter Dinge seiner Tage freut. Und so weiter. Alles kann die Menge des Fleisches beeinflussen, die in seiner Kiste landet.
Und: Ob ich ihm mit einem guten Gefühl vertraue oder ob ich mir da nicht (mehr) so ganz sicher bin.
Ich denke, dass es eine Menge an Fleisch gibt, da würde ich sagen, dass ein allzu schüchterner Metzger seine Arbeit ruhig höher bewerten darf und ich zu ihm deshalb sage: "Jetzt lang aber mal ein bisschen zu, lieber Metzger!". Andererseits gibt es wohl auch eine Menge an Fleisch, ab der ich so langsam sage: "Was willst du jetzt eigentlich noch in deine Kiste einpacken, lieber Metzger? Jetzt aber mal langsam!"
Wie gesagt:
Diesbezüglich schwimme ich sehr, habe überhaupt kein Gefühl.
(Wobei ich es verstehen kann, dass es erfahrene und kluge Forumsteilnehmer gibt, die sich diese Art von Unsicherheit nicht vorstellen können, klar.)
sybille hat geschrieben:Eier konnte er gebrauchen. Also bekam er die Eier die ich zuviel hatte.
Hast Du da überlegt, wie viele Eier Dir das wert war, dass Du das Tier / die Tiere ordentlich geschlachtet bekommen hast? Wie viele Eier war Dir das dann wert, dass Du sie ordentlich geschlachtet bekommen hast? Hätte es für Dich ein zu viel an Eiern gegeben? Oder hast Du das überhaupt nicht an der Menge der Eier festgemacht, die Du gegeben hast?
Sabi(e)ne hat geschrieben:Sich im nachhinein Gedanken zu machen, ist ein bißchen spät.
Das ist ein bedenkenswerter Hinweis! Da gebe ich Dir selbstverständlich Recht, das hast Du sehr klug erkannt. Ich gehöre dummerweise zu dieser Gruppe von Menschen, denen es in ihrem Leben immer wieder mal so ergangen ist, dass sie sich erst NACH einem Fehler Gedanken gemacht haben, also erst dann, wenn es ein bisschen zu spät ist - und dann müssen die Menschen aus dieser Gruppe halt hernach bedenkenswerte Hinweise lesen.
Sabi(e)ne hat geschrieben:Bei unserem Metzger gab es vorher die Ansage, was es kostet, inkl. Abhängen im Kühlhaus*, Fleischbeschau etc., und Wurst/Schinken, und dann wurde verhandelt, ob er was in Naturalien wollte statt Geld.
Finde ich einfacher, und alle sind zufrieden.
In die Richtung denke ich auch für's nächste Mal. Allerdings denke ich, dass von ihm da leider eher keine "Ansage" kommt, sondern dass ich es bin, der diese Art von Festlegung initiieren muss.
Leider schwimme ich da noch ein bisschen, was das ZU VIEL und das ZU WENIG bestrifft, das ANGEMESSENE und das UNANGEMESSENE - und bin gespannt, ob noch Überlegungen bezüglich meiner Anfrage von anderen Forumsteilnehmern kommen.