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Re: Rückkehr der Dorfläden

Verfasst: Mo 23. Sep 2013, 08:34
von greymaulkin
Im nächsten Dorf, wo unser E..ka steht, gab´s vor ein paar Wochen eine Abstimmungsliste im Laden, ob weiterhin bis 22:00 geöffnet sein soll, oder ob denn 20:00 vielleicht genügt.
Muß da mal einkaufen gehen und fragen, was draus geworden ist. Zumindest war das ja mal ein Anfang, die rund-um-die-Uhr-offen Geschichte in normale Bahnen zu lenken.
Der "Kleine E..ka" hat schon ganz normale Öffnungszeiten, so mit Samstags bis 16:00 und Schluß, was du bis dahin nicht hast, kann bis Montag warten. Was natürlich übel ist, wenn man sein Vorratslager im Supermarkt hat, nichts aus dem Garten holen kann und über keinerlei Improvisationstalent verfügt.
Für Leute ohne Auto (oder Kutsche) (doch, es gibt noch mehr als uns, einen haben wir sogar mit Packesel gesichtet!) kommt der rollende Laden. Da brauchste dann auch einen Plan, was er nicht bei hat, mußt du für nächste Woche bestellen.
Für mich sieht das schon sehr nach kleinen Schritten zurück zum Dorfladen aus.
Und kann gesichtsbuch denn wirklich den Tratsch im Laden ersetzen???? :pfeif:

Gruß, Bärbel

Re: Rückkehr der Dorfläden

Verfasst: Mo 23. Sep 2013, 09:38
von Gelöschter Benutzer 54
interessant zu lesen :)

bei uns gibt es sie teilweise noch, die dorfläden. nicht mehr in jedem dorf, aber da und dort in den etwas ausserhalb liegenden gegenden hat es noch welche. das sortiment ist nicht mehr so breit wie früher als es noch maria-theresien-konzessionen gab und immer öfter als franchiser von LM-ketten, aber den typischen täglichen bedarf kann man da noch decken (auch am tratsch :lol: )

öffnungszeiten sind hier sowieso anders. 18 uhr ist hier schluss, freitags bei dem einen oder anderen supermarkt 19 uhr, samstag 17 oder 18 uhr. sonntags ist zu. nur touristenregionen dürfen vom gesetz her diese reglementierten öffnungszeiten überschreiten, hier besteht auch kein bedarf an läden die um 20 oder gar 22 uhr noch auf haben - da beginnt bei uns hier die schlafenszeit und ausserdem ist sowieso die frischware da schon lang ausverkauft, manches gibts so und so nur vormittags. das wär also zwecklos. als jemand der das nicht gewohnt ist frag ich mich auch wer um 21.30 noch lust hat sich anzuziehen und ins auto zu setzen um was einzukaufen. und was man um die zeit brauchen könnte (milch fürs frühstück? kondome? katzenfutter? hält eigentlich alles lang genug um es beizeiten früher besorgen zu können :hmm: )

mögen sie wieder aufleben, die kleinen, meist urigen und vollgestopften läden. sie sind ein stück kultur.

Re: Rückkehr der Dorfläden

Verfasst: Mo 23. Sep 2013, 09:56
von Thomas74
Also in Polen wird das Angebot durchaus angenommen.Und wenn um 21.30 noch schnell Bier und Zigaretten geholt werden.
Die Läden haben oft nur Zimmergröße,aber ein Vollsortiment,welches sich nicht hinter Aldi & Co verstecken braucht.
Gerade in ländlichen Gebieten sind die Läden abends ein Treffpunkt für die Dorfjugend,was ja bei uns gewöhnlich die Tankstelle ist... :mrgreen:
Gerade mal gegoogelt-in Polen gibt es pro Einwohner die meisten Quadratmeter Verkaufsfläche in Europa.
In meiner ländlichen Region hier in Mitteldeutschland ist die Lage eher traurig.Teilweise muß man 10-15 km fahren,um überhaupt irgendeine Einkaufsgelegenheit zu haben.Die mobilen Bäcker und Fleischer sind nur ein armseliger Ersatz.
Zeitweise wurde hier sogar ein Einkaufsbus ins Leben gerufen,um die Rentner von den Dörfern in die Kreisstadt zu karren,wurde aber mangels Interesse eingestellt.

Re: Rückkehr der Dorfläden

Verfasst: Mo 23. Sep 2013, 10:16
von Spottdrossel
Mein Schwiegervater hatte so einen "richtigen" Dorfladen.
Treue Kunden waren die Omis, der Rest kaufte im großen Supermarkt ein und kam nur sonntags angeflitzt, wenn das Baby die Scheißerei hatte und die Windelkalkulation nicht aufging. Oder es wurde ein kleiner Alibikauf getätigt und den Rest des Vormittags gequatscht.
Ich kann jeden verstehen, der zumacht. Einmal Kühltruhe kaputt oder komplette Systemumstellung wegen Euro, und schon hat man eine Riesensumme am Hals. Kann eigentlich nur funktionieren, wenn die Geschäftsräume abbezahlt sind und man Idealist ist - manche Mitbürger verwechseln das auch mit Rufbereitschaft rund um die Uhr, besonders, wenn sie besoffen sind und die Tanke keinen 24-Stunden-Dienst hat.

Re: Rückkehr der Dorfläden

Verfasst: Mo 23. Sep 2013, 10:34
von Bunz
Der Dorfladen ist gestorben, als der Möchtegernkapitalist anfing, die Preise zu vergleichen.
Also nehmen wir mal ein Beispiel:
Wenn der Bauer früher sein Pferd zu beschlagen hatte, dann ging er zum örtlichen Hufschmied. Fertig. Es wäre ihm nicht im Traum eingefallen, von Dorf zu Dorf zu fahren, um den "günstigsten" Preis herauszubekommen.
Ich weiß natürlich, daß der heutige Kleinkapitalist es so macht. Es ist einfach IN.
Ich mache es nicht so, aber ich bin eben der "letzte seines Standes".
:opa: :opa: :opa:
lg
Bunz

Re: Rückkehr der Dorfläden

Verfasst: Mo 23. Sep 2013, 12:44
von perereca
Als ich ´92 in das kleine 100-Seelen-Dorf im Hunsrück zog, gab es dort auch noch einen kleinen Dorfladen. Es gab dort alles, allerdings auch oft doppelt so teuer, weil eben nur Kleinmengen bestellt wurden beim Großhandel, und nicht palettenweise. War aber schön, das Dorf traf sich dort, und auch nach Ladenschluß hatte keiner was dagegen wenn mal angeschellt wurde. Dann starb die Mutter und die Jungens konnten/wollten es nicht weiter machen - das wars. Schade. Der Bauer zum Milchholen 3 Häuser weiter den gibts auch nicht mehr, die Alten haben aufgehört, der Sohn hat studiert und macht jetzt was anderes. Jetzt kommt für die alten Leute noch der Bäcker, Lebensmittelauto und die Sparkasse durch. Alle anderen müssen fahren, damals war es zum nächsten Supermarkt so ca. 1 Zigarettenlänge :engel: (Bäääh, da hab ich noch geraucht...). Die größeren "Städte" sind dann so 1/2 Stunde entfernt.

Ja, schade ists, aber ich kann auch jeden verstehen der zumacht.

Perereca :grinblum:

Re: Rückkehr der Dorfläden

Verfasst: Mo 23. Sep 2013, 12:53
von Landfrau
Ab und an gibt es ja auch neue Dorfläden, auch von Vereinen oder als Kooperativen geführt.
Das klingt alles immer "unheimlich gut, du".

Aber wer nimmt die an, soll die annehmen?
die alten Damen auf den Dörfern? Vielleicht, solange sie mobil genug sind.

Für die jungen Familien in den Hypothekenvierteln am Dorfrand und die moderne Dorfebevölkerung bringt der pendelnde Elternteil den Einkauf von unterwegs mit - die Discounter liegen günstig, haben riesige Parkplätze und fast immer offen.

Die wenigen "richtigen" Landfrauen haben einen anständigen Vorrat in Speisekammer, Keller und Garten, können kochen und im Bedarfsfall ein Huhn schlachten. Das sie planen, kommen sie mit seltenen Großeinkäufen aus.

Und dann gibt es da noch die Lebensmittel, die auch der Discounter oder der Vollsortimenter nicht hat und die ein Dorfladen schon gar nicht führen wird, die man in der GRoßstadt zB im türkisch - arabischen Viertel bekommt oder bestellen muss.

Zumindest für uns wäre so ein Dorfladen kein zusätzlicher Nutzen - es ist entweder eh alles im Haus (oder eine Alternative, zB Buchweizen statt Hirse) oder es wird hier hergestellt oder es würde im Dorfladen kaum geführt (Grüne - Mango - Pulver....).
Cerealien, Ölsaaten, Gewürze, Öle - wird im GRoßhandel gekauft, weil günstiger, frischer, professioneller. Aber vllt freue ich mich eines Tages, wenn wir zu alt zum Schlachten und Wursten sind und das kg - Paket Majoran nicht mehr gebraucht wird über den Lieferservice das nächsten Edeka.

Wer weiss?

L.

Re: Rückkehr der Dorfläden

Verfasst: Mo 23. Sep 2013, 13:50
von Benutzer 72 gelöscht
Gibt oder gab es Dorfläden, wo die Dorfbewohner ihre Sachen verkaufen können (und die vom Nachbarn des Nachbarn einkaufen können)??
So ganz ohne viel Bürokratie - mit einem großen Schild an der Tür "Einkauf auf eigene Verantwortung" - ?? :aeh:

Re: Rückkehr der Dorfläden

Verfasst: Mo 23. Sep 2013, 16:55
von Little Joe
Seit wann ist es eigentlich nicht mehr üblich (verboten) Grundnahrungsmittel lose zu verkaufen :hmm: Hier beim Bäcker bekomme ich die Hefe doch auch abgewogen, warum geht das nicht mit Mehl, Zucker etc.

Re: Rückkehr der Dorfläden

Verfasst: Mo 23. Sep 2013, 17:07
von Manfred
Little Joe hat geschrieben:Seit wann ist es eigentlich nicht mehr üblich (verboten) Grundnahrungsmittel lose zu verkaufen :hmm: Hier beim Bäcker bekomme ich die Hefe doch auch abgewogen, warum geht das nicht mit Mehl, Zucker etc.
Dürfen tust du das schon. Nur ist dann das Abwiegen teurer als der Zucker selber.
Oder meinst du, der Bäcker steckt bei deinem Stückchen Hefe was auf? Das macht der halt aus Gefälligkeit und in Mischkalkulation.