Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Elli1
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#5221

Beitrag von Elli1 »

Denken die großen Landwirte nur noch im Großen?
Ich bestelle einmal im Monat einen Rundballen Heu und wir machen einen Termin aus. Er braucht das Heu nur auf der Gabel in den Unterstand zu fahren und am nächsten Tag werfe ich ihm das Geld in den Briefkasten. Die letzten Monate muss ich ihm immer hinterher telefonieren weil er das Heu nicht gebracht hatte. Ist das Geld für einen Rundballen Heu unter der Hand nichts mehr wert? In dem Zusammenhang verstehe ich die Jammerei nicht mehr.
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Tscharlie
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#5222

Beitrag von Tscharlie »

Früher waren Landwirte konservativ. Das hat die Maschinenindustrie erfolgreich geändert.
Früher hat ein Hof das investiert was er vorher erwirtschaftet hat, ein neuert Traktor wurde zuerst verdient und dann gekauft.
Heute kauft man was in der Hoffnung damit mehr zu verdienen.
Das geht problemlos, weil Höfe meist einen sehr hohen Wert haben, den man beleihen kann.
In Oberbayern hat keine Bank ein Problem einem Landwirt auch mal 2 Millionen zu borgen.
Dass die 60.000 € Zinsen per anno nicht bezahlt werden können ist kein Problem, der Hof kann ja versteigert werden.
Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier. M.Gandhi
Manfred
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#5223

Beitrag von Manfred »

Elli1 hat geschrieben: So 1. Feb 2026, 18:04 Denken die großen Landwirte nur noch im Großen?
Ich bestelle einmal im Monat einen Rundballen Heu und wir machen einen Termin aus. Er braucht das Heu nur auf der Gabel in den Unterstand zu fahren und am nächsten Tag werfe ich ihm das Geld in den Briefkasten. Die letzten Monate muss ich ihm immer hinterher telefonieren weil er das Heu nicht gebracht hatte. Ist das Geld für einen Rundballen Heu unter der Hand nichts mehr wert? In dem Zusammenhang verstehe ich die Jammerei nicht mehr.
Was im Kopf des Bauern vorgeht, wird aus der Ferne niemand sagen könne.
Auch den Aufwand für die Lieferung kann man aus der Ferne nicht einschätzen.
Landwirtschaft ist halt heute Massenlogistik mit sehr engen Margen.
Kleinmengen mit Sonderwünschen führen zu exponentiell höheren Kosten.
Ein Traktor mit 70 PS kostet heute ohne Diesel und Fahrer ca. 20 Euro netto die Stunde.
Der Frontlader kostet ca. 7 Euro netto die Stunde.
7 Liter Diesel machen weitere 10,5 Euro netto.
Der Fahrer braucht als Selbständiger mind. 25 bis 30 Euro netto fürs Mindestlohnequivalent.
Sagen wir 65 Euro netto die Stunde + Steuer + Buchungsaufwand.
Wenn der Ballen ab Hof 50 Euro kostet, und der Bauer für die Lieferung eine halbe Stunde verbummelt, geht das schnell ins Geld.
Braucht er 5 Minuten, weil er eh am Ballenfahren ist und die gleich nebenan wohnst, schafft er es evtl. für 6,50 Euro.
Und einlagern und lagern muss er den Ballen auch noch für dich.

Wenn du im Sommer ein komplette Ballenwagen-Ladung abnimmst, die er direkt in der Ernte vom Feld aus liefern kann, wenn er die Ballen eh aufladen und fahren muss, sind die Kosten pro Ballen andere.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#5224

Beitrag von emil17 »

Manfred hat geschrieben: So 1. Feb 2026, 19:01 Landwirtschaft ist halt heute Massenlogistik mit sehr engen Margen.
Kleinmengen mit Sonderwünschen führen zu exponentiell höheren Kosten.
Ein Traktor mit 70 PS kostet heute ...
Als Kleinbetrieb hat man Nischen, die für Grossbetriebe nicht interessant sind.
Wenn aber die Kleinen trotzdem rechnen wie die Grossen, dann funktioniert das eben nicht.

Man muss mit dem wirtschaften, was man besser kann als die anderen. Kleinvieh macht auch Mist.

Wenn ein Betrieb, es muss nicht Landwirtschaft sein, aber dann dauernd jammert dass er finanziell nur rückwärts macht und alles immer schlimmer wird, aber Kleinaufträge nicht annimmt (es geht um Kleinmengenabgabe von Produkten, die sie sowieso in Menge haben), dann wirkt das irgendwie unglaubhaft oder sogar ein wenig arrogant.

Beim uns könnte die Käserei zweifellos vorrechnen, dass es sich für sie nicht rechnet, alle zwei Tage zwei Liter Milch extra ins Gebinde abzufüllen, das rauszustellen und auch noch für jeden Kleinverbraucher getrennt aufzuschreiben wieviel es ist, damit dann irgendwann einmal abgerechnet werden kann. Sie machen es aber trotzdem.
Dafür holst du dann den Käse bei denen und nicht woanders, wo es ein wenig billiger wäre.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Elli1
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#5225

Beitrag von Elli1 »

Manfred hat geschrieben: So 1. Feb 2026, 19:01

Was im Kopf des Bauern vorgeht, wird aus der Ferne niemand sagen könne.
Auch den Aufwand für die Lieferung kann man aus der Ferne nicht einschätzen.
Landwirtschaft ist halt heute Massenlogistik mit sehr engen Margen.
Kleinmengen mit Sonderwünschen führen zu exponentiell höheren Kosten.
Ein Traktor mit 70 PS kostet heute ohne Diesel und Fahrer ca. 20 Euro netto die Stunde.
Der Frontlader kostet ca. 7 Euro netto die Stunde.
7 Liter Diesel machen weitere 10,5 Euro netto.
Der Fahrer braucht als Selbständiger mind. 25 bis 30 Euro netto fürs Mindestlohnequivalent.
Sagen wir 65 Euro netto die Stunde + Steuer + Buchungsaufwand.
Wenn der Ballen ab Hof 50 Euro kostet, und der Bauer für die Lieferung eine halbe Stunde verbummelt, geht das schnell ins Geld.
Braucht er 5 Minuten, weil er eh am Ballenfahren ist und die gleich nebenan wohnst, schafft er es evtl. für 6,50 Euro.
Und einlagern und lagern muss er den Ballen auch noch für dich.

Wenn du im Sommer ein komplette Ballenwagen-Ladung abnimmst, die er direkt in der Ernte vom Feld aus liefern kann, wenn er die Ballen eh aufladen und fahren muss, sind die Kosten pro Ballen andere.
Sein Heulager ist knapp 10 Traktorminuten von meinem Unterstand entfernt. Steuer und Buchungsaufwand gib es nicht da da bar auf die Hand bzw. in seinen Briefkasten.

Klar, mit einer kompletten Ballenwagen-Ladung käme ich billiger aber den Platz habe ich nicht und darauf kommt es mir auch nicht an. Mir kommt es darauf an das er zuverlässig ist und das ist er nicht.
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Manfred
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#5226

Beitrag von Manfred »

emil17 hat geschrieben: So 1. Feb 2026, 19:39 Als Kleinbetrieb hat man Nischen, die für Grossbetriebe nicht interessant sind.
Wenn aber die Kleinen trotzdem rechnen wie die Grossen, dann funktioniert das eben nicht.

Man muss mit dem wirtschaften, was man besser kann als die anderen. Kleinvieh macht auch Mist.

Wenn ein Betrieb, es muss nicht Landwirtschaft sein, aber dann dauernd jammert dass er finanziell nur rückwärts macht und alles immer schlimmer wird, aber Kleinaufträge nicht annimmt (es geht um Kleinmengenabgabe von Produkten, die sie sowieso in Menge haben), dann wirkt das irgendwie unglaubhaft oder sogar ein wenig arrogant.

Beim uns könnte die Käserei zweifellos vorrechnen, dass es sich für sie nicht rechnet, alle zwei Tage zwei Liter Milch extra ins Gebinde abzufüllen, das rauszustellen und auch noch für jeden Kleinverbraucher getrennt aufzuschreiben wieviel es ist, damit dann irgendwann einmal abgerechnet werden kann. Sie machen es aber trotzdem.
Dafür holst du dann den Käse bei denen und nicht woanders, wo es ein wenig billiger wäre.
Nur weil die Nachbarn aus Höflich- oder Freundlichkeit nett zu einem sind, heißt dass nicht, dass man ihr ökonomischer Retter ist. Manchmal wäre Dankbarkeit die angemessenere Reaktion als Arroganz.

Ansonsten gibt es in unser beiden Länder so viel unerledigte Arbeit, dass man sich keine zu kaufen braucht. Sprich wenn sich eine Tätigkeit nicht rentiert, sollte man sich eine wirtschaftlichere suchen.
Aber der Hang zur Landwirtschaft ist eine Art evolutionär angelegte Erbkrankheit, durch die viele das Rechnen verlernen.
Wir nennen das hier intern "die Seuche" und beraten regelmäßig unsere Strategie, diese im Rahmen und im wirtschaftlichen Bereich zu halten.
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