Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Benutzer 8600 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4961

Beitrag von Benutzer 8600 gelöscht »

Ich stelle mir gerade vor, die ganzen Millionen von hippen, toughen, hochmodernen und aufgeklärten Bewohner von Köln, München oder Hamburg stehen beim Demeterhofladen im völlig versiegelten und betonierten, frisierten und gestylten Stadtviertel an um Eier und Milch zu holen… ;)
Es wird Masse benötigt, wobei ich jetzt nicht darauf hinauswill dass ein guter Teil der Lebensmittel in diesem unserem Lande in den Müll wandert… gleichzeitig wird die landwirtschaftliche Fläche immer weniger, wegen Ausgleich für die oben genannten Stadtviertel, für Gewerbegebiete, für Spaßbäder und Autobahnen etc. In NRW wird eben wieder eine Waldfläche als Ausgleich vergrößert, auf bestem Lössboden, nur Landwirtschaftsflächen. In den letzten Jahren wurden dort bereits 16,8 Hektar aufgeforstet… schön für den Wald und alle Freizeitgeniesser, schlecht für die Landwirte… ansonsten macht sich die Stadt dort wenig Gedanken über Naturschutz, denn ei, der Bauer hat ja noch Flächen dafür - der Bürgermeister sagt, dass noch mindestens drei Baugebiete so „ausgeglichen“ werden können!

Der Naturschutz scheint ausschließlich den Landwirten angelastet zu werden, wenn man mal von den abgezirkelten „Blühstreifen“ entlang der bayerischen Neubaustrassen absieht.
Ja, die Bauern machen nicht alles richtig, das Gift (nennt sich im Fachjargon Pflanzenschutzmittel) das sie ausbringen ist schrecklich, und ich kenne aus beruflicher Erfahrung das Zeug genau… das pflügen bis zur Kante des betonierten Feldwegs ist ein Frevel ebenso wie das Roden der Hecken und Feldgehölze. Aber sind sie die verantwortlichen?
Ich sehe sie teilweise eher als eins von vielen Opfern des „Systems“, das unsere Erde ruiniert.
Solange bis zu 80 % der deutschen Weizenernte über Straße, Binnenschifffahrt und Hochsee in die arabischen Länder verkauft wird, während billigerer Weizen aus Rumänien, Polen oder die Ukraine in unsere Mühlen wandert (wiederum berufliche Erfahrung) ist eine Diskussion über Blühstreifen und Ähnliches genauso sinnvoll wie das verbot von wattestäbchen, um die Vermüllung des Planeten zu verhindern.
Verdienen tun ganz andere als der Bauer, nachhaltig zerstören übrigens auch.
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Tscharlie
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4962

Beitrag von Tscharlie »

Schön wenn man immer jemand findet ders noch schlechter macht oder nicht alles für alle möglich ist.

Das beruhigt (vielleicht) (oberrflächlich) das eigene Gewissen.

Ich kaufe auch im Edeka/Rewe/Alnatura/EBl/Naturkostladen sicher kosten Bioprodukte mehr aber das ist es mir wert. Und ich kaufe im Zweifel immer Demeterprodukte wenn ich die Wahl habe. Übrigens kaufe ich in keinem Denns, denn der "Discountermarkt" kann mir gestohlen sein.

Konvetionelle Bauern bekommen von mir zwar Steuergelder aber keine Gelder für Produkte die sie herstellen.
Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier. M.Gandhi
Benutzer 8600 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4963

Beitrag von Benutzer 8600 gelöscht »

Es ging mir nicht darum, oberflächlich mein Gewissen zu beruhigen und in guter trash-tv-Manier über jemanden zu feixen, der noch schlimmer dran ist als man selbst… das ist eine ziemlich unsinnige Unterstellung, die aber dem Ton hier seit ein paar Jahren recht gut trifft;)

Einkaufen tue ich übrigens genauso, aber ich finde es immer zweifelhaft, wenn man eine Bevölkerungsgruppe als Sündenbock hernimmt und andere dagegen in Ruhe lässt.

Mehr sage ich nach der Reaktion hierzu nun nicht mehr, danke
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Amigo
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4964

Beitrag von Amigo »

fabfiddle ,
ich persönlich fand deinen Post , lesenswert , informativ und richtig gut !
.
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Tscharlie
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4965

Beitrag von Tscharlie »

Da es in diesem Threat um Landwirtschaft geht, macht es durchaus Sinn auch dabei zu bleiben.

Es wird hier als nicht zufällig oder absichtlich eine Berufsgruppe besprochen, sondern damit bleibt man bei Thema.

Und ja man könnte auch die Fortschritte aufzählen die gemacht wurden. Ich habe ein Herder Gartenbuch von 1957 da stehen alle Gifte drin.

Und auch ja: Wer zahlt will auch mitreden. Mein kleines Unternehmen war von anderen unabhängig, also konnte ich meine Entscheidungen so treffen wie ich sie (innerhalb der gesetztichen Vorschriften) für richtig fand, Fehler habe ich auch aus eigener Tasche bezahlt. Anders bei der Landwirtschaft. Da haben die Steuerzahler sehr wohl ein Recht mitzureden, weil sie Gelder geben.

Ich denke, dass viele Landwirte nicht glücklich sind wie es heute läuft, also laßt uns miteinander überlegen wie das besser gehen könnte.

Und ja auch hier in diesem kleinen Forum können neue Ideen entstehen.
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Elli1
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4966

Beitrag von Elli1 »

Wer zahlt will auch mitreden. Mein kleines Unternehmen war von anderen unabhängig, also konnte ich meine Entscheidungen so treffen wie ich sie (innerhalb der gesetztichen Vorschriften) für richtig fand, Fehler habe ich auch aus eigener Tasche bezahlt. Anders bei der Landwirtschaft. Da haben die Steuerzahler sehr wohl ein Recht mitzureden, weil sie Gelder geben.


Das sehe ich anders. Wir haben nirgendwo mitzureden und zahlen trotzdem Steuer. Oder hast Du mitzureden wofür Deine Steuer verwendet werden?
Wo kämen wir denn hin wenn jeder in der Landwirtschaft mitzureden hätte? Da ginge doch alles drunter und drüber.
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Tscharlie
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4967

Beitrag von Tscharlie »

Da wurde ich falsch verstanden.

Natürlich reden wir als Steuerzahler mit, aber natürlich nicht jeder einzelne, bei allen Zahlungen. Aber bei den Wahlen kann man ja steuern wie Steuern eingesetzt werden sollten. Und der Bund der Steuerzahler ist auch noch da. Und in jeder Gemeinde kann ich den Bürgermeister, bzw. bei uns sie Bürgermeisterin fragen wie die das machen und meine Meinung dazu beitragen, das geht auch im Landkreis.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4968

Beitrag von Rohana »

Tscharlie hat geschrieben: So 15. Dez 2024, 07:55 Und auch ja: Wer zahlt will auch mitreden.
Eins der Kernprobleme der aktuellen Landwirtschaft. Mitreden wollen alle, für's Essen auch Geld zahlen will keiner - in diesem Forum Anwesende natürlich ausgenommen. Aber guck dir doch an wo die Massen hinpilgern, warum braucht's überall Discounter und mindestens 3 davon auf einem Haufen? Wo das Zeug herkommt ist egal, was im Produkt drin ist auch, hauptsache billig und viel.
Wenn wir für unsere Produkte angemessene(!) Preise bekämen, wären wir auf Subventionen nicht angewiesen und könnten davon unabhängig das machen was bei uns fachlich und praktisch Sinn macht, natürlich im Rahmen des geltenden Rechts. Schön wär's, aber dann kann man aus der Landwirtschaft keinen politischen Profit mehr schlagen...

Anekdote am Rande: Es wird ja mittlerweile wöchtentlich alles per Satellit kontrolliert, ob auch auf Feld XY die Frucht Z steht die angegeben ist, usw usf. Zusätzlich haben wir jetzt den Joker eine Vor-Ort-Kontrolle gezogen und dann müssen die natürlich auf eins der wenigen voll einsehbaren Felder gehen, ohne Gehölze oder Wald drumrum, und gucken ob da illegale Misthaufen liegen oder gepflügt wurde :dreh: Nicht ärgern, nur wundern, gell? Siehe Hausschlachtung. Wie sagte ein Bekannter letztens, Deutschland in zwei Sätzen: Diese Treppe ist gesperrt weil die Stufenbreite nicht der DIN-Norm entspricht. Umbauen darf man aber nicht, wegen Denkmalschutz.
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4969

Beitrag von Elli1 »

Natürlich reden wir als Steuerzahler mit, aber natürlich nicht jeder einzelne, bei allen Zahlungen. Aber bei den Wahlen kann man ja steuern wie Steuern eingesetzt werden sollten. Und der Bund der Steuerzahler ist auch noch da. Und in jeder Gemeinde kann ich den Bürgermeister, bzw. bei uns sie Bürgermeisterin fragen wie die das machen und meine Meinung dazu beitragen, das geht auch im Landkreis.
Nein, wir reden nicht mit.
Denn wie Du weißt gibt es eine Partei die den Umweltschutz und Artenschutz auf dem Programm hat. Was soll ich davon halten wenn diese Partei tausende von Hektar Wald und Land den Tieren und Vögeln entzieht um Windräder bauen zu wollen?
Und das ist nicht nur diese Partei auf die man sich nicht auf das verlassen kann was sie verspricht.

Mitreden kann ich bei der SoLaWi denn wir werden jedes Jahr Ende des Jahres gefragt welches Gemüse zu viel, zu wenig oder genau richtig war. Die Mehrheit entscheidet natürlich. Zudem kann man Wünsche für andere Gemüse äußern die erfüllt werden wenn der Boden und das Klima es hergeben. Und mitreden kann ich auch beim Preis. Wenn sich jemand den geforderten monatlichen Preis nicht leisten kann, kann ich oder sonst wer sagen dann zahlen wir eben etwas mehr im Monat damit der Landwirt auf seinen Preis kommt.

Eins der Kernprobleme der aktuellen Landwirtschaft. Mitreden wollen alle, für's Essen auch Geld zahlen will keiner - in diesem Forum Anwesende natürlich ausgenommen. Aber guck dir doch an wo die Massen hinpilgern, warum braucht's überall Discounter und mindestens 3 davon auf einem Haufen? Wo das Zeug herkommt ist egal, was im Produkt drin ist auch, hauptsache billig und viel.
So sieht es aus.
Ich arbeite in Haushalten die sich etwas leisten können. Denen tun die Preiserhöhungen bei den Hausnebenkosten nicht weh und auch mein Stundenlohn nicht. Kind will ein IPhone statt einem normalen Handy und bekommt es. Aber! Man kauft bei A... weil A... sehr gute Qualitätslebensmittel hat. Die anderen Discounter sind bei der s.g. höheren Schicht nicht so angesehen. Weder woher die Produkte kommen noch ob Kinderarbeit eine Rolle spielt und schon gar nicht ob durch die Billigware wieder ein Hof zugrunde geht interessiert. Hauptsache billig.
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Tscharlie
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#4970

Beitrag von Tscharlie »

Es gab einen netten Bericht in BR2 Radio.

Die Landwirte sind vor einem Aldi mit Traktoren aufgefahren um zu protestieren.

Dummerweise wurden einige Frauen dieser Bauern erwischt wie sie nach dem Einkkauf aus dem Laden kamen.

JEDER kann etwas unternehmen, man muss es nur machen.
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