Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3051

Beitrag von Manfred »

@Emil:
Soweit richtig, das Problem ist aber, dass aus genau diesen Monitoringdaten das angebliche und angeblich von der Landwirtschaft verursachte Insektensterben abgeleitet wird.
Mit etwas Ehrlichkeit von Seiten der einschlägigen NGOs und Behörden könnte man sagen:
Wir betreiben Insektenmonitoring auf Naturschutzflächen. Das Ergebnis ist wie zu erwarteten: Eine starke Ausmagerung der Flächen führt dazu, dass die Insektenbiomasse auf diesen Flächen stark abnimmt und sich das Artenspektrum hin zu Arten mit spezialisierter Anpassung an diese Extremstandorte verschiebt.
Dann hätte ich damit kein Problem.
Ein massives Problem habe ich damit, wenn man solche selbstverständlichen wie banalen Ergebnisse zu einem Insektensterben uminterpretiert mit der Argumentationskette: Wenn sogar auf den Naturschutzflächen die Insektenbiomasse derart rückläufig ist, muss es auf den sonstigen Flächen ja noch viel schlimmer sein.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3052

Beitrag von Rohana »

Dyrsian hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 08:08
Rohana hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 01:40 Die basics der deutschen Produktion, sprich die gesetzlichen Rahmenbedingungen, liegen weit höher als in den meisten Teilen der Welt. Auch wenn dir das anscheinend nicht reicht.
Das ist bestimmt richtig, nur kommt der Fraß bei Aldi überwiegend nicht aus Deutschland. Hier wachsen halt weder Tomaten noch Paprika, und auch Lammfleisch kann man in Neuseeland scheinbar billiger produzieren.
Schonmal in einem neuen Aldi gewesen? Ich hab aus Neugier mal unseren neuesten in der Nachbarschaft inspiziert. Wer will, bekommt dort alles an Frischgemüse, Fleisch, Eier, Milch, ... aus D.
Durch die Subventionen wird eine industrialisierte Landwirtschaft mit großen Flächen und starkem mechanisierungsgrad gefördert. Das weiß jeder.
Ersetze Subventionen durch Globalisierung und du kommst dem Kern der Sache näher. Subventionen hin oder her, würde man für deutsche Ware "echte" Preise zahlen müssen, würde die Masse der Bevölkerung erst recht zu billiger Auslandsware greifen - vor allem im Biobereich.
Das Insektensterben und das Nitrat im Grundwasser kommen nicht von ungefähr.
... und erst wenn der letzte wirtschaftliche Landwirtschaftsbetrieb gegangen wurde, wird man feststellen, dass das Insektensterben trotzdem nicht aufhört... :lala:
Aber es ist so eine bequeme Erklärung. Menschen sind simpel gestrickt, was willste machen.

Oelkanne hat geschrieben: Sa 16. Okt 2021, 14:27 Trotzdem mache ich den beruf, weil er mir Spaß macht:
Jetzt im Herbst wenn die Saat aufgeht, der Tau an den Blattspitzen hängt und bei der Bonitur die Sonne aufgeht :rot:
Im Juni wenn sich der Weizen in der Blüte im Wind wiegt (Gerste sieht noch toller aus, aber die haben wir nicht) und man nebendran den Rüben beim Wachsen zusehen kann :rot:
Oder Im Sommer wenn alles reif ist, der Weizen knackt und man dann die Drescher losschickt und der erste Wagen Weizen in Silo prasselt.
Da vergisst man die ganzen Sorgen, steht da, grinst über beide Ohren und freut sich einfach. :)
Ich halte es wie Ölkanne... ich liebe unsere Viecher, bange und hoffe über's Jahr, freue mich am Wachsen, tanze in der Ernte und danke Gott aus vollem Herzen für alles was uns geschenkt wird, für jedes Unwetter das an uns vorbeigeht. Und hoffe dass wir noch lange durchhalten, physisch, psychisch, wirtschaftlich.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3053

Beitrag von penelope »

Mein Vorsatz für den Sonntag war eigentlich, mich hier rauszuhalten, aber wenn wir uns jetzt gegenseitig vorhalten, wer wovon keine Ahnung hat, dann muss ich doch nochmal was einwerfen ;)

Hier wird leider ganz oft der Fehler gemacht, betriebwirtschaftliche Sichtweisen auf volkswirtschaftliche Probleme zu übertragen. Das wird in ganz vielen anderen Bereichen auch gemacht und führt jedoch fast immer in Sackgassen. Eine Strategie, die für einen einzelnen Betrieb optimal ist, führt auf eine gesamte Wirtschaft übertragen sehr sicher nicht zum optimalen Ergebnis. Wenn hier mal wieder das Argument fällt " so ist eben Marktwirtschaft" denk ich mir auch jedes mal wieder, wie man denn so beharrlich mit so kurzer Sicht in die falsche Richtung gucken kann. Aber hier kommen halt Leute aus unterschiedlichen Bereichen zusammen, die sich über ein Thema unterhalten, was allen wichtig ist. Wir müssen uns hier nicht einig werden ( ist wohl eh utopisch) aber ich glaube, wir haben alle was davon, wenn wir unterschiedliche Meinungen hier auch einfach als solche nebeneinander stehen lassen, ohne in so persönliche Ebenen zu gehen.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3054

Beitrag von emil17 »

Manfred hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 09:33 Diese Woche wurden wieder die Ergebnisse der betriebswirtschaftlichen Auswertung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft veröffentlicht.
Sie beinhaltet die Ergebnisse "repräsentativ ausgewählter Betriebe" aus dem sogenannten Testbetriebsnetz.
Wie die Auswahl erfolgt, ist nicht transparent. Zuständig sind die obersten Landesbehörden. Das Auswahlgremium ist zur Geheimhaltung verpflichtet. Erfasst werden anscheinend nur Betriebe, die von den landwirtschaftlichen Buchstellen der Bauernverbände betreut werden.
Das geht immer gleich und gehört zum Grundwissen von Statistiken: man stratifiziert nach Betriebsgruppen (um Weinbau und Alpwirtschaft beide gerecht zu erfassen) und innerhalb gleicher Gruppen wird zufällig ausgewählt. Geheim ist es deshalb, damit nicht die Betriebe nach Bekanntgabe der Berücksichtigung anders handeln oder von Kunden oder Leiferanten anders behandelt werden. Die Buchstellen bewirken, dass die Buchhaltung, hier geht es sehr wahrscheinlich um Einkommens- oder Produktgruppen, gleich berechnet, bewertet und zusammenfasst.
Manfred hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 09:33 Im Groben kann man sagen, dass die Einkommen über die letzten 10 Jahre stagnieren, während Kosten und Schuldenstand deutlich gestiegen sind.
Das heißt unter dem Strich mehr Arbeit (mehr Fläche und Tiere je Betrieb) und mehr Fremdkapitaleinsatz für stagnierende Einkommen.
Mehr Fläche und Tiere pro Betrieb könnte aber auch bedeuten, mehr Effizienz wegen mehr Masse, denn bekanntlich suchen sich die Betriebe zu vergrössern, um überleben zu können. Das täten sie nicht, wenn sich durch die Vergrösserung nur ihr Aufwand und ihre Schulden steigerten.
Manfred hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 09:33 Der durchschnittliche Gewinn lag bei 34.490 Euro je Vollzeit-Familienarbeitskraft.
Aus diesem Gewinn müssen die Verzinsung für das eingesetzte Eigenkapital, die Entlohnung der Arbeitszeit und die Sozialversicherungskosten beglichen werden.
D.h. um den Gewinn mit Arbeitnehmer-Bruttoeinkommen vergleichbar zu machen, muss man davon nach die kalkulatorischen Zinsen für das im Hof gebundene Eigenkapital und den "Arbeitgeberanteil" an den Sozialversicherungskosten abziehen.
Entscheide dich bitte, ob du als Angestellter oder als selbständig erwerbender Unternehmer abrechnest. Als Unternehmer auf eigenes Risiko musst du deine Eigenkapitalrendite und überhaupt dein Einkommen selbst erwirtschaften. Wenn du einen fikiven Arbeitslohn abziehst, bleibt logischerweise nichts mehr übrig.
Wenn die Nachfrage nach Landwirtschaftsland steigt, steigen die Bodenpreise, also dein fiktves Eigenkapital und du verdienst immer weniger, obwohl sich für dich gar nichts ändert.
Die Rechnung hilft zu entscheiden, ob jemand einen Landwirtschaftsbetrieb anfangen oder etwas anderes machen soll. Soll ich 500'000 Kapital investieren, damit ich dann für meine Arbeit pro Jahr 34'490 Euro bekomme, oder soll ich für 10 Euro netto in die Fabrik und dort machen was man mir sagt?
Nun, 34'490 Euro sind 2'870 Euro brutto pro Monat, das ist schon mal nicht so schlecht, wenn man es mit deutschen Löhnen in Industrie und Gewerbe vergleicht. Oder eben, du kriegst irgendwas um 2000 netto für einen interessanten Job, falls du jemanden findest, der dich anstellt, du verkaufst den Hof, und legst den Erlös an der Börse an (wo es dann auch mal weg sein könnte, wenn du die falschen Aktien erwischst).
Manfred hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 09:33 Teilt man den Rest durch die auf landwirtschaftlichen Betrieben üblichen Arbeitszeiten, liegt man weit unter dem Mindestlohn.
Das ist zweifellos so, aber nicht nur in der Landwirtschaft. Welcher Handwerker käme, wenn er sein im Betrieb gebundenes Eigenkapital zu 6.5% verzinsen müsste, nachher noch auf den Mindestlohn ...
Manfred hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 09:33 Ein Reichenbeispiel:
Betrieb mit 1,5 Familien AK und 51.087 Euro Gewinn.
Eigenkapital:
30 ha Eigenland mit 300 Euro / ja (Zinsanspruch bzw. mögl. Pachterlös bei Verpachtung) -> 9.000 Euro Pacht für Eigenland
500.000 Euro Kapital in Gebäuden, Maschinen und Ausrüstung, Tieren, Vorräten -> bei 6,5% durchschnittlicher Eigenkapitalverzinsung (durchschnittliche Aktienanlage) -> 32.500 Euro kalkulatorischer Eigenkaptialzins
Bleiben 9.587 Euro für ein Jahr Arbeitslohn für 1,5 Familien AK inkl. der Sozialversicherungskosten.
Zieht man davon nochmal 1/4 "Arbeitgeberanteil" ab und teilt den Rest durch angenommene 50 Arbeitsstunden je AK und Woche, bleiben stolze 2,30 Euro "Bruttolohn" je geleisteter Arbeitsstunde.
... und wenn du Aktien mit einer Rendite von 10% gekauft hättest hättest du durch deine Arbeit sogar noch Geld verloren.

Falls du mehr als 1/4 deiner produktiven Zeit damit verwendest, dir selber Aufräge zu geben, kommt ebenfalls was anderes heraus. Wie schon gesagt kannst du nicht einen Arbeitgeberanteil abziehen oder/und dich selber anstellen und diese fiktiven Opportunitätskosten (Was kriegte ich wenn ich den gleichen Job für wen anders machen müsste, der mich dafür bezahlt) abziehen, wenn du selbständig erwirbst. Warum das nicht zulässig ist, ergibt sich aus obiger Rechnung.
Manfred hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 09:33 Evtl. fühlt sich Emil dann nicht mehr ganz so schlecht bezahlt...
Tue ich auch nicht, habe ich das, und falls ja, wann und wo?
Manfred hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 09:33 Der durchschnittliche bayerische Haupterwerbslandwirt lebt praktisch von den Zinsen seines Eigenkapitals und betreibt die landwirtschaftliche Arbeit mehr oder minder als Hobby.
Nach dieser Rechnung schon, denn du verzinsest dein Eigenkapital durch die Früchte deiner Arbeit. Das macht aber jeder Unternehmer, der von einem Gewerbe lebt, das um es betreiben zu können Investitionen erfordert.
Du kannst den Hof verkaufen und das Geld anlegen, dann hast du die Eigenkapitalrendite als Dividende oder Kursgewinn und kannst mit deiner Zeit was anderes machen (z.B. Golf spielen und ausrechnen, was dich eine Stunde Golf kostet, wegen entgangenem Gewinn dank unterlassenem Geldverdienen und entgangener Rendite des in der Ausrüstung gebundenen Kapitals). Du kannst aber nicht das Kapital gleichzeitig im Betrieb gebunden haben und erwarten, dass es sich von selber einfach so auch noch verzinst.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3055

Beitrag von emil17 »

penelope hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 10:20 Hier wird leider ganz oft der Fehler gemacht, betriebwirtschaftliche Sichtweisen auf volkswirtschaftliche Probleme zu übertragen. Das wird in ganz vielen anderen Bereichen auch gemacht und führt jedoch fast immer in Sackgassen.
danke
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Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3056

Beitrag von Manfred »

Umgekehrt funktioniert dass halt ebensowenig.
Auflösen lässt sich das nur mit einer ganzheitlichen Herangehensweise.
Aber diese ist auf Bundesebene politisch bisher nicht absehbar.
Also kann der Einzelbetrieb nur innerhalb der chaotischen Gesetzgebung navigieren oder aufhören.

Mit Milchmädchenrechnungen nach Emil mag man sich fehlende Wirtschaftlichkeit schönmalen können,
aber langfristig hat man dann halt keinen Betrieb mehr, weder als Handwerker noch als Bauer.
Als Unternehmer dagegen braucht man Klarheit, wo die wirtschaftlichen Probleme im eigenen Betrieb liegen, damit man sie beheben kann, um konkurrenzfähig zu bleiben oder wieder zu werden.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3057

Beitrag von Rohana »

Emil hat geschrieben:Wenn die Nachfrage nach Landwirtschaftsland steigt, steigen die Bodenpreise, also dein fiktves Eigenkapital und du verdienst immer weniger, obwohl sich für dich gar nichts ändert.
Da hab ich mich schon des öfteren gefragt warum das eigentlich so sein darf. Weder unser Boden noch unsere Ernte wird dadurch besser dass woanders Acker zu Industriegebiet wird :bang:
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3058

Beitrag von Manfred »

Es ist halt einfach so, dass in der Landwirtschaft seit Jahrzehnten anhaltend zu wenig verdient wird.
Also geht die Fläche an außerlandwirtschaftliche Investoren, weil die Bauern sie sich nicht mehr leisten können.
In Thüringen sollen inzwischen über 40% des Ackerlands Investoren gehören.
Das muss man als Betriebsleiter einfach realistisch sehen und entsprechend auch außerhalb der Landwirtschaft investieren, außer man besetzt eine der winzigen Nischen, wo vergleichbar zu anderen Branchen verdient wird.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3059

Beitrag von emil17 »

An sich ist es einfach, als Unternehmer investierst du dein Eigenkapital in den Betrieb und was dir nach Abzug aller Kosten, Abschreibungen usw. bleibt ist der Ertrag, also der Zins des investierten Eigenkapitals. Wenn das Eigenkapital auf dem Papier steigt weil das Land höher bewertet wird, hast du zum Glück auch nur auf dem Papier einen geringeren Zins darauf erwirtschaftet. Eine Rolle spielt das nur bei Vermögens- oder Erbschaftssteuern oder wenn du Fläche zukaufen willst.
Wenn man beim Betriebsergebnis den marktüblichen Zins des Eigenkapitals (also das was es auf dem Kapitalmarkt bringen würde) abzieht, hat man den Saldo, um den man dank Eigeninitiative aus dem Kapital mehr herausgeholt hat als wenn man es Fremden verliehen hätte.
Es ist also nicht so, dass man für einen Hungerlohn gearbeitet hätte, wenn diese Differenz klein war. Auch das Steueramt rechnet so, man kann nicht sich selbst einen fiktiven Lohn bezahlen und den als Betriebsunkosten vom Gewinn absetzen, ebenso nicht die (nicht anfallenden) Eigenkapitalkosten. Diese sind nur ein Mass dafür, was der Betrieb ungefähr abwerfen sollte, damit man nicht durch Verkaufen und Verleihen, also nichts machen, dauerhaft mehr verdient.
Auf der Haben-Seite hat der Unternehmer ganz viel, was nicht erwähnt wurde: Selbständige Entscheidungen (bzw. die Kunden oder das Wetter als Chef), kein Risiko plötzlich entlassen zu werden. Wenn das Eigenkapital zum grössten Teil in Sachwerten wie Boden steckt, nimmt man zudem die Wertsteigerung mit, während das Geld an der Börse durch Teuerung an Wert verliert und ein höheres Ausfallrisiko hat (was man vor Vergleich vom Börsenzins abziehen müsste). Wird man als Arbeitnehmer auf die Strasse gestellt, so hat man sehr bald gar nichts mehr, wenn man keinen anderen Job findet, oder wenn eine Geldentwertung den Lohn wertlos macht. Der Hof liefert hingegen immer +- den Ertrag, wenn man ihn in Naturalien und nicht im Erlös dafür misst. Während und kurz nach den Weltkriegen waren daher die Landwirte sehr privilegiert.

Was diese Rechnungen auch zeigen: Welche Frechheit es gegenüber dem selber arbeitenden Volk eigentlich ist, wenn sich Topmanager Millionengehälter gönnen.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3060

Beitrag von emil17 »

Manfred hat geschrieben: So 17. Okt 2021, 18:18 Es ist halt einfach so, dass in der Landwirtschaft seit Jahrzehnten anhaltend zu wenig verdient wird.
Also geht die Fläche an außerlandwirtschaftliche Investoren, weil die Bauern sie sich nicht mehr leisten können.
Da pflichte ich Dir bei, nur kann man das nicht einfach ändern, indem man mehr Beiträge vom Staat oder Produktpreise über Marktpreis hinweg verlangt, ohne dass der Steuerzahler oder Konsument einen für ihn erkennbaren Mehrwert bekommt. Den definieren mündige Bürger gerne selber.
Leider greifen auch die Bodenschutzgesetze nicht richtig, weil Spekulanten die leicht umgehen können, etwa indem sie Teilhaber oder Besitzer von im Inland eingetragenen Firmen sind, die Landwirtschaft betreiben.
Noch schmerzlicher ist, dass dieses Horten von Sachwerten vorwiegend mit Geld aus leistungslosen Quellen finanziert wird, und dass die Eigentümer oft schwer greifbare internationale Firmen sind. Wenn ein Landwirt seinen Betriebsgewinn in Landkauf investiert, hat das ja eine innere Logik.
Ähnlich geht es vielen gewöhnlichen Leuten in der Schweiz: Wohneigentum ist als Sachwert für ausländische Investoren sehr gefragt (Schweizer Franken, steuerprivilegiert, hohe Wertsteigerung) - mit der Folge, dass Wohnen für Arbeiter und Kleingewerbler immer unerschwinglicher wird, denn auch der Immobilienbesitzer will eine "angemessene" Eigenkapitalrendite - für die im Gegensatz zum selbständigen Landwirt nicht der Wohnungsbesitzer, sondern der Mieter arbeiten muss. Die Folgen sind immer längere Pendlerwege, mit negativen Folgen für die Leute selber, für die Umwelt und die Allgemeinheit.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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