Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Mara1
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2811

Ungelesener Beitrag von Mara1 »

Ich wohne hier ländlich und kann nur meine Beobachtung vor Ort einbringen. Jeder Milchviehbetrieb hier mach riesige Silage Hügel und füttert damit. Silage Info https://de.wikipedia.org/wiki/Silage. Teilweise wird jahrelang nur Mais auf dem gleichen Feldstück angebaut. Wenn der Mais abgeerntet ist, dann wächst dort bis zur nächsten Aussaat fast kein Beikraut. Man könnte auch sagen, der Boden ist dort fast ohne Leben.

Ein kleiner Teil der Kühe wird noch auf die Wiesen getrieben. Viele haben Öffenställe mit Spaltenböden. Teilweise wird das sogar über Lohnfütterung gemacht (also ein Fremdunternehmer, der Silage mit einem speziellen Auto regelmässig anliefert und direkt füttert)

Ich vermute (aus alter Beobachtung) das dazu noch Kraftfutter zugefüttert wird, anders ist diese Milchleistung denke ich nicht zu erreichen. Wenn ich mir die Eutergröße der Milchkühe anschaue, dann wird mir echt ganz anders.


Ein Aspekt ist auch noch, das es früher viele kleinere Höfe gab, die lokal agiert haben.

Da waren noch die Misthaufen auf dem Hof, die dann nach der Ernte auf die Felder gebracht wurden. Also ein eher natürlicher Kreislauf (in kleinerem Rahmen) Heute haben ja fast alle die Laufställe wo Gülle anfällt. Viel Gülle durch große Ställe, der dann auch irgendwie "entsorgt/verwertet" werden muss -meist durch ausbringen auf die Felder. Bzw. die Kühe haben direkt vor Ort die Wiesen in kleinen Mengen regelmässig "verteilt/gedüngt"

Rein mal leinhaft gesprochen. Mist zersetzt sich langsam und wird durch Mikroorganismen und Bodenlebewesen abgebaut. Gülle ist flüssig, und "fliest" durch die Erdekrumme und teilweise auch in die angrenzenden Gewässer - mit den entsprechenden Folgen. Gülle denke ich, ist wie auch Jauche pur nicht gerade sehr "freundlich zu Pflanzen und Bodenlebewesen".

Also alles auf Masse anstelle auf Qualität.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2812

Ungelesener Beitrag von Rohana »

Ich hab schonmal erwähnt dass ich keinen Bock auf die Diskussion habe. Akut auch eigentlich gar keine Zeit.

Also bleiben wir einfach dabei dass ihr das Höfesterben gut findet und das wars :)
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2813

Ungelesener Beitrag von emil17 »

Rohana hat geschrieben: Fr 10. Jul 2020, 18:00 Also bleiben wir einfach dabei dass ihr das Höfesterben gut findet und das wars :)
Ich finde das Höfsterben nicht gut, aber wenn Rekordmilchleistungskühe prämiert, also angestrebt, werden, hat das unter anderem solche Konsequenzen wie das Höfesterben.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2814

Ungelesener Beitrag von Rohana »

Ah? Wer und wo prämiert die denn? :hmm: :lala:
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2815

Ungelesener Beitrag von emil17 »

Rohana hat geschrieben: Fr 10. Jul 2020, 20:03 Ah? Wer und wo prämiert die denn? :hmm: :lala:
Gibt immer wieder Meldungen in Landwirtschaftszeitungen:
hier
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2816

Ungelesener Beitrag von Rohana »

Was ist daran verwerflich, die Spitzenreiter zu ehren? Macht man mit Menschen doch genauso. Deshalb ist noch lange nicht jeder so schnell wie Usain Bolt :roll:
Und was die Existenz von Rekordhaltern mit dem Höfesterben zu tun hat, erschliesst sich mir ehrlich gesagt nicht. Irgendwer muss halt der/die/das Beste sein. Von den Prämierungen lebt kein Bauer...
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2817

Ungelesener Beitrag von Sven2 »

Ich würde mir das folgend herleiten:

1. Weniger Kühe geben heute genauso viel Milch wie früher viele -> weniger Milchvieh( dazu hab ich keine Zahlen, würde nur erwähnt und hab's Mal gelesen irgendwann)bzw. Mehr Ertrag bei gleicher Stallfläche

2. Hochspezialisierte Kühe brauchen energiereicheres Futter -> höherer Arbeitsaufwand, andere Flächennutzung ( z.B. Mais statt Wiese) pro Tier, anderer Kapitaleinsatz
-> je größer der Betrieb, desto effizientere Produktion -> Spezialisierung auf wenige große Betriebe statt vieler -> weniger Milchviehhalter.
Effizienz bezieht sich hierbei auf die Auslastung von Maschinen, Kapitalverfügbarkeit, Standardisierung von Arbeitsabläufen usw. und beinhaltet nicht ökologische Faktoren.

3. Milchpreis ist niedrig-> Gewinnmarge nur über Masse zu realisieren -> größere Betriebe ( gibt natürlich noch andere Systeme)

4. Es werden Rekordhalter prämiert -> Streben nach mehr Milch/ Kuh aus oben genannten gründen. Dass der Rekord immer weiter steigt zeigt ja, dass allgemein mehr in die Richtung gezüchtet wird.
Ich glaube auch dass die Milchleistung als Zuchtziel prämiert werden kann. Tatsächlich ist es auch ein Geschäftsfeld das Sperma von Bullen, die vermutlich eine hohe Milchleistung vererben, zu verkaufen. Dabei hilft ein Preis für die Mutterkühe wegen ihrer hohen Milchleistung ungemein.

Lass mich gerne von den Praktikern anders belehren :)
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2818

Ungelesener Beitrag von emil17 »

Ich sehe das auch so ...
Nebeneffekt, Rassen die geländegängig und leicht und robust sind, und mit denen man schlechte Flächen bewirtschaften könnte, lohnen sich aus wirtschaftlichen Gründen nicht. Folglich werden Flächen intensiviert (=gedüngt, besser schlossen, öfter gemäht) oder fallen brach bzw, werden aufgeforstet.

An der Tatsache, Spitzenleistungen zu prämieren, ist nichts schlecht.
Was mich etwas erstaunt, ist hingegen die Erwartungshaltung: Man will und fördert eine Entwicklung (mehr Effizienz, höhere Milchleistung usw. ) und bedauert dann den Erfolg, nämlich dass das gleiche Ergebnis nun durch weniger Halter und weniger Tiere erreicht wird. Anders kann es auch gar nicht sein, denn hätte man Tiere auf Leistungsniveau von 2020, Tiere pro Halter soviele wie 2020, Halter aber noch soviele wie 1985, wären das rund vier mal soviel Milch. Das geben die Flächen nicht her bzw. bei entsprechenden Futterimporten wüsste man erst recht nicht wohin mit all der Jauche, die es bei Stallhaltung nun mal gibt.
Da bei steigender Produktionseffizienz und gesättigtem Markt die Preise zwangsläufig sinken müssen, ist die Folge logischerweise eine Abnahme der Betriebe.
Ein Verzicht auf staatliche Regulierung könnte wohl kurzfristig diesen Trend aufheben, insoweit er die Produktion verbilligt, würde aber zwangsweise zum genau gleichen Ergebnis führen. Auch eine Erweiterung des Marktes kann daran nichts ändern.
Der gleiche Prozess hat ja in so ziemlich allen Gewerben stattgefunden - wo sind all die Ortsbäckereien, Tante-Emma-Läden, Schuhmachergeschäfte usw. geblieben. die es vor 50 Jahren noch gab?
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2819

Ungelesener Beitrag von Manfred »

@Sevn: Durch diese Gemeinplätze ändert sich aber nichts an der Situation des einzelnen Landwirts. Entweder geht man mit oder findet eine Nische, die eine Zeit lang etwas anderes erlaubt, oder man wird gegangen.
Geändert werden könnte die Situation nur durch völlig andere politische Rahmenbedingungen.
Aber diese sind nicht erkennbar. Ganz im Gegenteil. Die Auflagen werden zum Nachteil der kleinen Betriebe massiv weiter verschärft ohne jeden Außenschutz und ohne Wachstumsbeschränkung. Also müssen noch mehr kleine Betriebe aufgeben und Großinvestoren kaufen die Flächen auf und lassen sie von Großbetrieben bewirtschaften. Egal welche Lügen Politik und Verbände gerade wieder öffentlichkeits- und stimmenwirksam verbreiten.

Wer wirklich etwas daran ändern wollte, müsste zum einen für konsequenten Außenschutz der von heimischen Betrieben geforderten Standards sorgen und zum anderen den Marktzugang sowie das Steuer- und Förderrecht so verändert, dass die höchsten Einkommen pro Arbeitskraft und eingesetztem Kapital in der gewünschten Betriebsgröße erzielt werden.
Alles machbar, aber nicht gewollt, weil es zu deutlich höheren Lebensmittelpreisen führen würde.

Die Schweiz und Norwegen sind diesen Weg mehr oder minder konsequent gegangen.
Natürlich sind auch dort der technische und der Zuchtfortschritt nicht aufgehalten, so dass weiterhin Betriebe weichen müssen.
Aber beide Länder haben einen weitgehend konsequenten Außenschutz für ihre Standards und zumindest Norwegen auch schon seit Jahrzehnten Bestandsobergrenzen für Schweine je Betrieb.

Dito in der Verarbeitung. Gegen die Kosteneffizienz, optimale Verwertung und den Marktzugang von Tönnies können kleine Regionalschlachthöfe nicht anstinken. Das ist schlicht und ergreifend eine politisch gewollte Entwicklung hin zu mögl. billigen Nahrungsmitteln, damit die Bevölkerung Ruhe gibt.
Das geht ja sogar soweit, dass das Kartellamt Erzeugerzusammenschlüsse verhindert, damit diese den Abnehmerkartellen bei Preisverhandlungen nicht auf Augenhöhe gegenübertreten können.
Also genau das Gegenteil dessen, wofür ein Kartellamt irgendwann mal gedacht war.
Von den steuerlichen Vorteilen der Konzerne ganz zu schweigen.
Wenn ein Konzern seine Gewinne über eine Holding innerhalb der EU passend verlagern kann, so dass er nur ca. 1% Gewerbesteuer bezahlt, währen der selbständige Metzger schnell 30% bis 45% Steuern abdrückt, wenn sein Laden halbwegs läuft, dann ist doch völlig klar, wer innerhalb kurzer Zeit durch seine Gewinnvorteile den Markt übernimmt.

Und wenn ich dann höre, dass D ja keinen Außenschutz errichten kann, weil wir Autos verkaufen wollen:
Die Schweiz hat einen viel höheren Industrieexport pro Person und trotzdem Außenschutz für die Landwirtschaft.
Das ist reines Geschwätz. Wäre der Außenschutz von der Politik gewollt, wäre er innerhalb weniger Jahre konsequent umsetzbar.
Es gibt aber keine Partei, die sich dafür einsetzt.

Was bleibt dann uns Praktikern?
Aufhören oder unter den realen Rahmenbedingungen, denen wir ausgesetzt sind, durchwursteln so gut es geht.
Der Idealfall wäre, wenn man die persönlichen Voraussetzungen dafür hat, sich wie Richard Perkins weitgehend von den Ausgleichszahlungen unabhängig zu machen. Aber die Voraussetzungen haben nur wenige und die Nische ist begrenzt.
Also eine Lösung, mit der sich einige zumindest eine Zeit lang retten können, aber keine Lösung für die Masse der Betriebe.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2820

Ungelesener Beitrag von Rohana »

Selbst wenn man von den Ausgleichszahlungen unabhängig wäre, die Gesetze muss man so oder so einhalten... da ist nix um. :ohm:
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
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