Glyphosat-Diskussion

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Rohana
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Re: Glyphosat-Diskussion

#1121

Beitrag von Rohana »

emil17 hat geschrieben:Die Befürworter von Glyphosat argumentieren natürlich, dass damit eine pfluglose Bearbeitung möglich sei.
Ob es getan wird, hängt noch von anderen Sachen ab. Die Bewirtschafter wollen natürlich alle Möglichkeiten zur Verfügung haben und dann nach Fall entscheiden, was sie tun. Es ist das ureigene Interesse des Bewirtschafters, sich alle Möglichkeiten offen zu halten. Daran ist also nichts falsch.
Es ist ja auch schlicht Unfug EINE Bewirtschaftungsweise für alle Situationen verbindlich festlegen zu wollen - verschiedene Möglichkeiten zu haben ist *nötig*!

Beim Rest... man kann sich jetzt an "Monokultur" aufgeilen oder auch nicht. Es geht mir halt drum präzise zu bezeichnen was gemeint ist, damit man über die Sache vernünftig diskutieren kann.
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
Manfred

Re: Glyphosat-Diskussion

#1122

Beitrag von Manfred »

@Richard:
Natürlich haben wir bisher relativ wenig Direktsaat, besonders in Süddeutschland.
Das liegt zum guten Teil daran, dass die Maschinen dafür schweineteuer sind oder in den Leistungsklassen für uns Kleinbetriebe gar nicht angeboten werden.
Ich hatte letztes Jahr einen Lohner mit 6 m breiter Direktsaatmaschine hier.
Das Ding hat auf die 3 m Transportbreite zusammengeklappt rückwärts kaum in die Hofeinfahrt gepasst, zwecks Einfüllen des Saatgutes.
Die Saatgutsäcke haben wir dann mit dem Frontlader hochgehoben und von Hand in das Unding umgefüllt, weil natürlich auch keine der sonst für solche Maschinen üblichen Befüll-Förderschnecken vorhanden ist und sich der Einfülldeckel in geschätzt 3,5 m Höhe befindet.
Ändert aber nichts daran, dass wir nicht die vorhandenen Keime für eine bodenschonendere Bewirtschaftung ersticken sollten.
Kannst dich ja mal im Forum der Gesellschaft für konseriverende Bodenbearbeitung einlesen. Ich hatte deren Website dieses Jahr im Bereich aufbauende Landwirtschaft verlinkt, wie auch diverse weitere Infos zur Direktsaat.

Wenn ich mal eine gebrauchte, erschwingliche, kleine Maschine, die ich mit meinen 70 PS Traktoren bewältigen könnte, finden würde, würde ich sie evtl. kaufen.
Grait Plains bietet jetzt auch in D relativ kleine Maschinen an. Die liegen neu mit der nötigen Ausstattung aber bei 30.000 bis 40.000 Euro.
Völlig unmöglich, das hier wieder reinzuwirtschaften. Die müsste mehrere hundert ha im Jahr machen. Und das wäre selbst im Lohneinsatz bei unserem Klima kaum zu schaffen, weil die Wetterfenster zu kurz sind. Da tun sich die Betriebe mit Kontinentalklima in Nordamerika deutlich leichter. Die können auch auf großen Flächen relativ kleine Maschinen einsetzen, weil sie wochenlage Zeitfenster dafür haben.

Auch die Arbeit mit Zwischenfrüchten ist in D weitaus schwieriger, außer evtl. in den wärmsten Regionen. Hier z.B. vor der Maissaat eine Zwischenfrucht hinzukriegen, die ausreichend Mulchmasse zur Unkrautunterdrückung liefert und reif genug wird um sich durch Walzen abtöten zu lassen um so eine herbizidfreie Direktsaat zu ermöglichen scheint mir kaum möglich.

Wie schon mehrfach geschrieben:
Wollte man wirklich etwas Positives erreichen, satt mit billigem Populismus Wählerstimmen zu erheischen, bevor man dann die nächste Sau durchs Dorf treibt, müsse man die Praxisforschung an Alternativen so gut es nur geht unterstützten.
Für die Praktiker, die daran arbeiten, gibt es aber keine Förderung. Die zahlen das selbst oder finanzieren es, indem sie ihr mühsam erarbeitetes Wissen gegen Bezahlung an interessierte Kollegen weitergeben. Schon das bremst die Vertreitung des Wissens massiv aus, weil die Einstiegsschwelle für Interessierte durch diese Kosten höher wird.
Benutzer 72 gelöscht

Re: Glyphosat-Diskussion

#1123

Beitrag von Benutzer 72 gelöscht »

oooch, ich hätte schon gerne eine Antwort bekommen :aeh:
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Rohana
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Re: Glyphosat-Diskussion

#1124

Beitrag von Rohana »

Also, ich kenne einen pfluglos wirtschaftenden persönlich... über Forenkontakte vielleicht so ein zwei handvoll... soll ich jetzt versuchen dir daraus irgendeine Zahl abzuleiten?
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
Manfred

Re: Glyphosat-Diskussion

#1125

Beitrag von Manfred »

Zumal es ja nicht nur um Pfluglos oder besser Direktsaat geht, sondern um die ganze Spanne der reduzierten Bodenbearbeitung.
hobbygaertnerin
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Re: Glyphosat-Diskussion

#1126

Beitrag von hobbygaertnerin »

Es geht um viel mehr, egal ob die Behandlung der Gülle, ob Humusaufbau, Unkraut bzw. Beikrautregulierung,
so wirklich gross wird da nichts an Wissen an die Landwirte weitergegeben. Da muss man sich schon selbst auf die Socken machen, ausprobieren, versuchen, den Spott und die Häme ertragen, wenn mal was nicht so gelingt.
Wenn ich mir nur die Ausbildungsinhalte vor Augen halte-
nicht nur im konventionellen, sondern auch im Biobereich.
Manfred

Re: Glyphosat-Diskussion

#1127

Beitrag von Manfred »

https://www.topagrar.com/news/Acker-Agr ... 41579.html

"In Frankreich hat das nationale Agrarforschungsinstitut INRA Alternativen zum Einsatz von Glyphosat skizziert. Als wichtigste Ausweichmöglichkeiten nennt es andere Wirkstoffe und mechanische Methoden."

"Neben dem Einsatz von alternativen Wirkstoffen, die durchaus mehr Gefahren für Anwender und Umwelt darstellen könnten, verweisen die Agrarforscher besonders auf die mechanische Unkrautbekämpfung und die oberflächliche Bearbeitung des Bodens."

Also genau der Schuss nach hinten, den auch ich erwarte...
Benutzer 3370 gelöscht

Re: Glyphosat-Diskussion

#1128

Beitrag von Benutzer 3370 gelöscht »

Manfred hat geschrieben:Also genau der Schuss nach hinten, den auch ich erwarte...
Kann man so sehen, muss man aber nicht

Man kann auch einen Schritt nach vorne sehen, so man will

"Forschungsbedarf sieht das Institut...." Wenn jetzt noch die notwendige Geldmittel damit verbunden sind, dann hat wohl die Alternativlosigkeit ein Ende.
Manfred

Re: Glyphosat-Diskussion

#1129

Beitrag von Manfred »

Forschen könnte man auch, ohne vorher noch mehr Schaden anzurichten.

Hätte man auch vor 5 Jahren können, als angeblich die ganzen Amphibien an Glyphosat krepiert sind.
Ich fürchte nur, die Forschungsmittel werden wieder in Richtungen investiert werden, die uns nicht vorwärts bringen, sondern die den richtigen Leuten Geld in die Taschen spülen.
Wildmohn

Re: Glyphosat-Diskussion

#1130

Beitrag von Wildmohn »

Nochmal eine Frage zur "Reinkultur" an die Agrarexperten: Wo genau ist der Unterschied zwischen Mono- und Reinkultur ?
Sind hektarweise bestellte Flächen, z.B. Raps oder Mais, in Deutschland Reinkulturflächen und in, z.B. Amerika, Monokulturflächen, weil nur ausschließlich dies Angebaut wird, während in D im darauffolgenden Jahr etwas anderes wächst?
Ist es für die z.B. Insekten von belang, jedes Jahr einer Reinkultur ausgesetzt zu sein, wenn nach der Blüte das große Fressen beendet ist?
Was ist der Unterschied von Reinkultur zur Monokultur?
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