Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Wildmohn

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#941

Beitrag von Wildmohn »

Rohana hat geschrieben: Kannst du "kapitalistisches Hamsterrad" und "artgerechte Innovation" genauer definieren? Durch die Gegebenheiten vor Ort haben wir (genau wie alle anderen, die an Land gebunden sind) einen relativ begrenzten Gestaltungsspielraum, aber das würde vermutlich eh jeden Rahmen eines Postings sprengen. Geht einfacher wenn du vorbeikommst ;)
Alles immer aufs System abzuwälzen ist übrigens zu einfach, vonwegen Druck macht blind. Es ist einiges theoretisch möglich, aber lange nicht alles bezahlbar(!), praktisch bzw. arbeitstechnisch umsetzbar und/oder wirtschaftlich (und anderweitig) sinnvoll.
Erstmal danke für Deine Erläuterungen. :) Jetzt kann man sich ein besseres Bild machen.
Das "kapitalistische Hamsterrad" ist genau das, was Du an Folgen spürst, wenn die Preise auf Grund marktwirtschaftlicher Interessen bis unter die Schmerzgrenze gedrückt werden. Hat man als Betrieb z.B. Schulden, die getilgt werden müssen, ist man schon im Hamsterrad drin. Das Kapital bestimmt den Markt und natürlich der Verbraucher, der im allgemeinen zu den billigsten Produkten greift.
Ich glaube, es gibt eine relativ hohe europaweite Selbstmordrate von Milchbaueren, die auf Grund des Preisdrucks verzweilfelt aus dem Leben geschieden sind...
Tja und die "artgerechte Innovation" wäre an Deinem Beispiel, dass den Kühen Weidewirtschaft zu gute käme und die Kälber entsprechend lang bei der Mutterkuh bleiben könnten, was sich logischer Weise entsprechend im Milchpreis niederschlagen müsste.
Unsere Gesellschaft ist aber noch sehr weit davon entfernt, für solche Produkte einen entsprechenden Betrag zu entrichten...
sybille
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Registriert: Mi 2. Nov 2011, 19:48

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#942

Beitrag von sybille »

Wildmohn, das ist sehr gut geschrieben!
Ich glaube, es gibt eine relativ hohe europaweite Selbstmordrate von Milchbaueren, die auf Grund des Preisdrucks verzweilfelt aus dem Leben geschieden sind...
Das ist leider so!
Unsere Gesellschaft ist aber noch sehr weit davon entfernt, für solche Produkte einen entsprechenden Betrag zu entrichten...
Das ist genau das Problem :bang: Leben wir länger und besser mit Handy, Smartphone ... als mit guten Lebensmitteln? Der Gesellschaft wird das so vorgegaukelt und alle galuben es :nudel:
Hühner sind Menschen wie Du und ich, nur das sie zur Hausordnung Hackordnung sagen.
centauri

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#943

Beitrag von centauri »

Ich bin eigentlich dafür, nur,
1. Wer Milchprodukte haben möchte halte er sich eine Kuh, Schaf oder Ziege.
2. Wer ein Ei haben möchte halte sich ein Huhn.
3. Wer Fleisch und Wurst möchte hält sich ein Schwein, Rind, Schaf, Ziege, Truthahn, Huhn, Ente, Meerschweinchen,
Kaninchen usw.usf..
Macht doch einfach! :aeh:

Edit: Darauf antwortet eh keiner weil da müsste man ja was machen!
@Ina Vieleicht könntest du jetzt mal keine Frage stellen und eine Antwort finden.
Benutzer 72 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#944

Beitrag von Benutzer 72 gelöscht »

centauri hat geschrieben:Edit: Darauf antwortet eh keiner weil da müsste man ja was machen!
na jaaaa - um darauf zu antworten, muss man mal nicht wirklich viel machen....
centauri hat geschrieben:@Ina Vieleicht könntest du jetzt mal keine Frage stellen und eine Antwort finden.
doch zuerst muss ich was fragen: Antwort auf welche Frage? :rot:
ich seh da eigentlich nur eine Herausforderung: "mach doch!"

weißt du, mein Traumberuf war/ist Bäurin - obwohl die Bauern, mit denen ich gearbeitet habe, immer korrigiert haben: "Du willst nicht Bäurin sein, sondern Bauer" weil ich vor allem die Männerarbeit getan habe.
Wenn ich ehrlich bin: es ist eine wunder-wunderschöne Tätigkeit, nur leider unmöglich (für mich), sich einen Hof zu erarbeiten.
hm

welche Antworten soll ich finden?

Ich esse echt wenig Fleisch, ich weiß so ungefähr, wielange es dauert, bis man ein Rindschnitzel am Teller haben kann.
Und ja, die Tiere leiden.
Es ist schwierig.....

Wir hatten Fische (Forellen) in unserm Teich. Leider ist das mit dem Wasserzufluß so eine Sache und weil ich auf keinen Fall will, dass die Fische eines schönen Sommertages alle sterben, weil schon wieder mal irgendwer durch den Bach gefahren ist, sodass kein Frischwasser mehr zu uns fließt. Wirklich viel Fische haben wir nicht gehalten, aber Füttern mussten wir nicht, weil sehr viel Kleingetier in unserm Teich lebt - so stell ich mir das eigentlich vor: nur selten Fleisch oder Fisch, zum Sattwerden pflanzliches.
Wir leben auch so :im:

Ich habe ein paar Jahre auf einem Milchviehbetrieb gearbeitet und das Zeugnis, das ich bekam, kann sich sehen lassen.
Diese Arbeit ist nicht schwer!!!!
nur wird man dabei schmutzig und man muss das Grundkapital (oder den Hof) mal irgendwo herkriegen.

Ich glaube ja, dass viel zu viel Fleisch/Eier gegessen, Milch getrunken wird.
nicht dass wir alle vegan leben sollten, aber ein bisschen weniger wäre dem Tierwohl sehr zuträglich.

Nur: bitte nicht jeder, der Milch trinken will, eine Kuh halten. Das wäre total verkehrt...
Wer Milch trinken will, muss sich mit anderen zusammentun und eine Rinderherde halten :aeh:
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Peterle
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#945

Beitrag von Peterle »

centauri hat geschrieben: .
.Macht doch einfach! :aeh:

Edit: Darauf antwortet eh keiner weil da müsste man ja was machen!
Wenn wir das so halten würden, dann wären wir nicht viel weiter als die anderen Primaten heute.
Bin ich Schuster, Maurer, Bäcker, Tischler, Bauer, Schlachter, Imker, Steinmetz ...

Und doch nutzt jeder von uns all das. Diese Ansatz kann wohl falscher nicht sein. Eine Verweigerungshaltung (esst mehr vegetarisch) ist auch keine Lösung. Weniger Nachwuchs in den Brennpunkten dieser Welt wäre sicherlich eher ein Weg aus dem Dilemma. Und Nachwuchs vermeiden hieße, dort ein ähnliches Niveau herstellen wir bei uns. Dann fällt der Zwang zum Nachwuchs ganz von allein weg.
Aber das wiederum hieße teilen und ein gerechtes Wirtschaftssystem. Wer will das denn schon?

Gruß

Peter
Benutzer 72 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#946

Beitrag von Benutzer 72 gelöscht »

Peterle hat geschrieben:Aber das wiederum hieße teilen und ein gerechtes Wirtschaftssystem.


Wer will das denn schon?
Der riesige Landwirtschaftsbetrieb, der mir freiwillg einen Teil seines Landes überlässt, damit ich dort der Aufforderung "mach selber!" folgen kann.... :haha: :pft:

sorry :flag:

im Ernst; Armut beginnt in den Entwicklungsländern dann, wenn die vielen Kleinbauern verschwinden und Großbetrieben Platz machen.
nicht jetzt, dass Arbeitsteilung grundsätzlich falsch wäre, aber irgendwas haben wir nicht richtig gemacht dabei....
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Peterle
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#947

Beitrag von Peterle »

...
Ich hab Quatsch gemacht
centauri

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#948

Beitrag von centauri »

Ich meinte ja nur.
Jeder ist z.B. auch gegen Atomkraft und Braunkohle, Strom hat aber auch jeder.
Fast keiner produziert seinen Strom autark.
Jeder möchte zu einer schöneren Welt kommen aber am liebsten mit einem SUV auf asphaltierten Strassen.
Wir holen unser glückliches Schwein auch bei Matte. Da spielen die 500 km auch keine Rolle.
Wir leben nun mal in einer Industriegesellschaft die natürlich auch ihre Schattenseiten hat.
Nur wenn ich immer im Schatten stehe weil ich mich dort hin stelle werde ich die Sonne nicht sehen.
Und wenn ich Thomas heißen würde, also ich meine Thomas/V dann würde ich mal beim Nachbarn vorbei schauen.
Ich rede ja auch mit unserem Bauern und sage ihm was mir nicht passt.
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Peterle
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#949

Beitrag von Peterle »

centauri hat geschrieben:Ich meinte ja nur.
Jeder ist z.B. auch gegen Atomkraft und Braunkohle, Strom hat aber auch jeder.
Fast keiner produziert seinen Strom autark.
Muss ich ja auch nicht, aber Biogasanlagen oder Windräder im Umfeld tolerieren müsste man mindestens übergangsweise.
Leider ist der Schwarmstrom ja scheinbar doch nicht so wirklich gewollt. Das wäre meiner Meinung nach eine der TOP- Lösungen. Und dann noch Wasserstoff als Energieträger.

Ich glaube wir sind uns einig, das Übel liegt nicht am Landwirt oder Viehzüchter, es liegt im Wirtschaftssystem und unseren Hirten.

Gruß

Peter
Rati
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#950

Beitrag von Rati »

sybille hat geschrieben:..Leben wir länger und besser mit Handy, Smartphone ... als mit guten Lebensmitteln? Der Gesellschaft wird das so vorgegaukelt und alle glauben es :nudel:
echt alle? Du etwa auch? ;)
Die Gesellschaft ist doch kein homogener Klumpen und mensch braucht auch nicht unbedingt trendyphob sein um vernünftig zu denken.
Ich habe zB Arbeitskollegen, die sowohl die neuste Smartphontechnologie und regionale Lebensmittel vom Markt feiern und den Eiern von meinen Hühnern immer den Vorrang geben.

Grüße Rati
Was ist ist! Was nicht ist ist möglich!"
[Einstürzende Neubauten 1996]
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