Chicoreewurzeln treiben

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Stieglitz
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Re: Chicoreewurzeln treiben

#11

Beitrag von Stieglitz » Do 1. Nov 2012, 20:30

….. und hier die Fortsetzung
… und abgedeckt mit alt gelagertem Kompost. In einer Woche gucken die Kolben.
… und abgedeckt mit alt gelagertem Kompost. In einer Woche gucken die Kolben.
Bild 3.jpg (49.96 KiB) 1652 mal betrachtet
Ins Wasserbad gestellt und abgedeckt mit einem Kübel. Später, so wie auf dem Bild, in den Keller gestellt. Nicht von oben wässern, sonst wird der Kompostsaft in die Blätter gespült und dann kann es faulen.
Ins Wasserbad gestellt und abgedeckt mit einem Kübel. Später, so wie auf dem Bild, in den Keller gestellt. Nicht von oben wässern, sonst wird der Kompostsaft in die Blätter gespült und dann kann es faulen.
Bild 4.jpg (49.84 KiB) 1652 mal betrachtet
Das wär`s

Gruss Stieglitz

Von wegen dem Radicchio weiss ich leider nicht Bescheid. Ich würd es versuchen. Der Termin für die Einpflanzung in einen Topf wäre ideal. Und immer schön von unten feuchten.

Sabi(e)ne
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Re: Chicoreewurzeln treiben

#12

Beitrag von Sabi(e)ne » Do 1. Nov 2012, 20:53

Du brauchst oben keine Erde draufmachen, stockdunkel und 16° und genug Wasser reichen.
Und je dicker die Wurzel, desto fetter der Sproß.
In der Gärtnerei mußte das Vlies immer draufbleiben, auch beim Ernten - 3min Licht reichen zum Grünwerden in 48std., immer sofort in Blaupapier.
Ich find, Chicoree gedämpft schmeckt wie Spargel.... :engel:
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Re: Chicoreewurzeln treiben

#13

Beitrag von hobbygaertnerin » Fr 2. Nov 2012, 08:01

Hallo Sabi(e)ne,
wie werden die Chicorees dann geerntet - mit Nachtsichtgeräten? In den Geschäften sind die Chicorrees in Plastiktüten den ganzen Tag in den Regalen dem Licht ausgesetzt, wie wirkt sich das auf die Inhaltsstoffe aus?
Wie funktioniert diese Treiberei im Wasser, ist das angewärmt und kann man sich das als eine Art Hydrokultur vorstellen?
Ich hätte gerne das Grün des Chicorees den Kaninchen gefüttert, ich hab aber gelesen, dass man die Chicoreepflanzen roden und etliche Tage auf einem Haufen lagern und dann erst das Grün abschneiden soll, damit die Wurzeln die Inhaltsstoffe aus den Blättern noch speichern können.
Für euch mag Chicoree ein einfach zu ziehendes Gemüse sein, mir erscheint diese Pflanze doch ihre Herausforderungen in sich zu haben.
Spargel, Schwarzwurzeln, schöner Kohl und Chicoree sind in meinen Augen die Pflanzen der hohen Schule des Gemüsegärtners.
Wie lange ist Chicoree und Radichiosaatgut lagerbar, hab ein Mitbringsel in Form von seltenen Sorten aus Italien bekommen und möchte diesen Schatz so lange wie möglich nutzen, aber nicht dass die Keimfähigkeit am Schluss vorbei ist.
@Stieglitz, danke für deine Bilder, da hätt ich wieder einiges verkehrt gemacht. Ich hab mir extra Behälter zugelegt, die hoch und einen dicht schliessenden Deckel haben, aber unten dicht sind.

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stoeri
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Re: Chicoreewurzeln treiben

#14

Beitrag von stoeri » Fr 2. Nov 2012, 09:48

Hallo Stieglitz,

vielen vielen Dank für die Anleitung das möchte ich nächstes Jahr umbedingt auch probieren.
herzliche Grüße
Erika mit Lux und Ricky im Herzen

Wenns nur olle so waradn, wia i sei soiad.

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Re: Chicoreewurzeln treiben

#15

Beitrag von Sabi(e)ne » Fr 2. Nov 2012, 10:02

Moin,
geerntet wird in erster Linie "schnell" :lol: .
In der Gärtnerei kamen die Wurzeln dicht an dicht mit sehr wenig Kompost dazwischen in 25cm hohe stapelbare grobe Holzpaletten( nicht wasserdicht), und dann wasserdurchlässiges Schwarz-Vlies drauf.
Wasser lief da einmal pro x Stunden drüber/durch, Menge keine Ahnung, warm mit Sicherheit nicht.
Gelagert wurden die Stapel mit Datumsschildern im dunklen Kühlhaus bei 16°.
Nach 15-18 Tagen Palette auf Arbeitshöhe abgestellt, vorher schon Kisten mit Blaupapier ausgeschlagen, und dann meist zu viert (weil schnell) reihenweise über einer Reihe das Vlies abgezogen und dann die Sprosse blitzschnell abgeschnitten, geputzt, und in die Kisten - bei 3kg/Kiste ging das wirklich sehr schnell, dann waren sie im dunklen Papier. Belichtungszeit unter 2 Minuten.
Chicoree hat 2 böse Eigenarten: bei Verletzungen wird die Stelle innerhalb von Minuten dunkel (deshalb BW-Handschuhe beim Ernten! Fingernägel machen gern mal Macken rein), und manche Chargen hatten einen Schleimpilz - den haben sie sich aber schon als Pflanze eingefangen.
Da versaute eine infizierte Wurzel eine ganze Pflanzkiste, und alles war matschig.
Besonders die rote Sorte war sehr anfällig dafür, aber der höhere Preis haute das wieder raus.
Nicht-Biobetriebe ziehen wohl auch komplett ohne Erde, aber davon hab ich keine Ahnung.

Grundsätzlich finde ich Chicoree und Spargel nicht so schwer, außer daß beides viel, viel Arbeit macht, und man sehr gutes Timing braucht. Die Ladenpreise sind ein Witz, wenn man weiß, was alles dranhängt...
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Re: Chicoreewurzeln treiben

#16

Beitrag von Stieglitz » Fr 2. Nov 2012, 10:08

Hallo hobbygärtnerin,

Das System mit dem Eternithafen und dem Plastikkübel hat sich bei mir so ergeben. Die beiden Gefässe passen zufällig gerade ineinander. Der Plastikkübel liegt auf der äussern Kante des Hafens auf und vermacht einwandfrei gegen Licht, weil sich auch noch ein gutes Stück über die Hafenkante nach unten erstreckt. Der Eternithafen steht im Naturkeller auf einem Eternituntersatz direkt auf der Erde. Da kann man am Anfang das Wasser in den Untersatz geben. Später, wenn die Spitzen vom Chicoree draussen sind, kann man schon vorsichtig von oben feuchten, ohne dass Fäulnis entsteht.

Ob man mit Erde abdeckt, mit altem Kompost, mit Sand oder überhaupt nicht abdeckt, ist jedem selber überlassen.

Meine Tante machte den Brüsseler im Felsenkeller(Sedimentsgestein) hinter dem Haus. Dort war es stockfinster, immer die gleich kühle Temperatur, und Luftfeuchtigkeit war auch immer vorhanden. Sie brauchte die entkrauteten Pflanzen nur noch in den vorhandenen Sand einschlagen, ohne Abdeckung und Feuchtung. Das Resultat aus dem Sand war natürlich nicht so üppig, wie dasjenige auf meinem Bild. Wer dicken Chicoree haben will, muss natürlich auch gutes Substrat nehmen. Der Industrie-Chicoree bezieht seine Nährstoffe hauptsächlich aus der Wurzel. Ernten tut man den Chicoree durch einfaches abdrehen des Kolbens. Er hat so etwas wie eine "Sollbruchstelle".

Ein Phänomen für mich sind die sehr vielen ganz feinen, weissen Luftwurzeln, die im Laufe der Kultivierung nach oben kommen. Wurzeln nehmen in der Regel etwas auf. Ist es einfach nur Feuchtigkeit oder aber auch Nährstoff aus der Luft? Kann mir dazu jemand etwas sagen?

Auch der Lauch wurde im Sand eingeschlagen und dabei gebleicht. Randen, Rettiche, Kohl und Kabis fanden da Aufnahme für den Winter – und natürlich die Runkel-Rüben für die Kaninchen.

Um Weihnachten/Neujahr herum gab es den ersten Brüsseler-Chicoree-Salat. Für uns Kinder war er, vor über 60 Jahren, „exotisch“ und sehr lecker. Wir hatten ja zu Hause keinen Felsenkeller.

Heute kauft man den Brüsseler-Chicoree für einen Pappenstiel im Lebensmittelmarkt, und eigentlich lohnt sich eine Produktion, wie ich sie mache, überhaupt nicht mehr. Idealist muss man eben sein !

Gerne hätte ich Dir ein Video Clip geschickt vom motorisierten Kompostsieb. Leider kann ich den Film nicht ins Forum stellen, weil nur 256 KB zugelassen sind. Der Video Clip hat aber 3.12 MB.

Grüsse Stieglitz

…. und wer wissen will, wie Chicoree heute im grossen Stiele angebaut wird, der schaue mal hier
hinein.

http://www.gampergemuese.ch/xml_1/inter ... 10/f21.cfm

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Re: Chicoreewurzeln treiben

#17

Beitrag von Olaf » Fr 2. Nov 2012, 10:47

Moin,
ich les hier die ganze Zeit interesssiert mit.
So wie ich das gemacht habe hab ich den wirklich in Sand eingeschlagen, dachte, es geht nur um die Feuchtigkeit und da wo icgh das las stand ausdrücklich Sand.
Wenn ich diesmal anständige Erde nehme, krieg ich ja vielleicht so richtig dicke Monster. :)
Was aus Deinem Link da noch raus zu lesen ist, es gibt scheinbar sehr verschiedenene Sorten, was den Treibzeitpunkt betrifft.
Sehr interessant, muss mal drauf achten, ob da auf den Samentüten Hinweise dazu stehen.
Vielen Dank.
Olaf
Eigentlich bin ich ein netter Kerl.
Wenn ich Freunde hätte, könnten die das bestätigen.

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Re: Chicoreewurzeln treiben

#18

Beitrag von hobbygaertnerin » Fr 2. Nov 2012, 17:15

Hallo Sabi(e)ne,
ich hab schon das Gefühl, dass es ganz einfache Gemüsarten gibt und schwierigere Arten.
Letztes Jahr hab ich wunderbare Romanescoköpfe ernten können, ebensolche schönen Brokolies, heuer haben Mäuse und irgendwelche Raupen die Ernte verhindert,
bei den 3 Sorten Spargel mag nicht jede Sorte jedes Jahr gleich.
Die schönen grossen Gemüsezwiebeln lassen auch noch auf sich warten, aber ich krieg schöne Paprika und Auberginen hin.
Letztes Jahr hatte ich Artischocken im Übermaß, heuer liessen sie sich mit dem Knospen ganz schön Zeit.
Dafür hatte ich heuer eine tolle Salat, Gurken und Tomatenernte, ebenso steht einiges an Wintersalaten draussen und auch die Chicoree´s sehen gut aus, selbst mit der Anzucht in den Papprollen.

@Stieglitz, rein vom rechnerischen wären sicher viele Dinge im Leben besser nicht anzufangen, aber zum Glück muss sich auch nicht alles rechnen. :)
Ich versuche jedes Jahr ein bis..... neue Sorten bzw. Gemüsearten neu auszuprobieren, von der Handhabung im Garten bis zur speisefertigen Ausrichtung auf dem Teller meist ein spannender Weg.
Uns seit ich mich mit Kompost näher befasse, auch genug davon zu haben versuche- und dieses alte Wissen mit dem was ich bisher schon wusste verbinden kann,
macht die Gartenarbeit in Verbindung mit meinen Hochbeeten nur noch einen Bruchteil der Mühe und Arbeit.

Wegen Kompostviedo, ich schick dir eine private Mitteilung.
Gruss
hobbygaertnerin

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Re: Chicoreewurzeln treiben

#19

Beitrag von Stieglitz » So 4. Nov 2012, 10:44

Hallo Sabi(e)ne,
Du scheinst im gewerblichen Chicoree-Anbau bewandert zu sein.

Meine Erfahrung reicht bloss zum Hausgebrauch, – und diese wiederholt sich meistens jährlich in der gleichen Manier. Der Arbeitsaufwand vom sähen bis zur Ernte ist eigentlich zu gross, aber wenn man die schönen gelben Kolben vor sich hat, wenn es draussen weiss und kalt ist, pflanzt man halt das nächste Jahr wieder.

Hallo Olav,
Du schreibst nichts darüber, ob dein Chicoree im Sand Erfolg hatte. Hast Du den Sand beim Verarbeiten in der Küche herausbekommen oder hat es vielleicht ein ungerades Mal geknirscht zwischen den Zähnen?

…… noch etwas zur Grösse der Chicoree-Kolben, die man treiben möchte.

Industrielle Treibung
Hier wird maschinell gesät und geerntet. Die Pfahlwurzeln werden auf ein Norm-Mass abgeschnitten, damit diese in den Treibrahmen passen. Hier geht natürlich viel Energie und Materie für die zukünftigen Kolben verloren. Deshalb sind die gekauften Chicorees auch eher klein und einheitlich in der Grösse. Der Markt verlangt das so.

Private Treibung
Die Pflanzen werden auf Schale gesät, in Töpfchen pikiert (siehe Bild 1) und dann nach draussen gesetzt. Man kann ruhig etwas mehr Platz lassen in der Reihe als auf dem Bild ersichtlich ist. Die Pflanzen werden natürlich aus den Töpfchen herausgenommen zum Setzen.
Bild 1.jpg
Bild 1.jpg (55.03 KiB) 1589 mal betrachtet
So entsteht bis im Herbst eine Pflanze mit einem Wurzelpaket(keine Pfahlwurzel), das die Energie in die Kolben abgeben kann. Die entkrauteten Pflanzen lassen sich so für die Treibung besser in Gefässe mit wenig Tiefgang verpflanzen. Die ganze Energie ist so aber noch vorhanden.
Bild 6.jpg
Bild 6.jpg (50.57 KiB) 1589 mal betrachtet
Wenn man noch weiter etwas für das Wachstum tun will, kann man das mit Hilfe des Substrates tun.

Kein Substrat
Pflanze nimmt auf, was in den Wurzeln steckt, - eher magere Kolben.

Sand
Pflanze nimmt zusätzlich vielleicht noch etwas Mineralien auf.

Alt gelagerten Kompost
Pflanze wird zusätzlich getrieben - ergibt schöne dicke Dinger.
Bild 5.jpg
Bild 5.jpg (37.27 KiB) 1589 mal betrachtet
Natürlich kann man auch das Pflanzgefäss mit unterschiedlichem Substrat bestücken, z.B. unten hinein Kompost und obendrauf Sand oder umgekehrt. Mit Sand oben drauf besteht die Gefahr, dass der Chicoree-Salat noch etwas Sand enthält.

Ich wünsche Dir und allen, die einen Versuch wagen im nächsten Frühling, ein geschicktes Händchen und viel Glück.

Grüsse Stieglitz

Sabi(e)ne
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Re: Chicoreewurzeln treiben

#20

Beitrag von Sabi(e)ne » So 4. Nov 2012, 11:33

:) Stieglitz, ich hab nur einen Winter in einer Biogärtnerei gearbeitet, und da war die Hauptarbeit eben Chicoree und Rosenkohl und Kresse und Radieschen und Feldsalat.
Niedriger Spaßfaktor, weil sooo kalt, aber ich hab viel gelernt. :engel:

(und die ganz kleinen unverkäuflichen Gemüse sind die leckersten :mrgreen:)
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