Beefmaster und die Lasater-Philosophie

grubenreiner
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Re: Beefmaster und die Lasater-Philosophie

#11

Beitrag von grubenreiner » Di 6. Jan 2015, 09:52

sehr sehr interessant, Danke.

matt23
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Re: Beefmaster und die Lasater-Philosophie

#12

Beitrag von matt23 » Di 6. Jan 2015, 14:57

Danke Manfred fürs einstellen. Wirklich sehr interessant :daumen: Vor allem das Bild der Mashona-Kuh mit Kalb ist beeindruckend!
Worüber ich mir jetzt schon die ganze Zeit Gedanken mache, ist die Bestandsergänzung. Wir diskutieren das in der Milchviehhaltung ja regelmäßig, weil das je nach betrieblicher Ausstattung und Intensität, einer der großen Kostenpunkte ist. Bei der Bestandsergänzung ist weniger eben oft mehr. Und ältere Kühe sind in der Regel profitabler als Kühe die nach dem 1. oder 2. Kalb schon zum Schlachten gehen. Deswegen rückt ja die Lebensleistung bzw. Milchleistung je Lebenstag immer mehr in den Mittelpunkt.
Wenn die Lasaters jedes Jahr 80% der weiblichen Kälber zur Nachzucht behalten, entspricht das einer Remontierung von 40%. Das scheint mir sehr viel zu sein (In der Milchviehhaltung haben wir im Schnitt ca. 30%). Aber vermutlich werden die auch einige Kühe/ Rinder zur Zucht verkaufen? Das müsste man dann wieder bereinigen. Was sind denn übliche Remontierungsraten in der Mutterkuhhaltung?
Eine scharfe Selektion ist mit Sicherheit wichtig, um einen schnellen Zuchtfortschritt zu erreichen. Allerdings setzt das auch eine breite Auswahl an Nachkommen voraus. Das ist halt besonders für die kleineren Betriebe mit wenigen Kühen bzw. Kälbern schwierig. Und wenn nur einzelne Deckbullen eingesetzt werden ist eben auch das Risiko größer, dass da einer mal komplett versagt und nur schwache Nachkommen hervorbringt, von denen man besser keines nachzieht.
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Manfred
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Re: Beefmaster und die Lasater-Philosophie

#13

Beitrag von Manfred » Di 6. Jan 2015, 15:51

Ja. Keine Frage. Das ist ein Zuchtvieh-Betrieb da rechnet sich die hohe Erneuerungsrate anders als bei einem reinen Fleischerzeugungsbetrieb. Zumal unter US-Bedingungen. Und die Kosten für die Aufzucht einer Färse auf der Weide sind idR deutlich niedriger als die arbeitsaufwändige Aufzucht von Milchvieh-Nachwuchs mit MAT und Kraftfutter usw. im Stall.
Da muss jeder für seinen Betrieb das optimale Maß finden.
Die meisten Mutterkuhbetriebe scheinen remontierungsraten von 20% bis 30% zu haben.

Über die Möglichkeiten in der Milchviehhaltung denke ich ja auch immer wieder mal nach.
Ein großes Problem sehe ich in der deutschen und europäischen Bürokratie, die alle Rinder über einen Großvieheinheiten-Kamm schert.
Da zählt eine 475 kg Neuseeland-Milchkuh genauso als eine Großvieheinheit wie ein 750 kg HF-Milchkamel.
Egal ob es um das Nährstoffsaldo oder um die vorgeschriebene Mindeststallfläche pro Kuh geht usw. usw.
Fachlich völliger Unsinn, aber in diesem Umfeld müssen unsere Milchviehbetriebe leider vegetieren.
Wäre das nicht der Fall, wäre es auch bei uns, zumindest in den Grünlandregionen, deutlich attraktiver auf hocheffektive Grundfutterverwerter statt auf mögl. viel Kraftfutterdurchsatz pro Kuh zu setzen. Ich bin eh der Überzeugung, dass heute schon viele Betriebe mit 3000-Liter-Neuseelandkühen oder kleinen Fleckviehkühen, saisonaler Abkalbung und der Konzentration auf das betriebseigene Grundfutter wirtschaftlich besser dran wären als mit den Milchkamelen. Man müsste halt billige Liegehallen bauen, um die Platzvorschriften einzuhalten und bräuchte einen Betriebsstandort mit relativ niedrigen Pachtpreisen; beides wegen der Großvieheinheiten-Bürokratie.
Aber selbst wenn man vorher sehr genau rechnet, wäre es ein extrem mutiger und riskanter Umstellungsschritt für einen Milchviehbetrieb.
Selbst wenn wir wegen der fallenden Ölpreise evtl. erst mal eine Deflation erleben. Spätestens wenn der Ölpreis wieder hochgeht werden den Milchviehbetrieben die Kosten noch stärker davonlaufen als bisher. Und die internationale Konkurrenz produziert deutlich billiger.

Was die Bullen angeht: Ich überlege zukünftig nur noch einjährige einzusetzen. Entweder meine zwei bis 3 Besten des vorherigen Jahrgangs, oder einen etwas älteren Zukauf- oder Leihbullen zur Blutauffrischung und dazu einen eigenen zum Ausputzen. (Jungbullen neigen ja dazu, den ganzen Tag ihrer Lieblingskuh nachzulaufen und dabei zu übersehen, dass gerade noch eine rindert...) Und danach weg zum Schlachten oder Weiterverkauf an einen anderen Haltungsbetrieb.
Dann habe ich keine Überwinterungskosten für einen Altbullen (schon dafür kann ich ja mind. eine zusätzliche Kuh halten) und dadurch, dass mind. 2 Bullen zum Einsatz kommen, sinkt auch das Risiko, dass ein Jahrgang nur schlechten Nachwuchs hervorbringt oder der Bulle evtl. ganz unfruchtbar ist.

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Re: Beefmaster und die Lasater-Philosophie

#14

Beitrag von matt23 » Di 6. Jan 2015, 16:32

Ich denke auch, dass wir uns in Zukunft noch stärker auf die Grundfutterqualität konzentrieren müssen. Das ist das A und O in der wirtschaftlichen Haltung von Raufutterfressern (egal ob Rind, Schaf oder Ziege). Eine Kostenreduzierung wird bei sinkenden Milch-/Fleischpreisen ohnehin notwendig sein um überleben zu können. Da muss aber jeder Betrieb seinen individuellen Weg finden. Da kann man schwer pauschalieren, weil die individuellen Voraussetzungen immer unterschiedlich sind.
Die besten Kühe sind meiner Meinung nach robust, fruchtbar, langlebig und haben eine gute Futterverwertung. In der Regel sind das tatsächlich eher die kleineren Tiere, die in einer Herde kaum auffallen. Bei den großen "Schaukühen" ist der Aufwand oft in keinem Verhältnis zum Ertrag (ausgenommen vielleicht Spitzen-Zuchtbetriebe, die viel Geld mit ihrer Genetik verdienen). Nur lässt man sich oft auch leicht von Zahlen blenden (Milchleistung, Zuchtwert, Auktionspreis ...).
Manfred hat geschrieben:Was die Bullen angeht: Ich überlege zukünftig nur noch einjährige einzusetzen. Entweder meine zwei bis 3 Besten des vorherigen Jahrgangs, oder einen etwas älteren Zukauf- oder Leihbullen zur Blutauffrischung und dazu einen eigenen zum Ausputzen.
Das ist mit Sicherheit eine der günstigeren Lösungen. Aber um Inzucht zu vermeiden musst du ja dann die Herde unterteilen. Kommt halt immer drauf an, wie so etwas umzusetzen ist.
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Re: Beefmaster und die Lasater-Philosophie

#15

Beitrag von Manfred » Di 6. Jan 2015, 16:46

Besorg dir evtl. mal das Buch "Linienzucht mit Kuhfamilien".
Könnte dich interessieren.

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Re: Beefmaster und die Lasater-Philosophie

#16

Beitrag von Steppenwolf » Di 6. Jan 2015, 17:10

Wir produzieren hier in Europa immer noch viel zu teuer Fleisch und Milch mit riesengroßen Tieren. Weil alle mit Milchertrag oder Fleischertrag pro Tier rechnen. In anderen Ländern rechnen sie mit Ertrag pro Fläche, und da sind meist die kleineren Rassen von Vorteil, siehe Neuseeland mit sehr leichten Holsteinkühen und Jerseys und deren Kreuzungen. In der Fleischrinderhaltung kann ich auch mit kleineren Müttern mehr Kälber pro Fläche erzeugen, und mit einer schweren Fleischrasse auf Vaterseite hohe Zunahmen zu haben und auch den Heterosiseffekt auszunützen.

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Re: Beefmaster und die Lasater-Philosophie

#17

Beitrag von matt23 » Di 6. Jan 2015, 17:39

Manfred hat geschrieben:Besorg dir evtl. mal das Buch "Linienzucht mit Kuhfamilien".
Könnte dich interessieren.
Danke für den Tipp! Werd mir das mal noch genauer anschauen.
Steppenwolf hat geschrieben:Wir produzieren hier in Europa immer noch viel zu teuer Fleisch und Milch mit riesengroßen Tieren. Weil alle mit Milchertrag oder Fleischertrag pro Tier rechnen. In anderen Ländern rechnen sie mit Ertrag pro Fläche, und da sind meist die kleineren Rassen von Vorteil, siehe Neuseeland mit sehr leichten Holsteinkühen und Jerseys und deren Kreuzungen.
Du hast Recht. Der Flächenertrag muss stärker berücksichtigt werden!
Steppenwolf hat geschrieben: In der Fleischrinderhaltung kann ich auch mit kleineren Müttern mehr Kälber pro Fläche erzeugen, und mit einer schweren Fleischrasse auf Vaterseite hohe Zunahmen zu haben und auch den Heterosiseffekt auszunützen.
Ja, da ist sicher Potenzial vorhanden. Nur dürfen die Väter auch keine zu großen Kälber machen, so dass es zu Schwergeburten kommt. Hast du da evtl. Erfahrungen?
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Re: Beefmaster und die Lasater-Philosophie

#18

Beitrag von Manfred » Di 6. Jan 2015, 17:53

@Steppenwolf:
Ja. Genau darum geht es in dieser Diskussion.
Im Prinzip kommt es auf die Effektivität der Umsetzung von Futter in Produkt (Milch/Fleisch) an, nicht auf die Milchleistung oder Tageszunahme des Einzeltieres.
Leider wird dieser Effekt hierzulande durch hohe Bürokratie- und sonstige Kosten pro Einzeltier verfälscht, und durch Vermarktungswege, die auf eine bestimmte Tiergröße eingerichtet sind.
Wenn der Schlachtbetrieb die kleineren Tiere durch einen deutlich niedrigeren Preis pro kg bestraft, ist der wirtschaftliche und ökologische Vorteil der effektiveren Futterverwertung schnell aufgezehrt. Davon können viele Hochlandrinder- und Zwergrassenhalter ein Lied singen...
Und wenn die Bürokratie Kosten pro Tier statt pro Menge entstehen lässt (Mindestfläche für Stallplatz unabhängig von der Tiergröße, angerechnete Stickstoffmenge unabhängig von der Tiergröße, Ohrmarken, Tierseuchenkasse, Pflichtuntersuchungen, pauschale Buchwerte usw. usw. alles pro Tiere, unabhängig von der Größe) dann gerät die kleine, effektive Kuh ebenfalls ins Hintertreffen.

Wenn man dann Einzeltier-Outputleistungen vergleicht unter völliger Vernachlässigung des Input, wie es sich aus nicht mehr richtig nachvollziehbaren Gründen überall in der Bewertung von Zuchttieren eingebürgert hat, dann sortiert man gerade die effektiven Tiere aus und selektiert stattdessen (wohl großteils unbewusst) auf ineffektivere Tiere mit maximaler Körpergröße.

Ein mit Kraftfutter aufgeblasener Schaubulle zeigt nicht mehr und nicht weniger, als dass er gut mit Kraftfutter aufzublasen war.
Das mag wichtig sein, wenn man selbst seine Tiere mit Kraftfutter aufblasen will.
Aber was hilft mir diese Information? Gar nichts. Ich will effektive Grundfutterleistung. Ob ein Tier diese liefert, sehe ich nur, wenn es nie Kraftfutter erhalten hat.
Bullenschauen sind für mich also nur Unterhaltungsprogramm. Betrieblich bringen sie mich nicht weiter. :aeh:

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Re: Beefmaster und die Lasater-Philosophie

#19

Beitrag von Manfred » Di 6. Jan 2015, 18:04

matt23 hat geschrieben: Ja, da ist sicher Potenzial vorhanden. Nur dürfen die Väter auch keine zu großen Kälber machen, so dass es zu Schwergeburten kommt. Hast du da evtl. Erfahrungen?
Guck mal da:
http://www.landtreff.de/fotogene-rinder-t78406-60.html
Auf Seite 5, der Beitrag von flower-bauer am 31. Dezember.
Die Kühe müssten Hinterwälder sein, evtl. auch Vorderwälder. Vater Angus. Sind doch ganz ansehnliche Kälber.
Problem ist halt, dass die ein Mäster wieder nur mit Abschlag kaufen wird...
Also am besten selbst fertig füttern oder als Babybeef schlachten direkt vermarkten.

Wenn die Kreuzung halbwegs vernünftig ist (also nicht WBB auf Dexter oder Zwergzebu...) und ein färsentauglicher Bulle eingesetzt wird, sollten auch die kleinen Kühe keine Probleme haben.

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Re: Beefmaster und die Lasater-Philosophie

#20

Beitrag von matt23 » Di 6. Jan 2015, 19:40

Manfred hat geschrieben:Guck mal da:
http://www.landtreff.de/fotogene-rinder-t78406-60.html
Auf Seite 5, der Beitrag von flower-bauer am 31. Dezember.
Die Kühe müssten Hinterwälder sein, evtl. auch Vorderwälder. Vater Angus. Sind doch ganz ansehnliche Kälber.
Danke für den Link. Das scheinen tatsächlich Hinterwälder x Angus Kälber zu sein (steht auf einer der vorherigen Seiten). Insgesamt viele schöne Bilder, auch von dir :kuuh:
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