Der zweite trockene Sommer in Folge?

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emil17
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Re: Der zweite trockene Sommer in Folge?

#181

Beitrag von emil17 » Do 30. Apr 2020, 18:24

Es ist gerade eine Eigenschaft alter "samenfester" Landsorten, dass das Saatgut genetisch uneinheitlich ist. Das ist lästig, wenn man maschinell anbauen und ernten will, aber es bedeutet eben auch, dass nicht alle Pflanzen auf Stress gleich reagieren.
Anpassung bedeutet hier im Kontext wohl, dass durch dauernde Auslese lokal sehr gut angepasste Sorten entstanden sind. Es meint wohl eher nicht, dass die Pflanze während ihrere Entwicklung ihre Ansprüche ändern kann.
Abgesehen davon beisst sich "Höchstertrag unter idealen Bedingungen" mit "stresstolerant". Eine Sorte, die unter schlechten Bedingungen noch Ertrag liefert, liefert eben keine Höchsterträge.

Eine kleine Frage hierzu: Meine gepflanzten Kirschbäume sind von Läusen befallen, drumrum gibts überall Wildkirschen, die keine haben. Warum wohl?
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Till
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Re: Der zweite trockene Sommer in Folge?

#182

Beitrag von Till » Do 30. Apr 2020, 19:47

ina maka hat geschrieben:
Do 30. Apr 2020, 17:45
Der Vorteil "alter Sorten" ist doch nicht, dass sie bei "guter" Düngung und "gutem" Pflanzenschutz gleichviel Ertrag bringen wie die neuen Sorten. :lol:
Der Vorteil ist doch die robustheit und die Fähigkeit, sich anzupassen (samenfeste)
Somit kann der im Langzeitversuch beobachtete Ertragszuwachs nicht primär durch den Züchtungsfortschritt erklärt werden.
(aus Rohanas link)

Fragt sich nur, wozu man dann "die neuen Sorten" gezüchtet hat?? :hmm:
Den alten Sorten fehlen die durch Einkreuzen und Auslesen extrem aufwendig hineingezüchteten Resistenzen (die Erbanlagen). Deshalb schneiden sie bei guter Versorgung und reichlich Pflanzenschutz noch ähnlich gut ab, wie moderne Sorten. Bei Verzicht auf Pflanzenschutz verlieren die alten Sorten massiv.
Je mehr Stress man den alten Sorten macht (fehlendes Wasser, Dünger, Wetter), desto größer werden die Unterschiede.
Die modernen Weizensorten sind durch die Resistenzzüchtung genetisch viel breiter aufgestellt, was dazu führt, daß sie unter einer Vielzahl herausfordernder Umstände noch gute Erträge liefern, während die alten Sorten nur bei guter Düngung und reichlich Pflanzenschutz mithalten können (also dann, wenn wesentliche Stressfaktoren ausgeschaltet sind).

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Re: Der zweite trockene Sommer in Folge?

#183

Beitrag von Till » Do 30. Apr 2020, 20:00

emil17 hat geschrieben:
Do 30. Apr 2020, 17:52
Es hat damit zu tun, dass Sortenzucht ein Geschäft ist und niemand Sorten für Grenzertragsböden züchtet oder solche, die ganz ohne alles auskommen. Denn Leute, die solche Böden bebauen (müssen), haben kein Geld.
Es gibt schon etwas, das dem nahe kommt. Es nennt sich Ökolandbau und da wird jede Menge Geld verdient.

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Re: Der zweite trockene Sommer in Folge?

#184

Beitrag von Rohana » Do 30. Apr 2020, 20:32

Auch im Ökolandbau gibt es Pflanzenschutz ;) die Leute die Grenzertragsstandorte bewirtschaften die freuen sich übrigens auch darüber dass es Düngung und Pflanzenschutz gibt, sonst würde man diese Äcker nämlich wieder zu Weide machen (müssen). Fragt sich halt auch warum anderswo beste Böden mit Industriegebieten vollgepflastert werden... :ohm:
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Re: Der zweite trockene Sommer in Folge?

#185

Beitrag von Wildmohn » Do 30. Apr 2020, 20:57

@Rohana:
Da stellt sich einem die altbekannte Frage: Pest oder Cholera?
Ich habe mich für den aussichtsreicheren Befall entschieden: Cholera!
Die Überlebenschancen im allgemeinen sind da einfach besser.
Ansonsten: Wenn bester Ackerboden zugepflastert wird ist das einfach nur empörend! Ich kann Deinen Ärger sehr gut nachvollziehen...
Neues Schaffen heisst Widerstand leisten. Widerstand leisten heisst Neues schaffen. (Stéphane Hessel)

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Re: Der zweite trockene Sommer in Folge?

#186

Beitrag von emil17 » Fr 1. Mai 2020, 08:19

Wenn ein simpler Parkplatz schon mehr Rendite abwirft als ein Acker, dann macht man eben Parkplätze, auch wenns schade ums Land ist ... Nennt sich Kapitalismus.
Wenn man dann merkt, dass da irgendwas schief läuft, werden nicht die zur Kasse gebeten, die vorher mit der Umwidmung von Kulturland Geld gemacht haben, sondern alle, die sich nicht vor den Allgemeinkosten drücken können.

Zu Till: Ich teile deine Ansicht nicht. Gezüchtet wird auf das, was für den wirtschaftlichen Erfolg einer Sorte wesentlich ist. Wenn sich die Sorte dann nur mit sehr viel Pflanzenschutz anbauen lässt, dann ist das eben so.
Es ist ja nicht ganz uneigennützig, dass sich Agrokonzerne Rechte an alten Sorten sichern wollen, um genetische Grundlagen für Weiterzucht zu haben.
Wie bereits gesagt, Sorten, die auf mageren Böden mit (aus Sicht der modernen Landwirtschaft) ungenügender Düngung (da mehr Düngeaufwand durch mehr Ertrag mehr als ausgeglichen würde) noch sicheren Ertrag bringen, können unter Intensivbedingungen nicht Höchsterträge bringen.

[ironie]Dass man mit Ökolandbau viel Geld verdient, ist doch in Ordnung. Kauf dir nen Biohof und werde reich.

Zu tun gibts fast nix, die Nützlinge halten die Schädlinge unter Kontrolle, alles wächst gesund und im Einklang mit der Natur, die Nährstoffkreisläufe sind geschlossen, Unkraut gibts schon per Definition nicht, und Bodenbearbeitung brauchts auch keine. Die Tiere gehen von selbst auf die Weide, fressen von selbst, und gehen wieder alleine zurück in den Stall, also ist auch das fast ein Selbstläufer.[/ironie]
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Re: Der zweite trockene Sommer in Folge?

#187

Beitrag von Rohana » Fr 1. Mai 2020, 11:38

emil17 hat geschrieben:
Fr 1. Mai 2020, 08:19
Zu Till: Ich teile deine Ansicht nicht. Gezüchtet wird auf das, was für den wirtschaftlichen Erfolg einer Sorte wesentlich ist. Wenn sich die Sorte dann nur mit sehr viel Pflanzenschutz anbauen lässt, dann ist das eben so.
Da hast du aber nicht gründlich hingeguckt. Wirtschaftlich ist was mit einem Minimum an Pflanzenschutz auskommt und Dünger effektiv nutzt, denn sowohl das eine als auch das andere kosten Geld in der Beschaffung und Ausbringung. Was nützt es denn wenn ich eine Kultur super intensiv fahre, wenn der Mehrertrag durch die Mehrkosten aufgefressen wird? Richtig, gar nichts.
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Re: Der zweite trockene Sommer in Folge?

#188

Beitrag von emil17 » Fr 1. Mai 2020, 13:40

Rohana hat geschrieben:
Fr 1. Mai 2020, 11:38
Wirtschaftlich ist was mit einem Minimum an Pflanzenschutz auskommt und Dünger effektiv nutzt, denn sowohl das eine als auch das andere kosten Geld in der Beschaffung und Ausbringung.
Js, das erzählt mir auch jedes Hochglanzprospekt ... genauso wie die Wirtschaft nur dazu da ist, volkswirtschaftliche Güter allen verfügbar zu machen (das stammt nicht von mir).
Praxis und überall zu sehen ist aber, dass viel gedüngt und gespritzt wird. Bei uns hat es im Tal viel Weinbau und Obst-Intensivkulturen.
Entweder werfen die alle ihr Geld zum Fenster raus, haben alle unpassende Sorten oder aber, und das dürfte der Fall sein, die marktgängigen Sorten brauchen zwar viel Aufwand, liefern aber dennoch unter Intensivanbau trotz Mehrkosten die höheren Erträge (gemessen in euro), und was ins Grundwasser und sonst in die Umwelt gelangt ist entweder ok, da zugelassen, oder der Konsument will es so.
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Re: Der zweite trockene Sommer in Folge?

#189

Beitrag von Rohana » Fr 1. Mai 2020, 17:03

Wie kommst du denn dazu Obst und Wein mit Getreide zu vergleichen? :aeug: das ist ja noch n bisschen mehr als die sprichwörtlichen Äpfel und Birnen voneinander entfernt.
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Re: Der zweite trockene Sommer in Folge?

#190

Beitrag von emil17 » Fr 1. Mai 2020, 18:56

Rohana hat geschrieben:
Fr 1. Mai 2020, 17:03
Wie kommst du denn dazu Obst und Wein mit Getreide zu vergleichen? :aeug: das ist ja noch n bisschen mehr als die sprichwörtlichen Äpfel und Birnen voneinander entfernt.
wegen dem
"Wirtschaftlich ist was mit einem Minimum an Pflanzenschutz auskommt und Dünger effektiv nutzt, denn sowohl das eine als auch das andere kosten Geld in der Beschaffung und Ausbringung." Das müsste doch für all Kulturen gelten ...

Im Weinbau gibts Fortschritte, weil da der Ertrag pro Fläche begrenzt wird, um die Qualität zu verbessern. Als willkommene Nebenwirkung geht dabei die Biodiversität der Flächen nach oben.
Beim Obst ist es ganz finster, was ein Fleckchen hat wird in ertragreichen Jahren nicht mal mehr vom Feld genommen.
Bei Gemüse, vor allem bei Frühgemüse, kontrollieren die Abnehmer den maximalen Nitratgehalt, denn würde man die Produzenten machen lassen, wäre der jenseits von allem. De facto wird da oft nitrathaltiges Wasser zum Preis von Gurken oder Kopfsalat verkauft.
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