Selbstversorgerimmobilien

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Rohana
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Re: Selbstversorgerimmobilien

#2851

Beitrag von Rohana » Mi 28. Okt 2020, 12:42

Hühner auf dem Dach hat geschrieben:
Mi 28. Okt 2020, 10:38
Plan waren ca 60 milchkühe plus weibl. nachzucht(nicht remontiertes Jungvieh verkauft als tragende Kalbinnen) und eigene bullen zur mast, Tiere der Rasse Pinzgauer, österreichische Milchlinien
Suchen tun wir in bayern und BaWü, notfalls auch Sachsen
Bestenfalls Alleinlage oder ziemlich ländlich
Dann hoffe ich ihr habt gescheites Kapital + entsprechende Ausbildung :hmm: :lala:
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)

Hühner auf dem Dach
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Re: Selbstversorgerimmobilien

#2852

Beitrag von Hühner auf dem Dach » Mi 28. Okt 2020, 13:07

Rohana hat geschrieben:
Mi 28. Okt 2020, 12:42
Hühner auf dem Dach hat geschrieben:
Mi 28. Okt 2020, 10:38
Plan waren ca 60 milchkühe plus weibl. nachzucht(nicht remontiertes Jungvieh verkauft als tragende Kalbinnen) und eigene bullen zur mast, Tiere der Rasse Pinzgauer, österreichische Milchlinien
Suchen tun wir in bayern und BaWü, notfalls auch Sachsen
Bestenfalls Alleinlage oder ziemlich ländlich
Dann hoffe ich ihr habt gescheites Kapital + entsprechende Ausbildung :hmm: :lala:
Entsprechende Ausbildung: ja, Tierwirt und Pferdewirtin + Studium Landwirtschaft läuft aktuell, Motorsägenschein, schweißkurs, imkerei, etc vorhanden Besamungstechnikerin Rind kommt im frühjahr dazu

das mit dem gescheiten Kapital... :haha:
wir haben es auch schon in richtung außerfamiliäre Hofübernahme versucht, leider sind die "alten bauern" ein seeehr spezieller schlag mensch :dreh: (also wirklich nur die Männer, Frauen und eigentliche erben waren bis jetzt echt immer super nett und realitätsnah) dabei liegt das Problem meist darin das diese Altbauern alleineigentümer von wirklich ALLEM was zur Hofstelle gehört sind und absolut Fortschrittsfremd :opa:

und wir haben wirklich Alle sprichwörtlichen "Milchkannen" abgeklappert, höfe die laufen haben aus genau diesem grund bereits nachfolger

Sorry fürs OT

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Re: Selbstversorgerimmobilien

#2853

Beitrag von Rohana » Mi 28. Okt 2020, 13:13

Eigenbestandsbesamer würde ja reichen, Technikerkurs... naja bei uns suchen sie grade neue Leute :aeh: dann wünsche ich euch viel Glück. Gibt genug Hofaufgaben, da muss sich doch irgendwo was finden lassen?
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Re: Selbstversorgerimmobilien

#2854

Beitrag von Manfred » Mi 28. Okt 2020, 18:56

Schwieriges Pflaster. In den süddeutschen Gunstlagen sind Betriebe dieser Größenordnung und gut in Schuss oft mehrere Millionen wert und die Pachtflächen noch immer teuer, auch wenn es regional schon rückläufige Tendenzen gibt.
Und in den günstigeren Regionen sind die Ställe und Melktechnik meist ziemlich fertig, wenn die Betriebe aufgegeben werden.

Dieser Betrieb inseriert schon länger (falls ihr räumlich flexibler werdet):
https://www.hofsuchtbauer.de/hofboerse/ ... lgerinnen/
Scheinen aber überzeugte (im Sinn von streng religiös) Demeter-Leute zu sein. Spricht nichts gegen, aber da muss man schon selbst entsprechend ticken, wenn das funktionieren soll. Und vom Braunvieh werden die auch kaum abgehen.

Wenn man in seinen Entscheidungen frei sein will, muss man wohl sehr viel Glück haben oder das nötige Kleingeld für einen Kauf oder gar Neubau auf den Tisch legen.

Der Franz Donderer sucht schon länger nach einem Nachfolger und hätte eure betriebliche Größenordnung.
Werdet ihr vermutlich ebenfalls schon kennen? Er inseriert ja auch in den einschlägigen Portalen.
Und wird ebenfalls genau wissen, wie er sich die Zukunft seines Hofes vorstellt...

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Re: Selbstversorgerimmobilien

#2855

Beitrag von Rohana » Mi 28. Okt 2020, 22:14

Schon eine "normale" Hofübergabe verschlingt ein kleines Vermögen, muss ich grade feststellen. Will gar nicht wissen wie das extern und ohne das nötige Kleingeld funktionieren soll :ohm:
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Re: Selbstversorgerimmobilien

#2856

Beitrag von Manfred » Do 29. Okt 2020, 01:36

Für mich wird eine außerfamiliäre Nachfolge evtl. ebenfalls zum Thema.
Wenn sympathische Erben da sind, selbst wenn diese kein Interesse an der Landwirtschaft haben, wird kaum jemand den Betrieb quasi verschenken wollen. Dann wird es auf eine Kombination aus Teilkauf und Pacht/Erbpacht hinauslaufen.
Wo keine Erben sind, oder alle sehr wohlhabend, kann ich mir das eher vorstellen. Aber da muss für den Erblasser dann halt vieles passen. Den Hof verkaufen und das Geld verprassen oder spenden kann er auch anderweitig. Da braucht es schon das Gefühl, dass die eigenen Werte zum guten Teil weiter gelebt werden und dass man sein Lebenswerk mit gutem Gewissen in neue Hände legen und mögl. lange im gewohnten Umfeld bleiben kann. Da werden Kandidaten mit einschlägiger Praxiserfahrung, ähnlicher Einstellung, einem plausiblen Konzept und dem nötigen Kapital für die Nebenkosten der Übergabe und das Durchstehen von Anlaufschwierigkeiten die besten Chancen haben.

Dabei kommt es auch leicht zu Missverständnissen.
Bevor es sich ergeben hat, dass ich den heimischen Hof übernehmen konnte, war ich davor hier wegzugehen und auch später das eine oder andere Mal am Umsehen nach einem größeren Betrieb.
Einmal habe ich auf eine anonyme Anzeige bei Hofgründer reagiert und geschildert, welchen Hintergrund ich habe, was ich mache, und wie ich das weiterentwickeln möchte. Da ich keine Antwort erhielt, habe ich einige Zeit später bei Hofgründer nachgefragt und die Rückmeldung erhalten, meine Anfrage sei bei den Hofeigentümern nicht auf Interesse gestoßen, weil ich nicht dargelegt hatte, warum ich ausgerechnet einen Biobetrieb übernehmen wollte. Ich war nicht mal auf die Idee gekommen, das zu tun, weil es so selbstverständlich für mich war, da ich selbst bereits einen Biobetrieb führte und mir damals konventionelles Wirtschaften für mich gar nicht mehr vorstellen konnte. :aeh:

Will sagen: Praxiserfahrung sammeln, Sparen und offene Gespräche mit diversen möglichen Übergebern zu suchen, um zu lernen, was diese sich wünschen und welche Ansprüche sie stellen, dürften bei so einem Vorhaben wichtige Baustellen sein.

Leider führt die Nachfolgersuche für viele potentielle Abgeber nicht zum Erfolg und der Betrieb wird dann doch zerschlagen und verkauft...

Deshalb finde ich so gut, was Joel Salatin und einige andere in den USA mit ihren Praktikums-Programmen machen. Da lernt man mit wenig Kapital, Unternehmertum und Engagement Nischen zu finden und zu besetzen, die auch ohne dicken Geldbeutel einen wirtschaftlich erfolgreichen Einstieg in die Landwirtschaft ermöglichen.
Quasi das genaue Gegenteil der meisten deutschen Landwirtschaftsschulen, wo man lernt nach Schema F mit viel Kapital möglichst wenig Geld zu verdienen...

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Re: Selbstversorgerimmobilien

#2857

Beitrag von Dyrsian » Do 29. Okt 2020, 13:57

In den USA läuft vieles einfacher als hier, da ist nicht nur eine Betriebsgründung leichter, sondern es ist bisweilen auch einfach mehr erlaubt, von den gesetzlichen Vorgaben her. Das mag nicht immer gut sein, macht es grade am Anfang aber oft leichter.
Die, insbesondere, industrielle Landwirtschaft in Deutschland ist gekennzeichnet durch ein extrem hohes gebundenes Kapital verbunden mit oft nur mittleren Umsätzen und winzigen Gewinnen. Das führt dazu, dass diese kleinen Gewinne bei nur geringen Marktschwankungen oder sonstigen Unbillen dahinschwinden. Das wiederum führt dazu, das riesige Mengen an Kapital oft nur sehr kleine Rendite abwerfen, für die man dann auch noch zig Stunden die Woche malocht wie der sprichwörtliche Ackergaul.
Mit einer Millionen Euro kann ich im landwirtschaftlichen Bereich nicht wirklich viel reißen und stecke die ganze Kohle in einen einzigen Betrieb - meinen (Clusterinvestment, Risiko). Lege ich die 1 Millionen am Kapitalmarkt an kann ich mit wenigen Stunden pro Woche und einer wirklich unaufgeregten Rendite von 5% pro Jahr komfortabel leben - bei nur 25% pauschaler Steuerlast. Finde den Fehler im System! :hmm:
Die niedrigen Gewinne werden zum Teil über die Flächensubventionen ausgeglichen, das kommt aber primär Großbetrieben zugute. Verbunden mit den in vielen Teilen des Landes wirklich abartigen Immobilien- und Landpreisen macht es die Landwirtschaft zu einem der Einsteiger-unfreundlichsten Gebiet für junge Selbstständige.
Ich hab den größten Respekt vor allen, die es trotzdem versuchen!

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Re: Selbstversorgerimmobilien

#2858

Beitrag von Rohana » Do 29. Okt 2020, 15:24

Frag mal in den USA nach Gewinnen ;)
Und frag auch mal, warum "die" in D eigentlich "nicht so viel" dürfen. Ob es Sinn macht jetzt einen Stall nach den neuesten Vorgaben zu bauen - der dann in 30 Jahren abbezahlt ist? Sicher nicht. ICH frage mich, warum die Gesellschaft meint das müsste trotzdem funktionieren... :ohm:
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Re: Selbstversorgerimmobilien

#2859

Beitrag von Manfred » Do 29. Okt 2020, 15:53

Passend dazu die aktuelle Prognose des Thünen-Instituts für die landwirtschaftlichen Einkommen in Deutschland.
Bis 2030 soll es weiter deutlich abwärts gehen.
Und da ist die Inflation noch nicht berücksichtigt.

https://www.agrarheute.com/management/b ... len-574426
Prognose_Thünen_Landwirtschaftliche_Einkommen.png
Prognose_Thünen_Landwirtschaftliche_Einkommen.png (61.25 KiB) 329 mal betrachtet

Wer nicht ein realistisches Konzept hat, rentable Nischen zu besetzen, dem kann man bei den Aussichten mit gutem Gewissen nur raten, den Einstieg in die Landwirtschaft bleiben zu lassen.
Es denken aktuell selbst viele gut etablierte Betriebe mit abgeschriebenen Gebäuden und dadurch überdurchschnittlichen Gewinnen ans aufgeben, weil sich Reinvestitionen absehbar für sie nicht mehr lohnen.

Die "grüne" Gängelungspolitik, zu der sich die große Koalition hat treiben lassen, dient alleine einem beschleunigten Strukturwandel und damit Großinvestoren und parasitären Strukturen (NGOs, Zertifizierer, Behörden, Steuerberater, etc.), die an statt in der Landwirtschaft verdienen.
Im schlimmsten Fall ist der nächste Agrarminister nach der Wahl 2021 grün, dann wird sich dieser Prozess nochmals erheblich beschleunigen.
Eine Partei mit seriösem Zukunftskonzept für die heimische Landwirtschaft kann ich aktuell weit und breit nicht erkennen.

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Re: Selbstversorgerimmobilien

#2860

Beitrag von emil17 » Do 29. Okt 2020, 16:37

Dyrsian hat geschrieben:
Do 29. Okt 2020, 13:57
Lege ich die 1 Millionen am Kapitalmarkt an kann ich mit wenigen Stunden pro Woche und einer wirklich unaufgeregten Rendite von 5% pro Jahr komfortabel leben ...
Finde den Fehler im System!
Das ist ein Denkfehler zweiter Art: Von Kapitalrendite zu leben geht nur, wenns genug andere gibt, die das nicht machen.
Wenn jeder, dessen im Betrieb gebundenes Kapital sich schlechter verzinste als was man mit ein paar Stunden pro Woche am Kapitalmarkt herausholen kann, statt dessen genau das machte - dann hätte man eine Gesellschaft, in der keiner mehr reelle Waren und Dienstleistungen produziert.
Wenn du einen Betrieb führst, der nichts leistet, als seine Bewirtschafter zu ernähren (einschliesslich Rückstellungen für Reparaturen, Amortisation usw. einschliesslich des langfristigen erhalts der Arbeitskraft der Familie), dann erwirtschaftet der auf dem Papier einen Gewinn von Null.
Trotzdem ist das sinnvoll - solange man nicht die meiste Zeit dafür produzieren muss, um Fremdkapital zu bedienen.

Für mich ist DAS der Systemfehler
Wer will, findet einen Weg. wer nicht will, findet eine Ausrede.

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