Nitrat im Trinkwasser - wo liegen die Ursachen?

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emil17
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Re: Nitrat im Trinkwasser - wo liegen die Ursachen?

#31

Beitrag von emil17 » Di 18. Aug 2015, 16:13

Wasserwerker und Teile der grünen Weltverbesser bilden sich schon ein, die Oberaufsicht über Landwirte und Verbraucher haben zu müssen?
Offenbar können beide Seiten tendenziös schreiben.
Warum nicht einfach die aktuellen Messwerte für jeden Trinkwasserversorger online stellen und einfach und unkompliziert zugänglich machen? Dann kann ich nämlich selber entscheiden, ob ich 1.7 oder 41 mg NO3- pro Liter schlimm finde oder nicht.
Zudem sollte da stehen, woher das Wasser bezogen wird. Wenn nämlich eine Gemeinde mit viel Intensivlandwirtschaft mit wenig Geld zu gutem Wasser kommt, das sie aber von sehr weit holen, weil in der Nähe keine Quellen mehr sind, die trinkwassertaugliches Wasser liefern, bedeutet das auch einiges.

Zur Auswertung der Statistiken weiter unten: da haben beide Seiten aus den gleichen Zahlen gegensinnige, unzulässige Aussagen geschlossen. Nur soviel: Wenn bei einer Zeitreihe auf der Abszisse "Anteil der Messtellen mit belastetem Grundwasser" steht, dann kann eine behauptete Verbesserung sowohl durch verbessertes Wasser (was wir hoffen) oder auch durch Aufgabe von besonders schlechten Trinkwasserquellen (was ebenso möglich ist und was wir nicht hoffen) zustande gekommen sein. Wenn ich bei einer Zeitreihe jedes Mal andere Grundgesamtheiten hermehme, kann so ziemlich alles herauskommen, mit oder ohne Zusammenhang.
Wenn da in der etwas polemisch geschriebene Verteidigung oder Gegendarstellung plötzlich "Kiefern auf leichten Böden (n=1)" oder anderswo Bodendaten aus Sachsen daherkommen, obwohl es doch um Niedersachsen geht, ist das ebenfalls nicht die ganz korrekte Art.
Bei der grafischen Darstellung nach Landkreisen gibt es noch die sogenannten GerryMandering-Effekte sowie das Zusammenfassungs-Paradoxon: Durch gewolltes Gruppieren kann aus einer gleichbleibenden Situation eine Verbesserung schöngerechnet werden. Ein Verkaufsleiter kann z.B. die umsatzschwächsten Geschäfte einer neuen Verwaltungseinheit zuordnen, wodurch die Umsätze pro Filiale bei den so von den Nieten entlasteten Regionseinheiten auf dem Papier steigen - obwohl überhaupt nichts passiert ist. Salopper gesagt, wenn man den dümmsten Bayern nach Ostfriesland schickt, steigt (oder sinkt?) die Intelligenz der Bevölkerung an beiden Orten.
Also bitte Statistiken mit absoluten Messwerten (nicht: "Anteil von" oder ähnliches), bei Vorher-nachher-Vergleichen mit identischen Probestandorten und wenn ein Trend behauptet wird, gehört auch die berechnete Wahrscheinlichkeit dazu, dass es sich überhaupt um einen Zusammenhang handelt. Die dürfte bei der ersten Grafik mit der Trendlinie (Nitratwerte im Grundwasser in NRW) herzlich klein sein. Wo sind da überhaupt die Streuungsbalken pro Messjahr, oder haben die alle Proben vor dem Messen in den gleichen Eimer zusammengekippt?
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.

Manfred

Re: Nitrat im Trinkwasser - wo liegen die Ursachen?

#32

Beitrag von Manfred » Di 18. Aug 2015, 17:36

emil17 hat geschrieben: Warum nicht einfach die aktuellen Messwerte für jeden Trinkwasserversorger online stellen und einfach und unkompliziert zugänglich machen? Dann kann ich nämlich selber entscheiden, ob ich 1.7 oder 41 mg NO3- pro Liter schlimm finde oder nicht.
Genau meine Worte.
Deshalb hatte ich auch das Umweltbundesamt im Namen dieses Forums und des Landtreffs und mit Bezug auf eine ihrer Veröffentlichungen angeschrieben und Informationen dazu angefordert.
Das ist denen nicht mal eine Antwort wert.
Ist die Standardmasche dieser höchst undurchsichtigen Propagandaorganisation. Die ignorieren in der Regel sogar die Anfragen von Berufsjournalisten. Da kommt man nur vor Gericht weiter, wenn man sein Informationsrecht durchsetzen will.

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Re: Nitrat im Trinkwasser - wo liegen die Ursachen?

#33

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht » Di 18. Aug 2015, 17:40

emil17 hat geschrieben:Manfred hat geschrieben:
Trifft mich auch. Muss dieses Jahr wegen dieser Regelung ebenfalls 1,3 ha am Rande des Wasserschutzgebietes pflügen. Die Brüsseler Bürokratie will es so... Mich ärgert es

Würde es Dich auch ärgern, wenn du wüsstest, warum die das wollen - abgesehen vom finanziellen Aufwand? Man könnte dann ja immer noch Befreiung beantragen, wenn man diese ausreichend begründen kann.
Das musst du gar nicht begründen ;)

Grünland (Ackerland) wird automatisch zu Dauergrünland wenn es 5 Jahre Grünland war.

Dauergrünland ist aber erheblich weniger Wert als Ackerfläche und einmal Dauergrünland ist es für (fast) immer Dauergrünland.

Also kannst du es 4 Jahre als Wiese nutzen, im 5 Jahr wird bis zum Stichtag umgebrochen und irgendeine Ackerfrucht (Meist Mais) angebaut. Ist die im Herbst abgefahren wird wieder für 4 Jahre Gras eingesäht.

Das hat denn Sinn das du auch schlechte Böden (Steinig, sehr Sandig, mit Staunässe, Auflangenstandort o.ä.) wirtschaftlich sinnvoll nutzen kannst, ohne größere Wertverluste hinnehmen zu müssen. Gleichzeitig wird aber verhindert das großflächig Umgebrochen wird.

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emil17
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Re: Nitrat im Trinkwasser - wo liegen die Ursachen?

#34

Beitrag von emil17 » Di 18. Aug 2015, 18:27

Manfred hat geschrieben: Genau meine Worte.
Wir sollten auf ein Bier anstossen ... wir sind uns in einem Umweltthema einig!


Allerdings nur auf ein kleines Bier, denn das
Manfred hat geschrieben:Ist die Standardmasche dieser höchst undurchsichtigen Propagandaorganisation.
würde ich so nun doch nicht unterschreiben.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.

Manfred

Re: Nitrat im Trinkwasser - wo liegen die Ursachen?

#35

Beitrag von Manfred » Sa 7. Jan 2017, 20:25

Weil ich mich gerade mit Vorgängen im Rinderpansen beschäftige, bin ich über diesen Umweg auf die Bildung von Methämoglobin durch Anlagerung von Nitrit an Hämoglobin gestoßen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Meth%C3%A4moglobin
Die roten Blutkörperchen können dann zwar noch Sauerstoff aufnehmen, diesen aber nicht mehr an die Körperzellen abgeben.
Ich habe mich immer gefragt, wieso das Nitrit für Babys besonders gefährlich sein soll.

In "Pharmakologie und Toxikologie" von Lüllmann, Mohr und Hein, 16. Auflage, steht dazu auf Seite 509:

"Säuglinge sind wegen Mangels an Methämoglobin reduzierenden Enzymen besonders empfindlich gegen diese Gruppe von Blutgiften. Nitrat-Ionen selbst erzeugen kein Methämoglobin, werden aber bei Kleinkindern nach oraler Aufnahme im Magen zum Teil zu Nitrit-Ionen reduziert, die ihrerseits dann Methämoglobin bilden."

"Die Anwesenheit kleinerer Mengen Methämoglobin im Blut ist meist unbedenklich. Bei Umwandlung eines größeren Teils des Blutfarbstoffs zu Methämoglobin kommt es jedoch zu Erstickungserscheinungen. Tödlich ist ein Methämoglobin-Anteil am gesamten Hämoglobin von 60-80%."

Dafür braucht es aber schon eine beachtliche Menge Nitrit im Blut.

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Re: Nitrat im Trinkwasser - wo liegen die Ursachen?

#36

Beitrag von emil17 » Sa 7. Jan 2017, 20:37

Wegen dieser Reaktion tut man Nitrit ins Pökelsalz, weil das dem Fleisch eine schön hellrote Farbe und den typischen Pökelgeschmack gibt (Umröten).
Im Körper wirken Nitrite wegen dieser Reaktion giftig, sie können zudem mit Proteinen krebserregende Nitrosamine bilden. Deswegen sollte man Pökelsalz nur dann selber machen, wenn man weiss, was man tut, weil es rasch überdosiert wird.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.

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Nachtkauz
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Re: Nitrat im Trinkwasser - wo liegen die Ursachen?

#37

Beitrag von Nachtkauz » Sa 7. Jan 2017, 21:20

emil17 hat geschrieben:...
Auf dem Land hat man wohl noch lange mit Latrine gedüngt, das mögen Trichinen und Eingeweidewürmer aller Art.
könnte mir jemand das bitte erklären ?
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Re: Nitrat im Trinkwasser - wo liegen die Ursachen?

#38

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht » Sa 7. Jan 2017, 21:56

Nachtkauz hat geschrieben:
emil17 hat geschrieben:...
Auf dem Land hat man wohl noch lange mit Latrine gedüngt, das mögen Trichinen und Eingeweidewürmer aller Art.
könnte mir jemand das bitte erklären ?
Latrine = Menschliche Fäkalien

Dadurch verteilt man die Dauerformen der Parasiten auf den Flächen,
beim Verzehr von Produkten von den gedüngten Flächen nimmt man die Dauerformen wieder auf und der Vermehrungszyklus des Parasits beginnt von vorn.

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Re: Nitrat im Trinkwasser - wo liegen die Ursachen?

#39

Beitrag von henmen » Sa 7. Jan 2017, 23:41

... und deshalb bringt seit mindestens 200 Jahren kein vernünftiger Gärtner oder Landwirt menschliche Fäkalien pur im Garten oder auf dem Acker aus. Als ein bewusst kleiner Bestandteil von vielen Ausgangsstoffen im Kompost, auf dem Misthaufen oder mit Kalk bearbeitet, war er allerdings ein lange geschätzter und fester Teil des natürlichen Nährstoffkreislaufs, aber immer schon irgendwie ein wenig umstritten und anrüchig ;)

Zum Nitrat im Grundwasser möchte ich nur sagen, das wir hier über aktuelle Unterlassungen oder Aktivitäten sprechen die nur ein wenig uns, aber aufgrund der relativ langen Durchdringungszeiten im Boden, vor allem unsere Kinder oder Enkel und ich fürchte mit voller Wucht, treffen werden.

Gruß

Henmen
... auch so kann Landwirtschaft sein: http://www.polyfaces.com/trailer-deutsch/

rotoflex

Re: Nitrat im Trinkwasser - wo liegen die Ursachen?

#40

Beitrag von rotoflex » So 8. Jan 2017, 08:57

Bin kein Vegetarier aber zum grübeln kommt man schon, wenn es heisst ohne Zahlen zu haben, das ein Fleischkonsument ein vielfaches an landwirtschaftlicher Fläche verbraucht als ein Vegetarier.
Dazu kommt das der Mensch auch nur etwas mehr als 50% von Fleisch verstoffwechselt.
Und nun werden in der deutschen Politik Stimmen laut die den Mehrwertsteuersatz von 19 % auf tierisches fordern.
Ob das nur als zusätzliche Einnahmequelle für den Staat gedacht ist darf jeder für sich entscheiden. :pfeif:

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