gedämpfte Erde

penelope
Beiträge: 359
Registriert: Mo 26. Nov 2018, 15:41

Re: gedämpfte Erde

#41

Beitrag von penelope » Do 27. Mai 2021, 16:02

Auch da bringe ich natürlich nicht direkt vor der Aussaat dick Kompost oder einen direkt wirksamen Dünger aus. Hornspäne oder Schafswolle wirken ja erst nach ein paar Wochen.

Im Freiland verteilt sich zudem die Menge ja ganz anders. Außerdem geht im Freiland eben auch meist weniger aus, als in einer guten Voranzucht.

Benutzeravatar
Oli
Moderator
Beiträge: 3225
Registriert: Mi 30. Mär 2011, 14:07
Wohnort: SH
Kontaktdaten:

Re: gedämpfte Erde

#42

Beitrag von Oli » Fr 28. Mai 2021, 08:47

Eberhard hat geschrieben:
Do 27. Mai 2021, 14:07


Trotzdem als Gedanke: Wenn es um "geerntete" Biomasse geht: Silage/Sauerkraut kennst Du sicherlich (nichts anderes als der Bokashi-Gedanke). Bei einer vollständigen Fermentation sollte da eigentlich nichts Eigenständiges daraus wachsen können, zumindest könnte man das testen. Mit einer (abgedichteten) Erdgrube oder einem Durchfahrtsilo kann man da auch größere Mengen beherrschen. Das resultierende Substrat ist nicht nur nutzbar, sondern auch wertvoll. Die Vorteile von einem Sauerkraut gegenüber geschnittenem Weißwohl muss ich sicher nicht erläutern.

Zusatzgedanke: Solche Silage, etwas verdünnt, könnte man zur Basisfüllung von Hochbeeten nutzen, also für untere Schichten. So hält man das Substrat einerseits noch isoliert, andererseits kann es als Wachstumsturbo wirken. Bei einem Austausch so aller drei Jahre hat man dann auch eine gute Vererdung und kann dann diesen fertigen und lebenden Kompost außerhalb einsetzen.
Ich hatte ja mal größeren Mengen gehäckseltes Fichtenreisig. Etwas angemischt mit weiteren Materialien hat das wie beschrieben teilweise seine erste Nutzung darin gefunden, Füllmasse für Hochbeete zu geben und dabei schön geduldig zu vererden, so mit lebenden Pflanzen oben darauf.
Das passt jetzt zwar nicht mehr in dieses Thema, aber: vielen Dank für die Ausführung des Gedanken. Das ist etwas, was ich gerne nochmal testen würde. Ob es den Wurzeln zuträglich ist in so saures Substrat zu wachsen (wenn man es als untere Schicht in Hochbeete füllen würde) frage ich mich schon - aber das ist dann ja auch eine Frage der Menge. Punktuell könnte man es vermutlich auch gut zur Bekämpfung unerwünschter Pflanzen nutzen so wie man Essig spritzen kann. Vielleicht. Testen. Ich spinne den Gedanken mal (parallel zum Dämpfen ;) ) weiter.

Eberhard
Beiträge: 129
Registriert: Sa 23. Jan 2021, 12:58

Re: gedämpfte Erde

#43

Beitrag von Eberhard » Fr 28. Mai 2021, 09:15

Ob es den Wurzeln zuträglich ist in so saures Substrat zu wachsen
Bei einer Vererdung wird sehr schnell eine Neutralisation stattfinden, sehr viel schneller als Wurzeln in die Tiefe wachsen. Und: Milchsäurebakterien sind kein Fremdkörper im Boden: Ich mache Boden gut

Um zum eigentlichen Thema zurückzukehren: Selbstverständlich kann man seine Substrate erhitzen, dämpfen, mit UV-Strahlung bearbeiten, mit Säuren oder Basen bearbeiten - meine erste Wahl wäre das wie gesagt nicht.
Man sollte sich aber Gedanken dazu machen, wer/was erfolgreich bei der Neubesiedlung der toten Zone sein wird.
Mit freundlichem Glück Auf!

Eberhard

Benutzeravatar
emil17
Beiträge: 9372
Registriert: Di 21. Sep 2010, 08:07
Wohnort: In der Schweiz da, wo die Berge am höchsten sind

Re: gedämpfte Erde

#44

Beitrag von emil17 » Sa 29. Mai 2021, 17:42

Meine Meinung dazu, ganz praktisch:
- ich lebe in einem Haus, da sind einige Dutzend Quadratmeter total abgetöteter Erde darunter, wo es vermutlich vorher fröhlich gespriesst und bodengelebt hat. Nun kann leider da, wo es steht nichts wachsen. Nicht wohnen kann ich nicht.
- Ich beanspruche durch meine schlichte und durchaus gewöhnliche Alltagsexistenz Verkehrsflächen und vieles andere, was sich mit lebendigem Boden ganz direkt überhaupt nicht verträgt.

Wenn ich nun feine Sämereien anziehen will und nicht dauernd Töpfe jäten möchte und auch nicht will, dass die auflaufende Saat von Schnecken gefressen oder von den viel raschwüchsigen Beikräutern erstickt wird, dann kaufe ich mir halt einen Sack unkrautsamenfreier Anzuchterde.
Um die Erde gesamt zu sterilisieren, müsste ich die obersten 40 cm behandeln, also pro Quadratmeter Bodenfläche etwa 0.4 Kubikmeter sterilisieren. Das macht keinen Sinn und wäre auch reine Energieverschwendung. Also steht dauernd Unkraut zupfen auf dem Programm. Aber in den Saatschalen muss das nicht auch sein, das kommt noch früh genug.
Diese Menge abgetöteter Anzuchterde kommt dann beim Auspflanzen in die lebendige Gartenerde; wenn das ein Kilo pro Quadratmeter auf die etwa 500 Kilo Erde ist, was die obersten zwei Spatenstiche dicke Erdschicht auf dem gleichen Quadratmeter wiegt, ist das schon viel. Sie dürfte innert kurzer Zeit wieder von Mikroben erobert worden sein. Ich denke also nicht, dass extra Überlegungen wegen der Interaktion dieser biologisch toten Fremderde mit den Bodenmikroben prexisrelevant sein können.
Wer will, findet einen Weg. wer nicht will, findet eine Ausrede.

Eberhard
Beiträge: 129
Registriert: Sa 23. Jan 2021, 12:58

Re: gedämpfte Erde

#45

Beitrag von Eberhard » Sa 29. Mai 2021, 18:12

Quecke und Hunger: Die Wurzeln kann man auch essen, siehe Verwendung in der Küche

Allgemein: Erde zu kaufen, wo man doch von Erde umgeben ist, ist schon ein besonderer Gedanke, oder gar eine Selbstversorger-Stilblüte ...?
Wenn man Erde aus dritter Hand mehr vertraut als der eigenen, wäre das auch mal eine Überlegung wert.
Mit freundlichem Glück Auf!

Eberhard

penelope
Beiträge: 359
Registriert: Mo 26. Nov 2018, 15:41

Re: gedämpfte Erde

#46

Beitrag von penelope » Sa 29. Mai 2021, 20:11

Bei Topfkulturen geht es, wenn man es genau nimmt, auch nicht um Erde, sondern um Substrat. Natürlich ist Torf oder Kokosfaser keine Erde. Blumenerde oder Anzuchterde ist halt einfach Umgangssprache und gebräuchlich.

Und meine Kriterien für ein gutes Substrat zur Anzucht sind halt: frei von keimfähigen Samen und Krankheitserregern, nährstoffarm und gut zu begießen.
Was ich vom Boden in meinen Beeten will ist was völlig anderes.

Sven2
Beiträge: 153
Registriert: Do 7. Mär 2019, 23:37

Re: gedämpfte Erde

#47

Beitrag von Sven2 » Sa 29. Mai 2021, 23:37

Wird in Betrieben nicht gedämpft, um Krankheitsdruck von den Pflanzen zu nehmen?
Also kann man damit nicht Nematoden oder z.B. Kohlhernie bekämpfen, um auf der gleichen Fläche nicht zu lange Anbaupauseb zu haben?
Das interessiert mich, bei momentan geringer Anbaufläche.

Und könnte ich mit dämpfen Substrat, z.B. für Tomaten, nicht wiederverwertbar machen, um im selben Substrat wieder Tomaten anzubauen?

Jetzt Mal vorasusgesetzt, ich besitze einen Profidämpfer aus dem Gartenbau. Oder hat jemand ne Selbstbau- Idee wie man die Erde im Beet dämpft, ohne abgraben?

Ob's natürlich vom Energie und sonstigen Aufwand sinnvoll ist steht auf einem anderen Blatt

penelope
Beiträge: 359
Registriert: Mo 26. Nov 2018, 15:41

Re: gedämpfte Erde

#48

Beitrag von penelope » So 30. Mai 2021, 06:05

Im konventionellen Profianbau wachsen Tomaten meist in Steinwolle, da gibt es das Problem nicht ;)

Aber grundsätzlich: ja klar, genau deswegen wird gedämpft. Ich hab noch nie gehört, dass das mit Erde in Beeten gemacht wird und kann mir auch nicht vorstellen, wie das praktisch funktionieren soll.

Tomaten gehen ja recht gut immer am gleichen Platz. Hauptproblem ist ja nur die Braunfäule. Bei Youtube findest man unter "selfbio diy Thermokomposter" (kann gerade leider keinen Link posten, da sich hier YouTube immer in der App öffnet) eine Anleitung, wie man mit ganz wenigen Mitteln hohe Temperaturen erzeugt, um Schneckeneier, Krankheitserreger usw abzutöten. Hört sich ganz gut an und ich werde das, wenn ich denn dazu komme, das im Herbst dann mal mit dem Laub von Tomaten, Zucchini und co ausprobieren.

Antworten

Zurück zu „Bodenpflege, Humus, Kompost, Düngung“