Herdenschutzhunde

Theorie und Praxis zu Hunden, die gezielt zur Arbeit eingesetzt werden
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Manfred
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Herdenschutzhunde

#1

Beitrag von Manfred » Di 6. Aug 2013, 08:12

Wir hatten zwar bei den Haustieren schon ein Laber-Thema dazu und im Wolfs-Thread taucht es auch ab und zu auf, ich möchte trotzdem ein neues Thema eröffnen und das gezielt im Bereich Nutztierhaltung.

Ich kopiere mal einen Beitrag von Frank Hahnel (Berufsschäfer) aus der FB-Gruppe "Ein MÄH geht durchs Land" (empfehlenswert für alle Schäferei-Interessierten) hier rein:
Seid dem ich meine Herdenschutzhunde habe läßt mich das Thema Wolf völlig kalt,ich werde deswegen nicht zum Wolfsfreund jeder der meinen Schafen schaden zufügt ist mein Feind. Als wir die Hütehunde nicht mehr draußen an der Herde in der Nacht lassen konnten weil Tierschützer sie von der Kette befreiten und sie in ein Tierheim schleppten oder sie geklaut wurden fingen für viele Herden hier im Osten Deutschlands die Probleme an .Schafe wurden geklaut ,Netze , Weidezaungeräte, Kolkraben und Fuchs und Co holten die Lämmer .Und wir konnten unsere Herden nicht Schützen ,die Jäger jaulten wen du nachts zu deiner Herde rausfährst ,die Raben dürften nicht geschossen werden und der Fuchs im Wald auch nicht da er ja "Mäuse " fängt.Erst mit dem wieder einwandern des Wolfes aus Polen und dem Wunsch der Mehrheit der Gesellschaft dies zuzulassen dürfen wir Schäfer unser Eigentum wieder Schützen und kein Tierschützer kräht rum weil der HsH keine Hütte hat oder niemand mit ihm 2 Stunden Spazieren geht und er keinen 9 qm großen Zwinger hat .Der HSH lebt in meiner Schafherde und sogar meine Versicherung hat festgestellt das die Schäden die meine Schafe anrichten weniger geworden sind .Es fährt ja auch niemand mehr einfach so durch meinen Pferch ,die Spaziergänger binden ihren Hund jetzt an und die Diebe fahren wo anders hin und ach so der Wolf ja den haben wir hier in der Märkischen Schweiz schon lange früher war es immer ein "großer Hund " den wir gesehen haben wen es darum ging wer für den Schaden aufkommt .1991 wurde er aus versehen erschossen ,den Kopf hat die Naturparkverwaltung Ausstopfen lassen ,nun wars plötzlich doch ein Wolf.Der Minister hat sich das hier einfach gemacht .Er hat gesagt in ganz Brandenburg ist mit Wölfen zu rechnen also Schäfer schützt eure Herden ,dazu seid ihr per Tierschutzgesetz verpflichtet ,nur umbringen dürfen wir den Wolf nicht also bleibt nur der Herdenschutzhund aus Urväterzeiten und den Umgang mit ihm erlernen wir gerade wieder.
Dazu sei gesagt: Er hat ein paar Schafe mehr als der durchschnittliche Hobbyhalter. Da ist die finanzielle Kalkulation natürlich eine andere. Aber die ganzen Nebeneffekte (weniger Ärger mit Spaziergänger- und Streunerhunden, Diebstähle, Sabotageaktionen etc.) machen die zusätzlichen Hunde ungleich attraktiver als die Wolfsrechnung alleine.

Alba
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Re: Herdenschutzhund

#2

Beitrag von Alba » Di 6. Aug 2013, 09:03

Guten Morgen,

ich finds auch echt stark, was die Schweizer machen. Bei denen gibt es ja verhältnismäßig viel arbeitende Herdenschutzhunde.

Das ist halt eine ganz andere Art einen Hund zu halten: http://maremanno.ch/pages/herdenschutz/ ... ration.php

LG
Bettina

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stoeri
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Re: Herdenschutzhund

#3

Beitrag von stoeri » Di 6. Aug 2013, 09:17

Hallo Manfred,

ich bin nicht gegen den Wolf aber auch nicht für den Wolf.
Natürlich mag ich den Wolf aber ich möchte nicht bei den Schafen irgendwo draussen stehen wenn dort ein Wolf oder gar Rudel Wölfe wäre, mit nur Hütehunden. Die wären wohl die ersten die der Wolf wegräumt. Auch wenn sie sich Bauernhöfen nachts nähern ist der Wachhund der erste der weg ist. Wölfe sind nicht blöd. Ich hatte in Hundeforen schon Diskussionen weil ich nicht weis auf welcher Seite ich stehe, die alle schützen natürlich den lieben netten Wolf.

In riesigen Gebieten wo die Hüter bewaffnet sein dürfen um im Notfall einen Wolf erledigen zu können da hat der Wolf Platz solange er keinen Schaden anrichtet. Aber bei uns hier wird es eng,
Und wie war das doch gleich mit dem Biber erst wurde er fast ausgerottet, dann war er unter Naturschutz und jetzt wird er wieder gejagt.
Was wollen die Menschen eigentlich?

Es war mal sehr lustig oder traurig als sich in einem Hundeforum welche ganz wichtig machten weil einem Jäger zwei Terrier die für die Wildschweinjagd waren sich selbstständig machten und ein paar Schafe schwer verletzten oder töteten. Jeder hatte keinen solchen Hund und diese Hunde gehörten sofort erschossen und und und.
Aber 14 Tage später war das mit Bruno diesem Braunbären und da standen die selben Leute hinter Bruno dem armen Bär, da war es egal ob er Schafe riss oder Hühnerställe verwüstete, und die Leute die dort lebten und die Kinder nicht mehr raus liesen waren alle doofe Leute. ALso ehrlich ich hätte da nicht in der Nähe sein mögen wenn der Bär dort herumstrolcht. Und es war ja kein gewöhnlicher Bär er war von Menschen aufgezogen und fürchtete sie nicht, welcher Zoo will so einen, als Einzeltier ihn zu halten wäre Tierquälerei, ihn zu anderen dazu zu tun wird nicht gehen weil er sich nie richtig integrieren will. Man kann nicht so einfach Tiere zusammen tun.

Heute kann ein Jäger nur Fehler machen, macht er was gegen den Wolf ist er der Böse macht er nichts und es kämen gar Menschen in Gefahr dann heißt es warum haben die Scheiß Jäger zugesehen.

Aber mal von der Natur das der Wolf Schafe frißt abgesehen.
Bei uns war und ist es bestimmt immer noch so daß es uns vor Wochenden wo es von Freitag auf Samstag oder von Samstag auf Sonntag schöne Sommernächte gab grauste, irgendwas war immer.
Den Jungen Leuten ist nach der Disco so langweilig und da kommt so eine ruhige Gegend doch wie gelegen. Sie machen überall Ihre Lagerfeuer zerdeppern Flaschen, das ist noch das geringste. Sie hoben Gullideckel aus und zwei mal sind uns da Schafe reingefallen, sie öffneten die Netze nach innen so das am nächsten Morgen Lämmer und Schafe sich darin aufhängten, einem Schaf hing mal am Hals ein riesen Fetzen raus, dann stahlen sie den in eingesperrten Bulldog im Schafstall und fuhren in die eingepferchte Schafherde. DAs uns immer wieder Weidezäune samt Stromgerät fehlten schreibe ich jetzt eher anderen zu, nämlich denen die sich mit Schafen auskennen und sowas dann vielleicht irgendwo verticken oder selber brauchen. Und in der BSE Zeit wurden uns immer wieder Schafe rausgestohlen man hörte dort hinten immer wieder Schüße und an Blutlacken und heruntergedrückten Zäunen wußte man das sie welche gestohlen hatten. Auch in der Zeit wo unsere lieben Landfahrer hier gastieren fehlen immer Schafe und ich möchte nicht wissen was die mit denen machen den das sind Leute die auf grausamste Weise Schächten. Aber in der Zeitung steht immer erst nach 14 Tagen "wie erst jetzt bekannt wurde, wurden einem Schäfer einige Schafe geklaut".
Hauptsächlich für diese Mitmenschen freut es mich das Schäfer Herdenschutzhunde einsetzen auch wenn ich da bedenken hätte mit meinem Hund vorbei zu gehen ich wünschte es würden mehr Schäfer machen.
Im übrigen ist und bleibt ein Herdenschutzhund ein Herdenschutzhund und den abzuketten und dann in einem Dorf oder gar in der Stadtwohnung zu halten ist Tierquälerei.
herzliche Grüße
Erika mit Lux und Ricky im Herzen

Wenns nur olle so waradn, wia i sei soiad.

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Re: Herdenschutzhund

#4

Beitrag von kraut_ruebe » Di 6. Aug 2013, 09:34

in österreich werden da und dort noch welche eingesetzt und es gibt auch ne fachschule für HSH für bestmögliche erziehung: http://www.herdenschutzhund.at

scheint so als würden diese tiere wieder mehr gebraucht.
wenn du denkst, abenteuer sind gefährlich, dann versuchs mal mit routine. die ist tödlich. (coelho)

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Manfred
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Re: Herdenschutzhund

#5

Beitrag von Manfred » Do 29. Aug 2013, 17:56

Die Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde stellt sich vor.

Am 29.10.2011 trafen sich in Borgisdorf in Brandenburg acht Schäfer , Schafhalter und Freunde der Schafhaltung um einen Verein für das Herdenschutzhundewesen zu gründen.
Zusammengeführt hatte sie alle der Wunsch, ihre Schafe vor übergriffen durch Wolf und Co zu schützen.
Eine Möglichkeit ist der Einsatz von Herdenschutzhunden auch Hirtenhunde genannt. Die Population dieser in einer Schafherde lebenden und arbeitenden Hunde ist aber in Deutschland noch sehr klein und die Rassen vielfältig. So wuchs die Erkenntnis, dass man die Zucht in geordnete Bahnen leiten muss, um Inzucht zu vermeiden und die guten Eigenschaften der vorhandenen Hirtenhunde, die in der Herde arbeiten, zu erhalten, sei es ein Pyrenäenberghund, Tornjak, Maramano, Akbasch oder Kaukase.

Im Vorfeld wurde eine Satzung erarbeitet, die in Borgisdorf überarbeitet und beschlossen wurde.
Zum Vorsitzenden wurde Schäfermeister Knut Kucznik gewählt. Kassenwahrt wurde Schäfermeister Frank Hahnel, Schriftführerin Frau Liane Körner, und um das Zuchtbuch kümmert sich Frau Diplom Agraringenieur Linda Scholz.

Der Erfahrungsaustausch, Schulungen im Umgang mit diesen Hunden aber auch die Hilfe für unsere Mitglieder, ihre Herdenschutzhunde gegenüber Behörden und Ämtern als Wolfsschutzmaßnahme anerkannt zu bekommen, sind unser Tätigkeitsfeld.
Unsere Mitglieder kommen inzwischen aus unterschiedlichen Bundesländern, so dass sie sich die erfolgreiche Arbeit dieser Hunde auch bei ihnen vor Ort anschauen können.
Werden sie Mitglied oder Fördermitglied und profitieren sie von unserem Streben, Weidetiere vor dem Wolf zu schützen.
Besuchen Sie unseren Stand auf dem Bundeshüten der VDL. Allen Schäfern allzeit gut Weid.

Finanziell unterstützen können sie den Verein mit einer Spende auf das Konto der AG Herdenschutzhunde bei der Volksbank Fürstenwalde-Seelow:
Bankleitzahl 170 924 04, Kontonummer 701 953 0
Kontaktadresse des Vereins:

AG Herdenschutzhunde
Knut Kucznik
Schäferweg 1
15345 Altlandsberg
Tel.: 0172 3104194
Mailkontakt: Frank.Hahnel (at) gmx (Punkt) de

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Re: Herdenschutzhunde

#6

Beitrag von Rallymann » Do 29. Aug 2013, 18:12

Wie ist da eigentlich die rechtliche Seite?

Beisst mein Hund einen Einbrecher wirds teuer für mich.
Was wenn sich ein Wanderer der Herde nähert und es mit einem Hund zu tun bekommt, der ohne Herrchen nicht abgerufen werden kann ?

DerElch

Re: Herdenschutzhunde

#7

Beitrag von DerElch » Do 29. Aug 2013, 18:26

erika...der wolf ist nicht lieb und nicht nett ;) sondern ein seinem instinkt folgendes raubtier...er wird aber oft zu unrecht verteufelt.
Und bloss weil er einigen nicht ins konzept passt,muss man ihn nicht gnadenlos niederbuegeln.Man kann auch pro wolf sein und die gegenseite verstehen...wo mein persönliches verständnis fehlt ist..wenn die contra wolf fraktion genau zwei argumente hat(der gehört hier nicht her,der hat hier keinen platz) und nicht bereit ist,sich mit dem Tier Wolf zu befassen so das man lösungen erarbeiten kann die BEIDEN seiten etwas bringen.

Die Herdenschutzhunde sind da ganz bestimmt ein Anfang in die richtige richtung.(hat auch lange genug gedauert)

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Re: Herdenschutzhunde

#8

Beitrag von Manfred » Do 29. Aug 2013, 18:32

@Rallymann:
Auch wegen solcher Fragen wurde der Verein gegründet.
Aktuell würde ich einen Herdenschutzhund nur anschaffen, wenn sich die Betriebshaftpflicht schriftlich bereit erklärt, mögliche Schäden zu übernehmen. Sonst geht man ein unkalkulierbares Risiko ein. Ein schwer verletzter oder getöteter Mensch bedeutet schnell ein Schadensvolumen, dass den Betrieb kostet. Und selbst wenn die Schafe nachts gekoppelt sind und 3 bellende Hunde brav innen vor dem Zaun stehen: Wer kann sicher ausschließen, dass sich nicht doch ein Depp findet, der da im Vollsuff rein steigt?

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Re: Herdenschutzhunde

#9

Beitrag von smallfarmer » Do 29. Aug 2013, 19:02

Ich hab da zwei Bekannte die sich Herdenschutzhunde anschaffen mussten. Der eine wegen zweibeinigen Räubern, der andere wegen Luchsschäden.
Seitdem scheint Ruhe eingekehrt zu sein. Aber was ein Aufriss, wenn du zu dem einen in den Stall willst, wo die zwei Kaukasen wohnen.............. :motz:
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Re: Herdenschutzhunde

#10

Beitrag von Reisende » Do 29. Aug 2013, 21:00

zu dem thema gabs auch grade einen spannenden artikel in der schafzucht.
es wurden verschiedene tests angestellt und dabei ist herausgekommen, dass die herde....

a) zwischen schutzhund und hütehund unterscheiden kann, sich daher weder dauergestresst fühlt noch schwieriger zu hüten ist
b) sich in anwesenheit eines hsh messbar sicherer fühlt (die schafe bewegten sich freier und legten größere distanzen zurück und nahmen mehr futter auf)

fazit:
in von hunden geschützten herden ist die nutzung des futters verbessert, es wirkt sich positiv auf die gewichtszunahmen aus und der gesundheitszustand verbessert sich ebenfalls, so dass die behandlungskosten sanken.

die sprecherin und wolfsexpertin der amerk. umweltschutzorganisation "defenders of wildlife" wird mit folgendem satz zitiert:
hsh sind die beste nicht letale methode zur beutegreiferkontrolle
da ich laktose und gluten hervorragend vertrage, leiste ich mir als ausgleich dafür einige intoleranzen im zwischenmenschlichen bereich.

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