Westerwälder Kuhhund

Theorie und Praxis zu Hunden, die gezielt zur Arbeit eingesetzt werden
Adjua
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Re: Westerwälder Kuhhund

#21

Beitrag von Adjua » Mi 8. Aug 2018, 22:33

centauri hat geschrieben:Komischer Hund. Ohne Rumfässchen! :)
Eindeutig ein ortsfremder Migrant - noch so ein Deitscher im Heiligen Land :pfeif:

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Re: Westerwälder Kuhhund

#22

Beitrag von Adjua » Mo 22. Jul 2019, 14:11

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Unser kleiner Hund ist mittlerweile groß geworden. Hier auf der Alm in diesem Jahr - solche Steigungen sind bei uns grundsätzlich nicht unüblich, dort laufen auch Kühe herum, weswegen die Arbeit an Kühen bisher an der Schleppleine erfolgt - die Kühe dürfen auf keinen Fall zu schnell werden, und unser Hund lernt gerade Ruhe und punktgenaue Abrufbarkeit auch an Tieren.

Er ist aber auch jetzt schon eine Lebensversicherung an Kühen. Man kann ihn bereits 25 m von der Herde entfernt ablegen, während Thomas die Kühe zählt und sichtet. Würde eine Kuh angreifen, wäre er schneller dort als Thomas den Stock heben kann.

Er hat die Tiere immer im Blick. Selbstbewusste Kühe greifen ihn anfangs immer an. Erst die Leitkuh dann ein paar andere Kühe, auch gleichzeitig, das ist kein Problem für ihn. Er taucht unter dem Horn weg und kneift sie ins Maul, nach ein paar Erlebnissen dieser Art dreht die Kuh ab und versucht es nicht mehr oft.

Schwieriger ist es mit sehr scheuen Kühen, die er holen müsste. Dafür würde er noch zu schnell treiben, das machen wir heuer noch nicht.
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Re: Westerwälder Kuhhund

#23

Beitrag von Adjua » Mo 22. Jul 2019, 14:49

Im Frühjahr waren wir bei seinem Züchter, der uns erlaubte, mit unserem Hund an seinen Kühen zu trainieren. Dort durften wir auch die Verwandtschaft kennenlernen, welche mittlerweile unter http://www.freilandvieh.com zu besichtigen ist. Alle Bilder auf dieser Webseite habe ich im Verlauf unseres Aufenthalts gemacht.

Baldur hat uns im Laufe des Trainings alles gezeigt, was ihm angeboren sein sollte - den Mut, an Kühe zu gehen, die Fähigkeit, seinen Hirten unbedingt zu verteidigen (wenn eine Kuh angreift, braucht er keinen Befehl), und den Griff an Schnauze und Fessel, ohne Verletzungen zu verursachen.

Was noch nicht klappte, ist der Abstand, den er zu den Tieren halten soll, damit sie nicht zu schnell werden, und damit es zu keinen unnötigen Kampfhandlungen kommt. Das ist aber bei diesen Hunden in der Jugend keineswegs ungewöhnlich, angeblich sind da "Abstand" und "Langsam" selten Lieblingswörter.

Dafür sind zwei Hochlandrinder auf einmal, die im vollen Galopp auf ihn zupreschen in der Absicht, ihn umzubringen, überhaupt kein Problem für ihn - 2 Minuten später laufen sie dorthin, wo er sie haben will.

Seine Halbschwester Arwen, die ein Jahr älter ist, und sein Vater Ingo haben uns beeindruckende Proben ihres Könnens geliefert.

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Re: Westerwälder Kuhhund

#24

Beitrag von Adjua » Mo 22. Jul 2019, 14:55

Die letztjährigen Welpen wurden übrigens alle, wie beabsichtigt, an Tierhalter abgegeben. Heuer gab es einen neuen Wurf, noch einmal Vollgeschwister von Baldur. Offenbar hat sich diese junge Zucht sehr schnell sehr gut etabliert - der diesjährige Wurf wurde nicht mal inseriert und war trotzdem hoffnungslos überbucht. Daher gingen alle fünf Welpen ausschließlich an Rinderhalter.

Man muss auch sagen, dass es keinen engagierteren Züchter geben kann als Leon Scholl - der sich wirklich nach Kräften bemüht, seine Welpenbesitzer zu unterstützen. Wir waren nicht die einzigen, die bei ihm trainieren durften.

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Re: Westerwälder Kuhhund

#25

Beitrag von Adjua » Mo 22. Jul 2019, 15:18

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Charakterlich ist er nach wie vor ein Traum. Wenn man so einige Webseiten über Westerwälder Kuhhunde liest, gewinnt man den Eindruck, dass sie in jeder Lebenslage bissig und scharf sein müssen, damit sie an Kühe gehen.

Unser Hund kann sehr gut zwischen Mensch und Kuh unterscheiden - Kühe sind für ihn ernst, da hält er sich für die Ordnungsmacht. Mit Menschen kann man meistens spielen. Genauso benimmt er sich auch - alle Leute die ganz normal zu uns kommen, sind Freunde, und werden begrüßt, wenn man es ihm erlaubt.

Für einen Schneeball akzeptiert er sogar Befehle von dreijährigen Kindern :). Unsere Feriengäste waren begeistert. Er hat niemals gedroht oder gar gebissen.

Wenn jedoch jemand kommt, um betrunken zu stänkern, sieht man plötzlich einen bösen Hund. Und einen sehr energischen und entschlossenen Hund sieht man, sobald eine Kuh angreift.

Allerdings geben einem diese Hunde in jungen Jahren einige Nüsse zu knacken. Gerade die Herren der Schöpfung testen ihre Grenzen ausgiebig aus, die Jagdleidenschaft wäre sehr wohl angeboren, mit spontanen "Aktionen" ist immer noch jederzeit zu rechnen. Das berichten auch einige Besitzer von Baldurs Brüdern, mit denen wir in Kontakt sind. Mangelndes Selbstbewusstsein oder zu wenig Eigeninitiative sind nicht die Probleme, die wir alle haben.

Auf der anderen Seite zeigen alle diese Hunde einen ausgeprägten Willen zur Zusammenarbeit - so ungern Sie sich manchmal unterordnen, so gerne wollen sie entsprechen und ihren Oberen gefallen.

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Re: Westerwälder Kuhhund

#26

Beitrag von Adjua » Mo 22. Jul 2019, 15:30

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Ein bisschen Ahnenforschung haben wir auch betrieben. Der Hund in der Mitte ist August von Streitwasser, genannt der Heinzelmann. Leider heuer verstorben im Alter von 14 Jahren. Er war Baldurs Großvater mütterlicherseits. Ein toller Hund, der mit Milchkühen gearbeitet hat.

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Re: Westerwälder Kuhhund

#27

Beitrag von Minze » Mo 22. Jul 2019, 16:20

Ein ganz besonders schöner Hund ist das geworden, danke für das update.
Liebe Grüße
Minze

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Re: Westerwälder Kuhhund

#28

Beitrag von Adjua » Mo 22. Jul 2019, 18:22

Danke, Minze. Dass er ein bildhübscher Hund geworden ist, fällt unter Draufgabe. Das ist das Erbe seiner Mutter - die hat immer schöne Gesichter gemacht und allen mehr Substanz mitgegeben als die Väter hatten.

Die hatte heuer ihren letzten Wurf und ist jetzt in ihrer wohlverdienten Pension. Wird natürlich behalten.

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Re: Westerwälder Kuhhund

#29

Beitrag von Manfred » Mo 22. Jul 2019, 21:52

:) :daumen:

Das freht mich, dass er sich so gut macht.
Die Zeit, die ihr in den Hund investiert, ist nicht ohne.
Aber in ihrem Gelände wird sich das bezahlt machen.


Hier sind einem Freund, der gerade mit der Mutterkuhhaltung angefangen hat, 5 jünge Fräsen ausgebüchst.
Standen zum ersten Mal im neuen Betrieb auf einer für sie neuen Weide direkt an der Kreisstraße.
Ein Nachbar hat den Ausbruch gesehen. Lange Kolonne Motorradfahrer mit laut heulenden Motoren.
Erst haben sie vor Angst gezittert und dann sind sie ab.
4 Reihen 2,5 mm Stahldraht.
Einfach durch. 2 Drähte gerissen.
Dann war die Bande 4 Wochen weiträumig unterwegs und hat extrem scheu reagiert, bis es gelungen ist, sie "großräumig" mit einem mobilen Elektrozaun zu umzingeln. Da hat er dann eine Ladung Panels rein gestellt und sie angefüttert, bis sie wieder zutraulicher wurden und in den Panels eingesperrt und verladen werden konnten.
Da hätte es aber schon einen sehr guten erfahrenen Hund gebraucht, der weitgehend alleine arbeiten kann.
Die meiste Zeit hatten sie sich irgendwo im Wald im Unterholz versteckt.
Einen Border-Arbeitslinie-Züchter hatte er angefragt. Der meinte aber, seine Hunde könnten nur auf Sicht und Kommando arbeiten.

Der hier hätte es evtl. gepackt, wenn er auf Sicht dran gekommen wäre.
Wahnsinns Leistung:
https://www.facebook.com/dagleyranch/vi ... &theateres
(Ein Australian Cattle Dog?)

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Re: Westerwälder Kuhhund

#30

Beitrag von smallfarmer » Mo 22. Jul 2019, 21:55

Schade das man von deinem Hund nur die Front sieht. Gerade der Kopf ist phänotypisch nichts was zu einem Westerwälder Kuhhund passt. Der sieht aus wie ein Bärchen. Dagegen sehr typisch sind die zwei Hunde jeweils ganz rechts und links vom letzten Bild. Ich mach mal Bilder von den noch hier lebenden Hunden.
Eine Alp als Trainingsgelände erschwert die Sache sehr, das verzeiht keinen Fehltritt.
Die Zeit für das Glück
ist Heute, nicht Morgen.
David Dunn

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