Beispiele für alternatives Bauen?

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Manfred
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Re: Beispiele für alternatives Bauen?

#161

Beitrag von Manfred » Mo 23. Nov 2020, 17:36

emil17 hat geschrieben:
Mo 23. Nov 2020, 11:04
Üblich, materialgerecht und auch Stand der Technik ist mit doppelter Nut und Feder und Dichtband in der Mitte,
Genau das machen sie ja.
Wenn ich es richtig versteht, geht es bei der zusätzlich ausgeführten Fugen-Ausschmiererei um Schmutz und Insekten, bzw. das Verhindern des Festsetzens derselben.
Vertiefen möchte ich das aber nicht. Ich finde solche Häuser ganz nett anzusehen, aber darin wohnen möchte ich nicht unbedingt.
Am ehesten noch in der Variante aus rechteckigen Balken.
Persönlich gefallen mir die "neuen" Massivholzwand-Systeme (Holz100, MHM, etc.) besser.

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emil17
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Re: Beispiele für alternatives Bauen?

#162

Beitrag von emil17 » Mo 23. Nov 2020, 18:33

Manfred hat geschrieben:
Mo 23. Nov 2020, 17:36
Genau das machen sie ja.
guck genau hin: da werden bloss zwei flache Nuten in den Unterbalken gefräst, damit die Dichtstreifen nicht gequetscht werden.
Nut und Feder sehe ich nirgends.
Wenn zudem die Mitte der Balken nicht zurückgesetzt ist, dann kann es nach Abschwinden des Holzes leicht sein, dass nur die Balkenmitte Last überträgt - weil ja Holz im Umfang mehr schwindet als im Radius.
Das gäbe dann offene Fugen und die machen sie mit Dichtungsmasse zu.
Jede Art von Dichtmasse geht auf Massivholz nach einigen Jahren am Wetter ab - ausser Teer, was keiner an einer Holzfassade wollen kann.
Manfred hat geschrieben:
Mo 23. Nov 2020, 17:36
Wenn ich es richtig versteht, geht es bei der zusätzlich ausgeführten Fugen-Ausschmiererei um Schmutz und Insekten, bzw. das Verhindern des Festsetzens derselben.
Das kann so nicht funktionieren, weil problematische Insekten auch in die unvermeidlichen Schwindrisse gehen. Deshalb helfen auch aufgepinselte Schutzfarben nichts. Aber neu sieht es natürlich "sauber" aus.
Manfred hat geschrieben:
Mo 23. Nov 2020, 17:36
Persönlich gefallen mir die "neuen" Massivholzwand-Systeme (Holz100, MHM, etc.) besser.
Ist natürlich Ansichtssache.
Ich wohne in einem 180 Jahre alten Blockhaus (rechteckig bebeilte Balken) und die Fugen sind bis auf wenige Ausnahmen, wo man drehwüchsiges Holz verbaut hat, dicht. Dem kann man natürlich mit Verleimtware auskommen, damit wird die Konstruktion auch weniger anfällig auf mangelndes Fachwissen - Holzfehler am Bauplatz zu erkennen ist eine der Fähigkeiten, die man erst nach langer Berufserfahrung haben kann.
Die grosse Frage ist aber, ob das in Würde altern kann.
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Manfred
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Re: Beispiele für alternatives Bauen?

#163

Beitrag von Manfred » Mo 23. Nov 2020, 19:55

Ich hab mir das gerade nochmal angesehen.
Hast recht...
Ich hatte ein anderes Bild im Kopf.

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Re: Beispiele für alternatives Bauen?

#164

Beitrag von Manfred » Di 1. Dez 2020, 15:28

Das Hobbit-Haus in Hohenthann (Landkreis Landshut) soll abgerissen werden, weil es Bauvorschriften nicht erfülle und nicht ins Landschaftsbild passe:

https://www.facebook.com/rtdeutsch/vide ... 2952162595

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Re: Beispiele für alternatives Bauen?

#165

Beitrag von emil17 » Mi 2. Dez 2020, 10:55

Schade drum.
Mich würde interessieren, mit welchem argumentatorischen Klimmzug das Gericht so einen Bau bestehen lassen könnte, ohne die zuständige Behörde, damit die exekutive Staatsgewalt und letztlich auch sich selbst in Frage zu stellen.
Geltendes Recht (hier Bauvorschriften) kann ja nicht verhandelbar sein.
Das mit dem Landschaftsbild ist ein Scheinargument, denn sonst hätten die Abrissbirnen in Deutschland (und auch hier in der Schweiz) ziemlich viel Arbeit.
Hoffentlich haben die mutige Richter.
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Re: Beispiele für alternatives Bauen?

#166

Beitrag von Küstenharry » Mi 2. Dez 2020, 12:41

Na ja. Das ist Siedlungsgebiet, bestimmt mit Bebauungsplan.
Und da kann man nicht einfach so bauen.
Wir sind in Deutschland. Bauvoranfrage mit Statik und die Sache hätte im Vorfeld geklärt werden können.

https://www.sueddeutsche.de/bayern/hohe ... -1.5122224
https://www.youtube.com/watch?v=nnTyRmGFtaU
Gruss von der Küste

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Re: Beispiele für alternatives Bauen?

#167

Beitrag von Küstenharry » Mi 2. Dez 2020, 12:46

Mein Thema momentan.
Alternative Dämmstoffe.

Hat schon mal jemand mit Seegras isoliert?
Für unsere neue Massivholzhausfertigung benötigen wir noch einen alternativen Dämmstoff, möglichst einblasbar.

Einblasstroh 100,-/m³
http://www.istraw.de/iso-stroh

Einblasseegras aus dem Mittelmeerraum 170,-/m³
https://neptugmbh.de/was-ist-neptutherm/
Gruss von der Küste

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Re: Beispiele für alternatives Bauen?

#168

Beitrag von emil17 » Mi 2. Dez 2020, 15:43

Küstenharry hat geschrieben:
Mi 2. Dez 2020, 12:41
Na ja. Das ist Siedlungsgebiet, bestimmt mit Bebauungsplan.
Und da kann man nicht einfach so bauen.
Wir sind in Deutschland. Bauvoranfrage mit Statik und die Sache hätte im Vorfeld geklärt werden können.
Du wirst keine Statik für so was berechnen können, mangels definierter geometrischer Formen und wegen spontaner Wahl von Ausgangsmaterialien. Keine Statik - keine Genehmigung.
Mit viel Glück kann es sein, dass man ein offenes Amt dafür findet.
Das gleiche Problem hast du, wenn du Wände aus selbstgestampftem Lehm und einer Dämmung vor Ort gemacht bauen willst, egal wie gut das in Wirklichkeit ist: Die wollen Energienachweise nach Norm xy, und dazu musst du Datenblätter von einer staatlich anerkannten Prüfstelle beibringen. Dann kommt noch die Geschichte mit Brandlast und Feuerwiderstand.
Zudem dürfte nur ein Architekt vorlageberechtigt sein, und der nimmt Honorar dafür.
Wo käme man denn hin, wenn da einfach jemand mit Lehm und Holz baut und mit trockener Fichtenstreu dämmt, bloss weil das da wo man baut massenhaft herumliegt?
Wenn du statt dessen Betonsteine und Styropor von DuPont nimmst, kriegste alle Zulassungen sofort und das Amt wird dich lieben, weil du nicht mit etwas lästig wirst, was die nicht kennen. Im Sondermüllhaufen wohnen tust nachher du allein.
Kann sein, dass das mit Stroh oder Einblasdämmung aus Sägespänen mittlerweile etwas besser geworden ist.
Wer will, findet einen Weg. wer nicht will, findet eine Ausrede.

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Re: Beispiele für alternatives Bauen?

#169

Beitrag von Küstenharry » Mi 2. Dez 2020, 20:53

Es macht das Bauprojekt einfacher, wenn man mit bauaufsichtlich zugelassenen Baustoffen baut.
Das Problem habe ich gerade mit diesem schönem Seegras hier.
https://www.seegrashandel.de/
Das können wir gewerblich mit Gewährleistung nur mit Zulassung im Einzelfall verbauen.
Also nix für die automatisierte Produktion.

Beim Lehm sieht es schon wieder anders aus, wenn man nach den anerkannten Lehmbauregeln arbeitet.
Bauvorschriften zum Lehmbau
Um den Einsatz von Lehm als Baustoff zu fördern und zu erleichtern, setzt sich der Dachverband Lehm für die Entwicklung neuer Produkte, Verfahren, Techniken und Konstruktionen sowie die Erhaltung der ökologischen Qualität des Baustoffs ein.

So haben wir 1999 die »Lehmbau Regeln« herausgegeben – als erste, am aktuellen Stand der Technik orientierte technische Regel in der Europäischen Union. Die »Lehmbau Regeln« formulieren konkrete Bauvorschriften zum Lehmbau, die in Deutschland seit dem Wegfall der entsprechenden DIN seit 1971 fehlten. Die Fachkommission Baunormung der ARGEBAU hat beschlossen, die »Lehmbau Regeln« in die Musterliste der Technischen Baubestimmungen aufzunehmen. Die »Lehmbau Regeln« sind inzwischen in 11 Bundesländern bauaufsichtlich eingeführt.

Die »Lehmbau Regeln« dokumentieren den heutigen Stand des Bauens mit Lehm in Deutschland. Ausgehend von Begriffsdefinitionen behandeln sie die Prüfung von Baulehm, die Zusammensetzung, Verwendung und Prüfung von Lehmbaustoffen, die Konstruktion und Ausführung von Lehmbauteilen sowie Putzsysteme und den Trockenbau mit Lehmbaustoffen. Im abschließenden Kapitel sind Stoff- und Bauteilwerte (u.a. Schall- und Brandschutz) zusammengefasst.

Dieses Projekt wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert.
Für uns Privat haben wir die Strohballen nicht zertifizieren lassen, gewerblich sieht das anders aus.
Ok, meine Frau hat dafür auch Unterschrieben und den Stempel untergesetzt.
Gruss von der Küste

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Re: Beispiele für alternatives Bauen?

#170

Beitrag von emil17 » Mi 2. Dez 2020, 21:15

Seegras liest sich interessant, vor allem wegen der Brennunwilligkeit.
Hier gäbe es ähnliche Materialien: Adlerfarn, Wald-Seegras (eine Segge, die dicht rasige Bestände im Unterholz mancher Laubwälder bildet und früher zum Stopfen von Bettinhalt usw. verwendet wurde), Riedwiesenmahd und so weiter.
Ich würde es gerne mal mit Lärchennadeln probieren, die kann man jetzt in Menge von Waldstrassen aufnehmen. Gibt angenehme Kissenfüllungen.
In Farn und Lärchennadel geht kein Ungeziefer rein.
Ein weiteres sehr vielversprechendes Material wäre geblähter Rindenmulch - das fällt in grosser Menge in der Forstwirtschaft oder in Sägereien an. Man könnte es z.B. mit Heissdampf unter Druck stark erhitzen und dann plötzlich entspannen, dann bekäme es korkähnliche Eigenschaften.
Die Zwischensparrenabstände meiner Alphütte habe ich mit Moos gedämmt - geht super.
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